• Wenn Kinder die Eltern beim Sex hören – verstörend?

    Ich habe mich am Wochenende mit meiner jüngeren Schwester über ein Thema unterhalten, das wir beide im Erwachsenenalter bislang einvernehmlich totgeschwiegen haben. In unserer Kindheit war es aber ein mehr oder weniger großes Thema für uns. Wir haben unsere Eltern regelmäßig beim Sex gehört und fanden das anfangs unheimlich, irgendwie verstörend…
  • 106 Antworten

    Macht es dir bis heute Probleme? Wenn ja würde ich es ansprechen... Super strange die ganze Aktion. Gerade wenn man eine Tür so zuknallt kann man sich ja vorstellen das der Nachwuchs wach wird. Was ich übrigens nicht per se schlimm finde. Meine kam irgendwann mal rein und erkundigte sich was wir da machen und ob es Mama gut ginge. Ich hab sie so strahlend angelächelt wie ich das konnte (gar nicht soe einfach :=o :=o ) und erklärt das es mir super geht und das wir so eine Mama-Papa Sache machen die ganz doll viel Spaß macht und das ich dabei manchmal komisch klinge. Endergebnis: sie wollte auch mitmachen. %:| %:|

    ;-D Das ist ja herzig!


    Ich denke bei mir war nicht das Hauptproblem, dass ich was mitbekommen hab, sondern damit total alleine war und mich irgendwie "weggesperrt" gefühlt habe.


    Ich mache mir schon einige Gedanken darüber in letzter Zeit, da ich auch bald so einen Knirps habe, der/die dann vielleicht auch mal etwas mitbekommt....

    Anna-Ernestine


    Ich glaub es, deine Erfahrung ist auch dazu angetan einem wirklich den Magen zusammen zuziehen. Irgendwie habe ich das Gefühl das Geheimnistuerei darum einfach dazu angetan ist es zu etwas großem aufzublasen und somit den Kindern Angst zu machen.

    zwei Gedanken dazu:


    1) auch wenn es vielleicht verstörend ist, wenn Kinder ihre Eltern beim Sex hören oder gar sehen, weil sie dies nicht einordnen können, so ist es sicher noch weit schlimmer für die Kinderseele, wenn sie ihre Eltern bei einem schlimmen Streit hören müssen! Denn das können sie einordnen und wissen, dass das etwas schlimmes ist! Und es ist nun leider so, dass Streits die Kinder auch in fast allen Familien mitbekommen...


    An alle, die hier also berichten, dass sie die Sexgeräusche der Eltern als verstörend oder eklig empfunden haben: wie wäre es gewesen, wenn sich Eure Eltern stattdessen angegiftet hätten?


    2) ich denke, dass der allgemeine Umgang der Eltern miteinander im Alltag auch eine wesentliche Rolle spielt: wenn die Eltern immer sehr distanziert miteinander vor den Kindern umgehen, dann ist die "Hubhöhe" zum Sex sehr groß und für die Kinder erschreckender, als wenn die Eltern auch im Alltag vor den Kindern sehr liebevoll miteinander umgehen, häufig einander die Hand halten, einander umarmen, einander küssen. Dann ist der Sex quasi nur eine "Fortsetzung" und damit für die Kinder weitaus weniger irritierend und verstörend (so vermute ich zumindest)

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    Aber vielleicht sehe ich auch die Probleme nicht so gravierend, weil meine Frau und ich unser Schlafzimmer in unseren verschiedenen Wohnungen so gelegt hatten, dass zwischen Kinderzimmer und Elternzimmer ein Raum z.B. der Flur oder eine Etage dazwischen lag.

    Du Glücklicher! Wir waren froh, nach 6 bzw. 8 Jahren Wohnheim und langem Kampf überhaupt Anspruch auf eine 2-R-Wohnung zu haben. Mehr stand uns dank des " Wohnungsbauprogramms" mit Noch-Nicht-Schul-Kind nämlich nicht zu. Gottseidank sind diese Zeiten vorbei, obwohl mir manches Problem immer noch als Luxusproblem erscheint.

    Zitat

    wie wäre es gewesen, wenn sich Eure Eltern stattdessen angegiftet hätten?

    Was heißt stattdessen? Wenn die Eltern (so wie meine) im normalen Alltag laut streiten (oder schlimmeres) und dann auch noch lauten Sex haben, das wäre für mich wohl der Super Gau gewesen.

    Zitat

    … wenn die Eltern auch im Alltag vor den Kindern sehr liebevoll miteinander umgehen…Dann ist der Sex quasi nur eine "Fortsetzung" und damit für die Kinder weitaus weniger irritierend und verstörend (so vermute ich zumindest)

    Doch ich denke, das siehst Du richtig. Und dann kann man gewisse Situationen auch problemlos überspielen, selbst wenn die Kinder dann mitkuscheln wollen. Wir hatten unseren Kindern nie unser Bett verboten, denn wenn sie mal kamen, dann nicht ohne triftigen Grund.

