HIV-Angst? Basiswissen & Leitfaden für Betroffene

    Hallo zusammen!


    Da in letzter Zeit verstärkt ähnliche Fragen zu immer wieder ähnlichen Problemen im Forum auftauchten, habe ich mich entschlossen, einen Leitfaden für alle mit Panik vor HIV zu schreiben. Dieser umfasst das Basiswissen für alle, die mit einer Panik vor HIV nach einem Risikokontakt zu kämpfen haben, einige Verhaltensregeln und weiterführende Links.

    1. Einleitung

    Dieser Leitfaden ist eine Hilfestellung von ehemaligen Betroffenen für aktuell Betroffene. Fast alle in diesem HIV-Forum waren/sind in der gleichen Situation wie du, dass heißt, sie hatten Angst vor HIV aufgrund eines vermeintlichen Risikokontaktes.


    In diesem Forum schreiben viele aus eigener Erfahrung und versuchen, dir durch eine sehr harte Zeit zu helfen. Es mag sein, dass dieser oder jener meine jetzt folgenden Ausführungen etwas verharmlosend findet. Doch jeder, der in einer solchen Panik-Situation war wie ihr, der weiß, was einem durch den Kopf geht und das man im sehr wahrscheinlichen Falle eines glücklichen Ausgangs seinen Fehler nicht wieder macht und fürs Leben gelernt hat.


    Eines dürfte auch klar sein: Der HIV-Test ist in den Fällen, in denen wirklich ein konkretes Risiko vorlag, schon im Eigeninteresse Pflicht. Dazu jedoch später mehr.


    Ich bitte darum, dass dieser Leitfaden erst bis zum Ende gelesen wird. Falls dann noch Fragen sind, eröffnet bitte eine neue Diskussion. Dieser Beitrag soll kein Diskussionsforum sein.

  • 25 Antworten

    2. Zuerst zur Beruhigung: die Übertragungsrisiken

    Das Übertragungsrisiko ist weit geringer, als du wahrscheinlich glaubst.


    Die Deutsche Aids-Gesellschaft hat in einer gemeinsamen Empfehlung mit der österreichischen Aids-Gesellschaft und anderer führender Organisationen die Übertragungsrisiken spezifiziert.


    WICHTIG!: In jedem Falle ist zu beachten, dass durch besondere Faktoren das Risiko einer Übertragung deutlich erhöht wird. Im Falle der akuten Anfangsphase des Partners, bei der Menstruation oder auch bei Vorliegen von Geschlechtskrankheiten ist das Risiko um ein mehrfaches bis vielfaches höher. Bei Vorliegen mehrerer Risikofaktoren steigt das Risiko auf 30x und höher als normal!! Nähere Infos dazu in der gemeinsamen Empfehlung der deutschen und Österreichische AIDS-Gesellschaften (Tabelle 4c).


    Für den Geschlechtsverkehr OHNE ERHÖHENDE RISIKOFAKTOTEN gelten ETWA folgende Richtwerte, die von mir umgerechnet wurden: (Achtung! Die Zahlen sind grobe Anhaltswerte, es gibt andere Studien, deren Zahlen etwas abweichen.)


    - passiver (empfangender) Analverkehr: 1 Infektion auf etwa 60-150 Risikokontakte


    - passiver (empfangender) Vaginalverkehr: 1 Infektion auf etwa 200-500 Risikokontakte


    - aktiver (eindringender) Vaginalverkehr: 1 Infektion auf etwa 300-800 Risikokontakte


    - aktiver (eindringender) Analverkehr: 1 Infektion auf etwa 500 - 1.000 Risikokontakte


    [Anmerkung der Redaktion: Die Zahlen resultieren aus Untersuchungen in US-amerikanischen Großstädten, bei denen von überwiegend beschnittenen Männern auszugehen ist. Eine intakte Vorhaut zeigt im Vergleich zu beschnittenen Männern bei eindringendem Geschlechtsverkehr ein etwa 2-3 fach höheres Risiko]


    AUF DEN KONKRETEN FALL BEZOGEN KANN DAS RISIKO SOMIT BEI ZUSAMMENTREFFEN MEHRERER ERSCHWERENDER FAKTOREN IN EXTREMFÄLLEN ZU EINEM SEHR HOHEN RISIKO FÜHREN (1:10 oder noch höher!). Risikokontakt bedeutet, dass der Partner HIV+ ist. Wenn er negativ ist, besteht sowieso kein Risiko, dürfte auch klar sein.


