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    Und darüber hinaus, hast du nicht selbst erzählt, dass du so aufgezogen wurdest? Bist du auch ein Arschloserwachsener geworden?

    Auf alle Fälle scheint es ihm ein riesengroßes Bedürfnis zu sein, zu beweisen, dass er bei seinen Kindern jederzeit alles richtig gemacht hat.

    Unser ist 22 Monate alt


    -Wurde solange gestillt, wie er wollte


    - Hat bis zwölf Monate im Familienbett geschlafen obwohl mein Mann Angst hatte sich auf ihn raufzurollen


    - dann eigenes Bett in unserm Zimmer bis er alleine eingeschlafen ist und durchgeschlafen hat.


    - Er wird jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett gebracht mit immer dem gleichen Ritual ( dauert ca 3/4 Stunden). Für den mittagsschlaf variiert die Uhrzeit.


    - Zeit mit dem Papa ist uns auch sehr wichtig.


    - Viel Kontakt zu Kindern unterschiedlichen Alters ( Babyschwimmen, turnen, Frühstücksrunden)


    - Viel Zeit auch mit Großeltern, Urgroßeltern und generell Familie


    - Spielzeug steht im Wohnzimmer. Darf damit spielen, wie er möchte aber am Abend räumen wir es gemeinsam auf.


    - Wohnung hab ich jetzt nicht großartig umgebaut. Tabu ist auf die Tische klettern, katzennäpfe sowie Katzenklo, Herd und Büro.


    - Essen darf er alles was auf dem Tisch steht. Er liebt essen und ist sehr interessiert neue Dinge zu probieren. Finger oder Besteck ist noch egal. Einzige Regel hier: sitzen bleiben bis er satt ist. Wenn er sagt fertig, darf er aufstehen und spielen gehen.


    - wenn er zwischendurch mal etwas essen möchte, bekommt er auch etwas. Meist bringt er mir Obst, welches ich ihm dann schneide.


    - gewickelt wird immer, sobald aa in der Windel ist oder vorm und nach dem schlafen oder bevor wir losfahren. Inzwischen sagt er Bescheid, wenn der "Popo wieder schick" soll.


    - Töpfchentraining wirds nicht geben. Es steht da halt und er weiß auch wofür es ist aber draufsetzen möchte er sich nicht.


    - Draußen muss er oft an die Hand. Hier endet jeder weg an einer Landstraße, an jedem weg gibt es sehr tiefe Gräben. Überall fahren große Landmaschinen.


    Aufm Spielplatz, Wald oder wo es die Umgebung erlaubt, darf er sich frei bewegen.


    - Bestrafung gibt es nicht. Nur die natürlichen Konsequenzen. Wer sein spielzdurch die ganze Wohnung schmeißt,muss halt wieder aufräumen. Wer die katze grob anfasst, bekommt von der Katze eine gelangt, wer sein trinken umkippt, wird nass. Da gibt's wohl unendlich viele Beispiele.


    Ob das jetzt bedürfnisorientiert ist, keine Ahnung. 8-(


    Was sind denn für euch Strafen? Ich verstehe darunter Schläge, Hausarrest, ins Zimmer sperren, ohne essen ins Bett sowas in der Art. Ganz schlimm Liebesentzug / Kind ignorieren.


    Kommt bei mir alles nicht vor und ich werde es auch hoffentlich niemals anwenden.


    Konsequenzen ja. Strafen nein. Aber wo fängt das eine an und hört das andere auf? Ist wahrscheinlich auch wieder eine individuelle Geschichte......

    Zitat

    der die Tatsache negiert, dass unterschiedliche Menschen unterschiedlich sind ;-D

    Ich habe nirgends die Tatsache negiert, dass Menschen unterschiedlich sind.


    Soziale Verhaltensweisen sind aber weitgehend durch Eltern und andere Betreuer geprägt und keineswegs angeboren.


