• Strenge Erziehung wie früher

    Hallo zusammen, in der Schule diskutieren wir gerade das Schulsystem von früher. Unsere Lehrerin hat uns erzählt wie es wo vor 40/50 Jahren war. Sie hat auch davon berichtet, dass es "früher" wohl auch öfter mal einen hinter die Ohren gegeben hat und das die Lehrer auch Rohrstock benutzt haben. Meine Freundin meinte nach der Schule , dass wäre assozial…
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    warum hilft dann keiner ?warum schaun alle zu?

    dazu noch ne kurze Antwort: weil eben leider sehr viele auch Schlimmes erlebt haben und da hat ihnen auch keiner geholfen - wie ich schon gesagt habe läuft das ganze unbewusst ab, man gibt einfach das weiter, was man erlebt hat, und diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen.

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    Ich fand die Schläge gerade in der Pubertät schlimm. Man hält zwar körperlich mehr aus, aber irgendwo hatte das was von Kleinmachen obwohl man ja gerade am erwachsen werden war.


    Naja, so hab ich das ehrlich gesagt nicht gesehen. War zwar tierisch sauer, aber ich wusste ja genau dass ich ziemlichen Mist gebaut habe! Und ich hab schon seit ich 13-14 bin ein sehr starkes Selbstbewusstsein, so dass ich mich da in keinster Weise erniedrigt gefühlt habe. Mein Denken war einfach so, dass ich Mist gemacht habe, und dafür meine Abreibung bekam.

    Ich würd mal sagen, daß ich vom Selbstbewußtsein schon auch nicht so arm dran war. Aber auch in den Fällen, in denen mir bewußt war, daß ich Mist gemacht hab fand ich die Strafe überzogen. Wenn man schon selbst weiß, daß es nicht gut war was man gemacht hat, warum muß man dann noch so ein Donnerwetter über sich ergehen lassen und sich seine Tracht Prügel abholen? Einsicht ist doch auch was wert. In dem Alter ist es doch normal, daß man Fehler macht. Finde ich jedenfalls.

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    Wie wenn man sich in der 5. Klasse mit einem aus der 8. Klasse angelegt hat. Da bekam man genauso mal eine gescheuert, war aber meist doch selbst dran schuld^^

    Ich hab mich so eigentlich nie mit Älteren angelegt, außer mit meinem großen Bruder, aber da bin ich immer weggerannt :-p

    @ Sommertag

    Es ist toll, daß Du Dich so engagierst! Ich weiß nicht, ob man den Arzt anzeigen könnte, bin kein Jurist.


    Manchmal frage ich mich, ob mein Elternhaus auch etwas für's Jugendamt wäre. :-(

    @ Ludi84

    Ich hab mich ja nicht groß engagiert - habe das ja so direkt mitbekommen, und da halte ich es für selbstverständlich, da auch etwas zu tun. Im Gegenteil, ich mache mir noch im Nachhinein Vorwürfe, nicht mehr getan zu haben. Das ganze ist ja schon ne Weile her jetzt auch.


    Wie meinst du das mit deinem Elternhaus? Wie alt bist du denn? Oder hast du noch jüngere Geschwister? Oder meinst du da nur so im Nachhinein betrachtet?

    @ Sperminchen

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    wichtig fand ich für mich nach dieser situation, dass ich den kindern erklärt habe, dass die mama gerade einfach keine kraft mehr hatte....und dass ich mich bei ihnen entschuldigt habe! und ihnen auch gesagt habe, dass ICH einen fehler gemacht habe! danach musste keiner mehr schuldgefühle haben und der tag konnte friedlich weiter gehen!

