• Beihilfe bei Beamten abschaffen?

    Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat ergeben, dass der Staat 60 Milliarden Euro sparen kann, wenn die Beihilfe abgeschafft würde. http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-01/sozialsysteme-sozialversicherungspflicht-bertelsmann-stiftung-beamten-behilife Ich weiß nicht ob der dann fällige Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung mit in die Rechnung…
  • 165 Antworten
    Zitat

    Da der aktuelle Beitrag zur Rentenversicherung 18,7 % beträgt, und der Arbeitnehmer nur die Hälfte zu tragen hat, müsste die Besoldung der Beamten (Gehalt kriegen sie nicht) um 9,35 % erhöht werden. Mathematisch korrekt wären 10,3 %, um rückgerechnet wieder auf 100 % zu kommen.

    Nur hast du dann lediglich den finanziellen Nachteil (teilweise) ausgeglichen. Den Strukturellen allerdings noch nicht.

    Zitat

    Die ganzen Dienststellen, die die Ruhegehälter und die Beihilfen bearbeiten, könnten dann eingespart werden.

    Klar. Ich find's per se auch nicht einmal schlecht, an die Beihilfen und Pensionsgestaltung heran zu gehen.


    Nur viele Leute verstehen nicht, dass man die nicht einfach ersatzlos streichen kann.

    Zitat

    Oder anders ausgedrückt: Du kannst den Bestandseamten ihre Pensionen nicht wegnehmen. Und Neubeamten müsstest du irgendetwas Vergleichbares anbieten.

    Ich persönlich habe nicht vor, irgendjemandem irgendetwas wegzunehmen ;-) Neubeamten muss nichts Vergleichbares angeboten werden, da die Verbeamtung nur noch einen eng begrenzten Personenkreis betrifft (z.B. Richter, Polizei), aber allgemein die Beschäftigung als Tarifangestellte erfolgt. Diese zahlen in alle Bereiche der Sozialversicherung ein und erwerben so Ansprüche wie andere AN ebenso. Vielmehr weckt der Beamtenstatus momentan falsche Anreize - und im Bürgerbüro, als Quartiersmanager, Wirtschaftsförderer oder Lehrer erfüllt man keine Aufgaben, die eine Verbeamtung rechtfertigen.

    Zitat

    Vielmehr weckt der Beamtenstatus momentan falsche Anreize - und im Bürgerbüro, als Quartiersmanager, Wirtschaftsförderer oder Lehrer erfüllt man keine Aufgaben, die eine Verbeamtung rechtfertigen.

    Wie gesagt - Gehälter rauf und gut ist.


    Oder willst du Lehrern nach 7 Jahren Ausbildung und der höchsten beruflichen Burnoutquote 2k/Netto zahlen?


    Oder dem netten Streifenbeamten 1,5k, dafür das er im Schnitt 0,7 mal pro Jahr ernsthaft tätlich angegriffen wird?

    Zitat

    Allerdings besteht auch bei Vorerkrankungen bei Beamten Kontrahierungszwang beim ersten Versicherungsunternehmen, das man anfragt. Dies betrifft nur das Gegenstück der Beihilfe, Beihilfeergänzungstarife sind dadurch nicht erfasst, so dass sich die PKV meist wohl nicht lohnt.

    Der Kontrahierungsszwang greift allerdings nur bei Ernstverbeamtung auf Probe. Nicht bei Anwärtern, die sich in einem Beamtenverhältnis auf Widerruf befinden.

    Man kann das Ganze nicht so einseitig betrachten. Beihilfe ist nur ein Aspekt unseres umfassenden Gesundheitssystems. Eben mal Beihilfe abschaffen ist wenig sinnvoll, wenn nicht rundum reformiert wird. Wichtig finde ich, dass die Beihilfe bzgl. der Leistungsübernahme kritischer ist/wird. Soll heißen, nicht blind jeden PKV-Blödsinn auch zahlt, sondern ihr Leistungspektrum auf wichtige Dinge einschränkt. Das wäre ein erster Ansatzpunkt.


    Ansonsten hat alles Vor- und Nachteile:


    Abschaffung GKV: Dann bekommen alle chronisch Kranken ein Problem. Weil die Versicherungen sich die Gesunden rauspicken, die wenig Kosten verursachen. Kann also keine Lösung sein.