    Kinder die viele Regeln brauchen, sind ja im Prinzip schon auf einem problembeladeneren Weg- eben weil sie Regeln brauchen und sie ihr Handeln nicht selbstbestimmt vernünftig kontrollieren können, sondern Anweisungen und Kontrolle von außen benötigen.


    Regeln brauchen Kinder (und Erwachsene), wenn sie es nicht gelernt haben, ihr Verhalten selbst vernünftig gebacken zu bekommen. Nicht wenige Kinder dürften dabei sein, die sich nicht wegen der Regeln vernünftig verhalten, sondern trotz Regeln.


    Regeln, sobald sie von den Eltern aufgestellt werden, orientieren sich nicht unbedingt an den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder, sondern an den Bedürfnissen der Eltern.


    Dabei können Regeln dem Kind gegenüber übergriffig werden. Handele ich bedürfnisorientiert, so achte ich zunächst die Bedürfnisse des Kindes. Greifen die Bedürfnisse des Kindes (nicht Lebensbedürfnisse) in meine eigenen Bedürfnisse ein, dann muss ein Kompromiss gefunden werden- nicht über den Kopf des Kindes hinweg, sondern mit dem Kind gemeinsam (auf altersgerechte Art).


    Ich bin der Meinung, dass bedürfnisgerecht erzogene Kinder, ihr Denken und Handeln selbstbestimmter und vernünftiger gestalten lernen, da sie weniger reglementiert und kontrolliert werden.


    Ich habe selbst unter nicht unbedingt bedürfnisgerechter Erziehung gelitten (und da war nicht nur meine Eltern dran beteiligt). Beispiel war das Essen: ich mochte zahlreiche Essen nicht, dennoch wurde ich fortwährend genötigt, Dinge zu essen (keineswegs nur von meinen Eltern), die ich nicht mochte. Es wurde versucht, mir bestimmte "Tischmanieren" beizubringen, für die ich keine sinnvolle Erklärung bekam und die ich affig fand.

    Zitat

    So ist nunmal das Leben.

    Es wird dazu gemacht und ist kein Zufallsprodukt. Regeln sind nicht dazu gemacht, Menschen prophylaktisch auf einen guten Weg zu bringen, sondern Fehlentwicklungen, d.h. die Unfähigkeit des Menschen, sein Verhalten vernunftgemäß und selbstständig zu steuern, zu dämpfen.


    Regeln müssen kontrolliert werden. Letzendlich ist eine regelbasierte Welt zwar halbwegs funktionsfähig, aber anstrengend und aufwändig. Ich kann mir da deutliche Verbesserungen vorstellen- ein Ansatz dazu ist meines Erachtens eine bestimmte Form bedürfnisorientierter "Erziehung"/Betreuung.

    Zitat

    Und darüber hinaus, hast du nicht selbst erzählt, dass du so aufgezogen wurdest? Bist du auch ein Arschloserwachsener geworden?

    Das lässt sich nicht logisch schließen. Ich habe nicht ausgeschlossen, dass anderweitig erzogene Kinder nicht gute Erwachsene werden können- ich halte es nur eher weiter weg vom Optimum.


    Und ich glaube, hier liegt ein Fehler logischen Schließens vor. Wenn ich betone, dass ich diesen oder jenen Weg für besser halte, bedeutet das nicht automatisch, dass alle anderen Möglichkeiten automatisch zum Gegenteiligen oder zum Schlechten führen müssen. Das lässt sich nicht schließen.

    elibro

    Zitat

    Jetzt wird es langsam echt absurd. Also ich bin zwar kein Veganer, aber wenn Veganer ein Thema eröffnen, mit dem Ziel, sich über vegane Rezepte auszutauschen und es tauchen jede Menge eingefleischte Fleischesser auf, die sich seitenlang über die Sinnhaftigkeit dieser Ernährungsform auslassen, dann ist das ungefähr das gleiche Niveau wie in diesem Faden erreicht.


    Warum fühlst du dich eigentlich so angegriffen?

    :)^ Das empfinde ich auch so.