    Bereits das dürfte euch verdeutlichen, dass das Risiko vielleicht nicht so hoch ist, wie es für gewöhnlich angenommen wird. Dennoch dient dass hier nicht zur Verharmlosung. Auch wenn die Infektion "nur" bei statistisch jedem 100sten Kontakt erfolgt, so ist dieser 100ste mit einem irgendwann tödlich wirkenden Virus infiziert. Doch die anderen 99, die nicht infiziert sind und nur Panik haben, wird diese Statistik bis zum Test etwas beruhigen.


    Das besonders hohe Risiko des Analverkehrs rührt aus der Verletzlichkeit des Analausgangs/Enddarms. Die Infektion erfolgt hier über die Wunden, die sich beim Geschlechtsverkehr bilden.


    Beim Oralverkehr sind bisher nur Einzelfälle beschrieben, insbesondere bei der Aufnahme von Sperma in den Mund. Für die Person, die den Oralverkehr an sich vornehmen lässt, besteht -sofern kein Blut im Spiel ist- kein Risiko. Für die Person, die den Oralverkehr vornimmt, besteht ein Risiko bei der Aufnahme von Sperma durch die Schleimhäute wie Mund, Augenlieder und dergleichen (Einzelfälle der Übertragung gibt es!). Der Lusttropfen birgt beim Oralverkehr offenbar kein Risiko (laut Aidshilfe Schweiz). Vaginaler Oralverkehr birgt ein gewisses Risiko im Falle der Menstruation, ist ansonsten aber relativ ungefährlich.


    Bei ausgefallenen Sexualpraktiken (deren Fantasien ich hier keine Grenzen setzen will) muss man sich fragen: War eine der als infektiös eingestuften Flüssigkeiten (Blut, Sperma, Vaginalsekret) im Spiel und wenn ja, wie und in welcher Menge konnte das Virus in den anderen Körper übertragen werden. In der "FAQ" sind diesbezüglich weiterführende Informationen.


    WICHTIG: Wenn der mögliche Infektionszeitpunkt noch sehr kurz (wenige Stunden, maximal 2 Tage!!) zurück liegt, hilft eine PEP (PostExpositionsProphylaxe) Dabei kann die Ausbreitung der Viren im Körper mit großer Wahrscheinlichkeit verhindert werden. Je kürzer die Zeit nach der möglichen Infektion, desto besser. Hierbei ist jedoch ärztlicher Rat einzuholen, da in vielen vermeintlichen Risiko-Fällen eine PEP unnötig ist. Da die meisten erst nach einer längeren Zeit als 2 Tage hier im Forum landen, erübrigt sich eine ausführliche Darstellung. Wer dazu nähere Informationen braucht, liest bitte im Buch "HIV.net 2005" (Link siehe am Ende des Textes) das Kapitel 32 "Postexpositionsprophylaxe" (PEP) Noch weitergehende Infos erhält man bei der gemeinsamen Empfehlung der deutschen AIDS-Gesellschaft und der österreichischen AIDS-Gesellschaft oder beim Robert-Koch-Institut. (Links am Ende des Textes)


    Ein Übertragungsrisiko bei alltäglichen gesellschaftlichen Kontakten besteht nicht! Allerdings ist Vorsicht bei der Benutzung von Utensilien des gemeinsamen Haushalts geboten, die mit Blut/Schleimhäuten in Benutzung kommen, wie z.B. Zahnbürsten und Rasierzeug. Einzelfälle der Übertragung sind hier bekannt! Das bedeutet: (Quelle: Aidshilfe Schweiz) Das HI-Virus wird nicht auf öffentlichen Toiletten, in Saunas oder Hallenbädern und nicht durch Türklinken und Telefonhörer oder durch den gemeinsamen Gebrauch von Wäsche und Geschirr übertragen. HIV wird nicht durch Insektenstiche oder Haustiere übertragen. HIV wird weder beim Arzt noch beim Zahnarzt oder im Krankenhaus übertragen. Kein Risiko besteht beim Friseur, bei Maniküre und Pediküre. Auch Piercing und Tattooing ist in Bezug auf eine HIV-Infektion unbedenklich, solange sich die entsprechenden Personen an die Hygienevorschriften ihres Berufsstandes halten. Kein HIV-Übertragungsrisiko besteht beim Husten und Niesen. Kein Übertragungsrisiko besteht beim Händeschütteln, Umarmen, Streicheln und Kuscheln mit einer HIV-positiven Person. Das HI-Virus wird nicht übertragen durch Küssen, auch nicht durch Zungenküsse. Petting (gegenseitige Befriedigung mit der Hand) ist unbedenklich; Haarrisse bei den Fingernägeln und ähnlich kleine oder bereits verheilte Wunden stellen keine Gefahr dar. Das HI-Virus wird nicht über Urin oder Kot übertragen. Schon gar nicht wird das Virus durch Luft oder bloßen Hautkontakt übertragen.


