Was tut das Amt, wenn ein Kind in einer Familie geschlagen wird?

    Wenn jemand meldet, dass ein Kind öffentlich geschlagen wurde, oder wenn ein Kind sich selbst beim Jugendamt meldet, dass es daheim Schläge bekommt, was geschieht dann? Wird das Kind direkt weggenommen? Oder bekommen die Eltern eine Bewährungszeit?

  • 17 Antworten

    :)_


    Ich glaube, da müssen schon viele Hinweise eingehen. Wenn das Kind sich selbst meldet, ist das vielleicht etwas anderes.


    Meine Mutter ist Grundschullehrerin und sowohl ihr, als auch dem JA, sind auch bei Vernachlässigung solange die Hände gebunden, bis das Dach schon quasi brennt.

    Wenn das so ist, müssten ja die Darstellungen extrem übertrieben sein, die man manchmal hört, von Familien, die unschuldig auseinander gerissen wurden, weil irgend jemand die Eltern angeschwärzt hat oder in irgendwelche Details zu viel hineingelesen hat.


    Da war doch mal was, ein Kind hat Dinos mit langen Schwänzen gezeichnet und die Kindergärtnerin war so penetrant mit ihrem Missbrauchsverdacht, dass es der Familie weggenommen wurde. Die Eltern waren völlig verzweifelt.


    Ging sowas nicht mal durch die Medien?

    Da passiert rein gar nichts. Ihr müsst euch das mal so vorstellen. in jedem Jugendamt werden wohl nicht viel mehr als 15 Sachbarbeiter (eher weniger) und vielleicht 2-3 Sozialpädagogen oder Sozialarbeiter. Auf diese Mitarbeit kommen jeden tag mehrere Hinweise etc. Nebenbei müssen sie andere Fälle auch weiter bearbeiten. Auf einen Jugendamtsmitarbeiter kommt wohl über 100 Kinder. Die haben nicht den Hauch einer Chance da allen Hinweisen nach zu gehen. Das ist meistens nur der Fall wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist oder sich die Polizei einschaltet. Man selbst kann aber schon eine ganze Menge tun wenn man den Verdacht hat da stimmt was nicht. z.B. beobachten, Kontakt aufnehmen, alles aufschreiben und damit dann evtl zu Jugendamt. Oder wenn der Verdacht einer Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt auch zur Polizei.


    Am besten hilft einfach indem man nicht weg sieht sondern einschreitet, wenn man etwas beobachtet, was massiv gegen Kriminaltät geht. Und gerne auch mal voreilig, auch auf die gefahr hin am Ende als der Dumme dazustehen. aber lieber einmal zu viel eingreifen, als einmal zu wenig oder sogar zu spät.

    Ich frage mich auch, ob ein Kind, das Hilfe sucht, Angst haben muss, dass es etwas ins Rollen bringt, das es nicht mehr aufhalten kann. Ich hätte mich früher nie getraut zum Amt zu gehen, weil ich dachte, dass dann gleich das Äußerste passieren kann und ich die Schuld habe.

    Wegen einer Meldung sofort Kinder weg sind doch Horrormärchen. Auch "Bewährung" ist wohl das falsche Wort, erstmal müssten da Wahrheitsgehalt und Hintergründe geklärt werden, wenn es so ernst genommen wird, dass man beim Amt da Bedarf sieht :-/

    Zitat

    Und gerne auch mal voreilig, auch auf die gefahr hin am Ende als der Dumme dazustehen. aber lieber einmal zu viel eingreifen, als einmal zu wenig oder sogar zu spät.

    Nein, das seh ich anders. Wegsehen und voreilig meinen eingreifen zu müssen sind zwei Paar Schuhe. Auch wenn ein Kind geschützt werden soll würde ich es tunlichst vermeiden, sicherheitshalber mal ins Blaue zu schießen, weil man vielleicht selbst Gespenster sieht. Mit inflationären Falschmeldungen lenkt man das Amt letztendlich auch davon ab, sich wirklichen Fällen anzunehmen.

    Zitat

    erstmal müssten da Wahrheitsgehalt und Hintergründe geklärt werden, wenn es so ernst genommen wird, dass man beim Amt da Bedarf sieht :-/

    Na, angenommen es entpuppt sich als absolut wahr und ist nicht nur einmal geschehen in dieser Familie. Das hatte ich mal vorausgesetzt.

    Die Wahrheit kannst du aber nicht als bekannt voraussetzen, das muss das Amt ja selbst erstmal rausfinden, sonst bleibts ein Hinweis. Und mit welchem Druck dem nachgegangen wird hängt eben von einigeren Faktoren ab, nicht nur vom Hinweis ansich. Nicht zuletzt auch von dem, der den Fall in die Finger bekommt. Einige sind da penibel, andere nachlässig.


    Extrembeispiel: Ein Kind was völlig fertig Hilfe sucht wird anders wahrgenommen, als Nachbar XY, der in den letzten Jahren so ziemlich jeder Familie in seinem Viertel was ankreiden wollte.

    Nichts :-| :|N


    Zumindest wurde vor Jahren nichts getan. Ich war selbst in so einer Sitaution und hab, da war ich so 16 beim Jugendamt angerufen und um Hilfe gebeten. Passiert ist nichts. Wir waren dort aktenkundig, weil ich mit 14 oft die Schue geschwänzt habe, wurde damals von der Schule das Jugendamt eingeschaltet, die wusste um meine Situation damals schon.


    Ich glaube aber, dass die bei kleineren Kindern da schon etwas strenger sind. Aber bweise das mal, wenn das Kind keine Sichtbaren verletzungen hat und es nichts darüber sagt.