    Die freie Erziehung wird immer als nicht machbar hingestellt von einigen Usern.


    JessSlytherin

    Zitat

    Liest du eigentlich in dem Faden und vorallem was du schreibst? Ich habe hier lediglich gefragt, was an Konsequenzen schlecht ist. Im Veganerfaden würde ich fragen warum Honig schlimm ist. Das soll keine Provokation sein, sondern eine Frage. ICH bin bereit Dinge zu überdenken und frage daher offen nach anderen Ansichten.

    Die Offenheit vermisse ich.


    Zum Beispiel hier:

    Zitat

    Hier wurde gesagt, dass Regeln böse sind und garnicht funktionieren können. Doch, tun sie. Bei manchen Kindern besser als stundenlanges Gerede.

    DU kannst so viele Regeln aufstellen, wie du möchtest.


    Dass Regeln böse sind oder nicht funktionieren, hat niemand geschrieben.


    Darin liegt schon eine Verurteilung der frei erziehenden Eltern.


    Das stundenlange Gerede ist auch eine Unterstellung.


    Mir ist klar, dass Regeln funktionieren.


    Aber: Man braucht sie nicht oder nur in sehr geringem Maße.


    Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass ich stundenlang mit den Kindern geredet habe.


    Wenn ich Kinder akzeptiere, muss ich sie nicht von meinen Ansichten überzeugen.

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    Puh, so kann man Fäden mit Potenzial durchaus schreddern!

    du solltest vielleicht einfach vermeiden, Dinge zu schreiben oder auszudenken, die ich so nicht geschrieben habe und meine Aussagen nach Gutdünken und wenig wohlwollend zu entstellen.

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    zu beweisen, dass er bei seinen Kindern jederzeit alles richtig gemacht hat.

    Ich führte das Beispiel nur auf, da ich mich dazu genötigt sah, da einige Schreiberinnen das Funktionieren bedürfnisorientierter Erziehung mehr oder weniger bestritten.


    Das ist das alte Problem von Therapie und Prophylaxe. So manche Therapie (Regeln) wäre überflüssig, wenn die Prophylaxe (am Kind orientierte Betreuung) durchgeführt würde, weil Kinder sich durchaus auch ohne Regeln über kausale Überlegung vernünftig verhalten können- das können Kinder durchaus erlernen, so dass Regeln eher überflüssig wären.

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    Einerseits gibt es Situationen, an dem ich/wir bisher, ausser Strafe, keine andere Möglichkeit gesehen haben. Wobei ich dazu sagen muss, dass bei uns eine Strafe z. B. so aussieht, dass sie eine (meist kurze) Auszeit in ihrem Zimmer bekommen. Also nichts "schlimmes" in dem Sinn. Bei den Großen kann es durchaus vorkommen, dass die PC-/Konsolen-/TV-Zeit ausfällt, wenn es nicht anders klappen sollte.


    Darauf, dass es öfter mal auf Strafen rausläuft, bin ich ganz gewiss nicht stolz. Ich würde das auch lieber ohne hinbekommen, aber ich wüsste ganz ehrlich nicht, wie. Manchmal halte ich solche Konsequenzen einfach für unerlässlich. Zumindest halten wir diese Strafen so, dass sie in einem (unserer Meinung nach) sehr fairen Bereich liegen.

    Furious meine Kinder sind inzwischen erwachsen. Darum kann ich sagen, dass man komplett ohne Strafen auskommt.


    Das hat auch bei anderen Eltern funktioniert, die ihre Kinder frei erzogen haben. Keines der Kinder ist irgendwie ernsthaft schwierig, unsozial oder egoistisch geworden.


    Nach meiner Ansicht ist das Aussperren eines Kindes (auch die sogenannte stille Treppe) eine Herabsetzung des Kindes. Selbst die Super-Nanny in der Erziehungsserie im TV hat sich inzwischen davon distanziert.


    Durch solche Strafen wird das Kind gekränkt, abgewertet und gedemütigt.


