• Unser Kind hat ADHS und die ganze Familie leidet

    Unsere Tochter ist 8 Jahre alt. Ziemlich früh ist bei ihr ADHS festgestellt worden. Seit ihrer Geburt haben wir geahnt, dass sie anders ist, konnten aber nie nach irgendwas greifen. Aufgefallen ist uns unter anderem ihre extreme Angst vor lauten Geräuschen, und noch vieles mehr.Am Ende waren wir als Familie so geschwächt, dass selbst eine Mutter Kind Kur…
  • 94 Antworten

    Ich finde den ersten beitrag von devnic sehr gut beschrieben und kann mich sogar als aussenstehende richtig reindenken und mir vorstellen, was das für ein druck sein muss, den die TE gerade auf sich aufgebaut hat. und das schlechte gewissen, weil man sich für sein kind zu schämen beginnt, kann mal wohl guten gewissens als imensen druck bezeichnen. ich kann dir leider keinen besseren rat geben, ich bin kein spezialist auf dem gebiet - nicht mal annähernd. aber den einen guten rat von devnic kann ich nur betonen - sieh ihre guten seiten! sieh ihre fähigkeiten! und halte durch - auch die schwere zeit geht einmal vorbei. und hinterher kann man stolz sein, auf das, was man geleistet hat.

    Halo Zuckerperle,


    Du fragst ob wir viel miteinander reden? Nun ja es ist schwer, denn mein Mann ist der Meinung, dass Therapie oder Gespräche die in die Richtung laufen nur für Menschen sei, die es brauchen.Und er ist der Ansicht, dass unsere Tochter oder ich keine Therapie brauchen. Er hat sich denke ich noch weniger mit der "Krankheit?" auseinander gesetzt und beschäftigt wie ich. Ich denke, dass ich Angst habe davor zuzugeben, ich meine tief im inneren mich damit auseinander zu setzten, dass unsere Tochter ADHS hat. Vereinbarungen treffen, die meinen Mann und mich gegenüber unserer Tochter betreffen, machen wir hinter verschlossener Tür. Sie versucht es natürlich, uns beide gegeneinander auszuspielen. Ich denke weches Kind versucht das nicht? Mit ihr Vereinbarungen treffen ist sehr schwer. Mal klappts recht gut dann wieder gar nicht. Leider bin ich fast alleine mit dem konsequenten Verhalten. Und das zerrt an mir, und die Kinder sehen das natürlich als Schlupfloch für vieles was sie wollen, aber von mir nicht bekommen. Egal was. Zwar sieht mein Mann das auch, dass wir an einem Strang ziehen müssen, doch dann bin ich ihm wieder zu streng. Kurz um. Im Moment fühle ich mich ziemlich alleine.

    @ Devnic:

    Ich kann mich noch gut an meine eigene Schulzeit erinnern, und da gab es auch den ein oder anderen angeblichen ADHSler. Und ich finde, dass sie sich die ganzen Schuljahre über reifer verhalten haben, als so mancher angebliche "Normalo". Sie bekamen weniger Strafarbeiten, haben nicht den Klassenclown gespielt, weniger naive Fragen gestellt (weil sie sich über die Reaktion der Lehrer früher bewusst waren), merkten schneller, wann es besser war, die Privatgespräche mit dem Sitznachbarn einzustellen, weil die Lehrer kurz davor waren, die Geduld zu verlieren usw.


    Und die Eltern sind nicht ein einziges Mal in 10 Jahren von den Lehrern wegen Verhaltensauffälligkeiten zum Gespräch gebeten worden. *:) Im Gegensatz zu einigen so genannten "Normalos": Es wurde im Unterricht geredet, gelacht, in den Pausen verbotenerweise geraucht, Geldspiele gemacht, das Schulgrundstück wurde öfters ohne Erlaubnis verlassen, Mitschüler wurden gemobbt, teilweise gab es auch körperliche Gewalt, Tische und Wände wurden mit Edding bemalt, einmal wurde mit einem Feuerlöscher gespielt, und das ganze Pulver hat sich in der Garderobe verteilt (was sehr gefährlich für die Lunge war), Papier wurde achtlos auf den Boden geworfen und und und. Die Gespräche, die die Schüler untereinander hatten, waren teilweise mehr als kindisch und dumm. Einige waren wirklich zurück, für ihr Alter ! Ich stehe übrigens nicht alleine da - mit meiner Meinung.


