Corona - Partner hat Angst sich anzustecken, wenn ich die Familie besuche

    Hallo an alle,

    ich habe ein Problem: Meine ganze Familie wohnt in einem anderen Bundesland und durch Corona habe ich nun schon einige geplante Besuche absagen müssen. Nun hat mein Patenkind Geburtstag und ich möchte gern hinfahren. Anders ausgedrückt: Es ist mir sehr wichtig, dabei zu sein, das Kind und auch den Rest meiner Familie zu sehen. Das würde bedeuten, dass ich mit meinen Eltern zusammen für mehrere Tage in einem (nicht kleinen) Haus wäre und die übrigen Familienmitglieder (draußen) träfe. Ich würde mir ein Auto mieten, wir halten uns an Abstände und umarmen uns nicht, wir sind alle vernünftige Menschen, die sich und andere schützen möchten. Corona-Fälle gibt es dort in der Region aktuell kaum bis keine. Ich selbst habe gar keine Bedenken.

    Nun ist es so, dass mein Partner jedoch große Angst hat, dass ich Corona mitbringen und ihn damit anstecken könnte (keiner von uns ist Risikopatient), allein aufgrund der Tatsache, dass ich mit meinen Eltern in einem Haus sein würde die ihrerseits ja auch Kontakte zu anderen haben. Würde ich fahren, hätte er das Gefühl, dass ich ihn und seine Bedürfnisse und Ängste ignoriere. (Im Übrigen ist er natürlich auch eingeladen, doch mitfahren ist für ihn natürlich keine Option.)

    Ich muss gestehen, dass ich vor vier Wochen bereits zu meinen Eltern gefahren bin, wissend, dass er es nicht gutheißt und mitten in einer Streitsituation, die unter anderem damit zu tun hatte, dass sich zwei Bedürfnisse konträr einander gegenüber stehen und wir keine Lösung gefunden haben, mit der wir beide hätten leben können (zum gleichen Thema). Ich habe so gesehen egoistisch gehandelt und mir ist bewusst, dass ich nun das Gleiche wieder tun würde. Dieses Mal habe ich versucht, mit ihm einen Kompromiss zu finden, mit dem wir beide leben können (z. B. dass ich im Zelt übernachte, dass ich nach meiner Rückkehr für einige Zeit in ein Hotel gehe oder so), doch das nimmt er gar nicht mehr wahr: Er hört nur, dass ich gegen seine Angst handeln will und meinen eigenen Willen durchsetzen möchte, dass mein "Kompromiss" darin besteht, dass ich fahre und er damit klarkommen muss.


    Kurz zusammengefasst: Mir ist es wichtig zu meiner Familie zu fahren, weil ich sie ohnehin selten sehe und sie für mich sehr wichtige Menschen sind, ihm ist es wichtig, dass ich nicht fahre, um mich und damit ihn nicht einem unnötigen Risiko auszusetzen. Fahre ich, erfülle ich mein Bedürfnis und ignoriere seins, fahre ich nicht, erfülle ich sein Bedürfnis und ignoriere meins.


    Habt ihr eine Idee, wie dieser Konflikt aufgelöst werden könnte? Da muss es doch irgendeinen Zwischenweg geben ... Wie seht ihr das?


    LG Elsa

  • 34 Antworten

    Warum hat dein Partner so eine Angst vor Corona? Hat er Angehörige, die zur Risikogruppe gehören oder neigt er allgemein ein wenig zur Hypochondrie?


    Ich würde mir einen Familienbesuch (im Rahmen der geltenden Verordnungen der jeweiligen Bundesländer) nicht verbieten lassen 8-(

    Ehrlich gesagt weiß ich es selbst nicht. Weder er noch ich noch irgendjemand, den wir kennen, gehört zur Risikogruppe (bis auf Verwandte in entsprechendem Alter). Noch dazu haben wir beide Blutgruppe 0 (sollte da was dran sein). Also würde ich es wahscheinlich wirklich am ehesten auf eine Art Hypochondrie schieben bzw. auf ein paar gesundheitliche Schwierigkeiten, die aber nicht in Richtung Lunge oder Ähnliches gehen ...

    Mir fällt dazu nur der Filmtitel "Angst essen Seele auf" ein.

    Wie nimmt man einem Menschen seine Angst. -- Falscher. Es ist nicht deine Aufgabe deinem Mann seine Angst zu nehmen oder so zu handeln, dass er keine Angst zu haben braucht.

    Dein Mann hat Angst. Es ist seine Aufgabe mit sich und seiner Angst klar zu kommen. Was der beste Ansatz für ihn wäre, kann ich dir leider nicht sagen. Ich weiß nur eines, nämlich es ist schon schlimm genug sich von seiner eigenen Angst begrenzen zu lassen, aber es ist noch viel schlechter und blöder sich von der Angst eines anderen begrenzen zu lassen.