    Man kann das auch nett als Konsequenz für ein Verhalten verpacken. Das macht es aber nicht besser.


    Kinder denken nicht wirklich über ihr Verhalten nach. Sie empfinden ein Aussperren immer als ungerecht.


    Sie entschuldigen sich vielleicht nach einer Weile, weil sie die Ausgrenzung nicht gut aushalten können.


    Eine Entschuldigung hat immer etwas mit Schuld zu tun.


    Lob und Strafe habe ich abgelehnt.


    Das ist ein Denken in der Kategorie "falsch oder richtig".


    Kinder machen nichts falsch. Sie sind noch nicht fertig, sondern lernen.


    Darum gibt es kein falsches Verhalten, sondern nur unfertiges Verhalten, lernendes Verhalten.


    Mal ein Beispiel.


    Ein Wutausbruch bei einem kleinen Kind ist eine wichtige Erfahrung für das Kind.


    Wie soll es sonst lernen, mit negativen Gefühlen umzugehen? Wenn man es z. B. für einen Wutausbruch in sein Zimmer sperrt, lernt es nur "wenn ich wütend bin, gehöre ich nicht mehr zur Familie, dann werde ich weggeschickt". "Wütend sein ist unartig sein".


    Vielleicht lernt es, seine Wut zu unterdrücken. Da besteht aber die Gefahr, dass sie sich bei einer unpassenden Gelegenheit die Bahn bricht. Auf eine kleine Provokation durch ein anderes Kind haut es diesem Kind die Schaufel auf den Kopf. Unterdrückte Wut ist ungesund. Sie zerfrisst die Seele oder sie bricht irgendwann heraus.


    Je nach Charakter des Kindes wird eine erlernte Hilflosigkeit anerzogen oder ein Pulverfass großgezogen.


    Es gibt hier im Forum im Bereich "Beziehungen" einige Fälle, wo ein Partner sich über Jahre demütigen lässt.


    Da fragt man sich, wo bleibt seine gesunde Wut?? Warum ist dieser Mensch so hilflos??


    Dann gibt es Fälle, wo der Partner auf Nichtigkeiten mit Aggressionen reagiert.


    Da fragt man sich, wo kommt solche Wut her?


    Ist es nicht viel besser, wenn ein 3-jähriges Kind seine Wut voll ausleben kann im geschützten Rahmen der Familie? Damit es lernt, damit umzugehen? Damit es nicht ein hilfloser Erwachsener wird oder ein aggressiver Mensch?


    Wut ist nicht nur negativ. Sie ist auch gesund.


    Wut reinigt eine schlechte Situation.


    Wut hilft uns, anderen Menschen Grenzen zu setzen und Veränderungen in Gang zu bringen.


    Sie verleiht uns Kräfte, um aus einer schlechten Sache herauszukommen.

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    Ein Problem sehe ich noch bei uns selbst, im Umgang mit "Extremsituationen". Beispielsweise wenn sie sich in ihrem Spiel gegenseitig so hochschaukeln, dass sie quasi ausser Rand und Band sind. Das kommt hin und wieder vor und ist bei drei Kids in der Familie sicherlich normal. Zu Hause ist das auch überhaupt kein Problem. Dann gehen sie ein paar Minuten aufs Zimmer zum Runterkommen.


    Bei Freunden oder im Restaurant ist das schon eher ein Problem und da haben wir manchmal keine passende Antworten drauf...


    Ich persönlich muss gestehen, dass ich in solchen Situationen auch mal laut werde. Anders komme ich irgendwie nicht an sie ran. Wenn ich dafür noch ein passendes Mittel finden würde, wäre ich mit mir selbst einigermaßen zufrieden. ;-D

    Furious so richtig weiß ich nicht, welche Situationen du meinst.


    Was mir dazu einfällt: Ich habe ja auch immer andere Eltern im Umgang mit ihren Kindern beobachtet.


    Von manchen hab ich mir etwas abgeschaut, bei anderen habe ich gesehen, das mache ich besser.