    Wenn ihr das unter reifen Verhalten und sozialer Kompetenz versteht....;-D


    Die so genannten ADHSler waren daran am wenigsten beteiligt. Oder die Hälfte der Schüler hatte ADHS ! ;-D


    Und auch die Schulnoten waren bei den so genannten ADHSlern nicht schlechter als bei einigen anderen so genannten "Normalos". Am Ende haben erstere sogar das Abitur gemacht, während letztere teilweise einen schlechteren Abschluss hatten. *:)


    Jeder hat Schwächen, und ich finde nicht, dass ADHSler immer auffälliger sind als andere "normale" Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Man muss die Dinge auch mal objektiv und ausgewogen sehen !

    Amelie,

    ich möchte Dich bitten, den Faden nicht weiter mit einer Metadiskussion zu füllen.


    Die Antworten von Zuckerperle und devnic sind sehr lehrreich und m.E. nicht zu beanstanden (auch ich habe Erfahrungen mit diesem Thema); solltest Du Dich aus einem persönlichen Grund davon irgendwie getroffen fühlen, so versuche das bitte dennoch zu tolerieren, ohne das Thema hier zu verwursten.


    Vielleicht hat ja Silversternchen noch Interesse an weiterem Austausch.


    Danke!

    Hallo devnic


    Als ich Deinen Bericht gelesen habe, sind bei mir die Dämme gebrochen. Was Du da gesagt hast,(u.a. wie stolz ich sein kann), dass spricht mir aus der Seele, doch die Situation mit meiner Tochter ist so wahnsinnig verzwickt. Als ich in der Mutter-Kind Kur war hat man bei uns beiden eine Mutter-Kind Interaktionsstörung festgestellt. Das heißt, sie reagiert auf mich und ich auf sie, wir beide schaukeln uns gegenseitig bis ins unermessliche. Beide in einem Raum und an manchen Tagen herrscht Weltuntergangsstimmung. Ich bin so oft gereizt, vielleicht durch das immer wieder widerholen. Ich schimpfe viel. Ich gebe zu, viel zu oft. Ich habe mal das Gefühl es kommt an, dann prallt alles an ihr ab. Alle Theorien wie ich mit ihr umgehen müsste weiß ich im Grunde genommen. Aber ich kann nicht sagen warum ich es nicht einfach in die Tat umsetzen kann. Das was Du sagst, dass sie Deine Gefühle genau spürt, ist ein weiteres Problem, was mich unter Druck setzt. Es fällt mir oft schwer sie in den Arm zu nehmen. Sie an mich zu drücken, sie einfach lieb zu haben. Ich kann gar nicht sagen wann das angefangen hat. Früher war sie unser Sorgenkind, die wir nie aus den Augen gelassen haben. An manchen Tagen wenn es ganz besonders schlimm ist, zweifelich an meiner Liebe. Ich bitte meinen Mann mir zu helfen und wenn ich nur über meine Gefühle sprechen könnte, aber er sagt dann nur "mach aus einer Mücke keinen Elefanten". Darf ich überhaupt Mutter sein? Mit der jüngsten ist alles einfacher. Bei ihr weiß ich das sie mir zuhört, ich kann richtige Gespräche führen, ich kann ihr was erklären, ohne dass sie ausrastet, mit ihr Blödsinn machen, ohne mir weh zu tun. Bei ihr bin ich die Mutter, die ich bei meiner großen nicht sein kann. Vielleicht liegt es daran, dass ich in dem alter genauso war. Meine Mutter sagt ich hätte auch ADS gehabt. Was haben wir schon alles versucht? Kürzlich hat sie ihre Verhaltenstherapie beendet mit der Ergo nach einer längeren Pause wieder angefangen. Sie spielt seit Januar Geige. Das hat sie sich zu Weihnachten gewünscht. Sie ist total begeistert und ich unterstütze das auch aus der Entfernung, denn sage ich was dazu, z.b zu den Hausaufgaben… ist der nächste Krach da. Was Du noch gesagt hast; nicht schimpfen, schreien, keine Vorwürfe und Strafen. Ich frage mich, welche Mutter das jeden Tag hinbekommt bzw. wie sie das macht? Wie setzt sie das um, wenn sie mit den Nerven am Ende ist? Ich habe manchmal das Gefühl, das ich so abgestumpft bin, dass ich die ausgeglichene Mutter gar nicht mehr werde. Im nächsten Moment überrennt mich eine Welle der Emotionen mit Freude, Liebe, Stolz, Scham. :)Mit den Medikamenten fing sie an als sie 6 Jahre alt war. Mit Medikinet. Langsam Schritt für Schritt, bis wir nach einiger Zeit bei bis zu 3 Tabletten waren. Aber als wir bemerkten, dass aus ihr ein Roboter wurde haben wir abgebrochen. Dann längere Zeit nichts, bis wir mit Amphetaminsulfat Kapseln (extra auf sie zugeschnitten) anfingen. Als wir nach einiger Zeit merkten das auch hier die Wirkung nach ließ, verschrieb uns ein anderer Arzt die jetzigen Methylpenidat 10mg. Morgens eine, mittags eine. Und es ist ihr genau anzusehen, wenn sie keine eingenommen hat und bis dann nach der Einnahme die Wirkung einsetzt. Wenn es ganz schlimm ist gebe ich ihr mal ne halbe mehr, aber ich habe kein gutes Gefühl dabei. Der Arzt sagt auch, dass sie für diese Dosis fast zu leicht wäre. Sie ist bei ca. 125 cm knapp 24 Kg schwer. Ich habe leider viel von der kaputten Beziehung mit meiner Mutter übernommen. Es ist wirklich so, dass man immer sagt "ich werde nie wie meine Mutter" aber plötzlich bist Du in dem Kreislauf gefangen. Mit dem Unterschied, dass ich raus will.:)*

