Beihilfe bei Beamten abschaffen?

    Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat ergeben, dass der Staat 60 Milliarden Euro sparen kann, wenn die Beihilfe abgeschafft würde.


    http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-01/sozialsysteme-sozialversicherungspflicht-bertelsmann-stiftung-beamten-behilife


    Ich weiß nicht ob der dann fällige Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung mit in die Rechnung eingeflossen ist und ob die 60 Milliarden Euro ein belastbarer Wert ist.


    Ich bin dagegen !


    Nachdem bereits Arbeiter und Angestellte abgeschafft wurden, es heißt jetzt nur noch Beschäftigte, kann man nun auch die Beamten abschaffen. Dies wären dann Beschäftigte des Staates. Das wären Nägel mit Köpfen. Wer Hoheitsaufgaben wahrnehmen muss, wird dann einfach entsprechend verpflichtet. Und die Unkündbarkeit galt schon immer nach 15 Jahren Dienstzeit auch für Nicht-Beamte. Dies könnte man auch weiterhin belassen.


    Was hält ihr davon?

  • 165 Antworten

    Mich "stört" das da nur ein Aspekt beleuchtet wird. Nämlich die Kostenseite.


    Das die bessere Gesundheitsversorgung auch ein Argument FÜR einen Job sein kann kommt da nicht zum Tragen.


    Und das viele Arztpraxen auf einen gewissen Anteil an Privatpatienten angewiesen sind um wirtschaften zu können fällt da irgendwie auch raus ..

    Bertelsmann macht sich mit dieser "Studie" doch komplett lächerlich. Ich habe mir gestern verwundert die Augen gerieben, als dies in den Schlagzeilen aufgetaucht ist.


    Es wurden nur die Beihilfekosten berücksichtigt. Die sind ja während der Dienstzeiten gar nicht mal so hoch, sondern erst bei Hinterbliebenen und Ruheständlern. Würde man die Beihilfe ersatzlos abschaffen, dann würde man Beamte schlechter stellen als jeden normalen Angestellten, der seinen Arbeitgeberzuschuss von ca. 50% erhält. Dass dies niemals Gesetz würde, das muss jedem klar sein.


    Schauen wir uns mal beispielhaft http://RLP an. Der Beihilfeberechtigte bekommt dort 50% Beihhilfe. 50% versichert er privat. Im Ruhestand bekommt er 70% Beihilfe, 30% versichert er privat.


    Was würde es bedeuten, gleichgestellt zu Angestellten zu sein? Ein gering- bis normalverdienender Beamter wäre in der GKV. Der Dienstherr würde statt Beihhilfe 50% der GKV-Beiträge zahlen müssen. Das kann bei einem Geringverdiener eine kleine Ersparnis sein.


    ABER: Dieser Beamte ist plötzlich nicht nur Beitragzahler in der GKV, sondern auch Leistungsempfänger (ja, auch Beamte werden krank). Statt die Private Vorsorge zu belasten, belastet er zukünftig die gesetzliche Solidargemeinschaft und wird auch automatisch Leistungsempfänger aus dem Gesundheitsfonds und den Steuertöpfen. Das taucht bei Bertelsmann nie auf. Offenbar sind Beamte nur Beitragszahler.


    Und noch mehr: Auch Beamte heiraten und bekommen Kinder! Ehegatten ohne Einkommen erhalten eine 70%-Beihilfe, Kinder erhalten eine 80%-Beihilfe. Versetzt man Beamte zwangsweise in die GKV, dann werden aus diesen 70/80%-Beihilfen für Angehörige plötzlich kostenlose Familienversicherung in der GKV. Dann leistet der Staat 100%. Das ist auch ein Punkt, der bei der Bürgerversicherung gern außer Acht gelassen wird. Der Effekt für Angehörige wäre nämlich der gleiche. Einen bösen PKVler abgeschossen, eine Familie als Kostenbelastung hinzugewonnen.


    Man muss sich ab und zu an den Kopf fassen, was man mit so einem polemischen (

    ) Aufreger bezwecken will. Aber Bertelsmann ist ja dafür bekannt, gerne mal Keile in die Gesellschaft zu treiben.


    P.S.: ich bin kein Beamter und spreche nicht für mich.

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    Ehrlich gesagt:


    Mich nervt es, das alle Beamten aus der solidarischen gesetzlichen Krankenversicherung "befreit" sind. Ich finde das sehr ungerecht.