    Es gibt immer Kinder, die sich außerhalb von ihrem Zuhause sehr auffällig verhalten.


    Sie sind dann sehr laut oder klagen ständig über Langeweile. Sie stören sehr auffällig andere Menschen durch ihr Verhalten oder provozieren ihre Eltern.


    Die Eltern haben meistens die Einstellung, dass man Kinder nicht überall mit hinnehmen kann oder sie haben Sorge, dass ihre Kinder sich nicht benehmen können.


    Ich vermute, dass erstmal die eigene Einstellung ganz wichtig ist.


    Wenn man glaubt, Kinder stören in unserer Gesellschaft, dann tun sie es auch.


    Dafür haben sie feine Antennen.


    Außerdem glaube ich, dass Kinder, die außer Rand und Band sind, lernen müssen, selbst wieder runterzukommen. Greift man immer (zu früh) ein, lernen sie es nicht.


    Ein weiterer Punkt ist nach meiner Ansicht die Fähigkeit der Kinder, die Eltern mit der Nase auf ihre Fehler zu stoßen. Sie nutzen unbewusst die Öffentlichkeit, weil die Eltern da hilfloser sind und nicht auffallen wollen.


    Eine Beobachtung von mir waren/sind die Szenen im Supermarkt.


    Die Kinder müssen entweder im Einkaufswagen sitzen oder sie werden ständig ermahnt. "Sei leise, tob nicht, fass das nicht an, das darfst du nicht" usw.


    Auch Zuhause werden die Kinder ständig ermahnt, weil kein Vertrauen besteht. Die Eltern glauben immer, dass Kinder zu blöd für alles sind.


    Zuhause sind die Eltern die Stärkeren, da funktioniert das meistens. Im Supermarkt lassen die Kinder dann die Sau raus, weil sie die Unsicherheit der Eltern spüren. Oder im Restaurant, auf Familienfeiern.....


    Sie machen das mit Sicherheit unbewusst. Ich glaube, sie spüren die fehlende Gelassenheit und fordern die Eltern zur Selbsterkenntnis heraus.


    Jetzt werden wieder einige schreiben, dass alle Kinder im Supermarkt schon Schreianfälle hatten.


    Frei erzogene Kinder sind aber anders, weil die Eltern ihnen vertrauen.


    Kinder sind ein Geschenk an die Gesellschaft. Darum muss die Gesellschaft auch damit umgehen lernen, dass Kinder dabei sind. Ich finde es nicht richtig, sie von allem fernzuhalten, wo sie evtl. stören könnten.


    Ich habe meine Kinder von klein auf immer dabei gehabt.


    Ich hätte mit befremdlichen Blicken über das Weinen meines Babys oder das laute Reden meines Kindes gerechnet und hätte eine Antwort parat gehabt. Ich habe mir nach der Geburt des ersten Kindes fest vorgenommen, mich nicht in meiner Wohnung zu verstecken, bis meine Kinder "gesellschaftsfähig" sind.


    Es ist aber entgegen meiner Erwartungen sehr gut gelaufen. Meine Kinder haben nie gestört.


    Sie hatten immer mein volles Vertrauen, weil Kinder sich nicht falsch verhalten.


    Wenn sie im Supermarkt nicht im Wagen sitzen wollten, durften sie laufen. Natürlich haben sie auch die Waren angeschaut und mir welche gebracht.


    Ich habe die dann entweder in den Einkaufswagen gelegt oder gesagt "das brauchen wir nicht".


    Dann haben sie die Sachen wieder sorgfältig ins Regal gestellt.


    Da wir Zuhause nie Süßigkeiten hatten, durften sie sich immer ein Teil aussuchen beim Einkaufen. Das war dann einmal die Woche die Ausnahme.


    Dadurch gab es auch nie Wutanfälle, weil sie etwas nicht durften. Der Wunsch nach mehr Süßigkeiten ist nie aufgekommen. Das ist ja auch eine Sache der Abhängigkeit. Kinder, die täglich Süßes bekommen, brauchen dann immer Zucker.


