• Beihilfe bei Beamten abschaffen?

    Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat ergeben, dass der Staat 60 Milliarden Euro sparen kann, wenn die Beihilfe abgeschafft würde. http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-01/sozialsysteme-sozialversicherungspflicht-bertelsmann-stiftung-beamten-behilife Ich weiß nicht ob der dann fällige Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung mit in die Rechnung…
  • 165 Antworten
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    Staatsdiener kann man dennoch entsprechend "verpflichten", und die Unkündbarkeit sowie das Dienstrecht kann man ja auch auf Beschäftigte anwenden.


    Die Diskussion, ob etwa Lehrer Beamte sein müssen, wäre dann überflüssig.

    das ist nicht zu Ende gedacht ;-)

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    Eine Umstellung ginge natürlich nur für neu eingestellte Staatsdiener.

    wird dann wohl keine mehr geben

    Zitat

    wird dann wohl keine mehr geben

    In vielen Bereichen des Öffentlichen Dienstes, nicht bei den in öffentlicher Hand befindlichen GmbHs, gibt es gefühlte 30% an "Beschäftigten", und auf solch eine Stelle gibt es genügend Bewerber.


    Es ist auch vor allem eine weit verbreitete Fehlinformation, dass Beamte mehr verdienen als Beschäftigte. Und so berauschend sind die Vorteile für Beamte auch nicht.

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    Ich würde gerne 60 Milliarden sparen.

    ich auch, vielleicht mal Lotto spielen ]:D

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    Beamte sind eh überbezahlt.

    so ein ungerechtfertigtes Vorurteil oder doch nur Neid :-/ ":/


    Augen auf', bei der Berufswahl ;-)

    Ich denke es geht einfach darum, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Alterrücklagen der Privatversicherten brauchen, weil immer mehr gesetzlich Versicherte dazukommen, die noch nie eingezahlt haben in unser Sozialssystem und es absehbar auch nicht tun werden.


    Das ist eigentlich eine bodenlose Schweinerei - man nimmt den Privatversicherten ihr Geld, ihre Altersvorsorge, weg, weil man sich anderweitig politisch und finanziell übernommen hat mit den entsprechenden, absehbaren Folgen. >:(

    *Altersrückstellungen (der PKV).


    Im Grunde wäre das eine Enteignung, wenn die GKV sich diese Altersrückstellungen aus der PKV einverleiben würde, aber ansonsten rechnet es sich eben nicht so schön gewinnbringend in der Bertelsmann-Studie.

    Wenn man den Beamten eine ihrer Hauptvergünstigungen wegnähme, müsste man sie natürlich sonst irgendwie höher vergüten.


    Zudem nimmt die Studie (das gibt sie selbst im Vorwort zu) keine Rücksicht auf rechtliche Begebenheiten, sondern erechnet einen absichtlich möglichst hohen Betrag, ohne auf die Realität groß Rücksicht zu nehmen.


    Mittelfristig würde die Gesundheitsindustrie ohne höhere Privatkostenabrechungen weniger Geld einnehmen und die geringeren Einnahmen natürlich durch höhere Kosten für die gesetzlich Versicherten ersetzen.


    Mit anderen Worten: Der Staat spart ein bisschen, die normalen Versicherten zahlten aber mehr.


    Insgesamt eine absurd blöd Idee.

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    Weder noch das sind meine eigenen Erfahrungen als Beamter.

    du fühlst dich überbezahlt? Dann spende doch einen Teil deines Gehaltes, es gibt genug Bedürftige

    Beamter zu sein ist nicht in jeder Situation von Vorteil. Ich bin Beamter auf Widerruf und komme derzeit aufgrund diverser Befunde nicht in die PKV. Demzufolge zahle ich die rund 15 % Beitrag für die GKV alleine, da es keinen Arbeitgeberzuschuss gibt. Während meiner PKV versicherten Kollegen knapp 90 € zahlen bin ich bei gut 230 € monatlich. Einziger Vorteil, ich muss nirgends das Geld vorstrecken.


    Übrigens kann man bei einigen Krankenkassen online die abgerechneten Leistungen im Rahmen der Patientenquittung einsehen. Das schafft auch eine gewisse Transparenz in der GKV.

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    Demzufolge zahle ich die rund 15 % Beitrag für die GKV alleine, da es keinen Arbeitgeberzuschuss gibt.

    Huch, so was geht? Das war mir auch neu, dass man auch eine "anteilige" GKV abschließen kann und den Rest mit der Beihilfe abrechnet.