    Mich nervt die ganze private Krankenversicherungsgeschichte masslos. Wir haben eine deutliche 2-Klassen-Medizin in Deutschland. In bin selbst freiwillig gesetzlich versichert (hätte mich schon vor Jahren für die hälfte an Beiträgen privat versichern können) und für Krankenhausaufenthalte zusätzlich privat versichert. Und ich merke immer wieder, wenn ich mal im Krankenhaus bin, welche massiven Unterschiede bei der Behandlung gemacht werden. Deswegen sehe ich meine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse mit sehr gemischten Gefühlen.


    Aber was soll schon dabei rauskommen, wenn die Personen, die für unser gesetzliches Gesundheitssystem verantwortlich sind, selbst alle privat (und über Beihilfe) versichert sind.

    Zitat

    Und das viele Arztpraxen auf einen gewissen Anteil an Privatpatienten angewiesen sind um wirtschaften zu können fällt da irgendwie auch raus ..

    Das spricht übrigens sehr dafür, das dieser ganze Privatversicherungskram abgeschaft wird. Wie kann es sein, das eine Praxis private Patienten mit leichten gesundheitlichen Problemchen behandeln muss, damit überhaupt noch schwer kranke Kassenpatienten behandelt werden können (wenn sie nicht abgewiesen werden, weil die Praxis schon mit den Privatpatienten gefüllt ist).


    Die Behandlung sollte sich alleine nach der schwere der Erkrankung richten. Und wir wissen alle, das dies nicht so ist. Jeder, der mal einen Termin beim Orthopäden als Kassenpatient gemacht hat, kenn die Warteschlagen.

    Zitat

    Das spricht übrigens sehr dafür, das dieser ganze Privatversicherungskram abgeschaft wird.

    Ich plädiere immer dafür, die GKV abzuschaffen. Sie ist ein teures System mit schlechter Leistung, welches hunderte Kassen ohne Wettbewerb und staatlich verordnetem Leistungskatalog nebeneinander herlaufen lässt und wahnsinnig kompliziert Gelder verschiebt.


    Nur damit alle gleich sind? ":/


    Macht doch alle auf PKV-Niveau gleich.


    Jeder Bürger hat einen Gesundheitskosten-Entlastungsbetrag je nach Einkommen. Wer wenig verdient, bekommt Zuschuss aus Steuermitteln. Wer viel verdient, trägt seinen Anteil komplett. Der Arbeitgeberzuschuss von 50% bleibt erhalten.


    Vorteile:


    - durch die Subventionierung aus Steuermitteln werden auch Beamte/Selbständige/Gutverdiener/Kapitaleinkünfte an der Solidargemeinschaft beteiligt, nicht nur GKV-Mitglieder


    - die Sozialversicherung wird entlastet


    - die Beiträge richten sich in der PKV nach dem Eintrittsalter und sind durch frühe Versicherung entsprechend günstig

    Zitat

    Es wurden nur die Beihilfekosten berücksichtigt. Würde man die Beihilfe ersatzlos abschaffen, dann würde man Beamte schlechter stellen als jeden normalen Angestellten, der seinen Arbeitgeberzuschuss von ca. 50% erhält.

    Ob die Kosten für den Arbeitgeberzuschuss berücksichtigt wurden, ist aus dem Artikel nicht ersichtlich. Wie du weiter unten schreibst, muss der Staat bei Wegfall der Beihilfe diesen zahlen.


    Übrigens: "Angestellte" und "Arbeiter" gibt es nicht mehr. Es heißt jetzt "Beschäftigte".

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    Ich gebe dir recht: die ganzen verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen machen keinen Sinn. Die ganzen privaten Krankenversicherungen aber auch nicht.


    Eine Kasse für alle würde die Ungerechtigkeiten einschränken.


    Aber machen wir uns nichts vor: wie leben in einer unsozialen Marktwirtschaft. So etwas wird es nie geben.

    Eine Bürgerversicherung, die hätte aber auch genug Nachteile. Jedes Modell ist für irgendwen blöd.


    Am einfachsten ist es, den Beamtenfilz etwas zu stutzen, diese Burschen leben immer noch in einer verwöhnten Parallelwelt. Zeit wirds, und der freien "Wirtschaft" bzw. den normalen Beschäftigen kann man auch nicht mehr lange erklären, warum Beamte Leistung X und Y wegen verschrobenen "hoheitlichen Aufgaben" bekommen.

