Hallo Miteinander,


    ich will auf diesem Weg über meine eigene Erfahrung bezüglich einer Korrektur der Nasenscheidewand, sogenannte Septumplastik berichten, welche ich vor gut 5 Monaten im Universitätsklinikum Rechts der Isar in München hab machen lassen.


    Die Ausgangssituation: Schon mein ganzes Leben hatte ich eine ständig laufende Nase- selbst in den Sommermonaten musste ich immer wieder leicht niesen bzw mir meine Nase putzen. Vor gut 3 Jahren eskalierten die Beschwerden, als ich neben meinem Studium einen Job in einer Bibliothek annahm, in welcher ein trockenes und staubiges Raumklima herrschte. Ab sofort hatte ich gut 8 Monate im Jahr ein Gefühl der ständigen Erkältung. Meine Nase lief quasi ununterbrochen, ich musste in geheizten oder klimatisierten Räumen lautstark niesen und husten. Im Bereich der Nasennebenhöhlen spürte ich ein unangenehmes, leicht schmerzhaftes Druckgefühl. Einmal hatte ich auch eine starke Kehlkopfentzündung (und das mitten in der Prüfungsphase). All das sind klassische Symptome einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung, sog. chronische Sinusitis. Meine HNO- Ärztin konnte diese mittels Ultraschall einfach und schnell diagnostizieren. Was sie nicht konnte, war mir wirklich helfen. Auf ihren Rat hin musste ich zweimal täglich jeweils ein Meeressalz-Nasenspray benutzen, hiernach möglichst 10 Minuten aufgekochten Salbeitee inhalieren und im Anschluss noch ein rezeptpflichtiges Cortisonspray in die Nase sprayen. Diese Prozedur sollte nach ihrer Aussage nach spätestens 4 Wochen erste Erfolge zeigen, welche sich aber auch nach längerer Therapie nicht wirklich einstellten. Das Problem war, dass meine Nasenscheidewand stark verkrümmt war, was man von außen aber nicht sah. Ich merkte es aber durch Abtasten sowie dadurch, dass durch meine linke Nasenhälfte kaum Luft drang. Durch die Verkrümmung konnte aber die Nasenspray nicht in die Nasennebenhöhlen gesprayt werden, sodass der klassische Therapieansatz bei einer chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen von vorneherein zum Scheitern verurteilt war. Von Beginn an hatte mich meine Ärztin über die Möglichkeit einer Korrektur der Nasenscheidewand informiert, aber mich schreckte der Gedanke an eine Operation ab.


    Die Zeit vor der Operation: Nachdem ich nach 2 weiteren Wintern durch die anhaltenden Beschwerden ziemlich geschafft war, informierte ich mich auf den Internetseiten großer Kliniken über die Möglichkeiten einer Korrektur der Nasenscheidewand. Nach längerem Überlegen, entschloss ich mich, die Operation zu wagen. Ich ging zu einem HNO- Arzt mit der Bitte, mir einen guten Operateur in München zu nennen und mich an die jeweilige Klinik zu überweisen. Zu meinem eigenen Erstaunen riet er mir, nicht zu einer der privaten Kliniken oder Praxiskliniken zu gehen. Erstaunlich deswegen, da einer seiner Kollegen genau eine solche betrieb. Stattdessen überwies er mich an das Uniklinikum Rechts der Isar.


    Im Rechts der Isar wurde ich nun von verschieden Ärzten an verschiedenen Terminen gründlich untersucht. Unter anderem wurden folgende Untersuchungen gemacht:


    - Absaugen von Nasensekret und Blutkrusten direkt aus der Nase. Ein unangenehmes Gefühl, aber es hilft


    einem sofort.


    - Erneute Therapie mit dem Cortisonspray, um auszuschließen, dass geschwollene Schleimhäute das eigentliche Problem darstellen.


    - Test, wie viel Luft genau durch jedes Nasenloch durchkommt. Dies dient der genauen Diagnose.


    - Riechtest. Dieser macht sogar etwas Spaß.


    - Computertomograph- Aufnahme der Nase und der Nasennebenhöhlen. Hierdurch wird festgestellt, wo genau


    eine Verkrümmung vorliegt.


    - Siebentägige Antibiotika- Therapie, um die Nase "operationsfähig" zu machen.


    - Aufklärungstermine bei den jeweiligen Fachärzten über die Risiken der Operation


    Die Vorbereitung auf die Operation nimmt je nach gesundheitlichen Zustand demnach gut 2 Monate in Anspruch. Ich musste circa sechs mal vor der Operation in der Klinik erscheinen- jeweils mit deutlichen Wartezeiten, versteht sich.


    Die eigentliche Operation: Nach dem Einchecken ging es gut 3 Stunden später auf dem Bett liegend in den Operationssaal. Das Personal war sehr freundlich und man fühlte sich in guten Händen.


    Insgesamt dauerte die Operation gut 2 Stunden unter Vollnarkose. Neben der eigentlichen Korrektur der Nasenscheidewand mussten noch die Zugänge zu den einzelnen Nasennebenhöhlen erweitert werden sowie die Nasenmuscheln mittels Laser verkleinert werden. Im Rahmen der radiologischen Diagnostik war nämlich den Ärzten aufgefallen, dass nicht nur die verkrümmte Nasenscheidewand ein Problem darstellte, sodass aus der eigentlich 45 minütigen Standardoperation eine zweistündige, umfangreiche Korrektur von fast allem in meiner Nase wurde. Ich hatte mir im Vorfeld gesagt, wenn schon so viel zu machen ist, dann wird es sich erst recht lohnen. Und ich sollte recht behalten.


