Wenn ein einzelner die ganze Klasse aufmischt....

    Ich weiss nicht, ob es das passende Unterforum für mein "Anliegen" ist, falls nein möge der Admin bitte entsprechend verschieben. Danke.


    Meine Tochter (10) hat im Sommer auf die weiterführende Schule (Gymnasium in RLP falls das irgendwie wichtig ist) gewechselt. In der Klasse sind 28 Kinder.


    Mit dabei ist ein Junge, der von Anfang an die komplette Klasse aufmischt. Er tickt regelmässig aus, rennt einfach aus dem Klassenraum (der Lehrer/Lehrerin läuft dann hinterher und holt ihn wieder in den Saal), er stört permanent durch Zwischenrufe, Gegröhle und Gerülpse den Unterricht oder steht auf und läuft im Klassenraum herum. Gestern war die Klasse im Kino (Schulkino) ....es wurde im Rahmen des Erdkundeunterrichts der Film "Ozeane" gezeigt. Das war auch gerade Thema und passte gut. Ein weiterer Film passend zum Thema Geographie war geplant gewesen, kurz vor Weihnachten. Eigentlich. Heute hat die Erdkundelehrerin verkündet, dass dieser Film entfällt, da sich ein einzelner Schüler nicht benehmen konnte und sie sich es kein weiteres Mal antut (gestern hat er im Kino rumgegröhlt und dauernd den Vordermann in den Rücken getreten so meine Tochter, obwohl die Lehrerin neben ihm sass).


    Der Junge hat eine Betreuerin, die in der Schule stundenweise da ist. Für was und warum ist mir unbekannt, auf jeden Fall funktioniert es auch mit der scheinbar nicht so wirklich.


    Regelmässig kriegt man mit, dass er andere Kinder schubst, haut, tritt. Ein Mädchen aus der Klasse wurde von ihm -weil es seiner Meinung nach im Weg stand- geschubst, sodass es hinfiel und mit Gehirnerschütterung und gebrochenem Arm abgeholt werden musste.


    Normaler Unterricht ist nicht mehr möglich, weil er ständig stört oder eben wegläuft. Die Deutschlehrerin hat mittlerweile die Nase voll und setzt ihn -nach einmaliger Androhung- vor die Tür, damit sie Unterricht halten kann. Aber bis er dann draussen ist, diskutiert er auch erstmal ewig herum Aber dann ist Ruhe im Saal.


    Nun meine Frage: welche Möglichkeiten hat die Schule in so einem Fall ? Was kann man selbst tun ? Kann man überhaupt selbst was tun ? Ein Gespräch zwischen den beiden Klassenelternsprechern und dem Klassenlehrer ist schon geplant, da sich noch mehr Eltern "beschwert" haben.


    Bitte nicht falsch verstehen...der Junge tut mir leid (anscheinend hat er ja irgendein Problem, sonst wäre ja die Betreuerin nicht da), aber meine Tochter und die anderen Kinder leiden mittlerweile unter dieser Situation.


    Danke fürs zulesen und eure Antworten.

  • 90 Antworten

    Wir hatte auch so einen Jungen in der Klasse. Er hat mehrere Verweise im Jahr bekommen, Nacharbeiten etc. Gebracht hat eigentlich nichts. Eltern haben sich beschwert, Gespräche mit seinen Eltern und dem Direktorat waren fast wöchentlich, aber auch das hat nichts gebracht. Wir mussten einfach damit leben, dass wir so einen "Störenfried" in der Klasse hatten. Inzwischen sind wir in der 12. Klasse und er ist immer noch in unserer Jahrgangsstufe und ja, er ist auch immer noch ziemlich anstrengend, aber er hat sich gebessert.


    Bei uns konnte man damals nichts dagegen tun.

    Ich weiß nicht wie das rechtlich genau geregelt ist, aber es gibt Möglichkeiten einen Schüler vom Schulbesuch an einer Schule auszuschließen, wenn dessen Sozialverhalten für die Schule untragbar geworden ist. ... Hängt aber wie immer auch davon ab, wie bequem der Schulleiter ist. Sonst läuft es nämlich darauf hinaus, dass der sich lieber mit den leiser schreienden Eltern der Mitschüler anlegt (weil von denen nichts ernsthaftes zu befürchten ist) statt sich mit den Eltern dieses Schülers anzulegen. Anders gesagt: Wahrscheinlich werden deine Tochter und andere Schüler diesen Jungen weiterhin aushalten und das Ganze ausbaden müssen, solange er nicht gerade jemanden halb tot schlägt oder sowas in der Preisklasse.