    Zitat

    Die ganzen privaten Krankenversicherungen aber auch nicht.

    Zur GKV wird man aber gezwungen und sie wird subventioniert. Wenn eine private Versicherung nichts taugt, geht halt keiner hin.


    Guck dir mal an, wie die GKV künstlich am Leben erhalten wird: die DAK war einst in den 90ern ein großer Name. Ihr Versichertenstamm ist winzig und die Beiträge selbst für GKV-Verhältnisse hoch. Unter normalen Bedingungen ist so was ja kaum überlebensfähig.

    Zitat

    Eine Kasse für alle würde die Ungerechtigkeiten einschränken.

    Nein, es würde einen großen Zusatzversicherungsmarkt darüber hinaus geben. Vermögende werden sich dort toppen und du hast wieder Unterschiede.


    Ungerecht ist vor allem der Arzt, der ungerecht behandelt. Aber den kann man ja meiden. Es gibt durchaus Unterschiede.

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    Zitat

    Eine Bürgerversicherung, die hätte aber auch genug Nachteile. Jedes Modell ist für irgendwen blöd.

    Es wäre für die Menschen nachteilig, die sich aufgrund von Macht und Geld unverschämterweise die Behandlungen für schwer kranke Menschen blockieren weil es am Ellenbogen juckt. Das ist heute Realität in der medizinischen Versorgung.


    Aber das ist Deutschland. Wir haben einen Rechtsstaat. Keinen gerechten Staat. Unser Rechtssystem dient nur dazu, den mächtigen und reichen ihre Macht über die anderen "niederen Wesen" zu erhalten.


    Eine Wahl hat hier niemand.

    Ich möchte in die Diskussion noch folgende Tatsache einbringen: Bei der Beihilfe muss der Staat nur dann (seinen Anteil) bezahlen, wenn Krankenkosten entstehen und der Beihilfeberechtigte die Rechnung auch bei der Beihilfestelle einreicht. Wenn ein Beihilfeberechtigter also keine Rechnung einreicht (zum Beispiel, weil nur niedrige oder gar keine Kosten angefallen sind), kostet das den Staat keinen müden Cent. Der Arbeitgeberanteil zur GKV ist jeden Monat fällig, egal ob man ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt oder nicht.


    Übrigens gibt es meines Wissens beispielsweise in NRW einen Eigenanteil, den Beihilfeberechtigte jährlich selbst tragen müssen. Leider erinnere ich mich nicht mehr an die Höhe dieses Eigenanteils, aber ich meine, er liegt im mittleren dreistelligen Bereich. Auch unter Beamten gibt es Menschen, für die solche Beträge erstmal zu stemmen sind.


    Ich persönlich bin zu 50% privat versichert und zu 50% beihilfefähig. Mir ist aufgefallen, dass ich als Privatpatient viel mehr Leistungen erhalte als ein gesetzlich Versicherter. Diese Leistungen sind jedoch nicht immer gerechtfertigt (was ich als Laie aber nicht immer vorher erkennen kann) und gelegentlich erhalte ich Arztrechnungen, die nicht der tatsächlichen Leistung entsprechen. :(v Das kostet das Gesundheitssystem (das staatliche als auch die Solidargemeinschaft der privaten Versicherung) natürlich unnötig Geld und deshalb widerspreche ich solchen Rechnungen auch und verlange eine Richtigstellung. Diesen "Aufwand" betreibt längst nicht jeder Privatpatient...


    Aus meiner idealistischen Sicht sollte jeder Patient unabhängig von seiner Stellung/Versicherung die Leistungen erhalten können, die er benötigt. Und jeder Arzt/Therapeut/medizinische Beschäftigte einen angemessenen Lohn. Allerdings habe auch ich kein Patentrezept, wie man so etwas realisieren könnte... ???

    Die GKV ist nicht schlecht wie sie immer hingestellt wird, nur in der aktuellen Ausstattung ineffektiv und finanziell regelmäßig nach Konjunkturlage auch mal mit Druck an der Wand. Ich will nicht auf alle Details eingehen, die man verbessern könnte, aber ein wesentlicher Anteil hat für mich auch die unsoziale Finanzierung, über die komirscherweise so gut wie nie gesprochen wird, auch in den Medien nicht und das ist die Deckelung der Beiträge ab einer gewissen Beitragshöhe.