    Zitat

    Ich schlief mit Ihnen im Sommer öfter in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz.

    Ok, Zelt oder Wohnwagen, da geht es mit dem Platz ja nicht anders, wenn ich das Verhalten deiner Eltern auch rücksichtslos finde. Man achtet als Eltern doch darauf, dass Kinder nicht aufwachen?


    Aber was ich überhaupt nicht verstehen kann, wenn Eltern selbst mit Teenager-Kind immer noch Hotelzimmer mit Aufbettung buchen. Bei Bekannten ist es völlig normal, dass der 17-jährige Sohn im Urlaub mit im selben Zimmer schläft. Wir haben immer darauf geachtet, mindestens 2 Schlafräume zu haben, davon abgesehen, dass Aufbettung bei mehr als einem Kind sowieso selten möglich ist. Es ist Urlaub und man möchte sich doch auch mal zurückziehen?

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    Aber was ich überhaupt nicht verstehen kann, wenn Eltern selbst mit Teenager-Kind immer noch Hotelzimmer mit Aufbettung buchen.

    So etwas kann ich auch nicht verstehen. Ich denke mir dann immer, dass die wahrscheinlich keinen Sex mehr haben, jedenfalls nicht im Urlaub. Das finde ich traurig.

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    Aber was ich überhaupt nicht verstehen kann, wenn Eltern selbst mit Teenager-Kind immer noch Hotelzimmer mit Aufbettung buchen.

    Naja, "Teen" ist ein weiter Begriff von 10 bis 19. Und vielleicht können sie sich den Urlaub mit Extra-Zimmer nicht leisten.

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    dass die wahrscheinlich keinen Sex mehr haben, jedenfalls nicht im Urlaub.

    Im Urlaub sollte man schon etwas anderes machen als sonst jeden Tag und irgendwann muss man ja doch auch mal Urlaub von dem täglichen 6 haben! *ganz entspannt guck*

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    kann es eventuell sein, dass neben dem Akt an sich (wo es anscheinend wüst, laut und mit Dirty Talking einher ging) es gerade der Umstand war, dass ihr vermeintlich schlaft? Ihr also wusstet, ihr dürft das nun nicht mitbekommen und ihr euch dann schuldig gefühlt habt, wenn ihr es nunmal doch mitbekommen habt? Also regelmäßig quasi dazu gezwungen wurdet passiv "etwas verbotenes" zu tun? Persönlich denke ich nämlich, dass das Mitbekommen von Sexualität nicht per se traumatisierend ist – dafür muss da erstmal ne Wertung rein.

    Ich denke schon, dass das insgesamt eine Rolle spielte, denn wir haben später auf jeden Fall kapiert, dass wir das eigentlich nicht mitkriegen sollten, eben durch Äußerungen wie "Ach was, die schlafen doch..." Die ersten Male hörten wir aber nur die Geräusche und wussten die nicht einzuordnen bzw. haben sie falsch eingeordnet. Für uns klang das Wimmern und Stöhnen nach Leid und Schmerz. Also klar hängt es von der "Wertung" ab und das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun, in dem man etwas mitkriegt, was man nicht mitkriegen soll, war sicher einer der negativen Bausteine. Die allererste "(Be)Wertung" der Geräusche erfolgte aber unabhängig davon, wenn ich das nach all den Jahren noch richtig rekonstruiere, wobei ich rückblickend nicht mehr sagen kann, wieso wir nicht einfach in ihr Schlafzimmer gegangen sind und nachgefragt haben, als es uns so große Angst machte, was wir da hörten. Ich schätze, es klang einfach zu bedrohlich für uns.

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    Du wunderst dich, daß ihr nichts gesagt habt. Ich wundere mich, daß eure Eltern nicht wenigstens mal gefragt haben! Wenn man nun schon so wahnsinnig ungehemmt ist, dann kann man ja seine Kinder auch mal drauf ansprechen, ob sie eigentlich manchmal nachts was hören und wie es ihnen damit geht.

    Stimmt eigentlich, auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen :-/ So kann man es natürlich auch sehen.

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    1) auch wenn es vielleicht verstörend ist, wenn Kinder ihre Eltern beim Sex hören oder gar sehen, weil sie dies nicht einordnen können, so ist es sicher noch weit schlimmer für die Kinderseele, wenn sie ihre Eltern bei einem schlimmen Streit hören müssen! Denn das können sie einordnen und wissen, dass das etwas schlimmes ist! Und es ist nun leider so, dass Streits die Kinder auch in fast allen Familien mitbekommen...


