Privacymissachtung: Pfleger teilt Chef Gesundheitsdaten mit

    Ich schreibe das Thema bewusst unter dem Alias, da ich jegliche Verbindungen zu meinem Profil vermeiden möchte. Ich möchte auch keine Rechtsberatung, sondern lediglich wissen wie ihr in der Situation reagieren würdet.


    Zum Vorfall:

    Arbeitnehmer wird während Schicht krank und geht wegen der AU zum Arzt. Da die Beschwerden auf Corona hinweisen, wird ein Termin für den Test vereinbart, und zwar 4 Tage danach (Wochenende dazwischen).

    Schon in dieser Zeit macht Chef dem Arbeitnehmer riesengroße Vorwürfe, und bemängelt, dass man den Arzt aufgesucht hat, da Corona ja nicht existiert etc.(typischer Verschwörungsquatsch halt).


    Arbeitnehmer bleibt standhaft, und lässt sich nicht dazu überreden krank weiterzuarbeiten. Bleibt brav zuhause in der amtlich verordneten Quarantäne, und geht am vereinbarten Tag zum Test.

    Das Ergebnis benötigt aber wieder ca. 4 Tage Zeit(ich weiß, dass man in Deutschland das Ergebnis teilweise sehr schnell bekommt, aber wo wir leben ist das eben nicht der Fall, und bedarf bitte keiner weiteren Diskussion).

    Jetzt war es aber so, dass auch am vierten Tag noch kein Testergebnis vorlag. Das hat der Arbeitnehmer auch so dem Chef mitgeteilt, und dieser hat dann endgültig eine Grenze überschritten. Er hat dann, laut seiner Aussage die Tochter einer Mitarbeiterin angerufen, welche im Krankenhaus arbeitet, und hat sie gebeten in der Patientenakte nachzusehen ob das Testergebnis schon vorliegt. Das tat es natürlich nicht.

    Nun hat er es dem Arbeitnehmer ganz beiläufig erzählt, dass er so gehandelt hat, als sei es das Normalste der Welt.


    So, und jetzt kommt es zum eigentlichen Thema, wo die Meinungen des Arbeitnehmers und mir auseinander gehen. Wie würdet Ihr auf so eine massive Privacymissachtung reagieren? Ich bin der Meinung, dass wir dies umgehend anzeigen sollen. Der Arbeitnehmer hingehen, möchte nicht, dass die Tochter der Kollegin, also die Pflegekraft die geplaudert hat, die Arbeit verliert. Wobei ich wieder sage, dass eine Pflegekraft, die nicht weiß wie sie sich zu verhalten hat, besser nicht in so einem sensiblen Bereich arbeiten sollte.


    Wie seht ihr das? Wie würdet ihr reagieren?

  • 55 Antworten

    Soweit ich informiert bin, registriert das Computersystem im Krankenhaus jeden Aufruf einer Patientenakte, und ich wüsste nicht wie die Pflegekraft einen Zugriff auf die Akte des Arbeitnehmers erklären könnte.

    ich würde wenn möglich selbst die Tochter der Kollegin kontaktieren und einen bösen bis sehr bösen Brief schreiben: "bei erneuter Datenschutzverletzung Anzeige + Information des Dienstgebers" usw.


    sollte dies nicht möglich sein oder möchtest du gleich alle Konsequenzen ziehen, kannst du jederzeit Dienstgeber informieren und die Dame anzeigen, sowas wird normalerweise sehr streng gehandhabt und kann tatsächlich den Jobverlust zur Folge haben, hatte einen ähnlichen Fall in der Klinik

    In welchem Verhältnis stehst du zu den Betroffenen?

    Hast du alles mitgehört oder wurde es dir nur erzählt?

    Ist der Test positiv?

    Alias 975704 schrieb:

    und ich wüsste nicht wie die Pflegekraft einen Zugriff auf die Akte des Arbeitnehmers erklären könnte.