    hey mein sohn hat adhs festgestellt wurde es mit 4jahren und mit 10jahren lies ich ihn auf tabletten einstellen jetzt ist er 11j und es ist zum glück um einiges besser geworden.. ich kämpfte 7jaher um meinen sohn und war echt am verzweifeln zwischen durch!!!und mein sohn ist sicherlich der überflieger und hat alles erfühlt was man über adhs sagt:°( er machte auch eine therapie um sein selbstwertgefühl zu steigern da er leider am boden war. jetzt macht er judo als augleich.


    sei stolz auf dich:)* du hast deine tochter nicht aufgegeben ..du hast gekämpf obwohl es schwer war.. du hast sovieles durchgemacht..sei einfach mal stolz auf dich:)^

    Hallo Rat08


    Diese Worte bedeuten mir echt viel. Vielen Dank. Ich werde auf keinen Fall aufgeben. Wenn ich mir überlege, dass es Kinder gibt, die schlimmer dran sind wie meine, dann danke ich Gott, dass es ihr relativ gut geht.


    Danke!@:)

    du brauchst dich nicht zu bedanken@:) man macht sich ja selbst schon genug vorwürfe und hat soviele zweifel,gedanken,usw. ..das einem garnicht bewusst ist wie stark man eigendlich ist und wieviel man tut/tun würde nur damit die kinder glücklich sind/werden.


    wenn ich zurück denke wie marcel mal war:-/ das glaubt man heute fast garnicht mehr und ich hätte auch nie gedacht das es jemals besser wird..das er jemals freunde findet ..das er jemals akzeptiert wird.... das er einfach mal ein "normales" kind sein kann..und das ,das familien leben mal entspannter sein wird...ne das hätt ich mir nie träumen lassen..aber gewünscht hab ich es mir schon....aber wenn man sich sein eigenes kind anschaunt und gewisse situationen hat dann kann man an soetwas "normales" garnicht glauben da sich das eigene kind ja so anders verhält:-|


    ich will dir damit sagen auch wenn manche situationen ausweglos erscheinen irgendwann wird es besser !!! :)*:)*:)*:)*:)*:)*:)*:)*:)*:)*

    Hi silversternchen,


    die ganzen beiträge hier finde ich durchaus interessant und ich finde auch das einige hier völlig recht haben wie wäre es denn wenn ihr beide zusammen in eine therapie geht...eine wo ihr vertrauen zusammen aufbaut...wo sie weis das sie sich ab nun an 100 pro auf dich verlassen kann...vielleicht musst du mal mehr zeit mit ihr alleine verbringen...geh mit ihr schwimmen oder eis essen oder was sie will tob dich mal richtig mit ihr aus...ihr werdet sehen wie schön das ist und wie schnell ihr wieder zusammen findet...ich als grosse schwester habe mir immer oft gewünscht mal ein paar sdt mit meiner mum alleine zu verbringen....jetzt mit 21 ist es dann so weit :P


