Die Always Ultra sollen die besten Binden sein?


    Nein danke. Seit ein paar Jahren gibts die nur noch mit "Frischeduft", was zusammen mit dem Gesuppe in kürzester Zeit anfängt tierisch zu müffeln. Abgesehen von der Plastik-Oberfläche, die mir zumindest unendlichen Juckreiz verpasst. Inklusive rote Haut und Abschuppung.

    Zitat

    Die Always Ultra sollen die besten Binden sein?


    Nein danke. Seit ein paar Jahren gibts die nur noch mit "Frischeduft", was zusammen mit dem Gesuppe in kürzester Zeit anfängt tierisch zu müffeln. Abgesehen von der Plastik-Oberfläche, die mir zumindest unendlichen Juckreiz verpasst. Inklusive rote Haut und Abschuppung.

    Die von Always sind meiner Meinung nach die Schlimmsten überhaupt. Diesen "Duft" riecht man durch dünnere Hosen oder Strumpfhosen durch und jeder, der diesen Geruch kennt, weiß dann, wo er her kommt.


    Außerdem ist diese Plastikoberfläche Gift für jede gesunde Flora.


    Es gibt von anderen, günstigeren Marken mittlerweile tolle, ultradünne, flexible Binden mit Baumwolloberfläche und ohne Eigengeruch. Die sind nicht viel dicker als eine dünne Slipeinlage.

    Also mal ein bisschen was von meiner Seite zur Studie. Ich bin Wissenschaftlerin – zwar nicht in genau dem Bereich, aber ich habe tagtäglich mit einer Vielzahl von biomedizinsichen Studien zu tun.


    Dies ist die erste und daher bisher einzige publizierte Studie zu dem Thema. In der Wissenschaft wird Studienergebnissen erst dann Bedeutung beigemessen, wenn diese von mehreren unabängigen Forschungslaborieren reproduziert (und publiziert) werden konnten. Das ist hier wie gesagt nicht der Fall.


    Weiters ist die Studie bezüglich der verwendeten Methoden nicht sehr aufschlussreich – generell oft ein Zeichen mangelhafter wissenschaftlicher Qualität. In der Publikation wird nicht beschrieben mit wie vielen Experimenten oder Replikaten gearbeitet wurde. Das wäre sehr wichtig um die Statistiken korrekt interpretieren zu können.


    Für das Experiment wurden die Tampons und Cups in Plastikbeutel mit Flüssigkeit eingelegt, hermetisch verschlossen, auf Körpertemperatura erwärmt, und jeweils still gehalten oder konstant geschüttelt. Es ist sehr fraglich inwieweit so gewonne in vitro Resultate auf die Verhältnisse in der Vagina während der Menstruation einer Frau in vivo übertragbar sind.


    Am allerwichtigsten jedoch: die Studie sagt gar nicht das aus, was die Medien daraus machen. Wie es leider meistens der Fall ist, wäre nämlich zu allermeist wenig sensationsreich. Die Studie besagt lediglich, dass auch bei der Verwendung von Menstruationstassen das Risiko des TSS bestehen kann. Das sollte soweit aber nicht überraschend sein.


    TSS ist extrem selten, das Risiko ist jedoch während der Regel erhöht, und noch einmal mehr bei der Verwendung von intravaginalen oder intrauterinen Mitteln. Dazu zählen aber zum Beispiel auch die Spirale welche in die Gebärmutter eingesetzt wird oder die Verwendung von Verhütungsmitteln welche in die Scheide eingeführt werden (Pessar, Nuvaring).


    Alles was die intravaginale Akkumulation von Menstruationsblut verursacht, ist ebenfalls mit TSS assoziiert. Und somit eben auch – nicht unlogisch – Mensturationstassen. Insbesonders, wenn sie nicht häufig genug geleert werden und sich so ein Mileu für vermehrtes Bakterienwachstum bildet.


    Es wurde bisher nur ein einziger Fall von TSS durch die Verwendung einer Menstruationstasse wissenschaftlich dokumentiert (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/p…6184/pdf/jidmm-26-218.pdf). Da kam es aber zu Verletzungen beim Einführen, und die Menstruationstasse wurde zu lange verwendet. Schubbidubbidu’s Fall müsste eigentlich von den Ärzten ebenfalls gemeldet und dokumentiert worden sein. Es wäre gut, wenn er auch publiziert würde. @Schubbidubbidu, wurde hierzu etwas veranlasst?