    An alle, die hier also berichten, dass sie die Sexgeräusche der Eltern als verstörend oder eklig empfunden haben: wie wäre es gewesen, wenn sich Eure Eltern stattdessen angegiftet hätten?

    Ich kannte beides, obwohl meine Eltern wie gesagt die meiste Zeit über sehr liebevoll miteinander umgingen, aber Streit gab es auch mal und gerade weil ich solche lauten komischen Geräusche nur vom Streiten her kannte (schreien oder weinend schluchzen), habe ich das, was aus dem Schlafzimmer zu hören war, so negativ wahrgenommen. Die positive Verknüpfung Sex = besser = weil Eltern sich mögen muss einem ja erstmal einer erklären, wenn man einfach nicht weiß, was da abgeht und es in erster Linie so klingt, als leide die Mutter und habe Schmerzen, weil sie stöhnt, wimmert und immer wieder laut aufschreit.

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    ich denke, dass der allgemeine Umgang der Eltern miteinander im Alltag auch eine wesentliche Rolle spielt: wenn die Eltern immer sehr distanziert miteinander vor den Kindern umgehen, dann ist die "Hubhöhe" zum Sex sehr groß und für die Kinder erschreckender, als wenn die Eltern auch im Alltag vor den Kindern sehr liebevoll miteinander umgehen, häufig einander die Hand halten, einander umarmen, einander küssen. Dann ist der Sex quasi nur eine "Fortsetzung" und damit für die Kinder weitaus weniger irritierend und verstörend (so vermute ich zumindest)

    Kann ich nicht bestätigen, weil diese komischen Geräusche für mich keine logische Fortsetzung von dem waren, was ich an zärtlichem Umgang im Alltag miterlebt habe. Der Sprung von umarmen/küssen hin zu stöhnen/wimmern/schreien (was ich bis dahin nur von Menschen kannte, denen es in dem Moment nicht gut ging) war für mich als Kind nicht nachvollziehbar, da gab es einfach keinen Zusammenhang, dafür hätte ich die Entwicklung vielleicht sehen müssen, also wie aus umarmen immer mehr wird. Aber für mich war das, was ich im Alltag sah und erlebte, wie sich sich einen Kuss gaben und kuschelten, dabei ganz ruhig und glücklich wirken, etwas ganz anderes, als das, was an Geräuschen aus dem Schlafzimmer drang. Das klang für mich absolut nicht nach "die haben sich gerade lieb".

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    Naja, "Teen" ist ein weiter Begriff von 10 bis 19. Und vielleicht können sie sich den Urlaub mit Extra-Zimmer nicht leisten.

    Zumindest die Personen die ich meine, sind absolut nich knapp bei Kasse.

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    1) auch wenn es vielleicht verstörend ist, wenn Kinder ihre Eltern beim Sex hören oder gar sehen, weil sie dies nicht einordnen können, so ist es sicher noch weit schlimmer für die Kinderseele, wenn sie ihre Eltern bei einem schlimmen Streit hören müssen! Denn das können sie einordnen und wissen, dass das etwas schlimmes ist!

    ich kann diese Theorie "etwas, das man nicht einordnen kann, ist nicht so schlimm wie etwas, das man einordnen kann" weder nachvollziehen noch aus eigener Erfahrung bestätigen. Erst recht nicht auf diesen Bezug zu Streit / Sex der Eltern.


    Menschen, die Sex haben, sehen für Kinderaugen einfach nicht danach aus, als hätten sie gerade "total viel Spaß" und "sich wahnsinnig lieb". Und die Schreie, das Stöhnen, Japsen und Wimmern hören sich für Kinderohren auch nicht nach lustiger Osterhasen-Party an ... Das kann zwangsläufig nur stark angsterregend wirken, erst recht, wenn Kind es nicht wagt, im Nebenzimmer nachzuschauen, was da eigentlich los ist, weil es ja "eigentlich" schlafen sollte.

    Mein Zimmer war damals neben dem meiner Eltern und ich erinnere mich gut an eine Szene als ich so fünf war, wo ich sie beim Sex gehört habe. Natürlich hatte ich keine Ahnung, was sie da tun, aber ich war müde und wollte schlafen und es hat mich genervt, also bin ich zur Tür gegangen und bin rein, meine Mama sah mich an und ich sagte ganz laut: Könnt ihr bitte mit den Geräuschen aufhören, ich kann so nicht schlafen =D


    Später, als ich wusste, was sie tun, war mir das schon ziemlich unangenehm. Habe dann irgendwann ein anderes Zimmer bekommen, wo ich sie nicht mehr hören konnte. Das war schon besser so.

    Zitat

    Könnt ihr bitte mit den Geräuschen aufhören, ich kann so nicht schlafen =D

    :)^ cool, so selbstbewußt :)=