Wer soll Patentante- und Onkel werden?

    Hallo zusammen,


    kurz zu mir bzw. uns: Verheiratet und seit 6 Wochen Papa von einem Sohn. Alles gut und glücklich soweit was das Familienleben angeht.


    Ein Problem beschäftigt uns jedoch sehr und wir schieben es vor uns her. Die Frage nach dem Patenonkel und der Patentante! Wir wollen ihn taufen lassen und sehen hinter dem Patentante- und Onkelsein nicht nur ein Stück Papier, sondern wünschen uns das diese Aufgabe bis zu einem gewissen Grad "ernst" genommen wird. D.h. die Person soll in gewissem Sinne Vorbildfunktion haben, bei diversen Feiern (Geburtstage, Kommunion usw.) an seiner Seite sein. Ich kenne es auch so, dass Patentante- und Onkel im Falle eines schlimmen Unfalls der Eltern auch die Erziehung mit übernehmen.


    Wenn ich auf meine Paten schauen, treffen oben genannte Punkte nicht unbedingt auf unsere Vorstellungen zu. Bei meiner Frau siehts ähnlich, die zu einem Paten garkeinen Kontakt mehr hat und dieser sich eigentlich nie um irgendwas gekümmert hat. Dennoch wollen wir versuchen es anders bzw. besser zu machen.


    Die Situation:


    Auf meiner Seite kämen entweder mein Bruder oder meine Schwester in Frage. Beide stehen im Leben, haben ein gutes soziales Umfeld und beiden würde ich diese Aufgabe blind zu trauen.


    Bei meiner Frau siehts komplett anders aus. Sie hat einen etwas jüngeren Bruder (26 Jahre alt), der sein Leben aber komplett nicht im Griff hat. Ich habe dazu schon vor einiger Zeit einen anderen Thread hier bei med1 eröffnet, da wir uns damals nicht zu helfen wussten. Wer also lesen will, kann diesen gerne suchen.


    Er ist psychisch krank, hat u.a. schwere Depressionen die er jetzt mit Tabletten halbwegs im Griff hat. Therapeutische Hilfe hat er jahrelang konsequent abgelehnt. Bis zum Frühjahr 2016 wohnte er im abgedunkelten Zimmer bei seinen Eltern und kann beruflich (mit 26 Jahren) nur eine abgebrochene Ausbildung vorweisen. Geistig ist er auf dem Stand eines 12 jährigen. Er kann die Folgen seines Handels oft nicht abschätzen und fühlt sich, wenn er Mist baut, immer angegriffen. Es kam, u.a. auf unserem Polterabend, vor, dass er sich auf Feiern so betrinkt, dass am Ende der Krankenwagen vor der Tür stand. Ein Gespräch zu diesen Vorfällen am nächsten Morgen ging er immer aus dem Weg. Kein "Danke" oder "Entschuldigung" seinerseits. Er redet und macht Witze wie ein pubertierendes Kind. Gespräche mit Niveau sind nicht möglich.


    Das größte Problem ist allerdings in diesem Zusammenhang seine Mutter: Er ist ihr größter Schatz und wurde, als er noch zu Hause wohnte, von vorne bis hinten betätschelt und beschützt. Das erklärt in vielen Dingen auch sein Verhalten, dass er nie gelernt hat selbstständig zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Er musste nie im Haushalt oder bei sonstwas helfen. Wenn er Mist gebaut hat gabs keinen Ärger, sondern es wurde alles in Grund und Boden verschwiegen und einfach nicht drüber geredet bzw. haben seine Eltern das Problem dann im Hintergrund gelöst.


    Seit Frühling 2016 wohnt er nun in einem Heim für betreutes Wohnen. Immerhin haben er und seine Mutter erkannt, dass es so nicht weitergehen konnte und er hat sich um diesen Platz gekümmert. Dort lebt er in einer kleinen Wohngruppe, wo er selbstständig kochen muss und den Haushalt schmeissen muss. Es sind aber immer Betreuer vor Ort, die sich kümmern. Dort geht es langsam bergauf, aber eben nur so, was sein geistiges Pensum erlaubt. D.h. er arbeitet dort als Maler, Schreiner usw., kann in diverse Berufe reinschnuppern. Das ist ihm wiederum alles zu einfach und er sei ja nicht krank, nur die anderen. Dennoch hat er immer wieder gesagt, dass er dort bleiben will.


    Es ist ein ständiges auf- und ab und wie ihr deutlich erkennt: ich habe ein großes Problem mit ihm. Meine Frau sieht es ähnlich, wobei es halt ihr Bruder ist und sie ihn nicht anders kennt und es halt normal ist. Seitdem sie aber nicht mehr zu Hause wohnt, also schon einige Jahre, sieht sie das alles nüchterner und ähnlich wie ich.


