• Lebenserhaltende/verlängernde Maßnahmen bei über 90-Jährigen

    Hi, hoffe ich hab das richtige Unterforum erwischt. Meine 93-jährige Oma liegt derzeit im Krankenhaus. Eingeliefert wurde sie, weil sie plötzlich sehr verwirrt war und es stellte sich recht schnell raus, dass sie unter Blutarmut leidet. Nachdem man dann festgestellt hat, dass sie Blut in Stuhl hat, hat man bei der Magen-/Darmspiegelung einen Tumor…
  • 101 Antworten

    Wie sieht der Behandlungsverlauf bei einem Colon-Carcinom (Dickdarmkrebs) in einem Provinzkrankenhaus aus?


    Diagnostik in der Gastroenterolgie: Koloskopie, CT, Labordiagnostik

    EInweisung in die Viszeralchirurgie, Besprechung des weiteren Vorgehens durch Chefarzt/Oberärzte mit Angehörigen.

    Op in Vollnarkose plus Periduralkatheter zur Schmerztherapie, Aufenthalt auf Intensivstation für 2-3 Tage. Verlegung auf Normalstation.

    Nach Entlassung ggf. Kurzzeitpflege.


    Auch bei einer Patientin "90 plus" wird die beschriebene Narkose gut vertragen.

    Eine kontinezerhaltende OP muss jede chirurgische Fachabteilung beherrschen.


    Der Palliativmediziner und der Onkologe werden zunächst nicht eingeschaltet.

    So, es ist Dienstag Abend und wir wissen weiterhin nix. Seit Freitag hat niemand mehr mit ihr direkt geredet, weil sie am Telefon einfach nichts hört.

    Die Schwester oä ans Telefon zu kriegen ist verständlicherweise auch schwer und über die Ärzte brauchen wir gar nicht erst zu reden.
    Eine Schwester meinte, dass sie heim will. Sie hängt aber noch am Tropf und wir kriegen niemanden zu greifen, der beurteilen kann, ob das wirklich noch notwendig ist. Sonst könnten wir sie ja auch heim holen, wobei das auch doof wäre, wenn sie wieder rein müsste.

    Und keine fünf Minuten später, ruft mein Papa an. Es ist ein bösartiger Tumor im unteren Teil des Darms. Welches Staging etc, konnte er mir nicht sagen. Die Ärzte meinen, dass sie eine OP nicht überleben würde und sie ohne noch ca 6 Monate hat.
    Morgen kann die Tochter mit einer Ausnahmegenehmigung in die Klinik und da wird dann alles weitere besprochen.

    tiramisu01 schrieb:

    Die Ärzte meinen, dass sie eine OP nicht überleben würde und sie ohne noch ca 6 Monate hat.

    Dass sie eine OP nicht überleben wird, stimmt so nicht. Wenn man nichts tut, bekommt sie einen Darmverschluss. Dass wäre der Super-Gau. In unserer "Provinzklinik" hätte man in einem solchen Falle (inoperabler Tumor im Dickdarm, vermulich Rectum oder Sigma) einen Anus praeter (künstlicher Darmausgang am Dünndarm (!) angelegt, ein EIngriff von maximal 20 - 30 min. und es dabei belassen. Dann ein paar Tage später nach Hause entlassen. Oder Kurzzeitpflege.

    Sie hat einen schweren Herzfehler, deswegen will man nicht operieren. Aber das wird sicherlich morgen nochmal angesprochen werden.

    ich habe auch nochmal vorgeschlagen, dass sie meinen dad bei dem Gespräch anrufen soll und auf laut stellen soll, damit auch alles richtig verstanden wird,

    • Neu
    tiramisu01 schrieb:

    Sie hat einen schweren Herzfehler

    Das ist kein Grund um sie an einem Darmverschluss "ersticken" zu lassen. Eine Anus-Praeter-Anlage müsste drin ein: Sagt ein langjähriger Anästhesist, der viele Jahre an einem Provinzkrankenhaus tätig war.

    • Neu

    😅 reite doch nicht so auf den Provinzkrankenhaus rum. Die Userin, die da so gegen redet, ist ja schon gar nimmer da.


