Zitat

    Ich finde es eher bedenklich, dass es Leute gibt, die so abgebrüht sind, dass sie gar nichts mehr dabei empfinden!

    Es geht nicht um das "Nichts empfinden". Es geht um angemessene Empathie, aber eben nicht Mitleiden. Meinen Patienten ist nicht damit geholfen, dass ich angesichts schlimmer Lebensereignisse sprachlos, hilflos oder weinend dasitze. Das haben sie im Freundeskreis etc.


    Meinen Patienten ist geholfen, wenn ich deren Belastung zur Kenntnis nehme. Aus sicherem Abstand klarhabe, welche Belastung es darstellt. Und dann aus objektiver Perspektive Strategien erarbeite, andere Perspektiven anbiete, die diejenigen selber gar nicht mehr sehen können.


    Und so mancher cooler Spruch von Fachpersonal hinter verschlossenen Türen (Krankenhaushumor ist manchmal schon sehr speziell und nichts für Ohren Außenstehender) ist schlichtweg Selbstschutz.


    Und wie PrimadonnaGirl schreibt:


    Man muss manche Dinge nicht mal groß lernen. Für mich war eine klare persönliche Haltung, eine allgemeine Auseinandersetzung mit div. Themen, die Basis. Mir ist klar, dass sich irgendwann mal ein Patient von mir umbringen wird. Mir ist klar, dass sich einige Patienten nicht bessern werden. Mir ist klar, dass einige Onkologie-Patienten sterben werden. So ist das Leben. Es hat nicht nur schöne Seiten. Der Tod gehört dazu.

    Zitat

    Man sieht es den Ärzten auch oft an, dass sie nach etlichen Berufsjahren einen "Knacks" weghaben.

    Was man nur dann erkennen kann, wenn man einen Arzt schon seit x Jahren kennt. Ihn nur zu Zeitpunkt Y kennenzulernen, ihn komisch zu finden und darus zu folgern, dass es an x Jahren Berufserfahrung liegen muss: Völlig unlogisch.

    Zitat

    Mir ist klar, dass einige Onkologie-Patienten sterben werden. So ist das Leben. Es hat nicht nur schöne Seiten. Der Tod gehört dazu.

    Danke, genau das meine ich. Entweder man hat diese Grundhaltung im Vorhinein, wenn man Arzt, Sozialpädagoge, Psychologe oder Pfleger werden will, oder eben nicht. Wer diese nicht hat, wird schnell an seine Grenzen kommen, bevor man überhaupt das erste Lehrjahr oder 2 Semester zu ende Studiert hat.

    Zitat

    ich habe ein extremes problem mit nähe was den privaten bereich betrifft,

    Warum eigentlich? Dass man nicht mit jedem Patient über alles redet, ist klar. Aber Patienten sind auch nur ganz normale Menschen, die du genauso gut draußen treffen könntest. Persönliche Gespräche müssen sich nicht unbedingt negativ auf das Arzt-Patienten-Verhältnis auswirken, wenn Arzt und Patient sich generell gut verstehen und Vertrauen zueinander haben.

    Nun, ich verbuche es als eine konsequente Trennung von Beruf und Privatleben. Ich finde es ok, wenn man letzteres nicht mit wildfremden Menschen teilen will.


    Vor allem, wie soll das ablaufen? Welcher Arzt hat die Zeit und Lust, sich mit fremden Patienten über privates zu unterhalten? Und wozu? Ich kann diese Grenzen gut nachvollziehen.

    Ich wurde wohl falsch verstanden, ich werde sehr häufig zu persönlich und verausgabe ich in endlosen Gesprächen weit über jegliche Arbeitszeit hinaus


    Und der Grund hierfür ist eine Art von Nähe zu erleben nach der ich mic so Sehne abgezogen im eigenen Privatleben die größte Angst gleichzeitig davor habe


    Als Arzt bin ich im gründe genommen viel mehr krank als die meisten meiner Patienten (wenn auch auf andere Art und Weise)

    Zitat

    Ich finde es ok, wenn man letzteres nicht mit wildfremden Menschen teilen will.

