Die Suche nach dem Hausarzt, eine Odyssee

    Letztes Jahr im Juli bin ich umgezogen, in eine überschaubare Kleinstadt in Rheinland-Pfalz, aus der Großstadt im Norden. Seit dem bin ich auf der Suche nach einem Hausarzt und werde immer wieder abgewiesen.


    Nicht dass ich nun dringend einen bräuchte oder dauernd physisch krank bin. Aber einen Hausarzt, an den man sich mal wenden kann hätte ich schon gerne.


    Prinzipiell brauche ich nur eine Überweisung pro Quartal an eine Institutsambulanz und einmal jährlich ein Rezept für Ibuprofen.


    Gestern war ich beim Dermatologen, wo ich oh Wunder noch am gleichen Tag einen Termin bekam, weil akutes Problem, mit dem ich anderswo auch auf November vertröstet wurde,.... Da war im gleichen Haus ein Allgemeinmediziner, also bin ich rein und habe mein Anluegen vorgetragen. Habe meinen Namen hinterlassen und sollte heute früh anrufen, man wollte mit dem Arzt Rücksprache halten. Heute morgen angerufen, nö.... wir nehmen keine neuen Patienten an.


    In Nachbarorte kann ich auch nicht ausweichen, denn laut denen ist man ortsgebunden und sowieso, keine neuen Patienten.


    Ich war es nun Leid. Habe dann bei meiner Kasse angerufen und mein Problem vorgetragen, sollen die sich die Finger wundtelefonieren. Heute nachmitrag gleich ein Rückruf der Krankenkasse, man habe einen Arzt gefunden, bei dem ich morgen früh um 9 Uhr anrufen sollen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Oh schön, wer ist es denn? Dr. W......., also genau die Praxis, die mich am Morgen abgewiesen hat.


    Na ja, ich rufe morgen dann noch mal dort an und lasse mich überraschen.


    Wie ist das bei euch so? Und was tun, wenn das auch nicht klappt?

  • 29 Antworten

    Ja, ich habe hier Freunde. Das wird mir nur nichts nützen, wenn diese mit Arzt XY gute Erfahrungen gemachte haben. Denn die Ärzte nehmen ja keine neuen Patienten auf.


    Ich habe jetzt alle auffindbaren Allgemeinärzte hier vor Ort durch, keine Chance.

    :-D Herzlichen Glückwunsch. Jetzt hoffe ich mal für dich, dass ihr euch auch gut versteht.


    Hier in der etwas kleinen Großstadt und den umliegenden Dörfern sind wir mehr als ausreichend mit Ärzten fast aller Fachrichtungen ausgestattet. Teilweise arbeiten in den Praxen sogar bis zu vier Ärzte. Abgewiesen wurde und wird hier niemand, allerdings war es zu Beginn nicht leicht auch an einen für mich guten HA usw. zu geraten. Da brauchte ich so ca. 3 - 4 Jahre. Jetzt passt für mich aber alles prima.

    Ich bin vor 10 Jahren in eine Großstadt in Rheinland-Pfalz gezogen und hatte keine Probleme einen Hausarzt zu finden.


    Aber ich bin auch nervig hartnäckig und bleibe dann sitzen, wenn was akutes ist (HNO, Orthopäde usw.)


    Mein Hausarzt nimmt einen (mit Wartezeit) auch ohne Termin dran.


    Auch letztes Jahr hat er noch patienten aufgenommen, solche wie dich (mein Freund ist so einer, hab ihn kurz vorbei geschickt, einmal Blutdruck gemessen, einmal kurz geredet und er war wieder draußen).


    Wieviele Hausärzte gibt es denn in deiner Kleinstadt so?


    ich kenn das Problem von meinen Eltern, die auf einem Dorf wohnen...immer weniger Ärzte...

    Zitat

    Wie ist das bei euch so? Und was tun, wenn das auch nicht klappt?

    Meinen vorletzten Hausarzt hatte ich um 2003, sehr sympathisch. Er spielte Geige und wenn man das Haus betrat, lief "seine" Musik schon im Treppenhaus. Die Terminabsprachen klappten hervorragend, Wartezeit war fast Null, ich konnte kaum einen Artikel in den ausliegenden, niveauvollen Zeitschriften zuende lesen. Das Wartezimmer war immer mit frischen Blumen garniert.


    Er rief mich persönlich an, ob ich nicht mal wieder einen Gesundheitscheck machen möchte. Ich war begeistert, denn auch ich bin Freiberufler und muss meine Kunden hofieren. Okay, ich bin Privatpatient, ob er das mit Kassenpatienten auch so machte, weiss ich nicht.