    Reden ist wichtig und nicht nur dein Mann und du solltet die absprachen treffen sondern ihr alle zu 3 ihr müsst einen festen tages/wochenplan haben...in dem ihr alles fest haltet was an den jeweiligen tagen passiert...kauf ihr eine Uhr mit wecker oder ähnliches damit sie weis wann es wieder soweit ist bestimmte sachen zu erfüllen...eine kleine erinnerung für sie selbst...vertrau ihr und gib ihr die verantwortung...du wirst sehen wie stolz sie auf sich selber sein kann wenn sie etwas selber erreicht...


    Wichtig: absprachen müssen eingehalten werden...verstößt sie wieder mal gegen irgendetwas GRAVIERENDES sollte auch eine strafe entstehen....(keine strafe die ihr alltag beschränkt) sondern zB wird vorher ausgemacht wenn das und jenes gut läuft dann kannst du am ende der woche dies und das machen...zB gehen wir Schwimmen...läuft es nicht fällt es aus...du musst sie locken um irgendwas zu bekommen....sie ist nun mal noch ein kind...und auch nicht alles läuft perfekt auch nicht bei gesunden kindern kleine fehler sollte man nicht so eng sehen...es geht um die wichtigen sachen Schule Hausaufgaben...


    Mein bruder ist jetzt 15 und er bekommt immer ein Buch mit in die schule in dem jeden tag 2 lehrer sein verhalten eintragen müssen wenn er sich benimmt kann er nach draussen zu seinen freunden wenn nicht bleibt er zu hause.... :) es läuft prima er kam sogar zu meiner mum und hat gesagt ich mache das für uns damit wir wieder mit einander klar kommen...wenn ich wollte würde ich trotzdem raus gehen auch wenn ich frech bin...er hat es eingesehen es hat auch sehr lange gedauert...


    ich denke doch mal das du es hinbekommst ich wünsche euch auf jeden fall alles gute...:)*:)*:)*:)*und such das gespräch mit deinem mann das ist ganz wichtig

    Achso noch ein tip am rande...gönn ihr genügend ruhe pausen wo sie am besten...sich aufs bett legt und einfach mal nichts tut...vielleicht entspannungsmusik hört im dunkelen raum etwas leicht beleuchtet...eine halbe std oder vielleicht auch eine viertel std dafür öfter mal am tag...wir machen das jeden tag bei uns auf der arbeit einfach nur damit sie ein wenig runter kommt...sich von den vielen reizeinflüssen erholen kann...es kann nämlich ganz schön stressig sein...

    silversternchen

    Zitat

    wir beide schaukeln uns gegenseitig bis ins unermessliche. Beide in einem Raum und an manchen Tagen herrscht Weltuntergangsstimmung. Ich bin so oft gereizt, vielleicht durch das immer wieder widerholen. Ich schimpfe viel. Ich gebe zu, viel zu oft.

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    An manchen Tagen wenn es ganz besonders schlimm ist, zweifelich an meiner Liebe....

    ...liebe silversternchen:)_ mach dir da mal keine vorwürfe!!!! ich kann das absolut nachvollziehen!!! das passiert ALLEN eltern mal und eltern von adhs-kindern, die absolute schwerstarbeit bei der erzihung leisten müssen, recht häufig. es ist völlig verständlich, dass man irgendwann an seine grenzen stösst. und soll ich dir was sagen, liebe silversternchen? ich selber bin an diesen "grenzen meiner leistungsfähigkeit" beinahe zerbrochen und war soweit, dass ich dem ganzen ernsthaft ein ende bereiten wollte, weil ich einfach nicht mehr KONNTE...


