Stimmt natürlich. Für mich umfasst das auf Beobachtungen fussende Entscheidungen die nicht wissenschaftlich abgesichert sind. Ich kann halt nicht für jede Entscheidung in der Erziehung mit meinem Kind eine Studie veranlassen die zu all unseren Parametern passt. Manchmal muss ich da einfach nehmen was ich sehe, entscheiden und das Risiko tragen, dass ich mich irre und das in der Pubertät ordentlich was auf die Mütze kriege.

    Das Risiko trägt mMn das Kind.


    Aber eigentlich wollte ich sagen, dass ich zum gesunden Menschenverstand raten halt genauso inhaltsleer/risikoreich wie den Verweis auf den Mutterinstinkt finde. Was weiß denn ich, was jemand anderes für gesunden Menschenverstand hält? Meine eigene Vorstellung davon kenne ich und so gott will (oder ich mich mal darum bemüht habe) auch deren Grenzen und Fallstricke, aber als Ratschlag an andere halte ich das für gänzlich ungeeignet.

    Hi Fussel,


    ich bin ganz frischer Papa und meine Frau und ich wussten vorher auch nicht soviel über Erziehung.


    Wir haben uns zu Beginn der Schwangerschaft mit Literatur eingedeckt. Also wir haben NICHT Massen an Büchern gekauft, sondern nur 2 Stück die von Grund auf die Bedürfnisse eines Babys erklären. Zuletzt haben wir uns noch das Buch "Oh je, ich wachse" gekauft.


    Außerdem haben wir eine Schwangerschaftsvorbereitungskurs besucht. Die ersten Stunden ohne Männer, die letzte 4x mit Männern. Das hatte bei uns absolut nichts mit dem berühmten "Hechelkurs" zu tun. Die Frauen haben am Anfang einmal kurz gelernt, wie man bei den Wehen atmen soll, das wars. In soeinem Kurs lernt man aber auch unheimlich viel.


    Ganz wichtig für uns war auch die Betreuung in den ersten Wochen durch eine Hebamme. Sie kam in den ersten 10 Tagen täglich und das war auch gut so. Sie hat uns gezeigt wie man Baby richtig trägt, die Brust gibt, wickelt, badet usw. Man wird aber schnell viel sicherer und den Rest liest man sich an und tauscht sich mit Bekannten aus.


    Auf die Ratschläge der Mutter zu hören...hmm...nicht immer sinnvoll. Meine Mutter hat teilweise noch die Ansichten von vor 35 Jahren und damals hat man vieles noch anders gemacht. Meine Mutter und meine Schwiegermutter haben mittlerweile verstanden, dass wir teilweise andere Ansichten haben. Es gab mal eine Zeit, da war Stillen unmodern und z. B. die Oma meiner Frau wollte uns erklären, dass Stillen nicht gut sei %-|


    Aber ich finde gut das Du dich mit sowas beschäftigst. Es gibt auch viele Eltern die sich mit solchen Themen eben nicht beschäftigen und dann mit dem Baby da stehen und keine Ahnung haben >:(

    a.fish


    Ne, aber das man halt irgendwann an dem Punkt steht, an dem man nachdem entscheidet was man für vernünftig hält, immer wieder, dass muss einem als Elternteil klar sein. Die Verantwortung für die Entscheidungen zu tragen, dazu muss man schon bereit sein. Wenn man immer nur an Konzepten klebt ist man faktisch nicht erziehungsfähig. Das ist im Allatg nicht umsetzbar.

    Zitat

    Das Risiko trägt mMn das Kind.

    Die Folgen trägt das Kind zumindest in erster Linie, wenn auch nicht ausschließlich, aber die Verantwortung trägt der oder die Erwachsene. Es ist einem am Ende ja nicht egal, man muss eben schon mit den Folgen auch Gefühlsmäßig leben und das ein Leben lang. Für meine Ma ist das nicht immer leicht, einfach weil es ihr leid tut, egal wie oft ich ihr noch sage, dass es schon passt und ich in Ordnung bin.


    Aber klar ist das kind, als abhängige Person, in einer sehr verwundbaren Position.

    Zitat

    Mir geht es allein um diesen "Instinkt" Begriff. Instinkt ist ja etwas das automatisch, ohne Beobachtung, Reflektion und ohne Infos funktioniert.

    Ok, dann war das wohl ein Missverständnis.


    So hatte ich den Begriff nicht gemeint. Für mich geht es so in die Richtung Bauchgefühl, Intuition...