    Ich schreibe gleich noch mehr zur Studie selbst...

    Für alle die es interessiert, hier ein paar relevante Stellen aus dem Forschungsartikel:


    Es wurden vier verschiedene Menstruationstassen (und 11 Tampontypen) getestet: be’Cup 1 und 2 und Me Luna S und M.


    Zum Bakterienwachstum (S. aureus)

    Zitat

    "S. aureus growth was lower than the positive control in the presence of tampons”

    Im Test war also weniger Bakterienwachstum im Setup mit Tampons zu beobachten als unter den gleichen Bedingungen ohne Tampon. Laut dieser Aussage würden Tampons also das Risiko von TSS reduzieren – dies ist nach heutigem wissenschaftlichen Stand aber nicht der Fall. Im Gegensatz zu der Sache mit den Menstruationstassen gibt es bezüglich Tampons viele Studien, und auch weitaus mehr Anwenderinnen um Schlussfolgerungen ziehen zu können. Dieses Ergebnis finde ich daher sehr fragwürdig und hätte mir mehr Diskussion zu diesem Ergebnis in der Publikation gewünscht, da es allen gängigen Annahmen widerspricht und somit das gesamte Experiment und dessen Glaubwürdigkeit in Frage stellt.

    Zitat

    "In the presence of menstrual cups, S. aureus growth was close to the positive control”

    Beim Setup mit der Menstruationstasse war ein ähnliches Bakterienwachstum zu sehen wie in der Kontrolle ohne Tampon und ohne Menstruationstasse. Sprich: Im Vergleich zu Tampons, mehr Wachstum. Aber: Da in dieser Studie Tampons weniger Wachstum als "normal" verursachen, verursachen Menstruationstassen trotzdem nicht mehr Bakterienwachstum als "normal". Sprich, unter denselben Bedingungen ohne Menstruationstasse oder Tampon gab es gleich viele (oder wenige) Bakterien als mit Menstruationstasse. Nur bei den Tampons gab es eben noch weniger als "normal". Das sollte bei der Interpretation dieser Studie keinesfalls übersehen werden!


    Zur TSST-1 Produktion

    Zitat

    "TSST-1 production was significantly lower in the presence of tampons than the control, except with one tampon.”

    Zitat

    "TSST-1 production was increased in the presence of 3 of the 4 cups tested”

    Zitat

    "TSST-1 production in the other silicone cup (be’Cup size 1) was lower than that seen in the control”

    Ähnlich wie beim Bakterienwachstum. Bei Tampons weniger TSST-1 Produktion als in der Kontrolle ohne Tampon und Menstruationstasse. Im Vergleich zu Tampons, vermehrte Produktion bei den Menstruationstassen, aber nicht mehr als in der Kontrolle. Beim be’Cup 1 sogar weniger TSST-1 Produktion als in der Kontrolle. Also hier sind nun nicht nur Tampons besser als keine Tampons, sondern eine der Menstruationstassen wirkt ebenfalls reduzierend auf das Risiko von TSS im Vergleich zur Kontrolle ohne Tasse, laut dieser Aussage.

    Zitat

    "TSST-1 increased with the size of the cup”

    Zudem kommentieren die Autoren dass die TSST-1 Produktion im Experiment mit der Größe des Cups zusammehängen zu schien.


    Beim Test mit zerschnitten Menstruationstassen

    Zitat

    "In static conditions, TSST-1 production in the presence of both the be’Cup and Me Luna menstrual cups was significantly lower than in the control.”

    Wenn nicht geschüttelt, war die Produktion von TSST-1 deutlich geringer als in der Kontrolle (keine zerschnittene Menstruationstasse und keine zerschnittenen Tampons). Also auch hier wieder "Risiko-Verminderung" durch das Material der Tasse im Vergleich zu "normal".

    Zitat

    "Our results suggested that aeration more than composition of cup influences toxin production.”

    Daraus schlossen die Autoren, dass die Unterschiedlichen Beobachtungen mehr auf die Größe der Menstruationstasse denn ihr Material oder ihre Zusammensetzung zurückzuführen sein könnte.