    wir hatten das glück, dass wir an diesem schlimmsten punkt in unserem leben aufgefangen wurden! durch zufall hat mich eine freundin zu einer selbsthilfegruppe mitgeschleppt, damals wusste ich noch nicht mal, was adhs überhaupt genau ist, war voller vorurteile, hab mich dagegen gewehrt, dachte immer "mein kind hat doch SOWAS nicht..." der entscheidende "aha-effekt" war bei mir, als ich gemerkt habe, dass ich nicht alleine bin. dass es auch andere familien gibt, denen es so geht. dass da plötzlich menschen waren, die verständnisvoll mit dem kopf genickt haben, wenn ich von zu hause erzählt habe - und nicht nur irritiert geschaut haben und mich mit "tollen erziehungstipps" überhäuft haben, wie die meisten anderen leute. naja, die selbsthilfegruppe hat uns zu einer der führenden adhs-spezialistinen in deutschland vermittelt, dort wurden wir BEIDE diagnostiziert, haben BEIDE eine therapie und BEIDE medikamente bekommen und mein mann und ich haben an einem adhs-elterntraining teilgenommen. mein sohn und ich, ja eigentlich unsere ganze familie, haben es mit der richtigen unterstützung von aussen geschafft, diese grenze zu überwinden. wir sind gewachsen. über uns hinaus und auch näher zusammen. unser alltag im immer noch ungleich schwieriger, als der von "stinos" (;-D "stink-normalos";-D) aber wir haben gelernt, das als herausforderung zu sehen, an der wir ständig arbeiten müssen, aber auch ständig daran wachsen dürfen!

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    Bei ihr bin ich die Mutter, die ich bei meiner großen nicht sein kann.

    nein, meine liebe.... du bist auch bei deiner grossen eine gute mutter!!! und lass dir da von niemandem auf der welt etwas anderes einreden!!!! es soll erst mal einer kommen und den alltag durchstehen, es erst mal versuchen BESSER zu machen. ich bin mir 100% sicher, dass du deine beiden kinder über alles liebst und auch deine große niemals hergeben würdest. möglicherweise hast du zu deinen gefühlen nicht immer zugriff, weil du innerlich völlig erschöpft bist. aber auch das ist verständlich, denn du bist keine maschine, sondern ein mensch.@:)

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    Vielleicht liegt es daran, dass ich in dem alter genauso war. Meine Mutter sagt ich hätte auch ADS gehabt.

    das ist gut möglich;-) aber wenn, dann hast du es IMMER noch, denn adhs "vergeht" nicht. damit wird man geboren und damit wird man sterben - aber dazwischen kann man eine menge dafür tun, um gut damit leben zu lernen!!!! die wahrscheinlichkeit, adhs zu vererben ist höher als die wahrscheinlichkeit, deine augenfarbe zu vererben... deine tochter hat das adhs entweder von dir, von deinem mann oder möglicherweise auch von beiden geerbt. das könnte auch der grund sein, warum ihr euch so extrem aneinander hochschaukelt und das erschwert die erziehung nochmal zusätzlich. denn als selbstbetroffenem elternteil fällt es einem sehr schwer, einen gleichmässig-konsequenten erziehungsstil zu pflegen. manchmal geben wir nach, weil wir gerade nicht mehr können, und ein andermal reagieren wir impulsiv über. aber auch das wäre keine "katastrophe", sondern auch eine riesen chance! denn wenn du selber betroffen bist, kannst du dich viel besser in dein kind hineinversetzen und ihr könnt - mit der richtigen hilfe von aussen - eine welle finden, auf der ihr irgendwann gemeinsam schwimmen könnt!

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    nicht schimpfen, schreien, keine Vorwürfe und Strafen. Ich frage mich, welche Mutter das jeden Tag hinbekommt bzw. wie sie das macht? Wie setzt sie das um, wenn sie mit den Nerven am Ende ist? Ich habe manchmal das Gefühl, das ich so abgestumpft bin, dass ich die ausgeglichene Mutter gar nicht mehr werde.

    welche mutter das JEDEN tag hinbekommt?? KEINE einzige auf dieser welt!!!! :)z wir sind alle nur menschen und es ist ganz natürlich, dass wir nicht immer perfekt sein können! du brauchst dir auch keinen zusätzlichen druck damit machen, immer alles richtig machen zu müssen:|N zum einen blockiert und belastet dieser druck dich zusätzlich und zum anderen braucht kein kind der welt eine "perfekte" mutter. auch kinder dürfen miterleben, dass man mal nicht mehr kann, dass auch erwachsene nicht perfekt sind. das ist ganz einfach die realität und auch damit müssen kinder leben lernen. und natürlich darf man auch mal schimpfen;-) entscheidend dabei ist, dass man dabei nicht über-dramatisiert und dem kind möglichst wenig vorwürfe macht. und mit "nicht strafen" meinte ich nicht, dass auf fehlverhalten NICHTS folgen soll. aber man kann differenzieren zwischen strafen und "logischer konsequenz".


