Also ich bin selbst Sozialpädagogische Familienhilfe...


    Und beim Jugendamt arbeiten in der Regel (zumindest in das meines Wissens in unserem Bundesland zumindest durchgehend so) auch nur Sozialpädagogen / Sozialarbeiter.


    Leider ist es wirklich so, dass auf einen Sozialarbeiter im Jugendamt häufig zu viele Familien kommen, welche betreut werden sollen. Dann arbeitet natürlich auch jeder Mitarbeiter anders, und ich würde schon sehen, dass es sicherlich auch engagierte, und weniger engagierte Mitarbeiter gibt.


    Ich habe während dem Studium ein halbes Jahr Praktikum im Jugendamt gemacht und bin als SpFh ja auch regelmäßig mit den Mitarbeitern des JA befasst und habe von daher einen kleinen Einblick.


    Es ist so, dass eingehende Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung erst genommen werden müssen. Das dies im Einzelfall immer wieder mal nicht geschieht, ist traurig, aber es ist eben auch so, dass man tatsächlich erst einmal prüfen muss, was an einer Geschichte dran ist – es gibt leider auch tatsächlich Leute,die andere bewusst anschwärzen wollen. Und einer Familie ein Kind wegzunehmen, obwohl an der Geschichte gar nichts dran ist – das wäre natürlich genauso fatal.


    Generell glaube ich, dass auf Kinder oder Jugendliche, die sich selbst melden, noch einmal anders geschaut wird – eigentlich hat das Jugendamt auch die Pflicht, ein Kind beispielsweise erst einmal in Obhut zu nehmen, wenn es zum Jugendamt geht und darum bittet.


    In der Regel ist es so, dass entsprechenden Nachweisen eben nachgegangen werden muss durch Hausbesuche (auch unangekündigt), Gesprächseinladungen etc., und dass die Familie dann z.B. eine Sozialpädagogische Familienhilfe bekommen, wenn sich bestätigt, das ein Hilfebedarf vorliegt. Hat man wirklich das Gefühl, das in der Familie massiv etwas schief läuft, gibt es z.B. auch die Möglichkeit, sogenannte Kriseninterventionsteams einzusetzen, welche mit hohem Stundenumfang und zu zweit in die Familie gehen mit der Aufgabe, zu schauen, was die Familie braucht und wie es weitergehen kann (das kann dann eben SpFh sein, vielleicht ist Ergebnis der Krisenintervention aber auch, dass das Kind aus der Familie genommen werden sollte). Das kommt wirklich ganz auf den Einzelfall an, der dann geprüft werden muss, und zwischen "Familie hat Probleme in der Erziehung" und "Die Kinder werden misshandelt" liegen natürlich Welten und da muss dann auch differenziert gehandelt werden.


    Möchte man selbst eine Familie "melden", dann ist das Vorgehen, wie es Marika beschrieben hat, gut – wenn möglich direkt weitere Fachkräfte mit ins Boot holen, die eben auch bestätigen können, dass es Schwierigkeiten gibt.


    Eine Familie kann natürlich auch selbst zum Jugendamt gehen und um Hilfe bitten, klar...in diesen Familien arbeite ich persönlich auch am liebsten, weil diese Familien selbst erkannt haben, dass sie Hilfe von außen brauchen und diese auch annehmen.


    Vorschnell nimmt das Jugendamt jedenfalls niemandem die Kinder weg, manchmal muss da vielleicht sogar eher noch zuviel passieren...Ich habe letztens selbst einen Fall gehabt, wo ich als SpFh in eine Familie kam und mich fragte, wie es eigentlich möglich ist, dass die Sachbearbeiterin des Jugendamtes die Familie so lange hat warten lassen, bis sie ihnen eben diese Hilfeform auch zugestanden hat – und das, obwohl der Bedarf da mehr als da ist, und die Familie auch schon länger immer wieder um Unterstützung gebeten hat. Das gibt es leider auch immer mal wieder.


    Liebe Grüße!


    *:)

    Zitat

    Wird das Kind direkt weggenommen? Oder bekommen die Eltern eine Bewährungszeit?

    Der Theorie nach haben unterstützende Maßnahmen Vorrang, so dass den Eltern Hilfestellung aufgezwungen wird, damit sie ihren Pflichten ordnungsgemäß nachkommen können. Denn aus der Erfahrung heraus resultieren Schläge häufig daraus, dass die Eltern mit der Erziehungssituation überfordert sind.


    Soweit die Theorie. In der Praxis sind die Jugendämter chronisch unterbesetzt, wie ja bereits gesagt wurde.


    Schläge können übrigens eine (tätliche) Beleidigung oder eine Körperverletzung darstellen. Sobald man mitbekommt, dass eine Körperverletzung vorliegt, kann man sich auch an die Polizei wenden. Über diesen Weg wird dann auch das Jugendamt informiert.


    Die Trennung von Eltern und Kind wird nur in Extremfällen angeordnet, man versucht immer erst, ein Zusammenleben zu ermöglichen (auch bei Körperverletzungen), weil das trotz der bisherigen Schläge für das Kind immer noch besser ist. Davon unabhängig können die jeweiligen Elternteile mit einer Geld- oder Bewährungsstrafe belegt werden, selbst Haftstrafen kommen in schweren Fällen gelegentlich vor; die Familie muss dann eine Zeitlang ohne Mama oder Papa auskommen.

    Zitat

    Nichts


    Zumindest wurde vor Jahren nichts getan. Ich war selbst in so einer Sitaution und hab, da war ich so 16 beim Jugendamt angerufen und um Hilfe gebeten. Passiert ist nichts

    na super :|N