    Abschaffung PKV: Auch kritisch, weil Privatpatienten eben nicht unwichtig sind für Praxen. Auch wenn sie nicht besonders hofiert werden. ??Ich habe selber seit wenigen Wochen einen halben Kassensitz. D.h. ich kann nicht bestimmen, wie viele Patienten ich behandele, sondern habe ein Limit nach oben. Wenn ich nach Abzug aller Kosten inkl. Kredit für Praxisübernahme wenigstens so viel verdienen will wie als Angestellte, brauche ich ein paar PKV-Patienten, die nicht auf mein limitiertes Budget gehen. Ich werde die nicht hofieren oder bevorzugen, da ich gleichzeitig auch ein Limit nach unten habe bzgl. GKV-Patienten, was ich nicht unterschreiten darf. Das Traurige: Ich würde gerne mehr arbeiten. Ich bin am Ende der 2. Woche schon dicht und habe eine Warteliste. Der Bedarf ist da - aber ich darf nicht. Wenn ich mehr arbeite, gibt es kein Geld dafür und in einem 2. Schritt Strafzahlungen. Die Rache des halben Kassensitzes - aber Ganze gibt es in meinem Bereich nicht.??


    Es ist schwierig... früer gab es unnötige Kosten, weil in Zeiten der Tagessätze die Krankenhäuser Leute einfach noch behielten. Die heutigen Fallpauschalen sind aber ebenso unsinnig. Wir Deutschen gehen im Vergleich zu anderen Ländern mit gutem Gesundheitssystem (nicht unbedingt großbritannien) zu oft zum Arzt und verursachen auch dadurch viele Kosten. Kränker sind wir nicht... Auch da könnte man ansetzen. Letztlich kann man nicht nur einseitig an ienem Standbein sparen.


    Und wenn wir bei der Beamten-Kritik sind: Da sehe ich viel eher Handlungsbedarf beim Thema Rente/Pension. Mehr Eigenanteil und mehr auf das Lebenseinkommen bezogen statt des jetzigen Systems, was sie nun mal extrem bevorzugt.

    Zitat

    Abschaffung GKV: Dann bekommen alle chronisch Kranken ein Problem. Weil die Versicherungen sich die Gesunden rauspicken, die wenig Kosten verursachen. Kann also keine Lösung sein.


    Abschaffung PKV: Auch kritisch, weil Privatpatienten eben nicht unwichtig sind für Praxen. Auch wenn sie nicht besonders hofiert werden.


    Es ist schwierig...

    nein, es ist einfach. für beides gibt es vorbilder von europ. ländern, wo es offensichtlich funktioniert. beides wäre besser als unser chaos-system.

    Zitat

    Wichtig finde ich, dass die Beihilfe bzgl. der Leistungsübernahme kritischer ist/wird. Soll heißen, nicht blind jeden PKV-Blödsinn auch zahlt, sondern ihr Leistungspektrum auf wichtige Dinge einschränkt. Das wäre ein erster Ansatzpunkt.

    Zumindest hier in Bayern ist das doch bereits so. Man tut gut daran, dem jeweiligen Arzt zu sagen, dass man "nur" beihilfeberechtigt ist, damit die gleich wissen, was alles nicht bezahlt wird. Die Beihilfe nähert sich hinsichtlich des Leistungsspektrums Schritt für Schritt den gesetzlichen Kassen.


    Ich hätte kein Problem damit, anstatt Beihilfe einen Arbeitgeberzuschuss zu meinen Krankenversicherungsbeiträgen zu erhalten, dann würden die Kostenerstattungsanträge wenigstens einheitlich behandelt und ich müsste mich nicht mit zwei verschiedenen Stellen herumärgern.


    Ich habe hier sehr viele Kollegen, die die Beitragsrückerstattungen ihrer Krankenkassen in Anspruch nehmen und entspechend selten zum Arzt gehen um kaum Krankheitskosten zu verursachen. Die Masse dieser Leute spart damit auch unserem Arbeitgeber ziemlich viel Geld, was wohl auch der Grund dafür ist, das der Staat an der Beihilfe eher festhalten möchte.


    Bei mir gibt es mit Sicherheit auch Jahre, in denen aufgrund niedriger verursachter Kosten die Beitragsrückerstattung günstiger wäre, aber mir ist der damit verbundene Verwaltungsaufwand zu doof. Lieber sponsere ich damit meine PKV, schließlich werde ich ja auch nicht jünger, und das Blatt kann sich jederzeit wenden.

    Ich erlebe sowohl beruflich als auch privat ziemlich große Unterschiede bei der Beihilfe. Eine Freundin in Niedersachsen bekommt da noch eine Menge bezahlt, wo man nur mit dem Kopf schüttelt. Und andererseits schließt sich in manchen Regionen die Beihilfe im Bereich Psychotherapie sehr unschön den schlechteren PKV-Verträgen an und weicht somit vom Standard "analog GKV" (was bei Psychotherapie oft besser ist).

    Hallo,


    vielleicht noch zwei Aspekte:


    - wenn man die Beitragserstattung in bestimmten PKV-Tarifen in Anspruch nehmen möchte, ist nur Voraussetzung, dass man keine Rechnungen bei der PKV zur Erstattung einreicht. Bei der Beihilfe kann man aber dennoch Rechnungen einreichen.


