Ich kann auch den heutigen Beitrag von SternTV zu dem Thema sehr empfehlen.

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    Eine 'Normalo' (= deutsche Kassenpatientin) spricht über das Gen und den Vorwurf von ignoranten Zeitgenossen, die ihr tatsächlich vorgeworfen haben, sie wolle sich doch nur auf Kosten der Krankenkasse 'große Titten' machen lassen.

    Ich musste mir, als ich auf der Station der plastischen Chirurgie lag, auch solche Kommentare anhören – von Mitpatientinnen, die für kosmetische OPs dort waren, von Angehörigen und sogar von einem Mitglied des Pflegepersonals. Es ist wirklich unglaublich, wie unsensibel manche Menschen sein können.


    Für alle, die hier von geldgeilen Ärzten sprechen, die voreilig einfach alles wegschneiden, was Probleme machen könnte und für alle, die schreiben, dass die Medizin von Genetik noch viel zu wenig versteht:


    Es ist eindeutig in mehreren Studien nachgewiesen, dass von 10 Frauen, die dieses mutierte Gen in sich tragen, 8 bis 9 an Brustkrebs und etwa 5 an Eierstockkrebs erkranken, und zwar meistens noch vor dem 40. Lebensjahr! Es ist sicher richtig, dass wir über die Entstehung von Krebs noch viel zu wenig wissen, aber für diese spezifische Erkrankung ist der Zusammenhang zweifelsfrei nachgewiesen. Deshalb werden auch nicht vorsichtshalber die Gebärmutter oder sonstige Organe entfernt, denn diese eine spezielle Genmutation bezieht sich nur auf Brust- und Eierstockkrebs.


    Und so schnell wird hier nicht operiert. Bis es zur OP kommt, dauert es in der Regel mehrere Jahre, in denen unter anderem auch ein ganzes Programm an psychologischen Tests und Beratungen zu absolvieren ist, ähnlich wie vor einer geschlechtsangleichenden Operation.


    Wie gesagt, für mich stellte sich nicht die Frage, ob amputiert wird, sondern nur wann. Und ich bin froh, dass ich mich bewusst für einen Zeitpunkt entscheiden konnte und psychisch darauf vorbereitet war. Da ich mich auch seit Jahren in einer Selbsthilfegruppe engagiere und schon viele brustamputierte Frauen gesehen habe, kann ich auch sagen, dass das kosmetische Ergebnis einer vorbeugenden Operation dem einer notfallmäßigen Amputation in der Regel haushoch überlegen ist. Aber scheinbar verdient man den Respekt anderer ja eh nur dann, wenn man sich die Brust nicht rekonstruieren lässt. Zudem erspart man sich natürlich die wahnsinnigen Nebenwirkungen einer Strahlen- und Chemotherapie, der man sich in der Regel unterziehen muss, wenn man erst operiert, wenn die Krankheit bereits ausgebrochen ist.


    Zuletzt noch: Kontrolle ist gut und schön, aber diese Krebsart ist einfach extrem aggressiv! Erst vor 4 Wochen lernte ich im Hospiz eine betroffene Frau kennen. Sie war jedes halbe Jahr wie vorgeschrieben zur Kontrolle gegangen. 1 Monat vor dem nächsten Kontrolltermin ertastete sie einen Knoten – Biopsie ergab einen bösartigen Tumor. Im Ganzkörper-Scan zeigten sich Metastasen im Gehirn und in fast allen Bauchorganen. 6 Wochen nach Diagnose-Stellung, zwei Tage vor ihrem 36. Geburtstag, starb sie. Sie hatte die Amputation immer wieder geplant und doch immer wieder hinausgeschoben, aus den bekannten Gründen: Angst, nicht mehr "Frau" zu sein, Angst, dass der neue Freund sie verlässt etc.