    Zum eigentlichen Thema: Auf einer Hochzeit vor einigen Wochen, wo auch der Bruder war und unerlaubterweise Bier getrunken hat (was laut seiner Heimleitung in seiner Situation nicht erlaubt ist, er durfte für die Hochzeit aus dem Heim raus), wurde er immer euphorischer, dass er ja nun Onkel sei und hat uns mit der Frage gelöchert, wer denn Patenonkel wird und er das ja so gerne sein würde. Er ist unheimlich stolz auf seinen Neffen und dafür das er mit Kindern bisher nicht viel anfangen konnte, betüddelt er den Kleinen immer wenn er mal da ist.


    Nachdem was ich oben alles geschrieben habe: Wir können uns so gut wie garnicht vorstellen, dass er Patenonkel wird. Wir haben ihm schonmal gesagt, dass wir das noch nicht entschieden haben und das das in unseren Augen nicht nur eine Aufgabe auf dem Papier ist. Man kann sicher davon ausgehen, dass er das nicht auf sich bezogen sieht. In seinen Augen läuft ja alles gut. Im Vorfeld gabs wegen anderen Sachen schon Gespräche meinerseits mit ihm. Aber Schuld sind eben immer die anderen...auch beim Unfall damals, wo er in einen Zaun gefahren ist und einfach Fahrerflucht begangen hat...böser Zaun der da nicht stehen dürfte.


    Gestern gabs dann ein Gespräch zwischen meiner Frau und ihrer Mutter. Meine Frau erwähnte nur, dass wir uns Gedanken zur Taufe machen, es aber eigentlich ihr Hassthema sei. Auf die Frage "Wieso?" erzählte meine Frau halt, dass wir wissen das ihr Bruder es gern sein will, wir aber aufgrund der Situation garnicht damit leben können. Da sagt ihre Mutter tatsächlich "Das kannst Du nicht bringen ihn nicht zu nehmen" - das würde ihn in ein Loch werfen. Für sie war es schon immer selbstverständlich und er wäre ja schließlich schon kein Trauzeuge gewesen (das war seine schlimmste Phase damals!!). Da fehlen mir echt die Worte. Wie da jemand wohl ihren Sohn wieder mal beschützen und sieht die Realität nicht?


    Wie seht ihr die Lage? Hier sind wir nämlich wieder beim Thema, dass der Junge von seiner Mutter immer bekommen hat was er wollte. Das hat meine Frau dann auch gesagt, dass er dann nur wieder seinen Willen bekommt. Damit war das Gespräch aber schon beendet und wir grübeln wie es in Sachen Paten weitergehen kann. Auf meiner Seite wird es weiterhin mein Bruder oder Schwester, aber was ist auf der anderen Seite. Wir wollen auch keinen Familienstreit, da wir mit den Eltern direkt in zwei Häusern auf einem Hof wohnen. Bisher war auch immer alles entspannt und es gab nie Streit. Aber sollen wir uns jetzt von der Mutter diktieren lassen, wer Patenonkeln von unserem Sohn wird?


    Scheiss Situation! Sorry für den langen Text. Ich musste mal etwas Frust von der Seele schreiben.


    Grüße

  • 40 Antworten

    Nachtrag:


    Ich habe meinen Beitrag nochmal gelesen und es könnte so rüberkommen, dass psychisch kranke Menschen schlechtere Menschen sind und ich diese abwerte! Sorry - das war keine Absicht. Vor allem, weil ich selbst vor Jahren selbst an Depressionen erkrankt bin. Diese habe ich zum Glück durch 2 Therapien relativ gut im Griff.

    Ich würd emich dabei nicht von anderen leiten lassen, sondern eher von der Vorstellung wer im Ernstfall wirklich dein Kind aufnehmen könnte und großziehen.


    Und ich glaube wenn du in einer ruhigen Minute mit ihm sprechen würdest und ihm erklären was das für eine Bedeutung für euch hat, wird er auch einsehen dass er nicht der Richtige ist - zumindest noch nicht ;-) Sei dahingestellt ob ihr noch ein 2. Kind wollt und er dann sein Leben im Griff hat und reif genug geworden ist. Aber wenn du ihm die Frage stellst: Könnte er im Notfall sofort bei dir einziehen und du würdest ihn großziehen wie dein eigenes Kind? - glaub ich nicht dass er "Ja klar sofort" rufen würde - sondern sich seiner Makel durchaus bewusst ist.


