Informations"pflicht" vom Arzt zu Patient oder zu Angehörigen

    Weil mich ein Faden bezüglich des Themas Informationsfluss vom Arzt zum Patienten und zu Angehörigen etwas sprachlos zurück lässt, würde ich gerne darüber diskutieren.


    Konkret geht es darum, ob ein Arzt z.B. Krankenhaus dazu verpflichtet ist dem Patienten die Diagnose, Vermutung bzw den Gesundheitszustand mitzuteilen, auch wenn ein Familienangehöriger darum bittet, dies nicht zu tun. Ebenfalls frag ich mich, wie es mit dem Datenschutz vereinbar ist, wenn ein Arzt mit NUR den Angehörigen über den Zustand spricht, wenn der eigentliche Patient ansprechbar und müdig ist? Ich kann doch net einfach irgenwohin gehen und mir die Daten über den Gesundheitszustand meiner Angehörigen einholen. Selbst wenn ich festlege, dass z.B. meine Tochter die Dinge für mich regelt, muss man mich doch immer noch informieren, was Sache ist, wenn ich z.B. im Krankenhaus bin.


    Nehmen wir mal an ich würde den Arzt darum bitten nicht mit meinem Vater über seine Krankheit zu sprechen wegen der er im Krankenhaus liegt, sondern nur mit mir.

    Für mich handelt ein Arzt, der einem mündigen, erwachsenen Patienten den Zustand nicht mitteilt, absolut falsch. Es ist dabei völlig egal, wie alt der Patient ist oder was für eine mögliche Prognose im Raum steht. Ich finde es schon arg fragwürdig, dass ein Arzt sich überhaupt anmaßt beurteilen zu können, ob die Bitte eines Angehörigen gerechtfertigt ist. Vielleicht bin ich meinem Vater ja gar nicht wohlgesonnen.

  • 72 Antworten

    Hallo tiramisu01 Ich sehe das alles genauso wie du! (Wie das rechtlich ist, kann ich nicht sagen) Ich bin der Meinung, der Arzt müsste den Patienten fragen ob er eine eventuelle Diagnose wissen möchte oder nicht oder ob die Angelegenheit nur über die Angehörigen/Begleitpersonen besprochen werden soll/darf.

    ich war auch ein bisschen geschockt.

    Die Bundesärztekammer hat in ihrer Berufsordnung stehen:

    § 8 Aufklärungspflicht ­1

    Zur Behandlung bedürfen Ärztinnen und Ärzte der Einwilligung der Patientin oder des Patienten. Der Einwilligung hat grundsätzlich die erforderliche Aufklärung im persönlichen Gespräch vorauszugehen.


    Quelle: https://www.bundesaerztekammer…hte/muster-berufsordnung/


    Ich denke schon, dass es mitunter schwierig ist und man abwägen muss, wieviel harte Wahrheit jemand gerade vertragen kann. Aber wenn jemand nicht ganz dement ist oder eine Betreuung in sämtlichen Belangen hat, dann muss er in meinen Augen aufgeklärt werden und Angehörige können das nicht verhindern.

    Danke für den Faden, tiramisu. Ich bin auch fest davon ausgegangen, dass ein Vorgehen, wie es im anderen Thread geschildert wurde, nur mit einer Patientenverfügung und / oder Vorsorgevollmacht oder ähnlichem möglich wäre.

    ..andererseits, wer weiß schon immer genau, welche im Internet geschilderten Geschichten nun wirklich der Wahrheit entsprechen..

    Aber auch eine Vorsorgevollmacht oä heisst ja nicht gleich, dass man mit mir nicht redet, wenn ich anwesend bin.. also denk ich mir so.


    Es ist natürlich was anderes, wenn der Patient nicht mehr mündig ist.


    Ich bin mir nicht mal sicher, ob es überhaupt reichen würde, dass der Arzt den Patienten nur fragt, ob er das lieber nur mit den Angehörigen besprechen soll. Wir unterschreiben für jeden Mist momentan, wenn wir zum Arzt gehen wegen Datenschutz und co. Das zählt doch im Krankenhaus auch. Früher konnte mein Mann meine Blutwerte abholen. Das ging jetzt nicht mehr, bis ich bei denen unterschrieben habe, dass er dazu berechtigt ist.

    Hallo

    Ich weiß nicht genau worum es geht, aber waren sollte der Arzt dein Vertrauen missbrauchen .

    Wenn du ihn darum bittest den Angehörigen über seine Krankheit nicht zu informieren !

    Ich weiß nicht, wie das gesetzlich aussieht. ?


    Es auch wichtig, in welcher Verfassung ist der Patient ,ist er schon sehr alt ,bekommt schnell Angst oder ist er eventuell Selbstmord gefährdet ?


    Mein Vater wusste auch nicht, das er Krebs im Endstadium hatte , er hat bis zuletzt gedacht es wird alles gut .

    Ich glaube er hat es erst gemerkt, als es nicht besser wurde .