    Vorgenannte Ausführungen gelten auch bei Vorliegen einer erhöhten Viruslast im Anfangs- oder Endstadium!


    Die Safer-Sex-Regeln lauten: Bei jedem eindringenden (also analen oder vaginalen) Geschlechtsverkehr immer ein Kondom benutzen. Ansonsten kein Sperma in den Mund, kein Sperma schlucken und kein Menstruationsblut in den Mund, kein Menstruationsblut schlucken.


    Oben genanntes ist ausführlich zum Nachlesen auf den Seiten der Aidshilfe Schweiz bzw. im Buch "HIV.Net 2005" Die Kapitel 1.3 und 1.4.


    Exkurs: Sonderfälle in Verbindung mit Verletzungen, sonstige Fälle (Spritzen usw.)


    Hierbei muss man zunächst wissen, dass das HI-Virus direkt in die Blutbahn gelangen muss und auch eine erhebliche Zahl an Viren für eine Infektion notwendig ist. Die verschiedenen Körperflüssigkeiten enthalten eine unterschiedliche Zahl von Viren. Blut ist sehr hoch infektiös, Sperma deutlich weniger, Vaginalsekret enthält wiederum deutlich weniger Viren, kann durch Menstruationsblut aber auch sehr infektiös werden. Durch Speichel oder Schweiß kann HIV nicht übertragen werden! Dafür reicht die Virusmenge nicht aus!!


    Zunächst: Eure eigene Verletzung muss offen sein. Wenn sie verkrustet oder verschorft ist, kann das Virus nicht eintreten. Wenn dagegen noch Flüssigkeit aus der Wunde kommt, hat das Virus eine (vielleicht nur hypothetische) Eintrittsmöglichkeit. Es hängt sehr viel von der Virusmenge ab, die übertragen wird, ob es zu einer Infektion kommt. Speichel auf einer offenen Wunde ist unbedenklich. Vaginalsekret auf einer leicht nässenden Schürfwunde ist wenig bedenklich, der direkte Blut-zu-Blut-Kontakt (z.B. bei einer Schlägerei) dagegen sehr gefährlich. Hierbei eine individuelle Risikoabschätzung vorzunehmen, ist äußerst schwierig. In solchen Fällen hilft wirklich nur der Test (dazu später mehr).


    EINE GANZE REIHE HÄUFIG GESTELLTER FRAGEN IN DIESEM ZUSAMMENHANG FINDET MAN BEI DER AIDS-HILFE SALZBURG UNTER -> FAQ’s -> HIV


    Gelegentlich wird auch davon berichtet, dass Spritzen herumliegen bzw. dort postiert werden, wo man mit der Hand hineingreift (Fahrkartenautomaten und dergl.).


    Wenn die Spritze herumliegt, kommt das Virus auf der Außenseite der Spritze in Kontakt mit Luft, welches das Virus inaktiviert und damit unschädlich macht. Die Außenseite der Spritze (Nadel) ist also im Grundsatz ungefährlich. Dagegen kann das Virus im Blut innerhalb der Spritze unter Luft- bzw. Sauerstoffabschluss längere Zeit aktiv bleiben. Gefährlich wird es daher, wenn Flüssigkeit aus dem inneren der Spritze in Blutbahn/Kreislauf gelangt. Dabei ist wiederum entscheidend, welche Menge an Viren in den Kreislauf gelangt und wie lange die Spritze schon herumgelegen hat. Genaue Informationen sind dazu in der Gemeinsamen Empfehlung der deutschen AIDS-Gesellschaft und der österreichischen AIDS-Gesellschaft zu entnehmen. Dort sind auch individuelle Risiko-Multiplikatoren für verschiedene mögliche Fälle beschrieben.