    Die gute Schwiegermama geht vielleicht eher davon aus dass der Kleine dann sowieso bei ihr landen würde und ihr das das Liebste wäre ;-) Den Faktor was sie darüber denkt, würde ich also ausklammern.

    Wollt ihr denn unbedingt zwei Paten?


    Ich finde einen Paten (wobei ja der Partner auch irgendwie Pate ist) immer besser, weil das Kind dazu ja auch eine Bindung haben soll. Es soll ja kein Konkurrenzkampf zwischen den Paten entstehen. Und wenn es nur einen Paten gibt, finde ich es auch absolut richtig einen von deiner Familie zu nehmen. Das sollte auch der Bruder (und die Schwiegermutter) verstehen, dass ein Pate genommen wird, der mit beiden Beinen fest im Leben steht. Das könnt ihr ja auch erklären.


    Wenn ihm der Zwerg so viel bedeutet, kann er ihn ja trotzdem (jederzeit) sehen und eine wichtige Vertrauensperson für ihn werden. Dafür muss er ja nicht offiziell Pate werden.


    Wenn ihr ihn beim zweiten Kind nicht nehmt (also dann zweimal Paten aus deiner Familie), fände ich das aber sehr komisch, solange er sein Leben einigermaßen im Griff hat.

    Zitat

    Aber wenn du ihm die Frage stellst: Könnte er im Notfall sofort bei dir einziehen und du würdest ihn großziehen wie dein eigenes Kind? - glaub ich nicht dass er "Ja klar sofort" rufen würde

    Doch, das würde! Er wäre fest davon überzeugt, dass er ein Kind erziehen könnte. So tickt er.


    Wir haben gestern auch besprochen, dass wir das Gespräch mit ihm suchen werden und ihm genau das erklären was diese Aufgabe für uns bedeutet und der Mutter sagen, dass es eben nicht nur auf dem Blatt Papier stehen soll.

    Guten Morgen Mondmensch!

    Um Eure Entscheidung treffen zu können, müsste euch zunächst über eure eigenen Prioritäten in dieser Angelegenheit klar werden.


    Was wollt ihr, beziehungsweise was ist euch wichtiger?


    a) Eurem Sohn einen stabilen und zuverlässigen Paten an die Seite stellen, auf den ihr eventuell im Ernstfall wirklich zählen könntet, und - das ist ja auch nicht zu vernachlässigen bei Paten - der eventuell auch eine -Vorbildfunktion im Leben des Sohnes übernehmen kann.


    oder


    b) Die Patenrolle eher symbolisch seht, sprich, der Onkel heißt dann eben "Patenonkel", hat aber keine darüber hinausgehende Funktion.


    Dann könnt ihr eventuell auch den instabilen, psychisch kranken und suchtgefährdeten Bruder nehmen, der sich dadurch wertgeschätzt fühlt.


    Und seiner Mutter habt ihr damit auch noch einen Gefallen getan.


    Für mich persönlich würde einzig und alleine a) infrage kommen.


    Allein schon aus dem Grund weil ich und mein Partner die Paten aussuchen, und wir unsere Entscheidung sicher nicht nach den Wünschen und Ansprüchen anderer Menschen ausrichten würden.


    *:)

    Mal als Einwurf: Paten bekommen nicht "automatisch" im Fall der Fälle das Kind. Hier würde ich mich informieren was dazu nötig ist und eine entsprechende Verfügung aufsetzen die dann auch rechtlich wasserdicht ist.

    Mondmensch

    Zitat

    Aber sollen wir uns jetzt von der Mutter diktieren lassen, wer Patenonkeln von unserem Sohn wird?

    Nein, natürlich nicht.

    Zitat

    Wie da jemand wohl ihren Sohn wieder mal beschützen und sieht die Realität nicht?

    Ihr misst diesem Amt eben sehr viel Bedeutung bei. Sie vielleicht nicht.


    Entscheidet einfach und macht selber am besten nicht so einen Wirbel um das Thema.

    Hallo Sheilagh,


    danke für deine Antwort.


    Unsere Prioritäten habe ich ja klar aufgezeigt und die gehen eindeutig zu deiner Lösung a) - von daher ist die Sache eigentlich beantwortet.


    Wenn da eben nicht der liebe Familienfrieden wäre. Aber wir werden das offene Gespräch suchen und genau das von Dir beschriebene so erläutern! So haben wir es gestern schon besprochen.

    Zitat

    Entscheidet einfach und macht selber am besten nicht so einen Wirbel um das Thema.

    Doch, da es uns eine wichtige Angelegenheit ist. Den Wirbel wirbeln leider die Schwiegermutter und ihr Sohn auf, für die die Sache "symbolisch" anscheinend klar war.

