Kadhidya

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    Letztends beim Einkaufen forderte die Kassiererin meine Postleitzahl, was ich höflich verneinte. Soll ich jetzt nicht mehr einkaufen gehen deswegen?

    Der Vergleich hinkt an allen Ecken und Enden. Erstens profitieren von einem Einkauf beide Seiten, der Käufer erhält die Ware, der Verkäufer erhält das Geld. Eine Organspende ist hingegen eine rein selbstlose Leistung. Zweitens, sie hätte dich nicht nach der Postleitzahl fragen dürfen, sondern danach, dass du hier wieder, öfter oder mehr einkaufst. Und vor allem hätte sie gar nicht erst fragen dürfen, sie hätte schimpfen, zetern und einfordern müssen. Sie hätte dich einen Egoisten nennen müssen, sie hätte dich unter Druck setzen müssen und von dir verlangen, dass du in Zukunft nur mehr hier einkaufst. Sie hätte dir sagen müssen, dass es dir gar nicht erlaubt sein dürfte, nicht hier zu kaufen. Und es hätte automatische Abbuchungen von deinem Konto vorgenommen werden müssen, die du erst einmal rückgängig machen musst, wenn dir das nicht in den Kram passt - und nicht etwa umgekehrt, wie es normalerweise der Fall ist. Und dann, und zwar nur dann, ist der Vergleich passend. Wenn du die Entscheidung, diesem Laden nicht mehr dein Geld in den Rachen zu werfen, als kindische Trotzreaktion bezeichnen willst, bitte. Es steht dir frei. Und mir steht es frei, meine Konsequenzen zu ziehen.

    Zitat

    Ich würde nie etwas, was ich prinzipiell gut finde, wegen einer "fordernden Haltung" auf einmal aufgeben; das hat was von Trotzreaktion auf dem Kinderspielplatz für mich.

    Wenn ich etwas prinzipiell gut finde. Ich bin davon überzeugt, als Lebendspender zur Verfügung zu stehen, wenn es für die Menschen, die mir am wichtigsten sind, notwendig wäre. Und davon würde ich mich nicht durch die Anspruchshaltung anderer abbringen lassen. Aber ich stand niemals vollständig dahinter, ein Organspender zu sein, wie in meinem ersten Beitrag in diesem Faden auch offenbar wird. Mein Partner ist anders. Obwohl er sich an gewissen Haltungen so sehr stößt wie ich, ist ihm diese Hilfe wichtiger. Doch wenn die Abneigung gegen die Methoden größer ist, als die Überzeugung für die Sache selbst, dann ist es nur logisch, und keineswegs eine Trotzreaktion, sich zu verweigern. Wenn ich mich gegen die Widerspruchslösung ausspreche, wenn mich diese Art sehr vieler Befürworter abstößt und ich auf das Recht auf den eigenen Körper poche, dann werde ich nicht länger Organspender sein, wenn mir das Spenden an sich nicht wichtiger erscheint und die negativen Seiten für mich aufwiegt. Und das tut es nicht.


    Diskussionen wie diese erinnern mich daran, warum das die richtige Entscheidung war.

    Kadhidya

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    Du hast also noch nie Aspirin genommen?

    Warum nicht? Ich habe in meinem ganzen Leben ebenfalls noch nie ein Aspirin genommen und ich habe nicht einmal einen Grund, es nicht zu tun.


    a.fish


    Rein aus Interesse, widerspricht "Tiere sollen nicht für Nahrung getötet werden." und "Vegetarier" denn nicht? :-/ Ich weiß, es ist etwas vom Thema weg, aber es würde mich ehrlich interessieren.

    @ Lancis

    Dann würde mich mal interessieren, in welchem Umfeld wer so fordernd auf Dich zugegangen ist wegen Opgenspenderausweis.


    Nicht weil ich mich mit Dir streiten will, sondern weil ich nur einen zurückhaltenden respektvollen Umgang kenne. Und ich grübel gerade ob Du Ärzte meinst, Hausärzte, Aktivisten,...?? ":/


    Viel mehr fällt mir da nicht ein.


    Da es bei Dir ja theoretisch ist (soweit ich verstanden habe, keine Verwandten o.Ä. für die Du entscheidungen treffen musstest) würde ich gerne mehr darüber erfahren.

    Kadhidya


    Zunächst einmal, ich lebe in einem Land mit Widersprichslösung. Das war mir bereits früh bewusst, obwohl hier reichlich wenig Aufklärung betrieben wird. Vielen Leuten ist nicht bekannt, dass sie Organspender bis auf Widerspruch sind. Das ist der erste und wohl auch stärkste Punkt, der dazu geführt hat, dass ich nicht Organspender sein möchte.


