• Wenn Kinder die Eltern beim Sex hören – verstörend?

    Ich habe mich am Wochenende mit meiner jüngeren Schwester über ein Thema unterhalten, das wir beide im Erwachsenenalter bislang einvernehmlich totgeschwiegen haben. In unserer Kindheit war es aber ein mehr oder weniger großes Thema für uns. Wir haben unsere Eltern regelmäßig beim Sex gehört und fanden das anfangs unheimlich, irgendwie verstörend…
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    ... und dann gibt es da ja noch die aus Blättern gebauten Hüttendörfer. In der eigenen Hütte die Eltern, links Onkel und Tante, hinten Oma und Opa, ...


    Wäre wirklich interessant, wie jemand da einschlafen kann. Aber auch wir haben solche Probleme, unter "Fluchlärm" bekannt.

    Ich fand's nicht schlimm. War angemessen aufgeklärt, bin auch mal versehentlich reingeplatzt (frühe Grundschulzeit). Als Teenie im Verlauf der ersten eigenen Erfahrungen fand ich's... strange. Aber okay. Problematisch finde ich nur, wenn Leute wirklich EXTREMST laut sind. Die neue Freundin des Mieters über mir ist so ein Fall... Klingt eher wie Mordversuch als guter Sex, wenn die losschreit. Aber das ist (vermutlich? wahrscheinlich?) eher eine Ausnahme und es geht um weniger extreme Geräusche...

    hmm, gesehn haben sie uns dabei eher nicht, ich denke auch dass sie es gar nicht bemerkt haben...


    leute, jetzt macht ihr mich stutzig...habe mir nie was dabei gedacht...vielleicht sind sie ja einfach daran gewöhnt? ":/


    ich muss auch zugeben, dass ich es etwas komisch finde unsere nachbarn (ja!) dabei zu hören. es gibt zwei Parteien, die da unseren hof beschallen...


    dabei weiß ich nichtmal ob sie uns hören aber ich mache manchmal wenigstens das fesnter zu...

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    Als Kind kann das verstörend wirken, weil man diese Geräusche nicht einordnen kann im Bezug zu den Eltern.

    auch wenn man die geräusche einordnen kann, ist es genau so unangenehm die eigenen eltern zu hören...

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    Hat auch nichts mit 08/15-Sex zu tun, denke ich. Das klingt für mich ein bisschen abwertend, obwohl sexuelle Erfüllung meiner Meinung nach nichts mit akrobatischen Techniken oder unbedingtem Dirty-Talk zu tun hat, sondern eher mit den Gefühlen, die beide dabei miteinander erleben.

    So wollte ich das auch nicht verstanden wissen! Ich meinte nur, dass Sexualität für mich durch diese "negative" Erfahrung nicht zum Tabu geworden ist, sondern ich sie selbst sehr genieße. Wie, das ist natürlich individuell und ich meine nicht, dass man lauten Sex haben muss, damit er gut ist oder einander die wildesten Sachen entgegen geraunt werden müssen. Da hat jeder andere Vorliebe und das sollte nicht als Gradmesser der sexuellen Qualität verstanden wissen. Ich wollte nur sagen, dass ich persönlich dirty talk gegenüber z.B. nicht negativ eingestellt bin heute als Erwachsene, obwohl ich das, was ich da als Kind gehört hatte, zum damaligen Zeitpunkt total eklig und verstörend fand. Aber erstaunlicherweise hat mich das nicht negativ geprägt langfristig, vielleicht war es also doch eine "ganz normale" Entwicklung? .-/

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    Ich fand's nicht schlimm. War angemessen aufgeklärt

    Weißt du zufällig noch was zuerst da war bei dir, die Aufklärung oder das Mitkriegen? Also kannst du dich erinnern, ob du deine Eltern schon beim Sex gehört hattest, noch bevor du richtig wusstest, was sie da tun, also bevor du von ihnen "angemessen aufgeklärt" wurdest?

    Naja, ich kenne Paare, die bei lautem Sex, sich eher weglachen würden, wenn jemand rumröhrt wie ein Hirsch und bei anderen gehört es nunmal dazu. Ist doch individuell. Darauf kommt es, was die Qualität des Sexes angeht, wirklich nicht an. Es gibt ja auch Menschen, die müssen dabei ununterbrochen sprechen und andere wollen lieber ihre Ruhe und würden bei so einem Redefluss eher das Weite suchen. Also keine Verallgemeinerungen. ;-D

    bolognese

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    ich muss auch zugeben, dass ich es etwas komisch finde unsere nachbarn (ja!) dabei zu hören. es gibt zwei Parteien, die da unseren hof beschallen...

    Kenne ich auch. Da haben wir als Erwachsene (zwangsweise) gelauscht und uns an der Lebensfreude erfreut.

    Ich hab schon überlegt, ob ich den negativen Eindruck damals bei meiner Schwester evtl. sogar verstärkt habe, denn ich war die Ältere, wir schliefen in einem Zimmer und ich weiß, dass sie beim ersten Mal zu weinen begonnen hat, weil sie nicht verstand, was mit unserer Mutter los war und ich konnte ihr dann nicht sagen, mach dir keine Sorgen, Mama und Papa haben sich nur lieb, sondern wusste es selbst nicht so recht einzuordnen, habe nur gespürt, dass es kein Ausdruck von Gefühlen ist, die wir sonst so kannten. Meine Schwester kam dann jahrelang zu mir ins Bett, wenn's abends rund ging und ich hab ihr solange Geschichten erzählt, selbst als wir irgendwann getrennte Zimmer hatten, klopfte sie bis zum 9. oder 10. Lebensjahr etwa bei mir, wenn sie nachts diese Geräusche hörte und fragte, ob sie bei mir schlafen kann.