    Wenn das "Outing" von Angelina Jolie nur einer Frau irgendwo auf der Welt beweist, dass diese Zweifel nicht begründet sind; beweist, dass man auch nach Amputation eine tolle Frau sein kann; wenn dadurch Frauen einen genaueren Blick in ihre Verwandtschaft werden und sich bei einer Krebs-Häufung testen lassen; wenn dadurch irgendwo ein Menschenleben gerettet wird und Menschen nicht Frau, Mutter, Schwester oder Tante verlieren – dann gebührt Fr. Jolie mein tiefster Dank und meine allergrößte Hochachtung!

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    mal andere Situation: du, deine Mutter und deine Oma haben BK, würdest du deiner Tochter raten, die tumorgenetische Beratung in Anspruch zu nehmen?


    Ist es in deinen Augen verantwortungslos, wenn Frauen generell nicht zur Vorsorge gehen? oder eben "ihre eigene Entscheidung, die für sie richtig sein kann".

    eine genetische Untersuchung und eine Vorsorgeuntersuchung sind zwei verschiedene Dinge. Ich gehe regelmäßig zu allen Vorsorgeuntersuchungen (Gebärmutterhals, Mammographie, Sonographie – alles 1 x Jahr). Wenn man etwas entdecken würde, würde ich mich sofort einer Behandlung unterziehen. Aber ich möchte nicht wissen, ob ich zu 43 % an Krebs erkranken werde. Was soll ich mit so einer Zahl anfangen?

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    Wenn man etwas entdecken würde, würde ich mich sofort einer Behandlung unterziehen. Aber ich möchte nicht wissen, ob ich zu 43 % an Krebs erkranken werde. Was soll ich mit so einer Zahl anfangen?

    Manche möchten diese Zahl wissen als Basis für eine Entscheidungsfindung. Und es ist ja eben nicht 43%, sondern 80-90%.


    Es ist einfach eine sehr individuelle Entscheidung. Warte ich auf einen sehr aggressiven Krebs, der trotz engmaschiger Untersuchung häufig zu spät entdeckt wird (ich meine hier den BRC1-mutationsinduzierten Krebs, der nachgewiesenermaßen sehr schnell invasiv wird), der zu 80-90% mich erwischen wird oder will ich es garnicht wissen und mache den gentest nicht-oder handle ich vorbeugend und lasse amputieren bei pos. Gentest, obwohl ich ggf zu 10-15% nie Krebs bekommen hätte.


    Ich selbst würde 1. Testen lassen bei familliärer Disposition und 2. bei positivem Test amputieren lassen.

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    PR-Geilheit würde ich ihr auch auf keinen Fall vorwerfen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die OP immer so gut läuft und ob eine normale Frau eine ähnlich gute plastische OP zum Aufbau der Brust erhält. Ich habe Bedenken, das Angelinas Schritt verharmlosend ist. Kurz nach der OP ist sie in der Öffentlichkeit zu sehen, so schön wie immer. Ich befürchte, so leicht ist es nicht.

    genau das befürchte ich auch!


    Ich gehöre auch zu den Risiko Patienten. Fast ein jeder in meiner Familie ist an irgendeinem Krebs verstorben und Brustkrebs ist es in drei Generationen. Mir hat noch niemand so ein gentest vorgeschlagen...ich heiße ja auch nicht Jolie !! Sicher, ich darf jedes Jahr anstatt alle zwei Jahre zur Vorsorge - aber das war es auch schon!

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    Mir hat noch niemand so ein gentest vorgeschlagen...ich heiße ja auch nicht Jolie !! Sicher, ich darf jedes Jahr anstatt alle zwei Jahre zur Vorsorge – aber das war es auch schon!

    Das wird aber in Deutschland durchaus auch gemacht wenn man nicht Jolie heißt.

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    DÄ: In Deutschland werden betroffene Frauen an 15 spezialisierten Zentren für Familiären Brust- und Eierstockkrebs betreut. Wie viele Patientinnen werden dort beraten? Und wie hohe ist die Auffindungsrate von Genveränderungen?