    Habe ihn leider durch Umzug in eine andere Stadt verloren.


    Seit 2011 habe ich keinen Hausarzt. Auch keinen Hausjuristen und Haussteuerberater. Zwei-, dreimal bin ich seitdem direkt zum Facharzt bzw. Klinik.


    Welchen Sinn macht es, sich einen "Hausarzt" zu reservieren?

    Zitat

    Welchen Sinn macht es, sich einen "Hausarzt" zu reservieren?

    Es macht Sinn, wenn man zBsp regelmäßig eine Überweisung brauch, weil der Facharzt ohne Überweisung keinen Termin ausgibt. Manche Fachärzte sind da so.


    Außerdem, wenn man mal was hat, wofür man (als Arbeitnehmer) eine Krankschreibung brauch (mit Durchfall wirst du dein Büro vielleicht aufs Klo verlegen, als Arbeitnehmer geht das nicht mal eben so), ist ein Hausarzt zu haben Gold wert, denn wenn sie schon niemanden nehmen, wenn man gesund ist, kommt man auch schwer dran, wenn grad Krankheitswelle ist und alle Hausärzte sagen "Wir sind überfüllt".


    Hatte ich mal beim Vertretungsarzt, der nicht so begeistert war, dass ich mit Wadenschmerzen auftauchte.

    Ich erlebe es am Rand von NRW beruflich leider gerade. Viele Ärzte geben die Praxis auf, kein Nachfolger, die anderen Praxen überlaufen, Aufnahmestopp,... Nicht jeder ist mobil und kann unendliche Kilometer im Umkreis suchen.


    Was ich immer wieder erlebe:


    A) Persönliche Kontakte nutzen. Hausärzte von zufriedenen Freunden/Bekannten/Nachbarn abklappern und die "Empfehlung" erwähnen.


    B) Tatsächlich über die Krankenkassen gehen. Es mag Dich verwundern, dass man Dich abgelehnt hat, Du über die KK aber an denselben Arzt gelangen kannst. Es gibt da letztlich eine Vielzahl von Vereinbarungen, Abprachen, Verpflichtungen der Ärzte. Es kann somit sein, dass jemand dich ablehnt - eben weil er für eine Krankenkasse oder allg. die Terminvermittlung der KV noch Plätze frei hält.


    Nicht hinterfragen, sondern Chance nutzen, hingehen und hoffen, dass die Chemie stimmt!

    Zitat

    Welchen Sinn macht es, sich einen "Hausarzt" zu reservieren?

    Fester Ansprechpartner, bei dem ggf. Befunde zusammenlaufen. Kartei mit Medikamenten, wo ein Anruf für ein neues Rezept reicht. Einfach im Patientenstamm drin sein für akute Erkrankungen und Terminnotwendigkeit.


    Wir sind vor 1 1/2 Jahren auch umgezogen. Ländliche Region, nicht superviel Auswahl. Mein Freund braucht relegmäßig Medikamente und ist auf Empfehlung der Nachbarn an einen netten Arzt geraten. Wochen später hatte ich Bedarf (Krankenhauseinweisung, Laborwerte vor OP). Da habe ich einen Flop erlebt - und der tolle Arzt meines Partners nahm eigentlich auch nicht mehr auf. Mit einem traurigen "aber meinen Partner haben Sie vor Kurzem noch angenommen" war ich drin - und bin super zufrieden. Er hat mittlerweile eine angestellte Ärztin mit drin, bei der ich zufällig gelandet bin und die gut passt. Seither reichen auch für Rezepte Anrufe aus, nachdem ich einmalig meine Patientengeschichte inkl. Bericht meines alten Hausarztes (15 Jahre) hinterlassen habe. Sehr praktisch.

    Grottig, dass ist schrecklich zu lesen :)_


    In unserem reichen Land, wo die Beitragssätze der Krankenversicherung nun nicht unbedingt niedrig sind, keinen Arzt zu finden, ist sehr schwer vorstellbar.


    Ich habe mal in der Zeitung gelesen, dass es so etwas wie Zuschuss für Ärzte gibt, die ihre Praxis in einer ländlichen Region eröffnen :-/


    Auf der anderen Seite hat mir ein ehemaliger Kollege erzählt, dass Rentner regelmäßig zum Arzt gehen, nur um jemanden zum reden zu haben ":/


    Ich glaub in deiner Situation muss man extrem hartnäckig sein (siehe Beitrag von Xirain) und gute Argumente vorbringen. Telefonisch wirdman sowieso leichter abgewiesen.