    ein beispiel: kind hampelt am tisch rum, mama ermahnt mehrmals zum stillsitzen, kind hört nicht, mama ist gereizt, kind zappelt weiter und kippt dadurch ein glas milch über den frisch gewischten fussboden...


    spontan neigt man in so einer situation dazu, erst mal loszuschreien "zum kuckuck nochmal, ich hab dir doch gesagt, du sollst STILL sitzen!!!!! NIE kannst du hören!!! IMMER muss ich alles 10 mal sagen, das hast du jetzt davon... so, zur strafe gibts heute kein fernsehen..." (oder so ähnlich...;-)) dieses beispiel lässt sich auf etliche im alltag übertragen.... wie könnte man anders reagieren? als erstes IMMER erst mal tief durchatmen und versuchen, die stimme UNTEN und ruhig zu halten. (also nicht anfangen hysterisch zu "keifen", wie wir frauen es so gut können...|-o) dann sagen: "jetzt nimmst du einen lappen und wischt das weg! danach kannst du mit uns weiter essen!"


    erkennst du den unterschied? fernsehverbot ist eine STRAFE, die noch dazu mit dem momentanen geschehen rein garnichts zu tun hat. deshalb kann das kind auch nicht daraus lernen:|N das schlamassel SELBER wieder in ordnung zu bringen ist eine LOGISCHE KONSEQUENZ. daraus kann sie lernen, dass man mal fehler machen kann, diese dann aber auch wieder gerade rücken kann:)z den richtigen "kommunikationsstil" lernst du übrigens auch in einem adhs-elterntraining!!!

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    Mit den Medikamenten fing sie an als sie 6 Jahre alt war.......Aber als wir bemerkten, dass aus ihr ein Roboter wurde haben wir abgebrochen. Dann längere Zeit nichts, bis wir mit Amphetaminsulfat Kapseln (extra auf sie zugeschnitten) anfingen. Als wir nach einiger Zeit merkten das auch hier die Wirkung nach ließ, verschrieb uns ein anderer Arzt die jetzigen Methylpenidat 10mg. Morgens eine, mittags eine. Und es ist ihr genau anzusehen, wenn sie keine eingenommen hat und bis dann nach der Einnahme die Wirkung einsetzt. Wenn es ganz schlimm ist gebe ich ihr mal ne halbe mehr, aber ich habe kein gutes Gefühl dabei. Der Arzt sagt auch, dass sie für diese Dosis fast zu leicht wäre. Sie ist bei ca. 125 cm knapp 24 Kg schwer.

    löse dich als erstes von dem vorurteil, dass du deinem kind mit den medis etwas "schlechtes" tust!!!!!!


    wenn ein kind kurzsichtig ist, braucht es eine brille! wenn ein kind diabetes hat, braucht es insulin! wenn ein kind schwer von adhs betroffen ist, braucht eben eben methylphenidat! das ist weder eine droge, noch stellst du sie damit ruhig. es ist für sie eine HILFE, die man ihr nicht verwehren darf! irgendwann wird sie mit ihrem adhs umgehen können und möglicherweise ohne medis leben können. aber so lange sie darauf angewiesen ist, brauchts du dir keine vorwürfe machen!!!


    es ist ein weit verbreiteter irrtum, dass man nur 0,8 -1,0 mg mph pro kg körpergewicht pro tag dosieren soll. dabei handelt es sich aber lediglich um einen RICHTWERT, um am anfang der medikation die richtige dosierung schneller zu finden.:)z jeder mensch hat einen anderen stoffwechsel, das eine kind kommt mit 5mg einzeldosis 4 stunden lang gut klar, ein anderes braucht vielleicht 20mg und das alle 3 stunden am tag...