    Man könnte dem Schulleiter evtl. beflügeln, indem man ihn um Abhilfe bittet und die Situation schildert und auch, warum dieser aktuelle Zustand untragbar ist. Und wenn der dann nichts macht, ihn dezent darauf aufmerksam machen, dass man überlegt, die Presse einzuschalten. Nichts hassen solche Menschen mehr. Aber das wäre ultima ratio und könnte schlechtestenfalls negative Folgen für deine Tochter haben.

    Die Tatsache, dass da bereits eine Betreuerin neben dem Kind sitzt, signalisiert deutlich, dass es sich um einen verhaltensauffälligen Integrationsschüler handelt. D.h. die Problematik ist größer als normales Danebenbenehmen.


    Letztlich bleibt wohl nur, das Gespräch zu suchen... Schulausschluss ist bei einem Integrationskind mit Betreuung sehr sehr schwierig, weil da schon ein Sonderstatus gegeben ist. Schade ist, dass da nicht mehr Infos bei den Eltern ankommen...


    So gut Integration bei vielen Behinderungen funktioniert, so schwer ist es meist bei den verhaltensauffälligen Schülern (wo ich oft denke, dass die in Kleingruppen auch besser aufgehoben wären, Sonderschul-Stigma hin oder her).

    Naja, von bequem ist unsere Schulleitung doch ein wenig entfernt....


    Presse käme zumindest für mich nicht in Frage, zum einen hoffe ich darauf, dass sich die Sache anders regeln lässt, zum andern möchte ich -wie du bereits geschrieben hast- dass mein Kind das ausbadet.


    Ich verstehe halt auch die Eltern des Kindes nicht...er fährt jeden Tag 30km mit dem szug zur Schule, ist ne halbe Ewigkeit unterwegs, kommt nicht aus dem Einzugsgebiet. In seinem Heimatort gäbe es eine Gesamtschule, die mit dem örtlichen SPZ zusammenarbeitet und sich auch mit "Problemkindern" auskennt. Ich weiss nicht, ob sie dem Kerlchen mit der Schulwahl einen Gefallen tun, zumal er jetzt schon wegen seines Verhaltens überall gemieden wird.

    Zitat

    In seinem Heimatort gäbe es eine Gesamtschule, die mit dem örtlichen SPZ zusammenarbeitet und sich auch mit "Problemkindern" auskennt. Ich weiss nicht, ob sie dem Kerlchen mit der Schulwahl einen Gefallen tun, zumal er jetzt schon wegen seines Verhaltens überall gemieden wird.

    Wenn da aber bereits zu viele auffällige Kinder sind, muss verteilt werden. Eine Freundin von mir hatte gleich zwei solcher betreuten verhaltensauffälligen Kinder in der Klasse und es funktionierte überhaupt nicht.


    Wichtig wäre ein ruhiges vernünftiges Gespräch mit Lehrer/Schulleitung. Und sinnvoll wäre wohl eine Betreuung für ALLE Unterrichtsstunden, damit der Lehrer sich mehr dem Unterricht widmen kann.

    @ NK78

    Zitat

    Regelmässig kriegt man mit, dass er andere Kinder schubst, haut, tritt. Ein Mädchen aus der Klasse wurde von ihm -weil es seiner Meinung nach im Weg stand- geschubst, sodass es hinfiel und mit Gehirnerschütterung und gebrochenem Arm abgeholt werden musste.

    Warum ist man dagegen nicht mit aller Härte vorgegangen und hat die Eltern zur Rechenschaft gezogen? Schule ist kein rechtsfreier Raum.


    Ich würde mich an deiner Stelle mit so vielen Eltern wie möglich zusammentun und die Schule regelrecht mit Beschwerden bombardieren, sobald ihre Kinder von irgendwas negativ betroffen sind.


    Zudem sollte man sich an das zuständige Jugendamt (Allgemeiner Sozialdienst), das hier offensichtlich eine Leistung nach § 35a Abs. 2 Nr. 1 SGB VIII für den Schüler gewährt, wenden, im Übrigen an das Schulamt.

    Walking Ghost: ich weiss nicht, ob das in irgendeiner Form vorgegangen wurde-die Infos krieg ich ja immer nur von meiner Tochter.


    Es ist jetzt erstmal ein Gespräch mit dem Klassenlehrer geplant. Schulsozialdienst ist ne gute Idee.