    Für euch wichtig: Auf Grundlage dieser Einschätzungen sagt das Robert-Koch-Institut: "Eine Stichverletzung an einer herumliegenden Injektionsnadel (z.B. bei spielenden Kindern) ist in der Regel keine Indikation zu einer medikamentösen HIV-PEP." Daher KEINE PEP empfehlen.


    Das Infektionsrisiko ist relativ gering. (Quelle siehe unten)


    Für weitere Infos lest bitte die Empfehlung der deutschen und österreichischen AIDS-Gesellschaft, dort Punkt 2.3 (berufliche HIV- Exposition HIV-> Infektionsrisiko)

    3. Weitere Zahlen

    In Sachen HIV ist das Robert-Koch-Institut (im weiteren kurz "RKI") genannt die Adresse Nummer eins in Deutschland, da gemäß Infektionsschutzgesetz jede HIV-Infizierung nicht namentlich ans RKI gemeldet muss. In den halbjährlichen Berichten des RKI wird die HIV/AIDS-Ausbreitung in Deutschland erfasst.


    WICHTIG: Hierbei unterscheidet das RKI in AIDS-Fälle (wo die Krankheit schon zum Ausbruch kam) und HIV-Diagnosen. Auch wenn es auf den ersten Blick schwer fällt, hier ist genaues lesen beim RKI wichtig!


    Wenn die folgenden Zahlen etwas diskriminierend anmuten, so sind sie doch Tatsachen (Quelle: RKI). Von den knapp 1800 HIV-Erstdiagnosen im Jahre 2004 entfielen (Zahlen gerundet):


    - 47 % auf Männer, die Sex mit Männern hatten


    - 6 % auf Personen in Verbindung mit Drogengebrauch


    - 16 % auf Personen aus Hoch-Prävalenz-Gebieten (über 1% der Bevölkerung haben HIV)


    - 13 % auf heterosexuelle Kontakte


    - 18 % Infektion unbekannter Herkunft


    Da die meisten, die hier im Forum sind, HIV-Panik wegen eines Hetero-Kontaktes haben, sei explizit gesagt: Es wurden im Jahre 2004 in Deutschland lediglich 228 HIV-Erstdiagnosen auf dem Hetero-Wege offiziell bekannt, nimmt man die Zahl der unbekannten Herkunft anteilig mit dazu, wären es ca. 250 bekannte HIV-Erstdiagnosen auf dem Hetero-Wege.


    Zum Vergleich: Jedes Jahr sterben in Deutschland 8.000 Menschen im Straßenverkehr, über 10.000 an den Folgen einer Grippe. Von den Krebs-Opfern sprechen wir gar nicht erst.


    HIV/AIDS ist in Deutschland sehr unterschiedlich verbreitet. Es findet sich ein starkes Stadt-Land-Gefälle und ein starkes West-Ost-Gefälle. Dies kann diejenigen beruhigen, die in Gegenden mit einer geringen HIV-Rate leben. Auch ist die Verbreitung in den verschiedenen Altersgruppen sehr unterschiedlich.


    Genaue Zahlen dazu bietet der halbjährliche Bericht des Robert-Koch-Instituts. (Genau lesen, ob es sich um HIV-Diagnosen oder AIDS-Fälle handelt!)


    Falls euer Risiko-Kontakt im Ausland war, solltet ihr euch auch über die HIV-Ausbreitung in dem jeweiligen Land informieren: Eine gute Adresse hierfür ist http://cia.gov/cia/publications/factbook/index.html

    4. Beruhige dich! Mache eine objektive Risikoeinschätzung

    Nehmt, soweit möglich, mit den Risiko-Partner wieder Kontakt auf. Wenn der Partner negativ ist, dann besteht sowieso kein Risiko für euch. Allerdings solltet ihr auch bedenken, für wie vertrauensvoll ihr die betreffende Person haltet. Wenn er/sie z.B. fremdgegangen ist und ihr das erst später von jemand anderem erfahren habt, ist die Glaubwürdigkeit sehr in Frage gestellt.


    Falls ihr das nicht könnt, macht in Kenntnis von Ausbreitung und Infektionsrisiko eine objektive Risikoabschätzung. Hierbei ist zunächst wichtig, dass HIV jeden treffen kann, de facto bisher aber die so genannten "Risiko-Gruppen" zum überwiegenden Teil betroffen sind.