    Nach der Operation: Nach dem Aufwachen im Aufwachraum war ich noch völlig benebelt und schlief mit kurzen Unterbrechungen noch mehrere Stunden weiter. Ich hatte keinerlei Schmerzen und man sah mir auch nicht an, dass ich soeben operiert wurde. Nichts war geschwollen, nur aus der Nase lief ständig etwas Blut, was aber von einer speziellen Taschentuchhalterung, eine sogenannte Nasenschleuder aufgefangen wurde. Die erste Nacht im Krankenhaus verlief völlig problemfrei, mein Zimmernachbar störte auch kaum.


    Im Verlauf des nächsten Tages fing die Nase leicht anzuschwellen und die Wirkung des Narkosemittel war nun völlig weg. Ich erhielt stattdessen ein gut verträgliches Schmerzmittel, sodass ich auch jetzt keinerlei Schmerzen spürte. In meiner Nase steckte seit der Operation in beiden Nasenlöchern jeweils eine Tamponade. Diese stabilisiert und verhindert ein Austrocknen der Nasenschleimhäute. Leider begann diese Tamponade im Verlauf des zweiten Tages an zu nerven, da das Blut sowie etwaiger Schleim nicht ungehindert aus der Nase fließen konnte. Im meinen Kopf entstand hierdurch ein unangenehmes Druckgefühl. Generell war ich müde und hatte Schwierigkeiten, einen Text zu lesen oder Fernsehen anzuschauen. Man braucht nach einer solchen Operation einfach Ruhe. In der Nacht war dann der Mund durch das im Rachenraum gerinnende Blut völlig ausgetrocknet und auch Wasser trinken half kaum.


    Umso mehr freute ich mich dann, als ich zu Beginn des dritten Tages im Rahmen der morgendlichen Visite endlich meine Tamponade gezogen bekam. In Internetforen habe ich darüber schlimmes gelesen. Ich selbst habe das völlig anders wahrgenommen: Das Ziehen war eine riesige Befreiung und tat nicht im geringsten weh.


    Nach 5 Tagen durfte ich die Klinik verlassen.


    Die Zeit nach der Operation: Auch viele Tage nach der Operation lief bei der Nasendusche gewaltige Mengen an Blut und Blutkrusten aus der Nase. Ich musste ständig meine Nasenschleimhäute mit speziellen Cremes befeuchten. Die Nachsorge dient der optimalen Heilung der Nasenschleimhäute und muss daher gründlich erfolgen. 14 Tage nach der Operation wurden mir die stabilisierenden Plastikwände entnommen und ich konnte erstmals in meinem Leben völlig frei durch beide Nasenlöcher atmen. Ein wirklich tolles Gefühl.


    5 Monate nach der Operation: Zu Beginn des Winters begann ich in Absprache mit den Klinikärzten nochmals eine Cortisonspraytherapie. Es hatte sich herausgestellt, dass meine Nasenschleimhäute immer noch etwas geschwollen sind und dementsprechend Probleme bereiten. Bei der OP werden schließlich nur die Zugänge freigelegt. Die Schleimhäute müssen freilich noch einige Zeit sich regenerieren, was einige Monate dauern kann.


    Insgesamt fällt mein Urteil aber sehr gut aus! Ich bin in diesem Winter so wenig krank wie noch nie gewesen. Und als ich mir doch einen Infekt eingeholt hatte, war dieser nach wenigen Tagen wieder völlig weg. Ich fühle mich also deutlich besser. Das Ergebnis der Operation ist demnach fast schon besser als erwartet.


    Tipps:


    - Informiert euch genau auf den Infoseiten größerer Kliniken bezüglich einer Septumplastik. Die Ärzte haben nämlich meistens wenig Zeit um Fragen zu beantworten.


    - Sprecht mit unterschiedlichen Ärzten darüber, ob eine Septumplastik speziell bei euch Sinn macht. Je mehr Ärzte, desto besser.


    - Geht auf jeden Fall in eine große Klinik. Das Gelingen einer solchen Operation hängt maßgeblich vom Können des Operateurs zusammen. Handwerkliche Fehler bei der Operation können etwa zu einer Vernarbung der Nasenschleimhäute führen. In einem solchen Fall war "alles für die Katz". Auch die genaue Diagnose sowie die Nachsorge erfordert viel Können und Umsicht bei den behandelnden Ärzten und dem Pflegepersonal.


    - Plant genug Vorlaufzeit bis zur eigentlichen Operation ein! Die Nase muss sich in einem völlig gesunden Zustand befinden, ansonsten kann nicht operiert werden.


    - Nach der Operation muss man zumeist noch etwa vier Nächte in der Klinik verbringen. Um diese langweilige Zeit bestmöglichst zu überbrücken, ladet Freunde und Bekannte zum Quatschen in die Klinik ein oder geht in die Cafeteria ein Eis essen. Man ist zwar müde und sieht auch komisch aus mit der blutgetränkten "Nasenschleuder". Aber schlussendlich ist man ja nicht todkrank, sondern wurde einfach in der Nase operiert.


    - Auch nach der Entlassung aus der Klinik sollte man nicht gleich in die Uni oder zur Arbeit gehen. Die Nachsorge ist sonst zu stressig. Generell solltet ihr euch für die Operation 14 Tage Urlaub nehmen. Dann besteht kein Stress und alles kann gründlich gemacht werden.


    - Schlussendlich: Eine solche Operation stellt einen großen Eingriff dar, denn unsere Nase ist eine empfindliche Region unseres Körpers. Jeder Eingriff sorgt da für eine Menge Blut. Aber ganz so schlimm wie in den einschlägigen Internetforen beschrieben, ist es dann doch nicht. Wer sich Zeit lässt und auch ein bisschen was wegstecken kann, der wird die Zeit im Krankenhaus gut überstehen. So schlimm ist es nicht.


    Ich hoffe, ich konnte euch helfen.