Hi,


    der Beitrag ist schon etwas älter, aber da ich in den letzten Tagen verzweifelt auf der Suche nach Antworten und Erfahrungsberichten war, bin ich mir sicher, dass auch meine Antwort hierauf von Leuten gelesen wird, denen es ähnlich wie mir geht oder ging.


    Vor 1 1/2 Monaten fing ich mit der Pille an (Velafee - gleiche Zusammensetzung wie die Valette, nur günstiger)


    Hier zu muss ich erwähnen, dass ich bereits 28 Jahre alt bin. Davor nie eine feste Beziehung hatte und es somit für mich keinen Grund gab regelmäßig zu verhüten. Wenn ich Sex hatte dann mit Kondom.


    Ich bekam von meinem Frauenarzt erst eine 3 Monatsspritze (für die Eindämmung meiner Endometrioseähnlichen Symptome während meiner Regel) und dann wechselte ich auf die Pille - da ich kein großer Freund von Spritzen bin.


    Nach ca. 2 Wochen kamen die ersten Nebenwirkungen.


    Meine Haut wurde wirklich viel besser - ich hatte nie wirklich schlimme Haut, aber sie war nun immer matt, nie glänzte Sie, auch Pickel die ich oft auf dem Rücken bekam oder am Po verschwanden.


    Haare unter den Achseln und an den Beinen und Intimbereich wuchsen viel langsamer nach.


    Dann fingen die Brüste an zu wachsen und zu schmerzen.


    Eigentlich toll, da ich mir immer ein wenig größere Brüste gewünscht hatte, nur nicht mit den Schmerzen gerechnet hatte.


    Leider fing es auch hier mit merkwürdigen Verstimmungen an, ich wurde leichter reizbar - war ich vor der Einnahme doch ein Freund sarkastischer Witze und Anspielungen, konnte ich mit sowas nicht mehr richtig umgehen. Ich wurde zickiger - und war einfach von vielen Dingen genervt.


    Hier dachte ich noch, dass es vielleicht einfach an der Art meines Freundes lag, der mir langsam auf die Nerven geht.


    Ich merkte nach ein paar Tagen mehr, dann wie ich immer antriebsloser wurde und eine unbändige Müdigkeit mitkam, die ich einfach nicht mehr kontrollieren konnte - also schlief ich oft direkt nach Arbeit ein, anstatt zum Sport zu gehen und mich mit Freunden zu treffen - ich habs auf das schwüle Wetter geschoben und die Arbeit, die einfach zu stressig geworden ist...


    Dann kam ein größerer Hunger dazu - hier las ich mir dann das erste mal den Beipackzettel der Pille durch, wovor mich mein Frauenarzt immer gewarnt hatte:


    "Lesen Sie sich ja nicht den Beipackzettel durch, weil dann stellen Sie sich bei jedem Wehwehchen vor, dass Sie diese Nebenwirkungen bekommen und dann ist das auch so"


    Jetzt fingen die ersten Heulattacken an und depressive Schübe - grundlos fing ich beim Fernsehgucken im Bett an zu heulen und konnte nicht mehr aufhören - ich wusste selber nicht was los war, ich fühlte mich "einfach nicht gut". Ich fühlte mich allein gelassen, im Stich gelassen von Freunden, alles wurde mir zu viel - jede Kleinigkeit hat mich so aufgeregt und fertig gemacht, dass ich anfing mich abzusondern - die Antriebslosigkeit gab dazu einen schönen Beitrag.


    Auf Arbeit ging es auch bergab - ich versuchte noch mich normal mit Kollegen zu unterhalten, merkte aber wie ich "einfach keinen Bock" mehr hatte - ich künstelte Interesse, dachte mir dabei schon verzweifelt "was ist denn bloß los hier"? Ich versuchte ein paar Mal meine weiblichen Kollegen zu fragen ob Sie schon mal Nebenwirkungen von der Pille hatten - alles wurde verneint.


    Ich konnte doch unmöglich die beschriebene eine Frau von 500 sein, die auf den Beipackzetteln erwähnt werden? Nein.. das alles muss einfach einen anderen Grund haben.


