Ich hatte vor meinem Sohn auch überhaupt nichts mit Babys oder Kindern zu tun. Bin auch das jüngste Kind in der Familie. Noch nie gewickelt, gefüttert oder sonst irgendwas. Nicht mal ne Babyborn hab ich gehabt.


    In der Schwangerschaft hab ich nur über die Schwangerschaft gelesen und kurz vor der Geburt noch ein Stillratgeber. Ein Geburtstvorbereitungskurs habe ich auch besucht.


    Bei mir kam manches von alleine. Wie ich ihn halte, beruhige und mit ihm rede. Wickeln wurde mir im Krankenhaus gezeigt. Und beim stillen geholfen. Die Hebamme Zuhause hat uns zum Beispiel das Baden gezeigt aber auch gesagt man soll seinem Gefühl vertrauen und auf die Zeichen des Babys achten. Zur Beikosteinführung hat sie mich auch nochmal besucht und beraten.


    Ich denke jede Mutter / jeder Vater ist Experte für das eigene Kind. Man wächst da so rein. Man muss ja nicht gleich von Anfang an alles wissen. Zuerst geht's nur ums füttern, schlafen, beruhigen,wickeln und kennenlernen . Da brauch ich mir ja noch keine Gedanken um Brei machen. Eins nach dem anderen.

    Wo man keine Ahnung hat, sich hilflos und überfordert fühlt, da sollte man sich Rat holen. Das können Bücher sein, die eigenen Eltern, die Hebamme oder andere Eltern aus der Krabbelgruppe, was auch immer.


    Aber man sollte auch mal darauf achten, dass man als Mensch durchaus auch Instinkte hat, die einem sagen, was richtig und was falsch ist. Ich hab damals ein Buch angefangen und schnell wieder beiseite gelegt. Am ende hatten wir ein bisschen Erfahrung mit Neffen und Nichten, meine Frau wusste, wie wickeln geht, von der Hebamme gab es hier und da Tipps.


    Was ich bedenklich finde ist, wenn z.B. ein Säugling ins Bett gelegt wird, er das weinen anfängt und einem der Instinkt als Papa sagt, Kind in den Arm nehmen, kuscheln, trösten. Und dann gibt es Eltern die haben im Buch was gelesen von wegen Kinder müssen schlafen lernen, Eltern dürfen ihre Ruhe haben wollen und lassen den Zwerg da liegen. Dann lieber ohne Buch.


    a.fish, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder misshandeln, liegt sicher nicht daran, dass sie nicht genug gelesen haben. Wenn man mit Kindern überfordert ist, muss man sich Hilfe holen. Zeitlich, organisatorisch. Damit man mal wieder durchatmen kann, mal wieder schlafen, damit man mit dem schreienden, trotzenden Kind nicht alleine steht. Die Hilfe bekommt man nicht aus Büchern.

    Zitat

    Was ich bedenklich finde ist, wenn z.B. ein Säugling ins Bett gelegt wird, er das weinen anfängt und einem der Instinkt als Papa sagt, Kind in den Arm nehmen, kuscheln, trösten. Und dann gibt es Eltern die haben im Buch was gelesen von wegen Kinder müssen schlafen lernen, Eltern dürfen ihre Ruhe haben wollen und lassen den Zwerg da liegen. Dann lieber ohne Buch.

    Naja, und wenn einem der "Instinkt" oder viel mehr das eigene Bedürfnis sagt, dass man ein Kind auch ruhig mal - oder immer - schreien lassen kann, weil man gerade lieber etwas anderes tun möchte?


    Der Instinkt funktioniert eben einfach nicht bei allen. Was Bücher da dann wirklich helfen können, ist natürlich prinzipiell fraglich.


    Wobei ich denke, dass es wohl nicht schaden kann, wenn man sich einfach damit auseinander setzt.


    Und an dem Punkt Gewalt gegen Kinder oder Vernachlässigung zieht:

    Zitat

    Wo man keine Ahnung hat, sich hilflos und überfordert fühlt, da sollte man sich Rat holen.

    das eben auch oft nicht. Denn diese Eltern haben ja gar nicht das Gefühl hilflos zu sein oder falsch zu handeln.

    Zitat

    Was ich bedenklich finde ist, wenn z.B. ein Säugling ins Bett gelegt wird, er das weinen anfängt und einem der Instinkt als Papa sagt, Kind in den Arm nehmen, kuscheln, trösten. Und dann gibt es Eltern die haben im Buch was gelesen von wegen Kinder müssen schlafen lernen, Eltern dürfen ihre Ruhe haben wollen und lassen den Zwerg da liegen. Dann lieber ohne Buch.

    Und bei meiner war das genau falsch, weil sie nämlich aus Übermüdung gebrüllt hat und nicht einschlafen konnte, solange es nicht stockfinster, jemand in der Nähe oder sonst was war. Ich hab die voll lange getragen und gekuschelt und gemacht und getan und hab sie damit nur wachgehalten und uns beide weiter gequält.