    Das finde ich auch sehr wichtig. Wenn jemand dann im Affekt so etwas passiert, muss man sich unbedingt entschuldigen, dann können die Kinder das auch verzeihen. Und vor allem haben die Kinder dann selber die Schuldgefühle nicht mehr, die jedes Kind hat, wenn es geschlagen wird, denn es ist ja der Meinung, dass die Erwachsenen, denen sie anvertraut sind alles richtig machen. Und diese Schuldgefühle führen im späteren Leben zu weiteren Problemen und diversen Symptomen. Es ist doppelt schlimm, wenn die Eltern das Kind schlagen und sich nicht für dieses Fehlverhalten wenigstens entschuldigen.


    Es sollte zwar trotzdem nicht vorkommen, aber dass einem mal die Sicherungen durchgehen, kann ich noch eher nachvollziehen, als wenn hier Leute im 20. Jahrhundert immer noch Schläge oder "Klapse" (die Verniedlichung des Wortes macht es nicht besser) als Erziehungsmittel für gut heißen.


    Klapse können im übrigen auch physische Schäden hervorrufen, nicht nur psychische. Das hier habe ich eben gelesen:


    "Klapse können auch physische Schäden anrichten. Schläge auf das untere Ende der Wirbelsäule bewirken einen Schock der ganzen Wirbelsäule entlang und können subdurale Hämatome verursachen. Beschädigung von Nerven können zu Lähmungen führen."

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    Aber in der Regel hat ein leichter Klaps der körperlich nicht spürbar ist


    Warum ich das Kind nicht gleich schnappen und rausgehen würde?


    Weil ich es nicht einsehe, mir vom Nachwuchs ggf. den ganzen Besuch bei Bekannten versauen zu lassen nur weil er ne riesige Trotzphase hat.

    Die Trotzphase ist ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung eines Kindes. In dieser Phase beginnt das Kind zu erkennen, dass es ein selbstständiges Wesen ist und dass es einen Unterschied zwischen sich und dem anderen gibt. Eine solche Phase, in der das Kind den eigenen Willen entdeckt ist auch nicht leicht für das Kind und oft mit Gefühlchaos verbunden.


    Das Kind ist in diesem Alter noch zu unerfahren um seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen, es hat noch keine Konfliktlösungsstrategien erlernt.


    Der Erwachsene sollte eigentlich schon adäquate Konfliktlösungsstrategien drauf haben. Tja, wenn Du Deine Konflikte mit Klapsen löst. :-/

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    Einfache Kosten-/Nutzenrechnung.

    Kindererziehung ist kein Wirtschaftsunternehmen und Kosten-Nutzenrechnung ist hier fehl am Platz. Hier geht es um eine gute, von Liebe und Verständnis geprägter, Eltern-Kind-Beziehung.

    Ich wollte nochmal kurz was zu der ganzen Sache sagen:


    Ich möchte nicht, dass ihr nen falschen Eindruck von mir gewinnt. Ich verabscheue Gewalt und habe auch noch keine Kinder. Ich wollte lediglich mitteilen, dass mir *** nicht geschadet hat. Ich bin mir sicher, dass ich es anders sehe, wenn ich selber mal Mama bin.( Bin ein sehr emotionaler Mensch und ich bin mir sehr sicher, dass ich es nicht übers Herz bringen würde mein eigens Kind zu ***) Ich habe nen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.....

    Lancis


    Das ist eine berechtigte Frage und ich denke, dass sie sehr zum Nachdenken anregt. Traurig, dass kaum Antworten kommen. Unser Sohn hat im Moment auch so eine Phase, wenn er bockig ist, weil wir ihm was verboten haben, dann haut er. Ich halte dann seine Hand fest und sage ihm in ernster Tonlage, dass sich das nicht gehört. Dann schick ich ihn in sein Zimmer, wo es dann richtig Gebrüll gibt und er dann wieder zu uns kommt. Dann hock ich mich zu ihm und frag ihn warum er das gemacht hat. Er ist 2 und kann natürlich nicht dementsprechend antworten. Bis jetzt hat es auch noch nicht wirklich gefruchtet also so dann und wann will er schon noch hauen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das noch hinkriegen. Er wird ja auch älter. ;-)


    Sommertag


    Deine Geschichte ist ja hammer. :|N Echt wahnsinn, dass manche so ignorant sind. Finde es super, dass du dran geblieben bist!