    Ach ja, weil es gerade so schön passt, hier eine aktuelle Meldung, die die Relationen dieses Bertelsmann-Aufregers deutlich macht:


    https://www.welt.de/wirtschaft…hland-240-Milliarden.html


    Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: durch eher beiläufige Rahmenbedingungen wie die Niedrigzinsphase hat Deutschland pro Jahr still und leise 240 Milliarden in 8 Jahren gespart. Das macht 60 Milliarden in weniger als jeweils 3 Jahren. Einfach so, ganz nebenbei.


    Und Bertelsmann will es als großen Wurf verkaufen, 60 Milliarden in 14 Jahren zu sparen (die dazu noch methodisch sehr umstritten sind), und dafür einen Teil des Gesundheitssystems einfach mal links zu machen. 60 Milliarden in 14 Jahren - selbst wenn es klappen würde - wären pro Jahr lächerliche 4 Milliarden. Der Bundeshaushalt für 2016 betrug in den Ausgaben übrigens 317 Milliarden Euro. Eine Einsparung von 4 Milliarden wäre gerade mal 1,2% und geht damit eher im statistischen Rauschen unter.


    Aber wie ich bereits vermutete: es geht eher um Buzzwords, Aufreger und das Anfüttern emotionaler Themen. Damit springt Bertelsmann auf das postfaktische Diskussionsniveau auf und liegt damit voll im Zeitgeist. Wer meint, dass dieses dünne Brett der Bedeutungslosigkeit weiter angebohrt werden müsse, kann sich ja gerne über die ach so schmarotzenden Beamten weiter aufregen. Setzt es um, und anschließend wundert man sich, warum es niemandem besser geht, aber einer Teilgruppe von Beschäftigten plötzlich schlechter.

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    hat Deutschland pro Jahr still und leise 240 Milliarden in 8 Jahren gespart

    Gedanklich streichen ...


    Und ich würde gerne meine Beiträge selbst korrigieren können wie in jedem anderen Forum!

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    Huch, so was geht? Das war mir auch neu, dass man auch eine "anteilige" GKV abschließen kann und den Rest mit der Beihilfe abrechnet.

    Nein, natürlich nicht - es besteht dann kein Anspruch auf Beihilfe. Allerdings besteht auch bei Vorerkrankungen bei Beamten Kontrahierungszwang beim ersten Versicherungsunternehmen, das man anfragt. Dies betrifft nur das Gegenstück der Beihilfe, Beihilfeergänzungstarife sind dadurch nicht erfasst, so dass sich die PKV meist wohl nicht lohnt.


    Im übrigen ist die Abschaffung des Beamtenstatus in vielen Bereichen nur folgerichtig, denn die Kostenproblematik betrifft nicht nur den Bereich der Krankenversicherung, sondern insbesondere den Bereich der Pensionen. Nichts einzahlen und durchschnittlich das Doppelte im Vergleich zur gesetzlichen Rentenversicherung im Alter zu erhalten, ist weder gerecht noch gerechtfertigt.

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    Im übrigen ist die Abschaffung des Beamtenstatus in vielen Bereichen nur folgerichtig, denn die Kostenproblematik betrifft nicht nur den Bereich der Krankenversicherung, sondern insbesondere den Bereich der Pensionen.

    Dem würden wohl auch viele Beamte zustimmen. Einfach jetzt die Gehälter um 20% erhöhen und dann...moment mal, dann spart man ja gar nichts mehr!


    Oder anders ausgedrückt: Du kannst den Bestandseamten ihre Pensionen nicht wegnehmen. Und Neubeamten müsstest du irgendetwas Vergleichbares anbieten.

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    Einfach jetzt die Gehälter um 20% erhöhen...

    Da der aktuelle Beitrag zur Rentenversicherung 18,7 % beträgt, und der Arbeitnehmer nur die Hälfte zu tragen hat, müsste die Besoldung der Beamten (Gehalt kriegen sie nicht) um 9,35 % erhöht werden. Mathematisch korrekt wären 10,3 %, um rückgerechnet wieder auf 100 % zu kommen.


    Mit dem Wegfall der Beihilfe müsste der Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung ausgezahlt werde.


    Die Einbeziehung der Beamten in die Sozialversicherung, die damit eigentlich zu "Beschäftigten" würden, würde aber unser Sozialsystem vereinfachen, siehe etwa der Versorgungsausgleich.


    Die ganzen Dienststellen, die die Ruhegehälter und die Beihilfen bearbeiten, könnten dann eingespart werden.