    mein sohn ist 1,41m groß, wiegt 31kg und bekommt am tag ca. 50-60mg. das ist fast das doppelte wie die "standard-dosierung". aber damit fährt er gut und deshalb werden wir dabei bleiben. wir gehen 2 mal im jahr zur blutuntersuchung und gut ist. er nimmt die medis jetzt schon fast seit 8 jahren. im übrigen ist mph eines der am meisten untersuchten medikamente für kinder auf dem deutschen markt und wird seit den 60-er jahren zur behandlung von adhs und narkolepsie eingesetzt. und die kinder der 60-er jahre haben "komischerweise" auch keine langzeitschäden... lass dich da nicht zu sehr verunsichern@:)


    achte darauf, dass deine tochter eine dosierung bekommt, die zu ihr PASST!!!! wenn 10mg einzeldosis zu wenig sein sollte, dann probiere (nach rücksprache mit dem arzt bitte!!!!!) z.b. 12,5 oder 15mg einzeldosis. und beobachte genau, wie LANGE eine einzeldosis bei ihr wirkt!!! achte immer darauf, rechtzeitig nachzudosieren!!! es ist nicht gut, wenn sie z.b. morgens 3 stunden mit medis versorgt ist, diese dann ausflutet, sie in nen rebound rutscht und nachmittags gibts wieder für 3 stunden medis.... der übergang sollte fliessend sein (also wenn die erste medi abflutet, sollte die nächste anfluten) damit der gehirnstoffwechsel gleichmässig laufen kann. wenn du magst, kann ich dir auch mal erklären, was im gehirn durch die medis passiert, aber ich muss jetzt los zur arbeit und hab eh nen riesen roman getippt..... |-o


    alles gute*:)

    :)D interessant hier, ich kann leider keine Ratschläge geben, möchte aber einfach mal mitlesen, weil ich so einen leichten Verdacht habe, dass mein Sohn auch ADHS hat...

    :)D Mach ich ebenso. Diesen guten Gesprächston schätze ich.


    Ich wünschen den betroffenen viel Kraft und Geduld mit ihren Kindern.

    Hallo devnic


    erst einmal möchte ich Euch allen, vor allem Dir, ein riesen Danke schön sagen.@:) Normalerweise müsste ich das alles mit meinem Mann besprechen und statt ihm ein danke schön zu sagen, möchte ich das nun bei Euch tun. Ihr seid wirklich toll, wie ihr aus der Entfernung, nur durch ein paar Zeilen einen Menschen so beruhigen könnt. Vor allem tut es gut zu sehen, dass es noch andere Mütter gibt, die auch Probleme haben, denn die meisten wissen gute Ratschläge, aber wirklich hinter die Kulisse schauen diese nicht. Was genau wird denn in diesen Selbsthilfegruppen oder Elterntraining angeboten? Ich werde auf jeden fall mal schauen, ob ich in meiner Gegend was finde. Das ist denke ich das was ich brauche. Jemand der für mich konkret da ist, ansprechbar ist und mir helfen kann. Ich habe zwar schon einiges gelesen, aber wie genau sich das Gehirn verändert durch die Medikation, weiß ich nicht. Aber auf jeden fall würde mich das interessieren. Ich weiß nicht in wie weit Du bereit bist mir noch bei einem anderen Problem zu helfen? Betrifft auch Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Diesmal geht es aber um mich und meine "Mutter". Vielen Dank bis hier her.*:)

    hallo silversternchen*:)


    nichts zu danken. ich weiss noch genau, wie hilflos ich damals war und wie dankbar ich für hilfe war. ich mach das gerne:)*

    Zitat

    Was genau wird denn in diesen Selbsthilfegruppen oder Elterntraining angeboten?

    in den selbsthilfegruppen treffen sich normalerweise 1 mal im monat betroffene eltern und tauschen ihre erfahrungen unter der leitung eines geschulten gruppenleiters aus. da wird über alles mögliche diskutiert, z.b. probleme in der schule, in der familie, bei den hausaufgaben, unter den geschwistern, umgang mit verwandten...usw... aber auch fragen zur medikation, geeigneten therapie, welche erfahrungen bei welchen diagnostikern und therapeuten gemacht hat, wen man weiter empfehlen kann usw... meist ist das eine ganz lockere runde. wer was erzählen mag, erzählt - und wer nicht mag, hört einfach zu:)z in vielen fällen (aber natürlich nicht immer...) stehen die gruppenleiter auch zu "krisenintervention" und/oder telefonischen beratung zur verfügung. auf jeden fall hat man immer einen ansprechpartner, wenn man mal nicht weiter weiss:)^


    ein adhs-elterntraining ist entweder bestandteil einer therapie (dann werden die kosten übernommen) oder kann auch "privat" angeboten werden. für gewöhnlich leitet ein psychologe oder ausgebildeter elterntrainer diesen kurs mit ca. 5-8 elternpaaren. dort wird die neurobiologie bei adhs erklärt, der "richtige" kommunikationsstil erlernt, tips zur erziehung (was bei adhs-lern funktioniert und was nicht...), die verschiedenen therapieformen werden erklärt usw... so ein kurs dauert meist ein ganzes wochenende (fr-so) und dann gibt es noch 2 nachtreffen, bei denen jeder erzählen kann, wie es in der zwischenzeit gelaufen ist, ob man die tips umsetzen konnte oder wo es noch hapert..