    Ich hab auch immer gesagt, dass mir die paar Klapse nicht geschadet haben und an meine frühe kindheit kann ich mich auch nicht erinnern. Aber ich weiß, dass ich später Angst hatte, schlechte Noten zu zeigen, besonders meinem Vater. Und ich denke heute, dass es damit zusammenhängt. Nicht nur Klapse sondern auch verbale Äußerungen von ihm.


    Ich werde mein bestes geben, dass das meinem Sohn erspart bleibt. Er testet unsere Grenzen im Moment auch sehr gut. Und manchmal muss ich die Tür einfach mal zu machen, tief durchatmen um runterzukommen, bevor ich irgendwas tue, was ich bereue.


    Ich höre auch von meinen Eltern, dann muss er mal was auf den Hinter bekommen. Aber ich bin der Meinung, dass das nur das Gegenteil bewirkt. Z.B. wenn er mich hauen will und ich zurückhaue, dann wird es nen Kreislauf ohne Ende. Also wird die Hand festgehalten und geschimpft.


    Er wird ja größer und verständnisvoller und dann versteht er auch immer besser, wenn man ihm erklärt warum man bestimmte Dinge nicht tut.

    Ja gut, sowas direkt mitzukriegen ist schon übel. Ich mein nur, weil Du geschrieben hast, daß Du Dich eben öfter noch beim Jugendamt gemeldet & nachgefragt hast. Das würde, denke ich, nicht unbedingt jeder machen. Aber Du kanntest das Kind offenbar auch?


    Tja, nachher ist man ja immer schlauer.

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    Wie meinst du das mit deinem Elternhaus? Wie alt bist du denn? Oder hast du noch jüngere Geschwister? Oder meinst du da nur so im Nachhinein betrachtet?

    Im Nachhinein betrachtet, aber ich habe auch noch jüngere Geschwister (die jüngste ist 14). Ich selbst bin jetzt 24 und froh gewesen mit 18 ausgezogen zu sein. Meine beiden angrenzenden Geschwister (älterer Bruder & jüngere Schwester) sind auch recht früh ausgezogen, wobei das bei uns jetzt auch einfach ist, weil unseren Großeltern ein Haus mit Wohnungen gehört. Ich weiß aber, daß es auch daran lag, daß sie keinen Bock mehr auf unsere Eltern hatten.


    Das mit dem Schlagen war halt so ne Sache. Mein großer Bruder war "braver" als ich, also hat er auch nicht so viel abbekommen. Es ist jetzt auch nicht so, daß ich krankenhausreif geschlagen worden wäre oder am ganzen Körper blaue Flecke gehabt hätte. Aber ich hab doch öfter mal ne Backpfeife bekommen. Ich wollte immer, daß meine Eltern stolz auf mich sind, war sehr gut in der Schule & hab mich z.B. bei feierlichen Anlässen immer möglichst gut benommen. Aber das haben sie irgendwie nie anerkannt :|N


    Scheiße, wahrscheinlich will ich das unterbewußt immer noch :-/


    Also der "Psychoterror" war jedenfalls auch nicht ohne. Meine Mutter wollte z.B. auch nicht, daß wir masturbieren und ist dann manchmal unangekündigt ins Zimmer gekommen und solche Sachen. Das darf man anderen eigentlich gar nicht erzählen :|N

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    Meine Mutter wollte z.B. auch nicht, daß wir masturbieren und ist dann manchmal unangekündigt ins Zimmer gekommen und solche Sachen.