    Meine Ärzte habe ich auch ausschließlich auf Empfehlung aus dem Freundeskreis gefunden. Das ist wirklich hilfreich :)^


    Hier fragte jemand nach dem Sinn von einem Hausarzt: Vielleicht wird man mal krank ]:D Ich brauche ihn für regelmäßige Rezepte für meine Schilddrüsenunterfunktion. Weiss gar nicht was ich Fall der TE machen würde?


    Schon Facharzttermine sind schwer zu bekommen und mit langen Wartezeiten verbunden. Das ist irgendwie nachvollziehbar, wenn auch unschön.


    Viel, viel Glück bei deiner Suche :)* :)* :)*


    Bleib hartnäckig ;-)

    @ heute

    Zitat

    Auf der anderen Seite hat mir ein ehemaliger Kollege erzählt, dass Rentner regelmäßig zum Arzt gehen, nur um jemanden zum reden zu haben ":/

    Ich kenne das aus Berichten, weil ältere Menschen - ausser vom Arzt - nicht mehr berührt werden.

    Fakt ist halt, dass ländliche Regionen für einige Ärzte unattraktiv sind. Aufgr. einer gewissen Residenzpflicht müssen sie recht praxisnah wohnen, d.h. der Ort muss gefallen. Dann gibt es gerade in ländlichen Regionen z.T. auch Probleme, überhaupt Praxisräume zu finden. Manche älteren Ärzte haben auch recht utopische Vorstellungen davon, was sie für ihre Praxis/Patientenstamm als Kaufpreis verlangen können. Und dann ist halt nicht jeder Arzt als "Landarzt" geeignet; hat keinen Bock auf viele ältere Kollegen. Es ergeben sich Budget- und Behandlungsprobleme bei vielen sehr kranken Patienten und Facharztmangel. Und und und.


    Letztlich können aus den o.g. Gründen viele Hausarztsitze nicht (nach)besetzt werden. Die KV'en geben sogar eine Umsatzgarantie, bezuschussen Praxisgründungen/Übernahmen,... Aber dadurch ändert sich nicht unbedingt die Attraktivität.


    Fazit: Es gibt unterversorgte Regionen. Die nicht besetzten/ausgeschriebenen Arztsitze kann man regional eigentlich monatlich in den Praxisbörsen und Sitzausschreibungen der zuständigen KV (Kassenärztlichen Vereinigung) nachlesen. Das sind auch die Infoquellen für niederlassungswillige Ärzte. Wenn man da durchscrollt sieht man, wie viele Hausarztsitze ausgeschrieben sind.

    Also ich finde es schon wichtig, wenn es eine Stelle gibt, wo alle Fäden zusammenlaufen. Ich bin chronisch krank, wenn auch psychisch, werde da auch behandelt über eine Institutsambulanz, die mich sofort aufgenommen hat, aber da hat halt auch die alte Institutsambulanz mitgewirkt. Dafür brauche ich im Quartal eine Überweisung. Diese bekomme ich zwar von einrm Arzt eine Strasse weiter, aber ich fühle mich nicht wohl die dort zu holen. Einfach weil man nicht Patient ist, sondern Bittsteller.


    Oder wenn man mal zum Facharzt muss, das geht über Hausarzt meist schneller, zumindest hat mein alter bei Dringlichkeit Termine für mich gemacht. Mein Hautproblem war z.B. auch wirklich dringlich, hat nur keinen interessiert, Termine nicht vor November, selbst in einem medizinischen Zentrum welches es hier gibt. Gut, ich hatte Glück und einen gefunden, der mich am gleichen Tag dran nimmt, aber dessen Bewertungen waren alle astronomisch schlecht. Und eine dauerhafte Behandlung will ich von dem auch nicht. Eigentlich hätte hier eine vernünftige Amnamese hergehört, evtl. ein Abstrich der Haut. Er hat einen 3 Sekundenblick aus 1m Entfernung draufgeworfen und mir ein Rezept in die Hand gedrückt. Ok, die Salbe hat geholfen, ob das Problem damit gelöst ist, wird sich noch weisen, wenn ich die Salbe absetze.

    Zitat

    warum willst du das outsourcen?

    Weil Du Dir selbst keine Überweisung schreiben kannst. - "Guten Tag, Herr Radiologe. Ich habe Kopfschmerzen und möchte ein MRT machdn lassen. Kann ich gleich warten?" ]:D


    *:)