Tinnitus schlimmer durch Cortison-Infusionen?

    Liebe Community,

    ich bin 23, männlich und leide seit mehreren Jahren ich an einem Tinnitus, der mich etwa bis vor einem halben Jahr jedoch kaum gestört hat. Zur Abklärung war ich bei verschiedenen HNO-Ärzten – es konnte nie ein Auslöser gefunden und auch keine Hörminderung festgestellt werden. Ab Oktober 2018 wurde der Tinnitus allerdings immer präsenter und er störte mich nun dauerhaft. Wieder war ich bei meiner HNO-Ärztin, wieder war mit meinen Ohren und mit meinem Gehör alles in Ordnung. Ich leide seit mehreren Jahren an Depressionen und an Zwangsgedanken und neige dazu, mich auf körperliche Empfindungen zu fokussieren. Es erschien mir deshalb plausibel, dass mir durch die Fokussierung auf den Tinnitus der Ton auch lauter vorgekommen ist.


    Psychisch ging es mir in dieser Zeit rapide schlechter und Ende November 2018 habe ich mich deshalb in stationäre psychiatrische Behandlung begeben. Der Tinnitus war weiterhin sehr störend und aufdringlich, was sich auch durch die psychotherapeutische Behandlung nicht besserte. Mit den Ärzten in der Psychiatrie kam ich überein, mich ich in der benachbarten Uniklinik nochmals HNO-ärztlich untersuchen zu lassen.


    Unterdessen erfuhr ich durch Internet-Recherchen, dass bei akutem Tinnitus häufig Cortison gegeben wird. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich das gar nicht und ärgerte mich, dass es meine bisherigen HNO-Ärzte nicht mal andiskutiert haben. Innerhalb weniger Tage steigerte ich mich in das Cortison-Thema hinein und entwickelte die fixe Idee, dass ich unbedingt noch einen Therapieversuch mit Cortison wagen muss.


    Den Tinnitus habe ich zwar schon seit mehreren Jahren, doch zu diesem Zeitpunkt lag der Moment der Verschlimmerung/Dekompensation erst circa zwei Monate zurück. Demzufolge verortete ich den Tinnitus noch in der akuten Phase. Ich war so verzweifelt, dass ich die Cortisontherapie unbedingt versuchen wollte. Zusätzlich hatte sich der Zwangsgedanke entwickelt, dass ich das Cortison unbedingt in Form von Infusionen verabreicht bekommen muss.


    Als ich dann im Dezember 2018 der HNO-Ärztin in der Uniklinik schilderte, dass mein Tinnitus seit etwa zwei Monaten dekompensiert ist, bot sie mir wie erwartet Cortison an. Sie wollte es mir in Tablettenform geben, doch wegen der beschriebenen Zwangsgedanken bat ich sie verzweifelt um Infusionen, die mir dann auch gewährt wurden.


    Ich bekam drei Tage in Folge 250 mg Prednisolon als Infusion, danach noch für ein paar Tage deutlich geringere Dosen in Tablettenform zum Ausschleichen. Der Tinnitus wurde nicht besser, sondern sogar eher lauter. Als ich das Cortison bekam, hörte ich nachts zudem gelegentlich verschiedene neue Tinnitus-Töne, die nach einigen Sekunden aber immer wieder verklangen.


    Nun ist die Cortisonbehandlung fast drei Monate her, aber ich habe immer noch das Gefühl, dass mein Tinnitus lauter ist als davor. Außerdem grüble ich immer noch über diese temporären zusätzlichen Töne, die ich unter dem Einfluss des Cortisons gehört habe. Ich mache mir unendlich Gedanken darüber, was bishin zu Panikattacken führt.


    Vor allem mache ich mir mittlerweile schlimme Vorwürfe, dass ich darauf bestanden habe, das Cortison in Form von Infusionen und nicht von Anfang an als Tabletten zu bekommen. Die Zwangsgedanken, die in diesen Momenten schon eher in Richtung Wahn gingen, waren so überwältigend ... ich hatte in meiner damaligen subjektiven Realität keine andere Wahl, als auf den Infusionen zu bestehen.


    Nun grüble ich, ob der Tinnitus seit der Cortisonbehandlung nur deshalb lauter ist, weil ich das Cortison in Form von Infusionen bekommen habe. Außerdem grüble ich, ob nur wegen der Infusionen diese mysteriösen zusätzlichen Ohrgeräusche aufgetreten sind und ob die Infusionen meinem Gehör geschadet haben könnten.


    Die Infusionen wurden mir gegen Mittag verabreicht. Mittlerweile weiß ich allerdings, dass Cortison idealerweise in den frühen Morgenstunden verabreicht werden sollte. Könnte es problematisch oder gar schädlich gewesen sein, dass ich die Infusionen erst später am Tag bekommen habe?


    Inzwischen habe ich eingesehen, dass der Tinnitus bei mir offenbar nicht von einem Problem mit dem Gehör kommt, sondern eine andere – vielleicht auch eine psychische – Ursache haben muss. Aber ich mache mir endlose Gedanken darüber, ob mir die Infusionen geschadet haben könnten und ob sie den Tinnitus womöglich tatsächlich verschlimmert haben.


    Wie seht ihr das? Könnten die Cortison-Infusionen schädlich gewesen sein und wären Tabletten besser gewesen? Muss ich mir Vorwürfe machen, dass ich mir das Cortison in Form von Infusionen anstatt als Tabletten habe verabreichen lassen?

  • 3 Antworten

    Ob Infusionen ob Tabletten macht kaum eine Unterschied. Infusionen wirken nur schneller.


    Cortison wird frühmorgens gegeben, da eine Nebenwirkung oft ein Problem einzuschlafen ist. Die später man es gibt, die weniger man schläft.


    Kaputtgemacht hat es nichts. Offensichtlich hat der Tinnitus eine psychische Ursache. Es kommt oft durch medizinische Behandlungen zu eine Verschlimmerung - das Problem wurde präsent gemacht, ohne gelöst zu werden.

    hallo, gibt es eine anfangsursache für dein tinnitus? laute musik? mittelohrentzündung? etc.


    ich glaube nicht dass du dir das einbildest, er ist halt da und stärker beim psychischen stress.


    infusionen hatte ich auch, aber keine nebenwirkungen davon.


    bist du wegen deinen psychischen beschwerden familiär vorbelastet? aktuell medikamentös gut eingestellt?

    Ich hab sowohl eine Infusionstherapie als auch Tabletten bekommen und hatte bei beidem das Gefühl es wurde lauter. Besonders in der Zeit als ich noch durchblutungsfördernde Tabletten bekam. Danach ging es wieder auf ein normales Level zurück. Ich glaube also nicht dass es bei dir von den Infusionen kam, sondern durch eine verstärkte Wahrnehmung. Wenn ich gestresst bin höre ich "zu sehr hin" und dann kommt es mir so unsagbar laut vor als würd mich wer anschreien. An anderen Tagen fällt er mir kaum auf. Ich bin aber sicher dass die Töne immer gleich laut sind. ;-) Es ist nur mein Gehirn, das dem mehr oder weniger Beachtung schenkt.

    Ich würde daher auch mehr auf therapeutische Maßnahmen setzen und z.b. auch Yoga und Meditation probieren. Dabei lernt man prima "wegzuhören".