    :|N


    das erinnert mich, daß ich als kleines kind (ich glaub, da war ich noch nicht mal im kindergarten) immer gern mein "spatzi" "gemolken" hab (oder auf deutsch gesagt: ich hab halt eben mit meinem eumel gespielt). meine mutter hat mir deswegen mal angedroht, ihn abzuschneiden, und hat dabei mit der schere herumgefuchtelt. war psychologisch auch eine echte glanzleistung von ihr :(v

    :°_


    Als ich noch klein war, war das zum Glück nie Thema. Erst mit Beginn der Pubertät, da sollten wir uns halt "unter Kontrolle haben".


    Das kann man von nem kleinen Kind, daß mit seinem Pimmel oder seiner Scheide spielt, ja nicht verlangen, das war zum Glück auch meinen Eltern klar.

    Zwecks der Tapetensache - ich würde mein Kind streng ermahnen - und sollte es immernoch (aus Trotz, Provokation oder 'weils grad so viel Spaß macht') weitermachen wollen, dann würde ich hingehen, es hochnehmen und auf meinen Schoß setzen (bzw. auf einen eigenen Stuhl) und finito. Dann dürfte es sich erstmal abregen und mir dann erklären, was das sollte.


    Ebenso wenn wir bei Bekannten wären... ich erinner mich durchaus an Momente, indenen es auch bei Freunden oder Bekannten mal Knatsch gab. Dann wurde ich entweder bei den Bekannten in ein extra Zimmer geschickt - oder ich musste mich halt an den Tisch bzw. auf die Couch setzen und mich dort abregen. Und dann gabs eine kurze Aussprache. Deshalb war noch lange kein Besuch versaut und wir sind auch nie wegen mir oder meiner Schwester vorzeitig irgendwo gegangen.


    Die 'akute' erzieherische Leistung wurde dann quasi vor Ort erbracht - die richtige Aussprache folgte dann nochmal zuhause.

    Körperliche Gewalt in der Erziehung ist ebenso ungerechtfertigt wie verbale Gewalt, die demokratische Erziehung(bei der aber auch wirklich auch alles immer ausdiskutiert werden muß) oder die komplett antiautoritäre Erziehung.


    Ein Kind braucht keine Eltern die dauernd ihre vermeintliche Vorbildfunktion (meist eh´nur zum Schein) demonstrieren müssen, sondern welche die sich und dem Kind gegenüber auch Ehrlichkeit beweisen und auch Schwächen eingestehen können. Ein Kind braucht da es ein eigenständiges Individuum ist, keine Erziehung welche sich nur strikt nach den vorgegebenen Grundsätzen und (Welt/Religion-) anschauungen der Eltern richtet, es braucht auch keinen permanenten Leistungsdruck, nur weil die Eltern meinen sie müssten Idealkopien von sich erziehen, (die es mal besser haben sollen als sie selbst.. zum k***!) Ein Kind benötigt nicht das Maximum an materiellen Dingen, diverse Vereins und Musikschulzugehörigkeiten oder drei Urlaube im Jahr.


    Ein Kind benötigt:Ehrlichkeit, Stabilität, emotionale Nähe, klar definierte Grenzen und Regeln, Erfolgserlebnisse,Zeit, Zuwendung,einen Zuhörer,Freunde, Eltern, die mit sich im Reinem sind, Einfühlungsvermögen, Verantwortung, Bildung, ein breites Weltbild, wichtige Erfahrungen und noch viele andere wichtige Dinge und natürlich das wichtigste Liebe und Verständnis.


    Das ist jetzt sicherlich klug und etwas hochtrabend dahergeredet, da mein Kind erst im Juni kommt.


    Jedoch sollten sich werdende und schon seiende Eltern mal Gedanken darüber machen, es ist nicht immer so, dass der liebe Nachwuchs die Fehler macht, sondern auch viele Fehler in der Lebensweise und den Auffassungen der Eltern der Umwelt, der Gesellschaft zu finden sind.