    Blöd, dass ich rückblickend nicht wirklich nachvollziehen kann, wieso wir nicht einfach mal was zu unseren Eltern sagten. Denen war das alles sicher gar nicht so bewusst, die dachten wir schlafen selig.

    @ Summersun:

    Puuh... Meine Auflärung als Kind war irgendwie fortlaufend... ab Kindergarten (Wo kommen die Babies her?). Ich weiß nur relativ sicher, dass ich "merkwürdige" Geräusche meiner Eltern darauf geschoben habe, also muss ich wohl ansatzweise aufgeklärt gewesen sein.

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    Meine Auflärung als Kind war irgendwie fortlaufend... ab Kindergarten (Wo kommen die Babies her?)

    Ok, vielleicht war's bei uns ein bisschen spät, ab dem Grundschulalter erst, im Kindergartenalter konnte ich es jedenfalls noch nicht so richtig einordnen und meine Schwester deshalb auch nicht "beruhigen". Kann sein, dass uns durchaus da schon jemand gesagt hatte, dass Babies entstehen, wenn sich Mama und Papa liebhaben, aber ich weiß, dass das damals für mich nicht nach "lieb-haben" klang, sondern ganz anders... wahrscheinlich war es deshalb so beängstigend und verstörend.

    wie wäre es denn, wenn ihr heute mal mit euren eltern darüber reden würdet? das klingt schon ziuemlich krass, was du schreibst

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    Meine Schwester kam dann jahrelang zu mir ins Bett, wenn's abends rund ging

    . klingt auch ein bisschen rücksichtslos von euren eltern (oder zu kurz gedacht). wenn man SO laut anscheinend ist, hört das doch jeder!

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    wie wäre es denn, wenn ihr heute mal mit euren eltern darüber reden würdet?

    Geht leider nicht mehr

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    klingt auch ein bisschen rücksichtslos von euren eltern (oder zu kurz gedacht). wenn man SO laut anscheinend ist, hört das doch jeder!

    Ich weiß nicht, wie objektiv meine kindliche Erinnerung daran ist. Vielleicht kam es mir lauter vor, als es eigentlich war oder wir hatten sehr dünne Wände. Ging auch nicht stundenlang und nicht immer so wild, aber da meine Eltern auch gewisse Rituale in dem Zusammenhang pflegten, wussten wir eigentlich auch schon im Voraus, heute Abend ist es wieder so weit... vielleicht haben wir dann auch ganz genau hingehört, keine Ahnung.


    Ich glaube, das erste Mal, als wir es mitgekriegt hatten, waren sie echt hemmungslos, weil alkoholisiert (was nicht die Regel, sondern die Ausnahme war! Dem war ein Geburtstag oder ein anderes Fest voraus gegangen) und die Male im Urlaub waren auch sehr prägend, weil wir da im selben Raum waren und wir verreisten immer die kompletten Schulferien, davor hatten wir dann teilweise schon richtigen "Horror".


    Nur wieso haben wir nie was gesagt oder einfach mal gezeigt, dass wir wach sind, frag ich mich heute :-/ Ich glaube, weil wir wussten, dass sich DAS wiederum nicht "gehören" würde, weil unsere Eltern ja solche Dinge wie "Sie schlafen" sagten. War uns wohl einfach peinlich, weil wir ja verstanden haben, dass wir es eigentlich NICHT mitkriegen sollten. Muss ich meine Schwester nochmal dazu befragen, wie sie das sieht, wobei sie gar nicht so en detail drüber reden mag, wie ich am Wochenende gemerkt habe. Sie blockt da gleich ab und wir hatten nach der Pubertät auch nie wieder ein Wort darüber verloren bis vorgestern.

    oh, okay... das tut mir leid.


    aber ich denke auch, es wäre sehr wichtig, dass deine schwester darüber spricht. mit dir/therapeutin etc. denn so wie sie es erlebt hat (egal, wie derbe es nun in der realität war), hat sie auf jeden fall was davon getragen...

    Ich habe es als Kind auch mitbekommen, wenn meine Eltern aktiv wurden. Unangenehm war mir aber eher das Vorspiel, welches bereits ausserhalb des Schlafzimmers begann. Mein Vater, der die Nähe meiner Mutter suchte und ihre – für mich damals -eigenartige Reaktion darauf. Ich war dann irgendwie fehl am Platz und habe mich in mein Zimmer zurückgezogen und gewartet, dass sie – wieder normal – aus dem Schlafzimmer heraus kommen würden. Aufgeklärt war ich schon früh, ich bin auf dem Land mit Tieren aufgewachsen, da weiss man, was Sex/Paarungen sind. Ich wusste, was meine Eltern da taten, aber eigentlich war mir am liebsten, wenn ich von ihrem Sexleben nichts mitbekam.


    Bei unseren Kindern (Söhne, 15 u 18). verhält es sich gleich. Die wussten und wissen, was wir tun. Räumen aber das Feld, wenn sie plötzlich zuviel mitbekommen. Oder sie laufen dann demonstrativ mit Kopfhörern rum ;-D . Selbst sind sie sehr diskret und mögen auch versaute Witze oder zu klare Aussagen zum Thema Sex oder Männer/Frauen nicht. Im Kollegenkreis verhalten sie sich aber ganz anders, dort haben sie eine grosse Klappe wie alle andern auch.


    Ich glaube, dass diese Hemmung und Distanz innerhalb der Familie etwas Normales ist. Vielleicht ist dies ein natürlicher Schutz vor zuviel intimer Nähe zwischen Eltern und Kindern. Es ist sicher auch wichtig, dass man gewünschte Distanzen einhält. Ein sich darüber hinwegsetzen hat rasch eine missbräuchliche Wirkung.