Wutanfälle einer 11jährigen

    Hallo!


    Ich bin echt schon am Verzweifeln.


    Meine fast 11jährige Tochter hat seit 3 Monaten fast täglich Wutanfälle. Wir waren schon bei der Kinderärztin, Chinesiologin, Ostheopatin und sind sogar bei einer Psychologin. Es wird aber nicht besser :-(


    Ich habe das Gefühl, dass die Behandlung für meine Tochter ein "Freifahrtschein" für ihre Wutausbrüche ist.


    Die Wutausbrüche sind so, dass sie ihre beiden Geschwister schlägt, uns (auch ihren Vater) anbrüllte. Wenn sie genug Kraft hätte würde sie wahrscheinlich auch uns schlagen versuchen. Sie ist mich auch schon angeflogen.


    Heute morgen knallte sie ein Geschirrtuch nur ein paar Zentimenter neben mir auf den Tisch und hat mich dann wieder angebrüllt.


    Auslöser für die Wutanfälle sind "Nichtigkeiten" wie: Hose ist im Bund zu weit (sie hat aber mehr als genug Hosen in ihrem Kasten), ihre Schwester macht Klatschspiele, ihr Bruder singt, sie soll ihre Wäsche, die sie selbst auf den Boden fallen lassen hat, aufheben,... etc.


    Achja.. diese Anfälle sind dann auch nicht in 2 Minuten wieder vorbei. Letztens hat sie 1 1/2 Stunden getobt. Frage mich wie ich das immer aushalten soll und ruhig bleiben soll. Gelingt mir nicht immer – manchmal brülle ich dann schon auch zurück.


    Bin komplett am verzweifeln. Am Samstag wollen wir in Urlaub fahren. Ich habe Angst, dass die Streiereien und Anfälle im Hotel weiter gehen. Könnt nur mehr heule, weil ich nicht weiß was ich machen soll ??? :°(

  • 35 Antworten

    Einsetzende Pubertät... Herzlichen Glückwunsch, sie dürfen ihr Kind für einige Jahre gegen ein kleines Monster eintauschen! ]:D


    Ich würde auch sagen, wer so rumtobt, darf das in seinem Zimmer tun. Daß sie schlägt, geht mal gar nicht. Traut sie sich das in der Schule auch? Wohl eher nicht.

    Zitat

    Frage mich wie ich das immer aushalten soll und ruhig bleiben soll.

    Ist Aushalten und ruhig bleiben denn sinnvoll? Sie ist alt genug, um mit der Wirkung ihrer Anfälle auf andere konfrontiert zu werden. Wenn es einfach pubertierendes Verhalten ist, muss man das als Restfamilie nicht aushalten. Wer tobt, verläßt den Raum, fertig. Sie ist 11.....in einem anderen Thread wird grad diskuiert, dass das eigentlich schon alt genug ist, um Pornos zu gucken, erste sexuelle Erfahrungen zu haben etc, und hier bockt eine 11-jährige wie ein Kleinkind rum und man versucht, das "Auszuhalten"?

    corneliamichaela

    Zitat

    Meine fast 11jährige Tochter hat seit 3 Monaten fast täglich Wutanfälle. Wir waren schon bei der Kinderärztin, Chinesiologin, Ostheopatin und sind sogar bei einer Psychologin. Es wird aber nicht besser

    Das seid ihr ja recht schnell alles durch gegangen – wie kommt das? Ich nehme mal an, dass es schon länger Probleme gab, die sich in den letzten Monaten jedoch verschlimmert haben? Wie war denn all die Jahre euer Umgang mit Wut und Frust?