    Rhiem: Seit Gründung der Zentren im Jahre 1996 sind mehr als 28.000 Menschen beraten worden. Die durchschnittliche Auffindungsrate von Veränderungen in den beiden Hochrisikogenen BRCA1 und BRCA2 in belasteten Familien beträgt circa 21 Prozent. Von allen Brustkrebspatientinnen tragen rund 5 Prozent eine BRCA-Mutation. Der weitaus größere Anteil der Brustkrebserkrankungen ist "sporadisch" und ohne eine familiäre Häufung von Erkrankungen.

    Quelle


    Du könntest mal schauen welches dieser Zentren bei dir in der Nähe ist und deinen Arzt bitten dich für eine Beratung dorthin zu überweisen.

    Ich habe ja dein Eindruck viele Ärzte kennen sich damit einfach null aus und haben es mit der Vorsorge nicht so.


    Ich musste meinen doc auch erst darauf ansprechen dann meinte er – klar natürlich. Mein Arzt möchte, dass die Frauen auf ihn zu gehen..er wil ihnen nichts aufschwätzen, ist ja doch eine persönliche Entscheidung.


    Das hat also garnichts damit zu tun ob man berühmt ist oder nicht...man muss eben nur selbst fragen und gerade da finde ich das von Frau Jolie gar nicht mal so schlecht... nicht jede Frau weiß, dass es diese Möglichkeiten gibt!

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    Du meinst ich bräuchte nur nachfragen?

    ja, genau. Wenn du weibliche Verwandte hast, die BK haben/hatten (andere Krebsarten spielen keine Rolle), lass dich von deinem Gyn in ein Brustzentrum mit Tumorgenetischer Beratung überweisen. Dort bekommst du Gespräche mit einem Gyn und einer Humangenetikerin oder Zell-und Molekularpathologin und wirst unfassend aufgeklärt.


    Es ist schade, dass dein Gyn da offenbar nicht so Bescheid weiß bzw dich initiativ anspricht. Aber du hast auf jeden fall das Recht auf Information, also frag danach. Im Zweifelsfall bei deiner Krankenkasse @:)

    Meine Schwester ist an Brustkrebs gestorben. Sie ist die einzige Verwandte, die Brustkrebs hatte. Die Chancen, dass es nicht vererbt wird in meiner Familie, stehen also ganz gut. Ich gehe zu engmaschigen Vorsorgeuntersuchungen, aber ich möchte keine genetische Untersuchung. Ich finde es auch völlig in Ordnung und verständlich, wenn jemand einen Gentest macht. Aber ich verstehe die hier zum Teil absolut unsachlichen Vorhaltungen wegen angeblicher Verantwortungslosigkeit oder Nachlässigkeit nicht. Schöne neue Welt, in der Gentests und Radikalbehandlungen vorgeschrieben werden! Vielleicht gibt es auch bald Stimmen, dass die Behandlung einer Patientin von der KK nicht mehr bezahlt werden soll, weil sie sich die Brust nicht rechtzeitig amputieren lassen hat. Dazu wird es hoffentlich nie kommen. Jeder kann theoretisch an einer genetisch bedingten Krankheit leiden. Man kann sein Leben einfach leben und das beste hoffen oder sich von Zahlen verrückt machen lassen. Wer in seiner Familie schon mehrere Brustkrebsfälle hatte, hat sicher Anlass, einen solchen Test machen zu lassen. Aber für die meisten wird er wahrscheinlich eher Angst und Schrecken verbreiten und die Entscheidung nicht leichter machen.

    Tests finde ich fragwürdig, wenn man mit der Information nicht viel anfangen kann. Z.B. Tests auf Veranlagung für Demenz.


    Ein negativer Test auf BRCA oder ein positiver und dann Amputation bedeutet natürlich nicht, dass man vor anderen Krebsarten gefeit ist. Mit dem allgemeinen Lebensrisiko muss man weiterhin leben. Aber das 90%-Damoklesschwert schwebt nicht mehr über dem Kopf. Das ist schon eine deutliche Verbesserung der Situation der Betroffenen und ihren Familien.