    Ein anderes Beispiel: Als mein erster Sohn 3 Jahre alt war, bin ich mit ihm allein in den Urlaub geflogen.


    Wir mussten am Flughafen 3 Stunden auf den Flug warten. Er hatte einen kleinen Rucksack dabei mit ein paar wenigen Spielsachen. Damit hat er sich ganze 3 Stunden allein beschäftigt.


    Er hat irgendwann seine Mundharmonika rausgeholt und darauf gespielt. Die Menschen im Wartesaal waren voll entzückt von dem kleinen Kerl. Ich hätte mit dem Hut herumgehen und Geld sammeln können.


    Mein Sohn hat diese Reise so gut gemeistert. Wir waren drei Monate mit Rucksack unterwegs ohne etwas gebucht zu haben - also ein Abenteuerurlaub. Wir haben beide viel gelernt, sind über uns hinausgewachsen und haben eine noch innigere Bindung bekommen. Ich hätte nie gedacht, dass man mit einem 3-Jährigen einen Abenteuerurlaub machen kann. Ich bin froh, dass ich mich getraut habe.


    Diese Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie einfach das Leben mit Kindern ist, wenn man ihnen vertraut und ihnen etwas zutraut.


    Man ist selbst souveräner und gelassener, was sich auf die Kinder auswirkt. Die Kinder können sich auf Unbekanntes einlassen, weil kein Erwartungsdruck für richtiges Verhalten besteht.

    Es bleibt halt, bei allen Geschichten, die du da gerne aus deiner Biografie preis gibts, Hanca, dennoch nur DEINE Erfahrung und DEINE Beobachtung.


    In meinem Umfeld sind die Kinder, die überall hin mitdürfen, mitnichten diejenigen, die leise sind. Sie stören nicht, aber deine Idee von den feinen Antennen und dem unterbewussten Versuch, den Eltern was am eigenen Bild zeigen zu wollen, kann ich da gar nicht wiederfinden.


    Eigene Erfahrungen bleiben eben, so lange man lebt, subjektiv und selektiv. Ist halt so. Wär auch schade, wenn es anders wär, dann bräuchte es nämlich die Wissenschaften nicht...

    Aber ich glaube, da beißt man auf Granit, solange jemand im eigenen System die Wahrheit erkannt hat.


    Mir geht es nur einfach nicht an, weshalb es so schwer ist anzuerkennen, dass man eben nur immer für das eigene Leben sprechen kann. Andere werden anders glücklich.

    @ hanca

    Grundsätzlich finde ich deine Einstellung gar nicht so verkehrt, finde aber ich stoße dabei wieder an die Bedürfnisse anderer Menschen. Natürlich ist Wut erstmal nichts schlechtes und setzt Grenzen. Was aber wenn das Kind in seiner Wut die Grenzen anderer verletzt, sei es körperlich oder auch verbal. Zum Thema Ausgrenzung: wenn hier die Grenzen andere missachtet werden, indem gehauen oder ähnliches wird, dann wird der Wüterich verbannt. Das sich das nicht immer gut anfühlt für das Kind ist blöd, aber was wäre die Alternative? Wütend sein darf man ja, aber eben nicht grenzenlos. Ich denke, man kann deine Erfahrungen nicht jt auf alle Kinder übertragen. Wir haben hier ein sanftes und ein "KopfDurchDieWandKosteEsWasEsWolle" Kind. Und bei zweiterem sind wir immernoch auf der Suche nach einer Lösung die für alle passt... Es gibt soviel zwischen schwarz und Weiß... Und bevor ich unsere Nr. zwei kannte hätte ich auch so einiges nicht glauben wollen...

    Ich finde es einfach wundervoll, was du schreibst, Hanca! Und du bringst es auf den Punkt.