    Der Zugriff auf die Akte ist kein Beweis dafür, dass die Pflegekraft irgendwelche Informationen rausgegeben hat.


    In Deutschland herrscht der Leitsatz "in dubio pro reo".

    Die Schuld muss zweifelsfrei bewiesen werden.


    So lange du nichts handfestes mit der Anzeige übergeben kannst, bezweifel ich das man die Klinik dazu zwingen kann Internas wie Protokolle rauszugeben .. Da könnte ja jeder kommen.


    Bzgl. der Zugriffsprotokolle:

    Das ist bei digitalen Patienakten meines Wissens lediglich in der Planung und noch gar nicht umgesetzt.

    Bin mir aber nicht sicher.

    gato schrieb:

    In welchem Verhältnis stehst du zu den Betroffenen?

    Hast du alles mitgehört oder wurde es dir nur erzählt?

    Ist der Test positiv?

    Wir sind verheiratet. Ich habe alles mitgehört, also das Telefonat mit dem Chef.

    Der Test ist Gott sei dank negativ.


    In der Gesundheitsakte stehen aber auch andere, eher unschöne Diagnosen drin, die den Chef und auch die Pflegerin nichts angehen. Außerdem ist die Mutter der Pflegerin eine bekannte "Dorftratsch" und ich male mir schon förmlich aus wie sie mit den gesundheitlichen Diagnosen hausieren geht. Sorry für mein Kopfkino.:=o

    Wenn der Chef hier schon solche Macht hat, hier und dort anzurufen, um an Informationen ranzukommen, kann man sich doch ausrechnen, wie weit sein Arm insgesamt langt.


    Und da will sich jemand gegenstemmen? Ich wette, da ist man aber schneller weg vom Fenster, als man gucken kann....


    Natürlich ist das alles ungerecht, aber wer hier am Hebel sitzt, bewegt ihn auch, nicht derjenige, der hier eh schon nicht anerkannt wird und dessen Aussage, man sei krank, nicht geglaubt wird.


    Kampf gegen Windmühlen, nicht zu gewinnen.

    Alias 975704 schrieb:

    (ich weiß, dass man in Deutschlanddas Ergebnis teilweise sehr schnell bekommt, aber wo wir leben ist daseben nicht der Fall, und bedarf bitte keiner weiteren Diskussion).

    Aber man muss das Land schon kennen, um dort die Rechtslage zu berücksichtigen.
    Hier sind die meisten aus Deutschland und berücksichtigen sonst eben das deutsche Arbeitsrecht, was für dein Land aber komplett daneben liegen kann.


    Ganz unjuristisch: Eine

    Alias 975704 schrieb:

    massive Privacymissachtung

    (was für ein Wort ;-D) wäre es für mich nicht. Für "massiv" muss schon mehr vorfallen, als zu sagen "Ergebnis da" oder "nicht da". In Ordnung finde ich es auch nicht, würde sie aber eher erstmal unjuristisch vorknöpfen.

    Dass sie Pflegerin auch andere Diagnosen ausgeplaudert hat, dafür gibt es doch gar keinen Anhaltspunkt?

    Barrio schrieb:

    Der Zugriff auf die Akte ist kein Beweis dafür, dass die Pflegekraft irgendwelche Informationen rausgegeben hat.

    Eben. Könnte auch sagen "Patientin war hier und wollte Auskunft, da musste ich ja nachsehen".

    Plüschbiest schrieb:

    Sicher, dass der Chef nicht nur geblufft hat?

    Ich mein erzählen kann der ja viel.

    Hab ich mir auch gedacht.

    mnef schrieb:

    Hier sind die meisten aus Deutschland und berücksichtigen sonst eben das deutsche Arbeitsrecht, was für dein Land aber komplett daneben liegen kann.

    und Patientenrecht, Datenschutz, blablabla. Gibt sicherlich Länder auf der Welt, wo das so gar keinen juckt.