    Zitat

    "We suspect that this difference may be explained by the experimental procedure, specifically that a higher volume of air was inserted in the bag with cups than with tampons due to their shape, known to favor S. aureus growth and TSST-1 production (9,10). This was confirmed by the significant increase in S. aureus growth and TSST-1 production observed with larger models of cup, regardless of the brand or composition.”

    Hier schreiben die Autoren, dass die unterschiedlichen Ergebnisse auf die experimentelle Vorgehensweise zurückgehen, da bei der Platzierung der Menstruationstasse in den Plastikbeuteln wohl mehr Luft eindrang als bei den Tampons, auch wenn diese nachträglich wieder manuell herausgedrückt wurde. Wie sorgfältig das gemacht wurde und wie effektiv es war, inbesonders bezüglich des Schaffens gleicher Bedingungen für die verschiedenen Setups ist nicht nachvollziehen, es liegen keine Information hierzu vor.

    Zitat

    "Interestingly, when the incubation was performed with shaking, S. aureus growth was higher in the presence of the silicone be’Cup cup than the TPE Me Luna cup, but the opposite result was found for TSST-1 production.”

    Jetzt wird es ganz abenteuerlich. Beim Setup mit Schütteln gab es mehr Bakterien mit dem be’Cup, aber weniger TSST-1 Produktion. Und umgekehrt. Es wird keine logische Erklärung oder Hypothese für diese Beobachtung genannt. Lässt alles nicht auf robuste und reproduzierbare Ergebnisse schließen. Sondern eher auf Zufallsbeobachtungen und große Variabilität in den verschiedenen Setups welche durch unterschiedliche Bedingungen (Luft etc.) nicht wirklich vergleichbar waren und auch nicht in ausreichender Zahl durchgeführt wurden um Rückschlüsse ziehen zu können.


    Schlussfolgerungen

    Zitat

    "When the volume of menstrual fluid exceeds that of the cup receptacle, the TSST-1 produced in the fluid is in contact with the vaginal mucosa, allowing toxin transcytosis into the blood and the development of menstrual toxic shock syndrome. Time-based advice on cup emptying and removal should be modulated with the volume of menstrual loss (30).”

    In den allgemeinen Schlussfolgerungen wird geschrieben, dass das Risiko erhöht ist wenn mehr Menstruationsflüssigkeit vorhanden ist als der Cup aufnehmen kann, da dann das TSST-1 welches in der Flüssigkeit produziert wird im Kontakt mit der Vaginalschleimhaut ist und somit eine Übertragung in die Blutwege ermöglicht. Daher wird empfohlen den Cup regelmäßig zu entleeren und zwar umso häufiger umso stärker die Regelblutung. Damit stimme ich vollkommen überein, und dies ist meiner Meinung nach tatsächlich sehr zu empfehlen. Diese Erkenntnisse wurden auch in Studien mit Tampons gewonnen, wo sich das Risiko eben erhöht wenn diese nicht ausreichend oft gewechselt werden.

    Zitat

    "A protocol including a second cup that allows for cup sterilization by boiling between uses should be recommended.”

    Die Autoren empfehlen eine zweite Menstruationstasse um die beiden Tassen abwechselnd zu benutzen. So kann die gerade nicht benutzte Menstruationstasse abgekocht werden. Kann man als Möglichkeit in Betracht ziehen um das Risiko des TSS noch weiter zu vermindern. Allerdings kann man auch ganz ohne Menstruationstasse oder Tampons an TSS erkranken, sogar auch ganz ohne Regel (wenn auch weniger häufig). Auch Männer können es bekommen.


    Fortsetzung im nächsten Beitrag.