    Schläge sind niemals gerechtfertigt und zeigen nur die Schwäche und Hilflosigkeit der Eltern, Es gibt durchaus auch andere Methoden, die angewendet werden können, um dem Kind aufzuzeigen, das sein "Fehlverhalten" Konsequenzen hat. Nur müssen die Eltern da eben auch immer stark und permanent an sich selber arbeiten und lernen, behaupte ich mal.

    Okay, ich hab mich jetzt gerade durch die mittlerweile 15 Seiten gelesen und muss sagen, dass ich entsetzt bin. Zuerst zu mir: Ich bin mit Gewalt gross geworden. Ich habe mit 2 gesehen, wie sich meine Eltern geschlagen haben. Eine meiner ersten (!) Kindheitserinnerungen ist eine Szene im Kinderzimmer: Vatern sagt "Wenn ihr nicht sofort einschlaft, gibts ne Watsch!". Was passiert ist, weiss ich nicht mehr. Dann eine Situation, in der war ich 3 und einer meiner Brüder 2 Jahre alt: Meine Eltern hatten frischen Schwarzgebrannten gemacht und in einen Weinballon gefüllt. Der Schnaps war natürlich glasklar und in dem Weinballon im Schnee draussen zum kühlen hübsch anzusehen. Mein Bruder und ich dachten es sei Wasser gewesen und haben es Munter überm Komposthaufen verteilt. Und da gabs den Arsch voll. Ich habs verdrängt, aber der Kurze erinnert sich noch dran.


    Eine andere Situation habe ich verdrängt, ich weiss nurnoch, dass mein Vater nach Hause kam und mein Bruder und ich ihm unsere glühenden Hintern gezeigt haben. Sein nahezu uninteressierter Kommentar war lediglich "Oh, habt ihr Scheisse gebaut?". Irgendwann war dann die Trennung meiner Eltern, weil meine Mutter wollte, dass wir in einem "gewaltfreien" Umfeld aufwachsen.


    Nach besagter Trennung wohnte ich mit meinen beiden Brüdern bei meinem Vater. Der kam alleine (natürlich) nicht mit 3 Kindern klar: Ein Einjähriges, ein Dreijähriger, und ein Fünfjähriger; hat die beiden grösseren dann morgens in einen Kinderhort gefahren, den Kleinsten bei einer "Tagesfamilie" abgegeben. An die Zeit habe ich keine Erinnerung, wies zu Hause ablief, vermutlich, weil ich den Grossteil der Tageszeit im Hort verbracht habe.


    Danach hat mein Vater meine Stiefmutter kennengelernt und der Horror, der mich heute noch beutelt hat seinen Lauf genommen: Meine Stiefmutter war tatsächlich eine Stiefmutter wie aus Grimms Hausmärchen. Soll heissen: Die Kerle dürfen arbeiten, die eigenen Töchter nicht. Und wenn die Jungs mal nicht funktioniert haben, gabs die Androhung, Schläge mit dem Kochlöffel zu beziehen. Ob sies jemals gemacht hat, weiss ich nicht mehr. Mein Vater hat aktiv bei nämlicher Erziehung mitgeholfen, indem er auch öfters mal zugehauen hat. Wohin auch immer.


    Die ganze Schose ging natürlich auf die älteste Tochter meiner Stiefmutter über: Wenn sie auf uns aufpassen sollte (sie ist etwa 8 Jahre älter als ich), gabs regelmässig Hiebe. Das ging soweit, dass mein Bruder (ich nenn ihn jetzt mal J., er ist zwei Jahre jünger als ich) und ich uns verzweifelt "Kuschelkissen" in die Schlafanzughose gesteckt haben, um den Schlägen zu entgehen. Hat natürlich nichts gewirkt, Kissen raus, doppelte Ration Gewalt.