    Mondmensch

    Zitat

    Den Wirbel wirbeln leider die Schwiegermutter und ihr Sohn auf, für die die Sache "symbolisch" anscheinend klar war.

    Und eure Stellungnahme dazu war bislang eben nicht klar ihm gegenüber. Das ihr eure Linie da gestern besprochen und festgelegt habt, hast du ja auch eben erst geschrieben. Dann ist ja alles klar.

    Zitat

    Hallo Sheilagh,


    danke für deine Antwort.

    Gerne doch! :-)

    Zitat

    Unsere Prioritäten habe ich ja klar aufgezeigt und die gehen eindeutig zu deiner Lösung a) - von daher ist die Sache eigentlich beantwortet.

    Habe ich auch so empfunden.

    Zitat

    Wenn da eben nicht der liebe Familienfrieden wäre. Aber wir werden das offene Gespräch suchen und genau das von Dir beschriebene so erläutern! So haben wir es gestern schon besprochen.

    DAS wiederum lässt mich einigermaßen hell örig werden.


    Warum herrschen in eurer Familie Verhältnisse, bei denen andere Menschen das Gefühl haben, sie könnten bei Entscheidungen von euch mit reden?


    Und warum wollt ihr da das Gespräch suchen, quasi wie ein Bittsteller der Absolution sucht? ":/


    Und wieso habt ihr überhaupt das Gefühl euch rechtfertigen zu müssen?


    In meinen Augen herrscht wirklicher Familienfriede genau dann, wenn jeder weiß und respektiert wo die Grenzen des eigenen Einflusses und "Mitspracherechtes" sind und wo man sich rauszuhalten hat.


    Ich wünsche euch, dass ihr klar, ohne rum zu diskutieren und ohne euch zurechtfertigen da eine Grenzen setzen könnt.


    Es gehören immer zwei dazu: wenn ihr den anderen das Gefühl und die Plattform gebt, sie hätten dort etwas mitzureden tragt euren Teil zu dieser Geschichte bei.


    Wenn ihr gar das Gespräch sucht, dann seid Ihr in meinen Augen sogar hauptverantwortlich dafür, dass die anderen das Gefühl haben sie hätten etwas mitzureden.


    Ihr seid kein Gespräch und keine Rechtfertigung schuldig.

    Zitat

    Wir haben gestern auch besprochen, dass wir das Gespräch mit ihm suchen werden und ihm genau das erklären was diese Aufgabe für uns bedeutet und der Mutter sagen, dass es eben nicht nur auf dem Blatt Papier stehen soll.

    Würde ich nicht machen. Das kann nur schief gehen. Wenn er nicht in der Lage ist selbst einzusehen, dass er diese Funktion nicht ausfüllen kann, dann wird er sich von euren Begründungen nur angegriffen und abgewertet fühlen und die Mutter wohl genauso. Manchmal ist es besser, wenn man einem Menschen nicht in aller Klarheit sagt was man von ihm denkt, also dass ihr ihn für lebensuntüchtig und ein schlechtes Vorbild als Patenonkel haltet. Das bleibt lieber ungesagt, sonst habt ihr einen wirklichen Familienkrach am Hals.


    Stattdessen würde ich einen anderen Paten auswählen und auf Nachfrage nur sagen, dass ihr euch für X entschieden habt, weil ihr langjährig befreundet seid, X selbst schon Kinder hat oder was auch immer. Und der Diskussion um die Fähigkeiten des Bruders konsequent aus dem Weg gehen.

    Mondmensch

    Zitat

    Ihr seid kein Gespräch und keine Rechtfertigung schuldig.Sheilagh

    Von so einer Haltung kann ich nur abraten, wenn es so viel räumliche Nähe gibt als "größerer Familienverband". Das bedeutet wahrlich nicht, dass ich für "entschuldigende Rechtfertigungen" oder so einen Quatsch bin - aber miteinander reden und ggfls. auch seine Beweggründe erläutern; ja.

    Ich würde keinesfalls aus Pflichtgefühl jemanden als Paten auswählen, nur weil diese Person ein naher Verwandter ist. Für mich wäre es wichtiger, dass die Person (wie du selber schriebst) einen guten Einfluss auf das Patenkind hat und dieses ggf. bei seinem Paten gut aufgehoben wäre.

    Zitat

    Es soll ja kein Konkurrenzkampf zwischen den Paten entstehen.

    Genau sowas habe ich im Freundeskreis beobachtet. Ich wüsste auch nicht, warum überhaupt zwei Paten nötig sein sollten. Was anderes wäre es, wenn man das Patenamt mit einem (Ehe-) Paar besetzt.