    Was gibt es für Ansätze, um etwas zu verbessern? :-)


    Solche Anfälle kann man sich z.B. angewöhnen, wenn man glaubt, dass die eigenen Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Die einen verkriechen sich dann in Ängsten und die anderen schlagen um sich. Meine bisherige Erfahrung ist die, dass man das Kind darauf hinweisen kann, dass jeder für seine Bedürfnisse selbst verantwortlich ist, wenn man gelernt hat wie das geht. Vielleicht kommt es bei der Tochter zu einem Kurzschluss, weil sie sich nicht anders zu helfen weiß in dem Moment.


    Wenn sie ruhiger ist kann man das einmal ansprechen und erklären, wie sie auch anders damit umgehen kann: Bund der Hose zu eng – findet sie einengend, nicht schön – Lösung: einfach ins eigene Zimmer gehen und eine neue Hose holen, anstatt die Schuld anderen zu geben. Die eigenen Bedürfnisse über andere befriedigen zu wollen, dass kann man sich angewöhnen und wenn es dann nicht auf Anhieb klappt mit der Erfüllung, dann hat man auch gleich den Schuldigen, die Eltern. Es ist ein einfacher Lernvorgang, der, wenn er nicht richtig verstanden worden ist, zu solch überschäumenden Reaktionen führen kann.


    Es ist auch die Frage in wie weit man das selbst gefördert hat, vielleicht bewusst oder unbewusst, also dem Kind mehr abgenommen an Verantwortung als gut war oder vielleicht auch umgekehrt, so dass es glaubt nur so bekommt es die nötige Aufmerksamkeit. Manche fühlen sich auch nicht geliebt, was nichts mit den Eltern zu tun haben muss, sondern mit dem Kind selbst. Das ist dann eher ein eigenständiges Gefühl, dass sich dann Luft verschafft, wenn es um die eigenen Bedürfnisse geht, die man befriedigt haben will.


    Was auch immer die Ursache ist, es gibt bestimmt einige Ansätze, denen man einmal nachgehen kann.

    Sie hatte immer wieder mal Wutanfälle, aber nicht in dem Ausmaß. Auch in der sogenannten Trotzphase hatte sie schon solche Anfälle. Die ich damals eben als "Trotz" interpretiert habe.


    Dann hatte sie in der Volksschule mit ein paar Schulkolleginnen Probleme. Die 2 anderen waren in der Klasse auch bekannt, dass sie gerne ägern. Mit Abstand betrachtet würde ich sagen, dass meine Tochter gemobbt wurde und ihre Lehrerin hat es nicht sehen wollen, weil das aufwendig ist. Wenn ich mit der Lehrerin darüber gesprochen habe, wurde das ganze heruntergespielt.


    Und auch jetzt war die Grundursache, dass ihre "beste" Freundin gemeinsam mit anderen angefangen haben sie zu mobben. Seitdem tobt sie zu Hause. In der Schule und jetzt im Feriencamp (sie schläft zu Hause und ist tagsüber weg) ist sei ein liebes, aufmerksames, soziales und interessiertes Kind.


    Zu ihrer "besten" Freundin. Die ist ein bisschen dick und wurde von anderen in der Klasse gemobbt. Meine Tochter hat mir dann erzählt, dass sie ihre Freundin immer wieder in der Schule in der Pause weint. Da ich mit deren Mutter befreundet bin, haben wir dann darüber gesprochen. Und dann geht die "beste" Freundin her, und ist zu meiner Tochter echt fies um bei den anderen besser da zu stehen.


    Sie geht nicht in ihr Zimmer wenn sie tobt, obwohl wir das eben auch mit der Psychologin ausgemacht haben. Die Psychologin sagt, dass Maja wohl wegen dem Freundschaftsthema in der Schule so unter Druck steht. Daher habe ich auch immer versucht, Verständnis für ihre Situation aufzubringen.

    ad Caramala> Ich habe schon so viel versucht. Ich bin ein sehr lösungsorientierter Mensch. Und bei meinen beiden jüngeren Kindern funktioniert das auch.