    Dass man nicht mit jedem "verheiratet" sein kann, ist klar. Das habe ich ja oben schon erwähnt. Aber es gibt ja im Laufe der Zeit sicher Patienten die auch einem Arzt sympathisch werden könnten, weil sie ihm dann eben nicht mehr fremd sind. Warum sollte man sich dann nicht auch privat kennenlernen dürfen? Das Arzt-Patienten-Verhältnis kann man dann immer noch beenden, wenn man beides nicht miteinander vereinbaren kann. Das ist nur eine Frage des Wollens.

    Zitat

    Vor allem, wie soll das ablaufen? Welcher Arzt hat die Zeit und Lust, sich mit fremden Patienten über privates zu unterhalten? Und wozu? Ich kann diese Grenzen gut nachvollziehen.

    Ansonsten zeugt diese Einstellung nur von extremer Arroganz und Überheblichkeit!

    Zitat

    Aber es gibt ja im Laufe der Zeit sicher Patienten die auch einem Arzt sympathisch werden könnten, weil sie ihm dann eben nicht mehr fremd sind. Warum sollte man sich dann nicht auch privat kennenlernen dürfen? Das Arzt-Patienten-Verhältnis kann man dann immer noch beenden, wenn man beides nicht miteinander vereinbaren kann. Das ist nur eine Frage des Wollens.

    Ist im Krankenhausalltag utopisch. Kann eventuell möglich sein, wenn man seit 20 Jahren beim selben Hausarzt ist.

    Zitat

    Ansonsten zeugt diese Einstellung nur von extremer Arroganz und Überheblichkeit!

    Sagt diejenige, die anderen Menschen Verdrängung, Überheblichkeit und Arroganz andeutet, wenn diese ihre Theorien nicht teilen :=o :=o :=o

    Unsere Patientin sind so gut wie alle "Wiederholungstäter", und so habe ich zu sehr vielen eine Beziehung aufgebaut die über eine berufliche Beziehung hinaus geht,


    Ich freue mich über therapieerfolge, lächle über Nachfragen wie es mir oder meiner Familie geht, ich bin traurig über Rückschläge und fühle mich verstanden wenn man meine Belastung registriert und ich ab und an innehalten darf zu einem persönlichen Austausch über Gott und die Welt


    Ich bin eben doch ein hoffnungsloser Schwarzwaldklinik-Utopist und das trotz Studium und klinikalltag


    Und will auch niemals anders sein

    Ja ich habe Patienten die zu meinen Lieblingen gehören, was sie dazu macht?


    Ein freundliches Gesicht, eine freche Art und Weise, ihr Humor, die kämpfernatur,...


    Nicht alles zusammen - nein das spezielle. Lässt sie dazu werden


    Aber auch der größte stinkstiefel erhält meine volle Aufmerksamkeit und Professionalität und das macht mich hoffentlich zu einem guten arzt

    Zitat

    Welcher Arzt hat die Zeit und Lust, sich mit fremden Patienten über privates zu unterhalten? Und wozu? Ich kann diese Grenzen gut nachvollziehen.

    Selbst wenn er/sie die Zeit und Lust dazu hätte, dies auch vereinzelt mal zulässt, wird einem in so einem Beruf bald klar werden, dass es eine gewisse Abgrenzung braucht um nicht selbst kaputt zu gehen.


    Ich bin kein Arzt, habe aber einen Beruf der mit Menschen und deren Problemen zu tun hat. So sehr ich die Menschen auch mag, ich musste erkennen und lernen, nicht bedingungslos alles an mich ranzulassen....und auch gewisse Grenzen zu ziehen und nicht alles an mich ranzulassen. So gerne man das auch tun würde....so schnell wäre man aber auch am Ende seiner eigenen Kraft.

    Zitat

    Ich bin eben doch ein hoffnungsloser Schwarzwaldklinik-Utopist und das trotz Studium und klinikalltag


    Und will auch niemals anders sein

    Finde ich ganz und garnicht. Du hast für dich eine gute Umgangsart gefunden, das freut mich für dich. Dennoch siehst du dich als Fachkraft mit Kompetenzen, die du dir durch viel Arbeit aneignen musstest und du hast dichh gewiss oft bewähren müssen. Du hast es praktisch bewiesen und du weisst wie die Arbeit läuft, eben im Vergleich zu den Utopisten.