    Versucht für euch heraus zu bekommen, wie wahrscheinlich es ist, dass ihr an jemanden gekommen seid, der wirklich HIVpositiv ist. Hierbei ist die Art des Kontaktes sehr wichtig.


    Dann bedenkt das jeweilige Übertragungsrisiko. Bei einem einmaligen Ausrutscher liegt euer Gesamt-Risiko höchstwahrscheinlich im beruhigenden Bereich von 1:1000 oder noch weniger.


    Wenn ihr das für euch spezifische Risiko ermittelt habt, dann bedenkt, dass es nur EINEN unter den vielleicht mehreren hunderten/tausenden/hunderttausenden/... treffen wird. Und wenn ihr doch eine Erkrankung habt, überlegt euch, an wieviel Tagen im Jahr ihr eine Erkältung oder Schnupfen habt. Diese Wahrscheinlichkeit ist normalerweise deutlich höher. Das sollte euch beruhigen, dass keine akute Anfangsphase vorliegt. Und damit bin ich auch schon beim nächsten Thema...

    5. Verlauf von HIV, insbesondere akute Anfangsphase

    Ich nehme an, ihr habt schon mehr als genug über den Verlauf von HIV gelesen. Falls nicht, will ich doch nochmal kurz einen Abriss machen.


    Das HI-Virus vermehrt sich kurz nach der Infektion zunächst stark und es werden Antikörper gebildet. In der Mehrzahl der Fälle kommt es kurz nach der Infektion zu einer akuten Anfangsphase. Es werden in den verschiedensten Quellen Zahlen zwischen 50% und 90 % genannt. Die großen Schwankungen resultieren aus der Dunkelziffer, dass die akute Anfangsphase als solche verkannt wird bzw. die betreffenden Personen nicht zum Arzt gehen.


    Laut dem HIV-Merkblatt für Ärzte des RKI (Quelle siehe unten), ist die akute Anfangsphase zwischen 6 Tagen und 6 Wochen nach der Infektion. Die akute Anfangsphase dauert -wenn sie auftritt- in den allermeisten Fällen etwa 1-2 Wochen!!


    Daraus folgen 2 Dinge:


    1. Wenn jemand 2 Stunden nach dem Risiko-Kontakt Halskratzen/Übelkeit/Magendrücken/usw. hat, ist das kein Symptom einer akuten Anfangsphase. Das gleiche gilt, wenn jemand nach 3 Tagen Durchfall bekommt. Genauso wenig ist eine Lymphknotenschwellung 9 Wochen nach dem Risikokontakt ein Indiz für eine akute Anfangsphase.


    2. Ein vermeintliches Symptom, was am nächsten Tage verschwunden ist, stellt kein Symptom für eine akute Anfangsphase dar.


    Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keine spezifischen Symptome für eine akute Anfangsphase gibt. Das kann man nicht oft genug sagen. Die akute Anfangsphase äußert sich bei jedem anders, und ein erheblicher Teil hat überhaupt keine akute Anfangsphase.**


    Hier im Forum habe ich bisher von 5 akuten Anfangsphasen mitbekommen. Aus Rücksicht auf die Betroffenen nenne ich keine Namen, sondern schildere nur die Symptome:


    Fall 1: Hautausschlag am ganzen Rumpf, Schwellung der Lymphknoten


    Fall 2: Kopfschmerzen, Fieber, Schwindel, Halsschmerzen, dicke Lymphknoten, Schmerzen im Allgemeinen


    Fall 3: Ausschlag, Anschwellen der Lymphknoten im Nacken und am Hinterkopf, (schmerzhaft), kein Fieber (jedenfalls wurde es nicht bemerkt), Ausschlag auf ganzem Körper juckt und brennt nicht (ähnlich Windpocken- oder Rötelflecken).


    Fall 4: dicke Angina, aber kein Fieber (ob weitere Symptome ist nicht bekannt)


    Fall 5: 14 Tage über 39 Grad Fieber, (ob weitere Symptome ist nicht bekannt)


    ALLE HATTEN NUR EINES GEMEINSAM: SIE WAREN RICHTIG KRANK UND SIND DESWEGEN ZUM ARZT GEGANGEN!


    Daraus folgt: Achtet nicht auf Fieber, Hautausschlag, Halsschmerzen oder sonst was, sondern achtet auf euer Allgemeinbefinden! Lenkt euch ab, und wenn ihr euch dann noch schlecht fühlt, KANN es VIELLEICHT HIV sein, muss aber nicht.