    Das Ganze hat sich tief in unserer Psyche verwurzelt und schon früh erste Anzeichen gezeigt: J. und ich haben uns früher beinahe nur (!) geprügelt. Und wenns denn nur bei Schlägen zwischen uns beiden geblieben wäre...Wir sind uns nachher mit Schürhaken und Messer hinterhergerannt. Ein ums andere Mal hat einer von uns auf dem Brustkorb des anderen gesessen und den Hals zugedrückt. Wir haben nämlich fälschlicherweise gelernt, dass Schläge einen Menschen dazu bringen, nett zu sein. So haben wir das zwar nicht gesagt, aber gezeigt bekommen.


    Diese Gewaltausbrüche zwischen uns gibt es nicht mehr, seit dem ich bei meiner Mutter wohne, weil meine Stiefmutter mich mit Gewalt (!) und miesen Sprüchen gegen meine Mutter rausgeekelt hat. Schläge bekomme ich mit meinen 17 Jahren von meinem Vater noch regelmässig angedroht. Ich hab vor noch nicht allzulanger Zeit mit J. in einem Bett gelegen und geweint, weil wir so erschüttert über unsere Kindheit waren.


    Gewalttätigkeit hat sich bei mir durch dieses Trauma so sehr dezimiert, dass ich eine furchtbare Devotion an den Tag lege: Ich wurde von Mitschülern monatelang gedemütigt und von einem sogar sexuell belästigt, bis ich mich zu einer einzigen Ohrfeige habe "hinreissen" lassen. Monate später hat mich diese Person so lange gewürgt, bis ich Sterne gesehen habe. Ergo: Gewalt führt zu verstörten Menschen!


    Eine Menge Sachen sind mir noch aufgefallen, als ich mich hier reingelesen habe:


    Zum Ersten: Es ist KÖRPERVERLETZUNG!!! Es ist eine widerliche, verachtenswerte und unglaublich Demütigende Tat, ein KIND zu schlagen. Ausserdem ist es WIDERRECHTLICH. Alles, was ich für Menschen übrig habe, die ihr Kind aus erzieherischen Massnahmen schlagen, ist Verachtung. Mir dreht sich der Magen um, wenn ich hier lesen, dass einige Leute sowas im Sinne einer Kosten/Nutzensituation sehen und sich lieber den Wanst vollhauen als mit dem Kind reden. Kein Problem, ich hau meinem Kind eben eine runter, dann darfst du mir das Dessert bringen. Kinder haben Trotzphasen, aber die sind doch nicht dazu da, um dem Kind zu zeigen, dass es schwach ist.


    Zum zweiten würde wirklich gerne Wissen, was ein leichter Klaps ist. Das einzige, was ich mir daruner vorstellen kann, kommt einem Streicheln ziemlich nah. Und wenn ich jetzt lese "Das ist, wenn man nicht allzufest haut, eben noch so, dass das Kind merkt, wer am längeren Hebel sitzt" (Himmel, ich habe diesen Spruch gehasst), dann verstehe ich wirklich nichts mehr. Warum muss man das Ego eines Kindes so furchtbar zerrütten!?


    Zum dritten muss ich wirklich sagen, dass ich mir wünsche, solche Eltern gehabt zu haben, wie Weidenfee sie hatte. Bei mir hat Gewalt nämlich furchtbare Sachen bewirkt: Gewaltfantasien. Gewaltfantasien, die sich mit einem Horrorstreifen messen könnten.


    Alles, was mir noch einfällt ist ein Appell an alle Eltern, die einen hier erwähnten "leichten Klaps" (oder schlimmeres) nicht als schlimm ansehen und durchaus als vernünftiges Mittel sein Kind zu erziehen ansehen: Jeder Klaps und jede Demütigung bewirken furchtbare Folgen. Schlagt eure Kinder bitte nicht, es muss doch irgendwie anders funktionieren!


    P.S. Ich kenne das mit dem runter- beziehungsweise hochzählen auch.


    Was ich aber immer besonders schlimm fand war bei einer nach meiner damaligen Ansicht vernünftigen Diskussion den Mund verboten zu bekommen. Das finde ich heute noch so schlimm, dass ich unwillkürlich meine Fäuste balle und anfange zu zittern.