    Wie ich bereits sagte, hatte ich nie eine entschlossene Haltung zum Thema Organspende (auch heute habe ich keine starke Position und möchte nicht ausschließen, meine Meinung unter Umständen noch zu ändern). Dementsprechend habe ich nach Informationen und Meinungen darüber gesucht. In Kontakt kam ich dabei überwiegend mit Privatpersonen, teils einseitig (Internetauftritte, Leserbriefe), teils direkt in Diskussionen. Meinungen, die unter anderem den Ausschlag gegeben haben, Widerspruch einzulegen, findet man teilweise auch hier in diesem Faden. Besondere Diskussionen mit Ärzten hatte ich nicht, nein. Es sind - und hier wage ich als ehemaliger Blutspender einen Übertragungsschluss - im Normalfall nicht die Menschen, die sich das zum Beruf gemacht haben, die hier diese abstoßende Anspruchshaltung an den Tag legen.

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    Zunächst einmal, ich lebe in einem Land mit Widersprichslösung. Das war mir bereits früh bewusst, obwohl hier reichlich wenig Aufklärung betrieben wird.

    Dann erklärt sich das und ich entschuldige mich herzlich für meinen Vergleich mit der Frau, die meine PLZ wollte :)* :)* :)* Ich bin auch sehr gegen Widerspruchslösung, wie man oben sehen kann.


    Man geht immer davon aus, dass die Leute aus Deutschland komen, mit denen man hier schreibt, wobei ich immer wieder merke, dass viele aus dem Ausland, auch weiter entfernten, z.B. USA, Kanada, Australien bei sind...

    Zitat

    wobei ich immer wieder merke, dass viele aus dem Ausland, auch weiter entfernten, z.B. USA, Kanada, Australien bei sind...

    ... oder eben Österreich. ;-)


    Ich für meinen Teil bin froh über unsere Gesetzeslage. Wem zu Lebzeiten egal ist, was mit seiner toten Hülle geschieht, dem wird das wohl auch im Fall der Fälle egal sein.

    @ Kadhidya

    Zitat

    Du hast also noch nie Aspirin genommen?

    Doch, klar. Ich bin ja erst seit meinem 13. Lebensjahr Vegetarierin und über Tierversuche hab ich erst mit 17, 18 angefangen nachzudenken.

    @ Lancis

    Zitat

    Rein aus Interesse, widerspricht "Tiere sollen nicht für Nahrung getötet werden." und "Vegetarier" denn nicht? Ich weiß, es ist etwas vom Thema weg, aber es würde mich ehrlich interessieren.

    Die Frage verstehe ich gerade nicht . |-o

    @ Kadhidya:

    Nein, hinter meinem Satz steckte kein tieferer Sinn. Ich weiß nur schlicht nicht, wie das genau abläuft. Für mich ist ein Mensch noch nicht wirklich tot, wenn er noch an den Geräten hängt. Wenn die abgestellt werden, wäre ich gern dabei, um mich zu verabschieden im Moment des Todes. Und ich hab die Vorstellung, dass genau das nicht geht. Denn die Organe müssen doch entnommen werden, solange noch jemand an den Geräten hängt oder seh ich das falsch? Und nach der Entnahme schläft da wohl auch kein Herz mehr, denn das wurde ja vermutlich entnommen? Oder hab ich n Denkfehler? Ich weiß eben schlicht nicht, wie ich mir das vorstellen soll? Werden die Maschinen vorher abgestellt, ich kann in Ruhe noch ne Stunde neben dem Toten sitzen und heulen wenn mir danach ist? Oder wird er entweder noch an den Maschinen weggerollt in den OP oder direkt nachdem die Maschinen abgestellt wurden? Das stell ich mir beides ziemlich schlimm vor, auch wenns egoitisch ist.

    Die Organe müssen entnommenwerden, wenn der Mensch noch an den lebenserhaltenden Geräten angeschlossen ist.


    Darum ist das Nachdenken über eine Organspende auch so wichtig. Lieber jetzt selber entscheiden, was man will, als das man dies den Verwandten überlassen muß, die ja gefragt werden würden, ob eine Organspende in Frage kommt. Aus diesem Grunde auch der Organspendeausweis.

    Hm, ich find das immer noch schwierig. Erstens möchte ich mich wie schon gesagt verabschieden können und zweitens weiß ich bspw bei meiner Ma dass die keine lebenserhaltenden Maßnahmen will. Und ich würd auch sagen, wenn mein Herz nicht mehr will bzw mein Körper, dann laß ihn bitte in Frieden gehen. Da hätt ich Schiß vor, dass ich dann doch noch an geräten hänge, bis jemand was mit meinen Organen anfangen kann.

    Es geht gerade nicht in meinen Kopf hinein, wieso man Lebendspender für sein näheres Umfeld wäre, aber nicht Organspender für andere, wenn die Festplatte oben längst gelöscht ist.


    Im ersten Fall lebt man zb mit nur noch einer Niere weiter, hat gesundheitliche Risiken, evtl. Einschränkungen, bekommt alles hautnah mit, die ganze Aufregung, wird es klappen, geht etwas schief.. es wird genauso im Körper herumgeschnibbelt, man hat Narben, der Körper ist nicht mehr intakt, und man muss das auch noch täglich danach spüren.


    Im Tod dagegen bekommt man nichts mehr mit, wie kann da das Problem plötzlich größer werden? Ich würde das schon gern nachvollziehen können, da ich es echt krass finde, da so zu differenzieren.