    Beispiel1: Jemand der nicht wirklich üppige 1600€ Brutto bekommt (und das sind nicht mal wenig Menschen) muss 132,80 € abführen, oder 8,3% seines Brutto-Lohnes. Das ist schon eine ordentliche Belastung.


    Beispiel2: Jemand der 3.000€ Brutto bekommt, muss auch diese 8,3 % abführen, oder 249,00€ in absoluten Zahlen.


    Beispiel3: Jemand der 8.000€ Brutto bekommt (und ja auch davon gibt es einige, und sogar noch größere Einkommensbezieher) zahlt den Maximalsatz von 361,5 €, oder in seinem Fall 4,5% seines Brutto-Lohns. Dasselbe gilt für 5.000 Brutto, oder 10.000 brutto, oder noch mehr. Mehr als 361,5 € müssen sie nicht bezahlen.


    So sieht unser Sozialstaat aus, wenn unsere Politiker uns immer erzählen, dass es ja Aufgabe der "starken Schultern ist", viel zu tragen. Da sieht man wieviel, umso weniger, umso mehr man verdient. Kein Wunder, dass regelmäßig Finanzierungsprobleme auftreten, wenn die Lasten so unsozial zu ungunsten der Geringverdiener verteilt werden.


    Dasselbe auch bei den anderen Sozialversicherungsbeiträgen, wir bräuchten eine Rentendiskussion nicht einmal ansatzweise führen, würde dies entsprechend korrigiert werden.

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    @ AufDerArbeit

    Mennooo...du hast Vorstellungen...


    Ich bin Beamtin 70/30 und von großartiger Bevorzugung habe ich nie etwas bemerkt. Im Gegenteil...aus einem Krankenhaus bin ich bei Nacht und Nebel geflüchtet und ansonsten waren sämtliche ambulante Behandlungen derart mies, dass ich nicht mehr zum Arzt gehe.

    Leidvolle Erfahrung.


    Originalton in der Notaufnahme: "Wir können sie leider nicht aufnehmen... versuchen sie es in einem anderen Krankenhaus." "Ich bin privat Zusatzversichert" "Ok, wir haben ein Zimmer für sie". (2010 so passiert)


    Schlaflabor. Ich lag im Krankenhaus wegen einer anderen Sache. "Wir haben den Verdacht auf Schlafapnoe. Sie bekommen von uns einen Termin im Schlaflabor in 3 Monaten. Sie müssen dann vorher zum Hals Nasen Ohrenarzt für eine Einweisung.... ach Moment. Sie sind privat? Wir verlegen sie morgen ins Schlaflabor und machen das direkt".


    Hausarzt: "Sie müssen ein CT machen, sie werden darauf aber 1-2 Monate warten müssen." Krankenhaus: "Ich hab noch andere Beschwerden, können sie mal schauen?" "Klar, kein Problem. Machen wir morgen früh eben".


    Ich bin leider nur für den stationären Aufenthalt privat versichert, das hat mir aber schon viel Leid und Warterei ersparrt. Und trotzdem finde ich das nicht fair, weil ich sicherlich nicht immer der dringenste Patient war.

    Da hier ja anscheinend sowohl privat als auch GKV versicherte sind, mal so eine neugierige Frage:


    Wie sieht es aus, wenn ein größerer Betrag fällig wird? Sagen wir 50.000€...80.000€ für eine Intensivbehandlung auf der ITS?


    Muss man diese vorstrecken, oder gibt es dann gesonderte Verfahren über die Beihilfe?


    Ich weiß, dass meine Eltern mal solch eine Rechnung erhielten vom Krankenhaus...wegen der Behandlung meiner Schwester (2 Wochen künstliches Koma und Todesfall). Mich interessiert grundsätzlich wie sowas abläuft dann...es kann ja niemand mal eben so viel Geld auf den Tisch packen (im Normalfall), allerdings möchte ich meine Eltern nicht fragen, wie das geregelt worden ist um nicht alte Wunden aufzubrechen. Ich empfinde es ihnen gegenüber auch respektlos.


    Ich bin aber ein Mensch, der manchmal einfach wissen will, wie die Welt funktioniert.


    Zum Thema finde ich, dass ein Zweiklassensystem in der Gesundheitsversorgung scheiße ist. Ist so, wird sich aber nicht/kaum ändern. Die, die Geld haben werden auch in der GKV (wenn Privat abgeschafft) bessere schnellere Leistung erhalten, weil sie mit dem Scheckbuch winken.


    Zum Thema

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