    Das zweite Blister wurde angebrochen, alle Nebenwirkungen hielten an - ich hatte tiefe downs - keine Hoch's mehr - ich war nur noch mürrisch, beleidigt, unlustig - davor war ich witzig, aufgeschlossen, energiegeladen, neugierig spontan - ich erkannte mich selbst nicht mehr wieder.


    Auf Arbeit dachte ich ans kündigen - weil die Arbeit an sich und alles drum herum sinnlos erschien.


    Mir ging es auch rein körperlich nicht mehr gut - ich hatte ein anhaltendes Drücken in der Magengegend - mir war permanent so als ob ich entweder Hunger hatte oder mir schlecht war.


    Ich wirkte aufgequollen, Hosen kneiften und tshirts saßen enger - ich mochte mich kaum noch im Spiegel anschauen - das traf mich schlimmer als einiges anderes, da ich davor innerhalb eines Jahres mit viel Sport und einer Ernährungsumstellung viel abgenommen hatte und meinen Körper durch Sport geformt hatte...


    Kopfschmerzen kamen hinzu.


    Ich hatte keine Lust mehr intim zu werden, keine Lust auf Sex - von meiner Trockenheit mal ganz abgesehen


    Ich war am Ende - normaler Alltagsstress und Miniprobleme ließen mich verzweifeln.


    Auf dem Heimweg eine Arbeitstages fing ich an zu weinen und dann kam die erste Panikattacke in meinem Leben - mir schnitt es die Luft ab. "Was passiert hier??"


    Zu Hause traf ich die Entscheidung - sofort aufhören die Pille zu nehmen. Da ich mittlerweile regelrecht Angst hatte die nächste Pille zu nehmen - hier hörte es dann auf. Soweit ist es schon, ja?


    Ich ignorierte die Worte von meinem Freund - der sich Sorgen machte, das alles wäre eine Überreaktion auf eben andere Alltagssituationen - ob ich eben Überreagiere..


    Ich schluckte trotzdem keine Pille mehr.


    Es war, wie ich schon am nächsten Tag merken konnte, die beste Entscheidung.


    Mein Gemüt war um einiges heller - das Drücken in der Magengegend verschwand plötzlich.


    Kommentare wie "na das klingt jetzt aber sehr übertrieben, dass es dir schon nach einem Tag besser geht" ignorierte ich - sollen doch erstmal die Männer anfangen Hormone zu schlucken. Ich kannte meinen Körper besser als jeder andere.


    Nach 2 Tagen fing meine Haut wieder an zu fetten - das war mir aber scheißegal!


    Ich lachte ab und an wieder und merkte auch gleichzeitig - dass es wirklich lustig war - und nix gekünsteltes daran war.


    Ich war gesprächiger und umgänglicher, gelassener.


    Auf Arbeit war alles viel einfacher auszuhalten - Musik hörte ich gerne wieder. Ich hatte wieder ein Ohr für andere Leute Probleme und mir war nicht alles sofort zu viel.


    Ich hatte wieder Lust was zu unternehmen und tat es dann auch, und meine Müdigkeit nahm ab.


    Ich bin mittlerweile am 5. Tag ohne Pille und mir geht es so viel besser - ich habe zwar kommende Woche einen Termin beim FA - aber ich bin mir sicher, dass ich mir keine neue Pille aufschwatzen lasse - mir ist mein Gemüt, mein ICH einfach viel wichtiger als spontanen Sex zu haben - und es gibt genügend andere Verhütungsmittel als die Pille.


    Ich merke übrigens wie ich meine Wassereinlagerungen jeden Tag mehr verliere - irgendwie muss ich verdammt häufig auf Klo - das zwicken meiner Unterwäsche und Hosen lässt etwas mehr nach - sicherlich auch, weil ich wieder Sport mache und vor allem Lust darauf habe :)


    Ich rate jeder Frau die die Pille nimmt und unangenehme Veränderungen spürt die Einnahme sofort zu stoppen - kein weiteres Blister abwarten, nicht auf alles andere schieben.


    Mir ist schon bewusst, dass es nach der ersten Einnahme zu kleinen Veränderungen und Schwankungen kommen kann, aber nicht in diesem Ausmaß - eine komplette Wesensveränderung sollte kein Präparat der Welt mit sich führen!