    Ich hab ein Buch gelesen weil es nicht lief und da einen Weg gefunden der für uns funktioniert hat und der, so nebenbei, auch in vielen Schreiambulanzen gegangen wird. Und es wäre nicht so, dass schreinede Babies und überforderte Eltern eine total neue Erfindung moderner Zeiten wären. Das gab es immer, auch als ausser Instinkt nichts da war. Im Grunde genommen sagt unser Instinkt uns seit Jahrhunderten "nervt, versohl es" und genau das haben wir bisher auch immer getan. Für mich nicht gerade ein überzeugendes Argument.


    Natürlich sind die Leute heute verunsichert, einfach weil sie was ganz neues und in der dokumentierten Menschheitsgeschichte noch nicht versuchtes probieren sollen und wollen. Gewaltfreie und zugewandte Erziehung ist neu und eben nicht instinktiv.

    Zitat

    das eben auch oft nicht. Denn diese Eltern haben ja gar nicht das Gefühl hilflos zu sein oder falsch zu handeln.

    Eben, denn ihr Instinkt aka Erfahrung sagt ihnen: "Dafür gibts was an die Ohren."

    Zitat
    Zitat

    Ich denke jede Mutter / jeder Vater ist Experte für das eigene Kind. Man wächst da so rein.

    Deswegen ist auch jeder Mensch ausnahmslos glücklich mit seiner Kindheit und sowas wie das Jugendamt gibt es überhaupt nicht. Solche Aussagen wie "Gewalt gegen Kinder ist in Deutschland ein Alltagsphänomen" - völlig unglaubwürdig. Eltern wissen doch, was das beste für ihr Kind ist!

    Mit Experte für sein Kind sein, meinte ich, dass jedes Kind anders ist. Auch wenn man schon 4 Kinder hat, heißt es nicht, dass man mit dem Kind einer Freundin umgehen kann. Eigentlich fängt man doch bei jedem Kind von vorne an? Oder was sagen die Mehrfach-Muttis?


    Gewalt an Kindern passiert. Es ist traurig aber manche sind nun mal überfordert und wissen sich nicht anders zu helfen. Oder trauen sich nicht um Hilfe zu fragen. Aber selbst im Tierreich, wo nunmal der Instinkt da ist, gibt es schlechte Mütter und Übermuttis. Vielleicht sind manche Menschen einfach mit einem ausgeprägten Mutterinstinkt

    geboren und andere müssen es halt erlernen.

    Zitat

    Eigentlich fängt man doch bei jedem Kind von vorne an? Oder was sagen die Mehrfach-Muttis?

    Nö, also komplett bei Null hab ich bei der Kleinen nicht mehr angefangen. Denn ich kannte mich als Mutter schon viel besser, meine Bedürnfnisse, meine Schwachstellen und soweiter. Klar ist jedes Kind anders, aber gerade beim ersten groovt man sich ja auch noch selbst in einer ganz neuen Rolle ein. Das ist nochmal ein anderer Schnack. Das bedeutet nicht, dass man dann alles nach einem Schema durchzieht. Die Kleine hat zum Beispiel in meinem Arm geschlafen weil sie da besser schlief, aber ich wusste ich halt das nicht ewig durch weil ich so nicht richtig schlafen kann. Bei der Großen bin ich da noch öfter über meine Grenzen gegangen, hier habe ich frühzeitig die Abzweigung genommen die Kleine an ihr Bett zu gewöhnen. Ob das Kind da nun eher der Typ für langsame Übergänge oder der Typ für einmal durchziehen ist, dass findet man dann in der Tat bei jedem Kind neu raus, denke ich.


    Aber auch das sehe ich nur, wenn ich mein Kind sehen will. Was nicht für jedes Elternteil gilt. Viele ziehen auch einfach das durch, was sie für gut halten und ihr Kind muss da dann durch. So kommt das eine Geschwisterkind dann gut durch, weil es mit der Art kann und das andere nicht, weil es etwas anderes gebraucht hätte.


    Tierreich ist ein gutes Stichwort. da kann es ja nur Instinkt sein und trotzdem gibt es da Tiere die ihre Jungen misshandeln oder gar nicht erst annehmen.

    Zitat

    Eigentlich fängt man doch bei jedem Kind von vorne an? Oder was sagen die Mehrfach-Muttis?

    Nope. Tatsächlich habe ich mit jedem Kind (wir haben drei) mehr gelernt, die Signale zu verstehen. Außerdem wusste ich besser, was ich wirklich will und konnte dadurch klarer sein. In manchen Dingen war ich laxer bei der Dritten, in anderen Dingen strenger.


    Aber natürlich hast du auch recht, wenn du sagst, dass jedes Kind anders ist. Das ist so. Was für die eine Tochter richtig war, war für die andere genau falsch - und für den Sohn wieder anders. Unsere Jüngste brauchte zum Beispiel von Anfang an Begrenzung. Zuerst bekam sie die im Tragetuch, später war sie im Laufstall glücklich (der als Geschenk der Oma auf dem Dachboden verstaubte). Sie habe ich daran gewöhnt, an der Hand zu gehen, und trotzdem ist sie uns dreimal verloren gegangen. Die beiden Großen waren anders.


    Kinder zu haben bedeutet nicht automatisch, gut mit Kindern umgehen zu können. Aber jede Lehrerin wird dir bestätigen, dass sie anders unterrichtet, wenn bzw. seit sie eigene Kinder hat. Es ist schon ein Lernprozess.