    Ich kann es zumindest bestätigen, auch meine Kinder haben sehr feine Antennen. Sobald ich nervös, ungeduldig oder nur unsicher bin, werden sie zappelig, laut, schlecht gelaunt. Und ihr Verhalten erinnert mich dann sehr schnell daran, einen Gang zurück zu schalten, die Erwartungen runter zu schrauben und mich in Gelassenheit zu üben. Da ich selbst ja völlig anders aufgewachsen bin, fällt mir das nicht immer leicht, es ist ein Lernprozess für mich, ich bin durch meine Kinder dazu gezwungen mein Verhalten ständig zu reflektieren und zu hinterfragen und mich auch selbst oft zu fragen, was ich gerade EIGENTLICH bräuchte. Und die Antwort ist nie 'brave Kinder '.


    Vor meinem ersten Kind war ich überzeugt davon, dass ich mal ein strenges Regime führen würde, erst Schritt für Schritt habe ich mich in eine ganz andere Richtung entwickelt und bin da mittlerweile sehr froh drüber. Unsere Kinder haben eine ganz besondere Bindung zu uns beiden, wir haben schon jetzt ein sehr stimmiges Miteinander, auch wenn es nicht immer gelingt, die Richtung (die wir uns vorgenommen haben), stimmt!


    Wir arbeiten übrigens beide, wenn auch nicht Vollzeit. Unser Alltag beansprucht uns sehr, da wir unsere Kinder bis auf ein paar Stunden pro Woche im Moment noch komplett selbst betreuen. Auch ich bin mit meinem Einjährigen und der Zweijährigen sehr viel unterwegs, ich stille überall ganz selbstverständlich und habe noch nie einen komischen Kommentar kassiert, dafür sehr viele wohlwollende.

    Zitat

    Was aber wenn das Kind in seiner Wut die Grenzen anderer verletzt, sei es körperlich oder auch verbal.

    Ich spiegel mein Kind in solchen Situationen. Ich sage also: "Du bist gerade sehr wütend." Falls sie in ihrer Wut mal den Bruder erwischt, was eher selten ist, begebe ich mich schützend dazwischen, ich würde sie aber niemals aussperren oder anderweitig bestrafen. Worte dringen eher nicht zu ihr durch dann, also versuche ich sie auf den Arm zu nehmen, oder erstmal ruhig abzuwarten. Wenn sie sich etwas beruhigt hat, kuscheln wir, ich versuche durch aktives Zuhören herauszufinden, was das Problem ist und dann suchen wir gemeinsam nach einer Lösung. Meine Große ist wie gesagt etwas über zwei Jahre alt.

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    Es gibt immer Kinder, die sich außerhalb von ihrem Zuhause sehr auffällig verhalten.


    Sie sind dann sehr laut oder klagen ständig über Langeweile. Sie stören sehr auffällig andere Menschen durch ihr Verhalten oder provozieren ihre Eltern.


    Die Eltern haben meistens die Einstellung, dass man Kinder nicht überall mit hinnehmen kann oder sie haben Sorge, dass ihre Kinder sich nicht benehmen können.

    Oh nein. Meiner Erfahrung nach schert es genau diese Eltern einen Dreck, wie ihre Kinder sich aufführen. Das Kind ist König und darf sich benehmen wie ein kleiner Neandertaler, egal, wie sehr es die Umgebung einschränkt und stört.


    Hanca, deine Kinder waren deine Kinder und das hat ja wohl ganz gut geklappt, schön. Aber bei manchen deiner Schilderungen graust es mir.


    Zumal permanent der Subtext mitschwingt, dass Eltern, die auch nur einen Hauch mehr Gewicht auf Einhaltung von Regeln und Strukturen legen, die Kinderseele nicht verstehen und das Kind in seiner Integrität verletzen. Sei versichert: das haben die allermeisten von uns nicht getan.


    Ich habe es bereits gesagt, die meisten ziehen ihre Kinder "bedürfnisorientiert" auf - allerdings beschränkt sich das nicht nur auf die Bedürfnisse des Kindes, sondern berücksichtigt auch die der Eltern und der restlichen Umwelt.