    Leider kenne ich da auch einen Fall, aber da ist das Kind mittlerweile endlich aus der Familie genommen worden.


    Das Jugendamt ist x mal bei denen zu angemeldeten Terminen aufgeschlagen, haben dann immer alles tip top sauber gemacht (sonst wars ein ekelhafter Saustall, nur süßes daheim, ein richtiges Essen, Eistee und Cola gabs)und heile heile Welt gespielt.


    Aber wehe das Amt war wieder weg, dann gings von vorne los.

    wir hatten vor ein paar jahren einen fall im bekanntenkreis, wo die mutter mit drei kleinkindern absolut überfordert war. als zu dem noch verträglichen kram wie chaotische wohnung, suboptimale ernährung, etc. noch hinzukam, dass sie die kleinste zur strafe unter die kalte dusche gestellt hat und ich dabei war als sie dem ältesten eine geschallert hat, haben wir, nachdem etliche gespräche mit ihr mit der bitte, sich hilfe zu holen, nichts genützt haben, das jugendamt eingeschaltet. wir sind allerdings auch noch den umweg über den kindergarten gegangen, indem wir die kindergartenchefin mit ins boot geholt haben (die war da eh schon immer sehr besorgt) und die sich dann offiziell als jugendamt gewandt hat mit unseren schriftlich formulierten "aussagen". dies hat auf jeden fall dazu geführt, dass sie eine familienhilfe aufs auge gedrückt gekriegt hat und seitdem hat sich die situation merklich verbessert.


    wir hatten damals auch lange hin und her überlegt, wie wir es schaffen, dass nicht zu viel und nicht zu wenig geschieht, weil uns klar war, dass die frau hilfe brauchte (auch gegen ihren willen), aber wir nichts ins rollen bringen wollten, was danach nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. man kann beim jugendamt ja auch erstmal vorfühlen ohne namen zu nennen und fragen, wozu die raten.

    Zitat

    Oder steht einem Geld für Babysitter zu?

    Das sicherlich nicht ]:D


    Man geht halt zum Jugendamt erklärt die Situation und bittet um einen Familienhilfe. Das kostet das JA allerdings gutes Geld und die prüfen sowas genau, ob da Hilfe nötig ist oder nicht.

    Zitat

    Ich frage mich auch, ob ein Kind, das Hilfe sucht, Angst haben muss, dass es etwas ins Rollen bringt, das es nicht mehr aufhalten kann. Ich hätte mich früher nie getraut zum Amt zu gehen, weil ich dachte, dass dann gleich das Äußerste passieren kann und ich die Schuld habe.


    kamillchen

    also jetzt auch was z.b. vernachlässigung angeht, ich wüßte garnicht als kind, wo man da anruft, ich finde in den schulen sollte viel mehr aufgeklärt werden über themen wie schlagen oder vernachlässigung.


    - erstens empfindet ein kind vieles was nicht normal ist, für normal, weil es damit aufwächst, was normal und nicht mehr normal ist, sollten kinder in der schule beigebracht bekommen, z.b. einmal im jahr so eine woche lang das zum thema machen.woher sollen kinder wissen, was ein minimum ist und sie sogar vom gesetzgeber ein recht drauf haben (heizung, warmes essen, medizinische versorgung usw.)


    und auf was sie kein anrecht haben?


    - zweitens sollte einmal im jahr eine anschrift und eine telefonnummer auch anonym notfalls zum anrufen dem kind gegeben werden, damit es sich informieren kann, als kind weiß man doch garnicht wo man sich da hinwendet. (ok jetzt mit internet ist vieles bestimmt anders, aber trotztem)


    -erst drittens würde ich mich für das thema interessieren, was nun das JA tut oder ob es überhaupt was tut, finde diesen punkt natürlich auch äußerst wichtig, aber es gibt zahlreiche kinder da draußen, auch in diesem moment gerade bestimmt die total verzweifelt sind und keine aufmerksamen lehrer oder nachbarn haben die was melden und die sich selber nirgendswo melden, weil sie denken sie müßen nunmal so leben oder/und nicht wissen, wohin sie sich wenden können.


    :-/ :-(

    Zitat

    dies hat auf jeden fall dazu geführt, dass sie eine familienhilfe aufs auge gedrückt gekriegt hat und seitdem hat sich die situation merklich verbessert

    :)^


    meine nachbarin hat übrigens auch eine familienhilfe zur seite, aber hab nicht ich angeleiert oder so, sie hat es mir mal nebenbei erzählt.


    sie hat aber ihre kinder nie geschlagen, da bin ich mir ziemlich sicher. aber ich weiß noch, daß es eine zeitlang gab, wo ihre wohnung wirklich total schlimm aussah, sie ist alleinerziehend mit zwei kleinen kindern, warscheinlich hat sie sich selber hilfe geholt oder eine andere nachbarin hat das gemeldet die wiederum im erzieherbereich arbeitet und mit der sie sehr gut befreundet ist.


    wie auch immer, aufjedenfall ist seitdem die wohnung normal, also normal aufgeräumt, vorher stinkte es auch drin richtig. aber sonst ist sie total lieb zu ihren kindern und zu mir auch. :)_ :)z

    achso meine nachbarin hat auch eine frau die ihr das eine kleinere kind sogar oftmals abnimmt und abholt und es betreut und früher eine zeitlang war auch jemand zum putzen da die kam irgendwie mit putzzeug usw. und war da einmal sogar von morgens bis tief abends spät da, nachdem tag sah meine nachbarin viel ruhiger aus und dann kam halt noch eine andere frau die ich aber nie sah, daß hat sie mir aber erzählt es heißt familienhilfe frau oder sowas. :)z