    Die Ursache dafür sehe ich darin, dass man als Mutter sein Kind meist (nicht immer) einfach am besten kennt und im Idealfall auch eine emotionale Verbindung zum Kind hat.


    Daher schrieb ich auch, dass das um so besser funktionierte, je älter mein Kind war.


    Gerade Menschen wie ich, die Informationen aufsaugen und Entscheidungen eher verkopft treffen, tun gut daran sich auch ihr Gefühl und ihre Intuition bewusst zu machen.


    Am Ende steht man nämlich doch häufig vor der Tatsache, dass die Experten sich uneinig sind, jeder aber für sich betrachtet auch gute Argumente hat.


    Da muss man dann einfach auch mal aus dem Bauch heraus entscheiden, was fürs Kind richtig ist.


    Mir wurde in der Schwangerschaft das berühmt, berüchtigte Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" geschenkt. Ich habe es komplett gelesen.... und dann entschieden, dass dies für mein Kind kein Weg ist.


    Es gab durchaus Nächte, in denen ich schwankend wurde. Wach und ausgeruht war mir wieder klar, dass es nicht gut sein würde. Und ich denke im Rückblick, dass das richtig war.


    Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass jemand sich zu diesem Thema gar nicht informiert. Gerade wenn tatsächlich ein Kind unterwegs ist und keine Erfahrung vorliegt. Und dass er dann einfach mal eben alles so macht wie er sich das denkt...


    Ich weiß allerdings, dass es das geben muss.... kann es mir eben nur schwer vorstellen :-)

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    Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass jemand sich zu diesem Thema gar nicht informiert. Gerade wenn tatsächlich ein Kind unterwegs ist und keine Erfahrung vorliegt. Und dass er dann einfach mal eben alles so macht wie er sich das denkt...

    ich erinnere mich an meinen einen Geburtsvorbereitungskurs. Da waren die werdenden Eltern massiv geschockt, dass man nicht einfach die Flaschen in der Mikro warm machen kann, genau wie die Gläser. Die hatten nämlich gar keinen Herd und konnten beide nichtmal Nudeln kochen. Der Plan lautete, drei Wochen vor Entbindung, einfach alles über Mikro zu machen, bis es sich auch diese Boxen aussuchen könne, mittels derer die Eltern sich ernährten. Also... viel können die nicht gelesen haben. ;-D ;-D

    Zitat

    Der Plan lautete, drei Wochen vor Entbindung, einfach alles über Mikro zu machen, bis es sich auch diese Boxen aussuchen könne, mittels derer die Eltern sich ernährten.

    :-o ;-D


    Ok, das ist krass ;-D


    Ich dachte schon es sei krass, als ich hörte wie jemand Dosenerbsen zu Brei pürierte. ;-)


    Dagegen glaube ich aber schon, dass es Menschen aus ärmeren Ländern eher krass finden, was wir hier teilweise für einen Aufwand betreiben bei dem Thema.

    Ich denke schon, dass es manchen Frauen leichter fällt mir Babys und Kleinkinder umzugehen und sie auch einen gewissen "Mutterinstikt" besitzen - und manche eben nicht.


    Ich selbst hatte eigentlich nie groß etwas mit Babys zu tun. In meinem Umfeld gab es so wirklich keine, wenn dann mal bei Bekannten, da hatte ich aber nie das Bedürfnis die gleich auf den Arm zu nehmen und zu knuddeln oder sowas - ich konnte mit Babys im Grunde nichts anfangen.


    Dann habe ich angefangen in dem Bereich zu arbeiten, in einer Einrichtung für Mütter und ihre Kinder. Das war für mich zum größten Teil ein Sprung ins kalte Wasser, und ich muss zugeben dass ich gerade zu Anfang auch wirklich Angst hatte, das nicht hinzubekommen und viel falsch zu machen - ich hatte schließlich keine Ahnung von irgendwas.


    Das ganze kam dann aber zu meinem eigenen Erstaunen sehr schnell, und ja, auch sehr intuitiv. Klar - manche Dinge kann man nicht intuitiv wissen, ich denke auch, dass jeder irgendwann mal von irgendeiner Seite Unterstützung braucht, sei es dass man akut in einer Situation mal Google bemüht ;-)


    Gleichzeitig hab ich da aber eben auch gemerkt, dass es viele viele Mütter gibt, die da wirklich bei Null anfangen müssen, denen man ALLES erklären muss - selbst so grundlegende Dinge, wie dass es doch ganz nett wäre, wenn man irgendwie mit dem Kind kommuniziert. Und das zu sehen finde ich sehr erschreckend. Ganz besonders wenn ich darüber nachdenke, dass solche Mütter ab und an auch ganz ohne Hilfe allein da sitzen.