    @ NK78

    Zitat

    ich weiss nicht, ob das in irgendeiner Form vorgegangen wurde-die Infos krieg ich ja immer nur von meiner Tochter.

    Verstehe.

    Zitat

    Schulsozialdienst ist ne gute Idee.

    Hmm nein, das meinte ich so nicht. Das Jugendamt stellt diesem Schüler einen Einzelfallhelfer und ist quasi dafür verantwortlich, dass er in der Form überhaupt beschulungsfähig ist. Die haben diesen Mist verzapft und sollten als Erste auf diese untragbaren Zustände hingewiesen werden. Der Allgemeine Sozialdienst ist eine Unterabteilung des Jugendamtes.

    Wie ging dieser Fall eigentlich weiter:

    Zitat

    Ein Mädchen aus der Klasse wurde von ihm -weil es seiner Meinung nach im Weg stand- geschubst, sodass es hinfiel und mit Gehirnerschütterung und gebrochenem Arm abgeholt werden musste.

    Weiss ich nicht, der Vorfall war am Montag gewesen und das Mädchen bisher noch nicht wieder in der Schule. Die Fraktur am Arm musste operiert werden, ich weiss nicht, ob sie schon wieder zu Hause ist.

    TheWalkingGhost: ach so, dann habe ich das missverstanden. Müsste dann aber eigentlich die Schule tätig werden, oder ?

    @ NK78

    Zitat

    Weiss ich nicht, der Vorfall war am Montag gewesen und das Mädchen bisher noch nicht wieder in der Schule. Die Fraktur am Arm musste operiert werden, ich weiss nicht, ob sie schon wieder zu Hause ist.

    Oh gut, dass das so aktuell ist. Frag deine Tochter mal bitte, ob sie irgendwas über die betroffene Schülerin weiß, worüber man einen Kontakt zu den Eltern knüpfen kann. Genau mit denen würde ich an deiner Stelle das Gespräch suchen, denn das sind deine Verbündeten. Wenn das tatsächlich so krass abgelaufen ist, dann ist das eigentlich ein Fall für den Anwalt und eine (zivilrechtliche) Schmerzensgeldforderung.


    Gerade in solchen Belangen, die mit der Schule zu tun haben, nehmen Eltern häufig Dinge hin, die man eigentlich nicht hinnehmen muss.

    Zitat

    TheWalkingGhost: ach so, dann habe ich das missverstanden. Müsste dann aber eigentlich die Schule tätig werden, oder ?

    Nein, sowohl Schule, Schulamt als auch Jugendamt hängen da mit drin. Und das Jugendamt hat in dem Fall alles notdürftig so zurechtgebogen, dass dieser Schüler diese Schule überhaupt besuchen kann. Das wiederum geht zu Lasten der übrigen Schüler und darauf sollte man den verantwortlichen Sozialarbeiter oder seinen Vorgesetzten mal höflichst hinweisen. Die Maßnahme ist offensichtlich ungeeignet, um diesen einen Schüler zu fördern und die übrigen Schüler gleichzeitig unbeeinträchtigt zu lassen. Ich sage das übrigens so polemisch, weil ich selbst im Jugendamt arbeite und tagtäglich mit schwachsinnigen Entscheidungen zu tun habe.

    Vielleicht kannst Du Dich auch an die Mutter des verletzten Mädchens wenden, um Dich mir ihr zu solidarisieren?



    Zitat

    Was kann man selbst tun ?

    Zunächst einmal kann man sich darüber aufregen. Also ich zumindest kann mich darüber aufregen, weil diese schreiende Ungerechtigkeit, offiziell Integration genannt, staatliche Schulpolitik ist.


    Natürlich bringt es nichts, sich darüber aufzuregen. Also einmal tief durchatmen und nachdenken.


    :)D


    Meiner Ansicht nach ist es am sinnvollsten, wenn Du Dich mit möglichst vielen anderen Eltern zusammentust. Ihr könnt Lehrer, den Schulleiter und das Schulamt informieren. Nur erwarten dürft ihr nichts, weil das Fehlverhalten des Jungen durch Gesetze legitimiert wird.


    Also, anstatt sich an offiziellen Stellen die Zähne auszubeißen, finde ich es sinnvoller, wenn ihr als Eltern Euch überlegt, was ihr mit Euren Kindern macht, um sie bestmöglich zu schützen.




    Ich wünsche Dir dafür viel Kraft, Durchhaltevermögen und gute Nerven.


    :)*