    Kurzfassung der publizierten Ergebnisse:


    1. Die Benutzung von Tampons (im experimentellen Setup) verursacht weniger Bakterienwachstum und TSST-1 Produktion als die Nichtbenutzung von Tampons


    2. Die Benutzung von Menstruationstassen (im experimentellen Setup) verursacht gleich viel Bakterienwachstum und weniger TSST-1 Produktion als die Nichtbenutzung von Menstruationstassen oder Tampons


    Siehe dazu auch die Grafiken der Studien, die das Ganze sehr klar machen:


    - Tampons


    - Menstruationstassen


    Original aus http://aem.asm.org/content/early/2018/04/02/AEM.00351-18.abstract


    Zusätzlich möchte ich anmerken, dass die Studie voll von Englischfehlern, Rechtschreibfehlern und Formatfehlern ist. Meiner Meinung nach lässt auch dies nicht gerade auf besonders gewissenhaftes Arbeiten der Forscher schließen. Aber es kann sich ja jeder die Studie selber ansehen. Hier nur einige Hinweise bezüglich meiner Meinung nach wichtiger Aspekte bei der Beurteilung der Publikation.


    Es gibt generell tausende Studien und Gegenstudien zu allen möglichen Themen, und es ist für den Laien sehr schwierig herauszufinden welchen Glauben geschenkt werden sollte und welchen nicht. Hier liegt aber jedenfalls nur eine einzige Studie vor, und die Medien haben wieder einmal eine schöne verunsichernde "Story" daraus gemacht. Dass man diesen Mediengeschichten keinen Glauben schenken sollte ohne selbst die Studie und weitere Literatur zum Thema gelesen und interpretiert zu haben, ist allerdings (leider) durchgehend der Fall.

    Wow! Vielen Dank für diese gelungene Erklärung der Studie. Da nehme ich jetzt einfach für mich mit, dass ich die Tragezeiten etwas kürzer halten werde und auch öfters zwischendurch sterilisieren sollte.


    Da haben wir ja nochmal Glück gehabt :)=

    @ Nala0101

    Ja, der von dir verlinkte Fall war auch der einzige den meine Ärzte gefunden haben.


    Da ich in einer Universitätsstadt lebe und die Klinik in der ich war auch dem Lehrbetrieb dient, war ich ein interessanter Fall für die. Es wurde alles dokumentiert (inklusive Fotos für eine spätere Veröffentlichung). Ich gehe daher davon aus, dass mein Fall noch veröffentlicht wird. So haben sie es mir zumindest auch gesagt. Eventuell warten sie noch ab, ob sich in der Nachbetreuung noch mal was ergibt. Keine Ahnung. Und da ich zu den Klinikärzten keinen Kontakt habe ist es für mich auch schwierig was zu erfahren.

    Liebe Nala,


    Ganz ganz herzlichen Dank für deine Mühe! Das hatte ich mir eben erhofft als ich den Beitrag hier eröffnet habe. Ich kenne mich zwar ein wenig mit Studien aus, aber bin nicht so versiert wie du! Zudem war mir bewusst, dass Medien gern Horrorstories daraus machen und ich wusste eben nicht was ich nun davon halten soll und wie qualitativ hochwertig die Studie ist. Deshalb ist deine Einschätzung sehr wertvoll für mich! Danke!


    Ich freue mich um so mehr, dass ich nun wieder meine lieben Tassen nutzen werde😁 nur nachts muss ich mal schauen🤔 das ist ja doch immer ein langer Zeitraum. Ich werde sie tagsüber öfter wechseln und sterilisieren. Ach, ich bin grad beruhigt und freue mich. Denn diesmal habe ich Binden verwendet und habe eben auch Juckreiz und mag das schwitzige Gefühl nicht. Es riecht unangenehm und ich fühl mich immer als hätte ich ne Windel an🤭

    Nala0101 schrieb:

    Es wurde bisher nur ein einziger Fall von TSS durch die Verwendung einer Menstruationstasse wissenschaftlich dokumentiert (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/p…6184/pdf/jidmm-26-218.pdf). Da kam es aber zu Verletzungen beim Einführen, und die Menstruationstasse wurde zu lange verwendet. Schubbidubbidu’s Fall müsste eigentlich von den Ärzten ebenfalls gemeldet und dokumentiert worden sein. Es wäre gut, wenn er auch publiziert würde. Schubbidubbidu , wurde hierzu etwas veranlasst?


    Ich schreibe gleich noch mehr zur Studie selbst...

    Soweit ich weiß ist TSS leider gar nicht meldepflichtig. Da wäre natürlich die Frage wie viele undokumentierte Fälle es überhaupt gibt in Verbindung mit der Menstruationstasse.