    Mach' ihm klar, dass er das Problem hat.

    Also wenn ich mich so in deine Situation hinein denke, dann kommt mir das wie die Hölle vor. Du bist schon eine geduldige und liebevolle Frau.

    Das ist nett ... Danke für die Antwort, da ist wohl was dran. Ich finde deinen Gedanken gut zu sagen, dass man sich schon nicht von seinen eigenen Ängsten das Leben diktieren lassen sollte, und erst recht nicht von den Ängsten eines anderen ...


    Klar, schon irgendwie "egoistisch" von mir, wenn ich mein Bedürfnis erfülle, wohl wissend, dass er dabei hinten runterfällt. Andererseits frage ich ihn ja, unter welchen Voraussetzungen es für ihn in Ordnung ist, möchte also berücksichtigen, was auch immer es ihm leichter machen würde (bis auf die Möglichkeit, nicht zu fahren). Wenn die Antwort allerdings ist, dass es unter keinen Umständen in Ordnung wäre, dass ich fahre, ist und die einzige "Möglichkeit", Rücksicht zu nehmen, die ist, nicht zu fahren (ich damit also seine, aber nicht meine Bedürfnisse erfülle), wäre das dann nicht genauso egoistisch von ihm - zu erwarten, dass ich meine Bedürfnisse seinen unterordne?

    Und wie lange soll das so gehen? Corona wird ja nicht in ein paar Wochen/Monaten Geschichte sein. Warten, bis es einen Impfstoff gibt und dann erst wieder "mit seiner Erlaubnis"/guten Gewisses Familie fahren? Nein. Das möchte ich nicht. Das kann ich mir für mich nicht vorstellen.

    Ist es nicht auch Ausdruck von mangelndem Vertrauen, dass ich mich rücksichtslos verhalten, alle Maßnahmen missachten und mich bewusst einer Ansteckungsgefahr aussetzen könnte? Hm ... Ein paar rhetorische Gedanken.


    Habt ihr eine Idee, wie ein guter Kompromiss aussehen könnte? Dass ich einerseits fahre, aber ihm andererseits irgendwie die Angst nehmen kann?

    Wenn du eh mit dem Auto fährst, sehe ich da nicht so das große Problem.


    mehr Risiko würde da ja zb. fliegen/Bus/zug fahren mit sich bringen.


    Ansonsten gibt es sowieso nie ne Garantie, dass man sich nie ansteckt.

    Seit ihr beide berufstätig? Da würde es ja auch schon ein Risiko geben.


    Mach ihm das nochmal klar.

    Und wieso hat er keine Angst, dass du in eurer Wohnstadt Corona bekommst und es mit nach Hause bringt? Hast du dort keine Kontakte, hat er dort keine Kontakte außerhalb?



    Wie lebt ihr denn, zusammen in kleiner Wohnung oder gäbe es die Möglichkeit, sich nach deiner Rückkehr aus dem Weg zu gehen? Nicht, weil es dringend nötig wäre, sondern zu seiner Beruhigung. Die Ansteckung in Halshalten ist nicht so schnell passiert, wie er denkt.


    OhElsa schrieb:

    Ich habe so gesehen egoistisch gehandelt und mir ist bewusst

    Das Thema "Egoismus" würde ich hier mal komplett ausklammern. Das könntet ihr euch beide pingpong-artig hin und her vorwerfen. Er ist auch egoistisch, wenn er nicht Angst hat, dass du dich anstecken könntest, sondern es ihm primär darum geht, selbst nicht angesteckt zu werden. Ebenfalls ist es egoistisch, dich deshalb auf unbestimmte Zeit von der Familie fernzuhalten. Das kann man beliebig drehen und wenden - beide haben ihre egoistischen Interessen, ganz normal und keinen Vorwurf wert.

    Ich würde sogar extra ein Auto mieten, um das Risiko zu minimieren.

    Und das ist ja das Schräge: Ich pendel jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit, verbringe als mehr als eine Stunde am Tag umgeben von fremden Menschen, die mir teils näher sind als meine Etlern mir in ihrem Haus wären, allein dadurch ist das Risiko deutlich größer. Er selbst ist größtenteils im Homeoffice, trifft sich aber auch mit Leuten (draußen) und hat nichts dagegen bzw. verurteilt es nicht, wenn andere Reisen unternehmen oder die Eltern besuchen. Na gut, mit denen wohnt er auch nicht zusammen ...

    mnef schrieb:

    Wie lebt ihr denn, zusammen in kleiner Wohnung oder gäbe es die Möglichkeit, sich nach deiner Rückkehr aus dem Weg zu gehen?

    Ja, genau, es gibt hier kaum die Möglichkeit, dass wir uns aus dem Weg gehen. Deshalb hatte ich ihm sogar schon angeboten, ich könne ja nach meiner Rückkehr in einer Ferienwohnung unterkommen. Da ist er gar nicht drauf eingegangen ...