    Wir werden morgen erfahren, was die Ärzte in dem KH so meinen bzw. welchen Plan sie haben, aber ich hab mir auch schon gedacht, dass man das doch nicht einfach so lassen kann, weil es eben zum Darmverschluss führt und das ja doch furchtbar für den Patienten ist. Vielleicht meinte der Arzt heute auch tatsächlich nur, dass sie den Tumor nicht mehr operieren. Diese Flüsterpost nervt mich unendlich an.


    Hach Mensch, so eine Krankheit muss doch in dem Alter nicht noch sein. Schön gemütlich daheim ohne Sorgen einschlafen. Es gibt einfach keinen Kampf mehr zu gewinnen.

    • Neu

    Also es fand kein Gespräch in der Klinik statt, sondern nur am Telefon. Der Arzt hat sich nicht um die Sondergenehmigung gekümmert. Sie schicken sie morgen heim, weil sie unbedingt heim möchte und die Betten gebraucht werden. Operieren will auch keiner. Er sagte wohl, es ist ein langsam wachsender Tumor. Wir warten jetzt auf den Brief, weil das Gespräch wohl nicht so ergiebig war.

    Ich bin gespannt in was für einer Verfassung sie auch psychisch sein wird. Sie haben es ihr natürlich gesagt, was los ist und ich finde das auch richtig, aber so ganz ohne Unterstützung....

    • Neu
    tiramisu01 schrieb:

    Also es fand kein Gespräch in der Klinik statt, sondern nur am Telefon. Der Arzt hat sich nicht um die Sondergenehmigung gekümmert. Sie schicken sie morgen heim, weil sie unbedingt heim möchte und die Betten gebraucht werden. Operieren will auch keiner. Er sagte wohl, es ist ein langsam wachsender Tumor. Wir warten jetzt auf den Brief, weil das Gespräch wohl nicht so ergiebig war.

    Ich bin gespannt in was für einer Verfassung sie auch psychisch sein wird. Sie haben es ihr natürlich gesagt, was los ist und ich finde das auch richtig, aber so ganz ohne Unterstützung....

    Ich wünsche deiner Oma noch ein bisschen Leben, aber auch letztlich ein würdiges Sterben.
    Mein Ziehvater verstarb 2019. Er kam mit Darmverschluss ins Krankenhaus. Dort wurde dann auch ein Darmtumor festgestellt. Er bekam in einer Not OP einen künstlichen Darmausgang. Er war danach auch recht verwirrt. Dazu kam, dass er nur noch eine Niere hatte, die ihren Dienst eingestellt hat. Er hatte eine PV, aber die Ärzte sagten, so lange die Möglichkeit besteht, das er noch mal piep sagt, wird behandelt. Er konnte dann nach 14 Tagen wieder piep sagen. Er hat Chemotherapie und Tumor OP abgelehnt, ebenso wollte er keine Dialyse. Er wollte einfach nicht am Krebs zugrunde gehen, da kam das Nierenversagen gerade „recht“. Im Nach hinein haben wir festgestellt, das er zuvor wusste, was kommt, hat es aber keinem gesagt. Aber wir haben dann an seinem Googleverlauf gesehen, was er gelesen hat.
    Wir haben ihn nach Hause geholt, am dritten Tag verstarb er, weil auch schon seit über einer Woche keine Dialyse mehr gemacht wurde. Er ist also am Nierenversagen verstorben. Aber es war sein Wille, deswegen ist das ok. Er war aber noch nicht so alt, wie deine Oma, er war 73 Jahre.

    Ein ehemaliger Nachbar von mir, war 88 Jahre alt und hatte einen Darmtumor. Er wurde operiert und ist danach nicht mehr auf die Beine gekommen, obwohl er zuvor recht fit war, wurde operiert, weil der Tumor blutete und er auch eine Anämie hatte. Er konnte danach nicht mehr aus der Wohnung, weil zu schwach. Ist auch schwer gestürzt,... Täglich kam der Pflegedienst und hat ihn um 17 Uhr ins Bett gelegt. Oft hat seine Frau mich angerufen, weil er nicht vom Toilettenstuhl hoch kam und sie ihn nicht heben konnte. Nach 5 Monaten sind sie in ein Pflegeheim gegangen (er und seine Frau). Er ist in der ersten Nach dort verstorben.