    ;-D hach - im rückblick ist immer alles so viel leichter, vor allem das klugscheißern ;-D


    ich habe weder zur schwangerschaft was gelesen, noch zum stillen, oder gar zur erziehung und meine kinder haben mich überlebt (inwieweit ich deren heutige persönlichkeit als "ohne psychische schäden" einsortiere, da sind wir alle uns noch nicht ganz einig ;-) )


    mit meinen 23 war ich jung, gelassen, auf wohl gute art naiv und habe einfach auf meinen körper und meinen frauen arzt gehört. als die babies da waren, war ich schon auch immer mal wieder ein wandelndes fragezeichen "was will dieses fremde wesen von mir?" hatte da aber ein (überraschend) wenig klugscheißende mutter, die mir da ganz unaufdringlich mit kleinigkeiten geholfen hat, damit wir uns alle kennen lernen.


    was für mich der größte horror war: diese unglaublich belesenen "späten" mütter, die zu allem ein buch, eine studie, ein zitat hatten und einen auf bitch-fight gemacht haben, dass es echt zum kotzen war!


    wie gesagt... im rückblick war das für mich viel besser! beim googeln von ein paar buchempfehlungen habe ich aber doch kichernd gedacht: schade, dass es sowas nicht damals schon gab!


    und meine leseempfehlung ist the one and only shojo-faden :)^

    Zitat

    Geht euch das auch so? Woher habt ihr euer Wissen um Babys, Kleinkinder, Erziehung usw.?

    Also, ich habe noch keine eigenen Kinder, aber zwei jüngere Geschwister (wobei das sicherlich nur bedingt vergleichbar ist). Darüber hinaus arbeite ich viel mit Kindern (aber sind halt auch nicht meine eigenen).


    Ich mochte Kinder schon immer und hab mir schon immer Kinder gewünscht. Schon, als ich selbst noch ein Kind war, habe ich die Elternzeitschriften und Erziehungsratgeber meiner Mutter gelesen und mir ausgemalt, wie ich es später mit meinen Kindern machen würde. Ich hab mir auch immer gern Kita- oder Schuldokus angesehen. Keine Ahnung - mich hat das einfach schon immer interessiert, der Fachbereich Pädagogik an sich.


    Ich studiere heute aber etwas anderes, was ich rückblickend etwas schade finde, auch, wenn ich mein Studium nicht bereue und definitiv nächstes Jahr abschließen werde. :)z

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    was für mich der größte horror war: diese unglaublich belesenen "späten" mütter, die zu allem ein buch, eine studie, ein zitat hatten und einen auf bitch-fight gemacht haben, dass es echt zum kotzen war!

    Lass es doch alle Leute so machen, wie sie wollen.


    Mich würde das gar nicht interessieren, wie andere das machen - selbst, wenn die mir reinreden wollten. Sollen sie reden.

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    Lass es doch alle Leute so machen, wie sie wollen.

    habe ich ja auch - die um mich herum schwirrenden mamas waren aber alle irgendwie wahnsinnig beflissen, mir jungem ding zu erklären, wie die welt im allgemeinen und das schwangersein im besondern zu funktionieren hat ;-)

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    habe ich ja auch - die um mich herum schwirrenden mamas waren aber alle irgendwie wahnsinnig beflissen, mir jungem ding zu erklären, wie die welt im allgemeinen und das schwangersein im besondern zu funktionieren hat ;-)

    Das machen fast alle Leute so mit allen Themen, weil sie ihre eigene Perspektive für die Wahrheit schlechthin und sich selbst für unglaublich klug halten. Ich schließe mich nicht aus. :)_


    Zu Tage tritt das meist bei emotionalisierten Themen wie politischen, ökologischen, gesellschaftlichen oder eben auch pädagogischen Fragen. Man kann ja eine Weile lang probieren, sich das mit "Jeder so, wie er mag" vom Leib zu halten (oder, wenn man es wirklich besser weiß, die Leute korrigieren - in pädagogischen Debatten eher schwierig), aber ansonsten gilt: einfach ignorieren, wenn es gar zu dumm wird.

    Zitat

    Man kann ja eine Weile lang probieren, sich das mit "Jeder so, wie er mag" vom Leib zu halten...

    ich habe das für mich ganz gut gelöst, indem ich mit den wohl einzigen beiden "hausmännern" bayerns eine eigene kleine krabbelgruppe gegründet habe - das war einfach nur großartig ;-D