    Du hast recht, das Egoismus-Argument lässt sich totspielen - das sollte ich besser fallenlassen, für mich und für ihn.


    Eigentlich bekomme ich so langsam sogar eher den Eindruck, dass es bei ihm vielleicht gar nicht so sehr die Angst vor einer Ansteckung ist als vielleicht so etwas wie Neid oder vielleicht sogar Missgunst. Ich habe ein sehr gutes, enges Verhältnis zu meiner Familie und das große Bedürfnis, sie regelmäßig zu sehen und den Kontakt mit ihnen zu pflegen. Bei ihm und seiner Familie ist das nicht so. Vielleicht hat er sogar ein schlechtes Gewissen, dass er nicht das Bedürfnis hat, seine Eltern zu besuchen. Vielleicht ist sein Argument, seine Eltern ja schützen zu wollen, indem er sie nicht besucht, auch vorgeschoben, um einen Besuch noch aufschieben zu können, und wenn er nun sieht, dass ich für mich nichts mehr aufschieben will, fühlt er sich schlecht ...


    Tja. und wenn dem so wäre, wäre es vermutlich irre schwierig, ihn dazu zu bringen, das mir gegenüber und letztlich vielleicht auch sich selbst gegenüber einzugestehen.

    Eigentlich müssten es ja auch meine Eltern sein, die (als altersbedingte Risikogruppe) viel eher Angst vor Ansteckung durch mich haben. Nichts dergleichen ist der Fall. Niemand, mit dem ich spreche, der mir hier schreibt, sieht ein Problem darin - vor allem, weil ich kein leichtsinniger Mensch bin.

    Wenn er in sein Auto steigt und mit Tempo 180 über die Autobahn fährt, habe ich auch Angst um ihn - wenn ich mitfahre auch um mich -, aber ich käme deswegen ja auch nicht auf die Idee ihm vorzuschreiben, dass er die 130 nicht überschreiten soll. Ich kann (vor dem erwähnten Hintergrund aller Vorsichtsmaßnahmen - ich will weder mich selbst noch andere anstecken - und der Tatsache, dass ich nichts Unerlaubtes oder "Verpöntes" vorhabe) nicht nur seine irrationale Angst vor Ansteckung nicht nachvollziehen, ich kann auch nicht verstehen, dass er mir vorzuschreiben versucht, wie ich mich zu verhalten habe.

    Also vorsichtiger als du kann man wohl auch kaum noch sein. Man könnte auch andersrum sagen: es ist egoistisch von deinem Freund, dass er was dagegen hat, dass du deine Familie besuchst !

    Zumal er sich selbst ja auch mit Leuten trifft. (Wahrscheinlich wird er sagen, da hält er ja Abstand ? Aber du wirst ja auch nicht "dauerkuscheln")

    Und zum Thema Zugfahren: du hast vermutlich immer einen freien Platz neben dir und jeder hat eine Maske auf ? [Ironie off]

    Wieso hat er so eine Angst vor dem Kontakt zu Deiner Familie, die wiederum Kontakt mit anderen Menschen hat? Ihr habt doch jetzt auch Kontakte, die wiederum Kontakte haben; Du fährst Zug,...

    An DEM Punkt würde ich wohl ansetzen...


    Und manchmal bleibt nur die alte Weisheit: Der Weg gegen die Angst geht durch die Angst. Das, was ihn umtreibt, ist schon etwas... extrem. Ja, Corona existiert, aber man kann Risiken minimieren und die zunehmendne Lockerungen zeigen ja, dass es okay ist.

    Also ich würde auch ganz stark vemuten, dass es ihm um etwas völlig anderes geht als um die Angst vor Ansteckung, wenn er keine Angst hat rauszugehen und sich mit Freunden zu treffen und kein Problem damit hat, dass du jeden Tag Zug fährst!

    Und genau damit solltest du ihn einfach mal konfrontieren, finde ich.

    In so einer Situation, hilft bei uns oft einlenken. Also sagen, okay, wenn es Dir wirklich wichtig ist, fahre ich eben nicht. Dann lenkt der andere auch ein und am Ende kommt man doch noch zu einer einvernehmlichen Lösung. Und sei es nur, dass Dein Freund sieht, ok, Du nimmst ihn und seine Gefühle ernst und wärst ihm zu Liebe bereit zu verzichten. Das gibt ihm dann vielleicht schon die Kraft, Dir die Reise doch zu gönnen. Wie gesagt, bei uns funktioniert das in solchen Fällen oft. Das Einlenken muss allerdings natürlich ernst gemeint sein...also; dass man eben im Zweifel auch wirklich verzichtet, wenn der Andere das "Opfer" annimmt.

    Oder der Freund sagt "schön dass du nicht fährst" und in ein paar Wochen ist dasselbe Problem. Es ist also eine 50:50 Chance.