    dann gibt es noch adhs-einzelcoaching, was aber meistens privat zu zahlen ist. dann kommt ein coach nach hause, analysiert die "streitquellen" und hilft ganz konkret bei der umsetzung von vderbesserungsvorschlägen.

    Zitat

    aber wie genau sich das Gehirn verändert durch die Medikation, weiß ich nicht. Aber auf jeden fall würde mich das interessieren.

    im gehirn von adhs-lern ist der neurotransmitter-stoffwechsel aus dem gleichgewicht. neurotransmitter sind botenstoffe, wie zum beispiel dopamin, serotonin oder noradrenalin, die informationen von einer gehirnzelle zur nächsten transportieren. ich versuche mal, es vereinfacht an einem beispiel zu erklären:


    stell dir vor, die gehirnzellen wären häuser und die neurotransmitter wären postboten, die wichtige briefe ausliefern. wenn ein postbote seinen brief abgeliefert hat, dann kommt ein postauto, holt den postboten ab und fährt ihn schnell zurück zum postamt, damit er den nächsten brief abholen und ausliefern kann.


    im gehirn eines adhs-lers läuft das alles nicht so ganz geordnet. manchmal sind zu wenige postboten und manchmal zu viele postautos unterwegs, manchmal laden die postautos die postboten auch zu FRÜH wieder ein, noch ehe sie ihre wichtigen briefe abgeben konnten. das gibt natürlich ein chaos....


    medikamente wie z.b methylphenidat helfen dabei, dieses chaos zu sortieren! es werden vermehrt postboten im gehirn ausgeschüttet, damit auch alle briefe ausgeliefert werden können, ausserdem werden die übereifrigen postautos ausgetrickst, damit sie die postboten nicht vorschnell wieder abholen.


    das ganze geschieht vorwiegend im frontalhirnbereich und in teilen des gehirns, die unter anderem für die konzentrationsfähigkeit, die impulskontrolle, den spontanzugriff auf das langzeitgedächtnis, die motivation und die vigilanz zuständig sind. je nachdem, in welchem bereich des gehirns der neurotransmitterstoffwechsel am meisten betroffen ist, spricht man dann von "adhs- vorwiegend hyperaktiven typ", "adhs - vorwiegend impulsiven typ" oder "adhs - vorwiegend unsaufmerksamen typ".


    die medis werden übrigens vollständig verstoffwechselt. nach 2,5 bis 4 stunden ist der wirkstoff "aufgebraucht" und wird ausgeschieden. im gehirn, der leber, der niere oder sonstigen organen lagert sich davon nichts ab. eine abhängigkeit ist bei bestimmungsgemässem gebrauch (zur behandlung von adhs oder narkolepsie unter ärztlicher dosierung) seit der einführung in deutschland vor ca 60 jahren noch keine nachgewiesen worden. es gibt allerdings einige fälle von abhängigkeit bei missbräuchlicher einnahme, z.b von drogenabhängigen, die sich mit mph in zu großen mengen und ohne ärztliche indikation zudröhnen. (methylphenidat wirkt im gehirn eines nicht adhs-lers nämlich wie amphetamin!)


    die gesamte neurobiologie ist zu komplex, um das alles zu schreiben, und wahrscheinlich könnte ich auch nicht alles bis ins detail erklären, bin ja schliesslich weder arzt noch fachmann....;-) aber vielleicht hilft dir mein beispiel ein wenig, es dir vorstellen zu können.

    Zitat

    Ich weiß nicht in wie weit Du bereit bist mir noch bei einem anderen Problem zu helfen? Betrifft auch Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Diesmal geht es aber um mich und meine "Mutter".

    wenn du magst, kann ich ja mal meinen "senf" dazu geben und versuchen, zu helfen. aber wie gesagt, ich bin auch nur ein laie ... (...zumindest noch.....;-))