    Meine Tochter weiß auch, dass durch dieses Verhalten schöne Zeit verloren geht. Sie nimmt das in kauf. Letztens hätten wir zum Abschlußfest ihres Volleyballvereins gehen sollen. 10 Minuten vor der Abfahrt fängt sie mit Toben an. Ich hab ihr gesagt, dass wir eigentlich zu dem Fest fahren wollen. Das war ihr in dem Moment egal. Nach 30 Minuten Toben sind wir dan natürlich nicht mehr hingefahren. Mit dem Ergebnis, dass sie erst recht weiter getobt hat. für mehr als noch 1 Stunde.


    Sie geht dann nicht weg von mir :-( Und ich kann sie schlecht in ihr Zimmer tragen.

    Wird denn nun eigentlich eine Therapie durchgeführt? Ich meine, so was dauert ja nun mal u. U. ein paar Jahre.... Nur ein Gespräch reicht wohl kaum.


    Und auch Du solltest ein Coaching machen, wie Du mit so etwas anders umgehst. Du würdest nicht fragen, wenn Du ein gutes Konzept hättest.

    Zitat

    Letztens hätten wir zum Abschlußfest ihres Volleyballvereins gehen sollen. 10 Minuten vor der Abfahrt fängt sie mit Toben an. Ich hab ihr gesagt, dass wir eigentlich zu dem Fest fahren wollen. Das war ihr in dem Moment egal. Nach 30 Minuten Toben sind wir dan natürlich nicht mehr hingefahren. Mit dem Ergebnis, dass sie erst recht weiter getobt hat. für mehr als noch 1 Stunde.

    Ich wäre ohne sie gefahren. Mit 11 ist sie alt genug, um alleine zuhause bleiben zu können.

    Zitat

    Sie geht dann nicht weg von mir :-( Und ich kann sie schlecht in ihr Zimmer tragen.

    Dann dräng sie physisch aus dem Zimmer und mach die Tür hinter ihr zu. Oder verlaß selber den Raum, geh in ein anderes Zimmer und schließ ab. Oder verlaß die Wohnung und mach einen kleinen Spaziergang.

    Ist es möglich das sie Die Schule wechseln kann wenn sie ständig gemobbt wird? Es ist fast unmöglich aus der Opferrolle raus zu kommen wenn man weiter mit den Peinigern zusammen sein muss. Und selbst wenn sie in Ruhe gelassen wird reicht ein kleiner Auslöser und sie ist wieder das Opfer. Zudem wäre es sinnvoll ihr Selbstvertrauen zu stärken. z.b. Kampfsport.


    Nicht's desto trotz ist Die Psychologin weiterhin ein guter Anlaufpunkt. Kinder und Jugend- Psychiatrie wäre sonst auch noch eine Möglichkeit. Vielleicht ist auch Ads oder eine Persönlichkeitsstorung, Depressionen etc. mit drin.

    Sie ist nun in Therapie bei der Psychologin und ich auch. Damit ich eben weiß, was ich machen soll.


    Das irrwitzige ist ja, dass ich selbst viel mit Kindern zu tun habe. Habe eine Ausbildung zur Eltern-Kind-Gruppen-Leiterin. Habe viele pädagog. Seminare besucht und Workshops mitgemacht.


    Und dennoch bin ich mit meine Latein am Ende. Daher auch der Gang zu Fachkräften.

    Ich bin nicht zum Volleyballfest gegangen, weil es der Verein meiner Tochter ist. Was tu ich da ohne sie?


    Wir haben ein Haus mit Garten und ich bin auch raus. Sie verfolgt mich und schreit auch im freien weiter. Was ich nicht gedacht hätte.

    Zudem ist sie jetzt mit 11 eher noch relativ klein oder? Das heißt noch seitd ihr körperlich überlegen. Aber wenn sie noch viel in Die Höhe schießt ists vorbei mit körperlicher Überlegenheit. Und dann werden auch ihre Schläge deutlich schmerzhafter für alle sein.