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    Diese Gewaltausbrüche zwischen uns gibt es nicht mehr, seit dem ich bei meiner Mutter wohne, weil meine Stiefmutter mich mit Gewalt (!) und miesen Sprüchen gegen meine Mutter rausgeekelt hat. Schläge bekomme ich mit meinen 17 Jahren von meinem Vater noch regelmässig angedroht.

    Ist Dein kleiner Bruder auch bei Dir, weg von eurem Vater? Ich würde versuchen, den Kontakt ganz abzubrechen, sofern das möglich ist! Das ist ja wirklich schrecklich! :°_

    Mal ne kurze Geschichte, die ich vor ca 2 Jahren erlebt habe.


    Ich stehe so im Kik am Kleiderständer und guck mir ein paar Teile an, da kommt aufeinmel son junges Pärchen rein, mit 2 absolut hübschen Mädchen im Schlepptau. Die Älteste war so ca 4 Jahre, ihre kleine Schwester (saß im Buggy) ca 3 Jahre.


    Tja, was mir sofort auffiel, war der verwahrloste Zustand der Kinder (zudem hatte die Große ne riesen Platzwunde am Auge!!!), deren Klamotten im aboluten Kontrast zu denen ihrer Eltern standen. Die Eltern waren Top gekleidet, leider erkannte man an ihrer schlechten Blondierung, seinen Zahnlücken und beider großen Schnauzen, das die Beiden absolut das Unterste vom Untersten waren...


    Jedenfalls lief die Große mit den Eltern mit, und kaum das sie den Mund aufmachte, gab es von ihren Eltern (hauptsächlich die Mutter), Kommentare aller übelster Sorte. Zitat "Pack das hin, sonst setzt es was!", "Halt dein dummes Maul du Scheißkrabbe!" usw...


    Mir taten beide so leid, in ihren verdreckten Klamotten aus der Altkleidersammlung, den verdreckten Gesichtern und dem traurigen, ängstlichen und müden Blicken...


    Es waren so ca 10 Minuten vergangen (die Familie hatte die Aufmerksamkeit aller Anwesenden!), als die Große zu ihrer Mutter sagte: "Mama, guck mal!" und ihr nen Feenzauberstab aus Plastik zeigte (ich denke mal, sie wollte ihn haben). Worauf die Mutter in einem unmöglichen, fiesen Ton erwiederte: "Halt bloß deine blöde Fresse oder ich klatsch dich mit dem Kopf gegen die Wand!!!" So laut, dass es JEDER hören konnte...


    Da ist mir dann der Arsch geplatzt!


    Ich hin, die Kleine bei Seite genommen, die Alten von ihr zur Rede gestellt. Natürlich nur dumme Kommentare zur Antwort bekommen. Als die dann mit ihren Kids flüchten wollten, hab ich mich in die Tür gestellt und die Polizei gerufen...


    Tja, die waren dann auch hastig da und haben sich der Sache angenommen. Wären die nicht da aufgetaucht, ich weiß nicht, was ich mit der Mutter gemacht hätte!!!


    Ich meine, Beide waren sicherlich grausam zu den Kindern, aber ich finde es ehrlich gesagt schlimmer, das Frauen sowas ihren Kindern antun. Von Männern ist man Gewalt ja gewohnt. Sieh Kriege, Schlägereien, Kinder und die Frau verprügeln, die meisten Morde werden von Männern verübt, Vergewaltigungen usw... Machen ja meistens Männer... Aber ich finde es unverzeilich und absolut unverständlich, warum eine Frau, die 9 Monate einen kleinen Menschen in sich trug, diesen nur so abwertend behandeln kann...


    Ich hoffe nur, das es für die Mädchen gut ausgegangen ist und sie jetzt bei einer GUTEN Pfelegfamilie sind.


    Am liebsten hätte ich sie ja mitgenommen... Ich werde diese Augen nie vergessen...:°(