    Und dann ging es ganz schnell zu Ende 😢



    Ob es richtig war, das weiß ich nicht, es ist schon 30 Jahre her .


    Ich wünsche dir alles gute

    Gruß rubyfee

    Ich finde das Vorgehen aus dem anderen Faden auch absolut unmöglich und würde es als Ärztin auch nicht unterstützen. Man muss ja nicht direkt reinplatzen und dem Patienten „sie haben Krebs“ an der Kopf knallen aber ein Patient hat das Recht darauf, zu erfahren was mit ihm passiert. Vor allem wenn dann auch noch Operationen, künstliche Darmausgänge und sogar Chemotherapien im Spiel kommen. Spätestens bei der OP-Aufklärung wird der Patient direkt aufgeklärt und wenn keine Vollmacht vorliegt, muss er auch höchstpersönlich in die OP einwilligen.

    tiramisu01 schrieb:

    Ich bin mir nicht mal sicher, ob es überhaupt reichen würde, dass der Arzt den Patienten nur fragt, ob er das lieber nur mit den Angehörigen besprechen soll. Wir unterschreiben für jeden Mist momentan, wenn wir zum Arzt gehen wegen Datenschutz und co. Das zählt doch im Krankenhaus auch. Früher konnte mein Mann meine Blutwerte abholen. Das ging jetzt nicht mehr, bis ich bei denen unterschrieben habe, dass er dazu berechtigt ist.

    Ach ja, das stimmt natürlich ... die Datenschutzverordnung und so ...

    Rubyfee schrieb:

    Ich weiß nicht genau worum es geht, aber waren sollte der Arzt dein Vertrauen missbrauchen .

    Wenn du ihn darum bittest den Angehörigen über seine Krankheit nicht zu informieren !

    Ich weiß nicht, wie das gesetzlich aussieht. ?

    Naja, das ist recht einfach: Es geht in der Sitation nicht um mich, sondern um meinem Angehörigen. Der Arzt missbraucht damit das Vertrauen seines Patienten. Ich hab in der Situation mit dem Arzt doch eigentlich keine "Beziehung".


    Rubyfee schrieb:

    Es auch wichtig, in welcher Verfassung ist der Patient ,ist er schon sehr alt ,bekommt schnell Angst oder ist er eventuell Selbstmord gefährdet ?

    Wieso? Entweder ist ein Patient erwachsen und mündig oder nicht. Ich kenne ja keinen Einzigen, egal ob jung oder alt (wobei tendentiell die älteren noch eher), die eine tötliche Diagnose so einfach wegstecken und keine Angst haben. Ich wäre völlig am Boden zerstört, wenn ich die Diagnose einer tötlichen Krankheit kriegen würde. Und weil ich nicht sehr alt bin udn normalerweise nicht so schnell Angst, kann man mir das sagen, aber anderen nicht? Das versteh ich nicht.

    Ich hatte mich zurückgehalten weil die TE ja nach was bestimmtem medizinischen gefragt hatte und wenn man was anderes dazuschreibt wird man oft darauf aufmerksam gemacht "Danach wurde nicht gefragt"


    Aber ich finde es auch unmöglich und nach meinem Laien-Gefühl rechtswidrig wenn mir als nicht entmündigtem Patienten die Diagnose nicht mitgeteilt wird !


    (Ganz offiziell dürfen Angehörige gar nicht informiert werden. Schon darüber wird sich oft hinweggesetzt aber in den meisten Fällen besteht ja auch ein Vertrauensverhältnis und man versteht nicht alles und ist froh wenn Tochter/Sohn vermitteln kann. )

    Ich finde man sollte den Zustand des Patienten berücksichtigen .

    Ich glaube, ich möchte auch nicht wissen, ob ich eine tödliche Krankheit habe .

    Damit wäre für mich ein normales Leben vorbei .

    Und ändern kann ich nichts an der Diagnose .


    Nur meine Meinung

    Gruß rubyfee

    Und noch was, du hast doch den Arzt darum gebeten, nichts zu sagen

    Oder habe ich das falsch verstanden ?

    Gruß rubyfee

    Rubyfee schrieb:

    Hallo

    Ich weiß nicht genau worum es geht, aber waren sollte der Arzt dein Vertrauen missbrauchen .

    Wenn du ihn darum bittest den Angehörigen über seine Krankheit nicht zu informieren !

    Ich weiß nicht, wie das gesetzlich aussieht.

    Es soll ja auch (alte) Leute geben die trotzdem eine riskante OP wollen auch wenn der Arzt sagt, das Risiko ist zu hoch.

    Oder die - solange es gesundheitlich noch geht - ihr Leben noch leben wollen, vielleicht noch an einen bestimmten Ort reisen und statt einem Jahr nur ein Viertljahr im Krankenhaus liegen wollen.

    Rubyfee, aber irgendwer "muss" es wissen. Du würdest damit deine Angehörigen uU ganz schön belasten, immerhin können sie mit dir ihre Ängste und Sorgen mit dir auch nicht teilen.