    - in Hessen gibt es ein besonderes System: Wenn man dort als Beamter in der GKV versichert ist, kann man Rechnungen, die die gesetzliche Krankenkasse bereits bezahlt hat, bei der Beihilfe einreichen und bekommt dort einen Zuschuss wie PKV-versicherte Beamte.


    https://info-beihilfe.de/wp-co…everordnung_hessen_16.pdf


    -> § 5 Absatz 5 (maximal bis zur Höhe der Beiträge der letzten 12 Monate)


    Gruß


    RHW

    Zitat

    wenn man die Beitragserstattung in bestimmten PKV-Tarifen in Anspruch nehmen möchte, ist nur Voraussetzung, dass man keine Rechnungen bei der PKV zur Erstattung einreicht. Bei der Beihilfe kann man aber dennoch Rechnungen einreichen.

    Ja, das weiß ich. Hätte sich vielleicht noch mehr rentiert, als ich noch 70 % Beihilfeanspruch hatte.

    Anfangs waren hier Beitraege zur absoluten und relativen Hoehe der Krankenkassenbeitraege zu lesen; daher habe ich gerade einmal ausgerechnet, welchen Anteil unsere PKVs an meinem (=unserem) Nettogehalt ausmachen, wobei ich die jaehrliche Kostendaempfungspauschale der Beihilfe aufgeteilt auf die Monate hinzugenommen habe: fast exakt 9,2%. (Eltern verbeamtet, Mutter in Elternzeit, 5 Kinder).


    Nach meinem Kenntnisstand kann dieser Anteil teils noch deutlich hoeher sein bei Beamten niedrigerer Besoldungsgruppen und Dienstaltersstufen, da sich die PKV nicht nach der Hoehe des Einkommens richtet. Insgesamt duerfte er deutlichen Schwankungen in Abhaengigkeit von der persoenlichen Situation unterliegen.

    Hallo,


    die Beiträge zur Sozialversicherung werden immer in Prozent vom Bruttoverdienst berechnet (nicht vom Netto).


    Die Höhe der Beiträge zur PKV hängt ab von:


    - Eintrittsalter (wichtig für die Altersrückstellungen)


    - ggf. Risikozuschläge für Erkrankungen bei Versicherungsbeginn


    - Zahl, Alter und Gesundheitszustand der Angehörigen, die auch in der PKV versichert werden


    - Umfang des Versicherungsschutzes der einzelnen PKV-Tarife


    Gruß


    RHW

    Also wenn es - und das wurde ja hier auch schon ein paar mal angeschnitten - allgemein darum geht PKV ja oder nein, genieße ich es zugegebenermaßen auch einfach oft das Privileg privat versichert zu sein. :-)


    Die "Systemfrage" mal ausgeklammert.


    Kenne beide Seiten, und würde ehrlich gesagt nicht mehr in eine gesetzliche KV wechseln wollen.


    Grade auch jetzt in der Schwangerschaft (bin aktuellEnde des 8. Monats) wurde/wird mir das wieder einmal bewusst:


    Mir werden/wurden sämtliche Diagnostiken bezahlt, es gibt jedes Mal einen Ultraschall, ich gehe Mi oder Sa zur Privatsprechstunde ohne Wartezeiten.


    Auch für nach der Geburt muss ich nicht auf ein Zweibettzimmer (mein pers. Albtraum..) etc.


    Auch bei anderen Erkrankungen kann ich viel freier Wählen, ob ich schulmedizinisch betreut werden will, oder auch mal in die TCM schnuppere, oder es mit Akkupunktur und/oder dem Heilpraktiker/Homöopathen versuchen will.


    Das ist einfach toll. x:)


    Kann mich meiner bayerischen Kollegin auch nicht anschließen, dass die Beihilfe (nur noch) so wenig erstatten würde. Komme auch aus Süddeutschland.


    *:)

    Baden-Württemberg ist halt nicht Bayern.


    Wir haben hier zum Beispiel dafür keine Kostendämpfungspauschale, insgesamt hat jedes System Vor- und Nachteile.

    Zitat

    es gibt jedes Mal einen Ultraschall

    Obwohl ich selber Beamtin und privatversichert bin, würde ich sehr dafür plädieren, dass auch für Privatpatienten nur Leistungen bezahlt werden, die medizinisch begründet sind.

    Zitat

    Auch bei anderen Erkrankungen kann ich viel freier Wählen, ob ich schulmedizinisch betreut werden will, oder auch mal in die TCM schnuppere, oder es mit Akkupunktur und/oder dem Heilpraktiker/Homöopathen versuchen will.


    Das ist einfach toll. x:)

    Seltsame Hobbies gibt es. Mein Boot, mein Pferdepfleger, meine PKV... :p>