    Es gibt hier im Forum genug Geschichten, wo eine Erkältung für eine akute Anfangsphase gehalten wurde. Deswegen versetzt euch nicht selbst in unnötige Panik. Das kann man nicht oft genug wiederholen.


    Es gibt eine Statistik, wie häufig welche Symptome in der akuten Anfangsphase auftreten. Diese findet ihr im "http://HIV.net 2005" Buch unter dem Kapitel "die akute Anfangsphase". Und denkt daran, es treten fast immer mehrere Symptome zugleich auf.


    Doch macht euch bitte klar, dass nicht alle die akute Anfangsphase haben und die bei jedem anders ausfällt.


    Während der akuten Anfangsphase ist die Viruslast deutlich höher als im weiteren Verlauf der Krankheit. Das bedeutet, dass bei Kontakt mit den infektiösen Körperflüssigkeiten ein höheres Übertragungsrisiko als in Fällen mit normaler Viruslast besteht. Dennoch bleibt es dabei: Safer-Sex birgt auch im Falle der akuten Anfangsphase des Partners kein Risiko.


    Zum weiteren Verlauf von HIV/AIDS findet ihr detaillierte Informationen im Buch "HIV-net 2005" (Webadresse siehe unten).

    6. Verhalten während der Wartezeit

    Während der Wartezeit bis zum Test, die etliche Wochen dauern kann, gebe ich euch folgende Tipps, um euch vor vermeintlichen Symptomen zu schützen und weitere Panik zu vermeiden:


    - AB JETZT FINGER WEG VOM INTERNET. GLAUBT NICHT ALLES, WAS IHR LEST! Teilweise werden Horror-Szenarien aufgebaut.


    - Passt auf, dass ihr euch keine Erkältung einfangt!


    - Keine Trink-Abende, denn der Nachdurst/Kater kann einen wahnsinnig machen.


    - Keine Experimente beim Essen, denn Durchfall könnt ihr nicht gebrauchen. Es gibt auch so genug Lebensmittel, auf die ihr allergische oder allergieähnliche Reaktionen zeigt. Diese solltet ihr kennen. Und falls ihr doch mal Hautausschlag auf der Brust oder den Armen habt, versucht euch zu erinnern, mit welchen Stoffen ihr in Berührung gekommen seid und macht später nochmal einen Test, ob ihr wieder Ausschlag bei diesen Lebensmitteln bekommt.


    - Vorsicht mit Kaffee und ähnlichem. Wie der wirkt, weiß wohl jeder. Es ist nicht gut, wenn man feststellt, dass nach 3 Tassen starkem Kaffee der Hals trocken wird, der Puls auf 120 hoch geht und die Körpertemperatur grundlos auf 37,5 Grad steigt (so wie bei mir)....


    - Keine Panik bei Hitzeschüben oder kleinen Pickeln. Das passiert auch gesunden Menschen ab und zu.


    Seid euch im klaren darüber, dass ihr auf euren Körper viel sensibler achtet als vorher. Viele vermeintliche Symptome sind allein auf den körperlichen Stress in Zusammenhang mit der Panik zurückzuführen.


    Wichtig ist auch der psychologische Aspekt. Ihr werdet in den nächsten Wochen sehr viel mehr Kondom-Werbung sehen und sehr viel öfter die Worte HIV/AIDS hören. Das sind keine bösen Zeichen "von oben" für eure Dummheit, sondern zeigt nur, dass ihr viel sensibler seid als bis vor kurzem. Also: KEINE PANIK!! Das ist alles nichts ungewöhnliches.


    Die akute Anfangsphase geht über mindestens eine Woche. Macht euch erst Gedanken, wenn ein vermeintliches "Symptom" nach 2 oder 3 Tagen noch nicht verschwunden ist und ihr dafür keine Erklärung habt. Und auch dann ist das Risiko, sich eine Erkältung eingefangen zu haben, deutlich höher, als dass es sich um eine akute Anfangsphase handelt.


    Beruhigt euch im Falle der Panik-Attacken immer mit den Wahrscheinlichkeiten, denn die stehen in den allermeisten Fällen mehr als nur günstig. Das Schlimmste ist wirklich eure eigene Panik. Wenn ihr euch ablenkt und es euch dabei wieder gut geht, ist das ein deutliches Indiz dafür, dass alles nur auf eure Panik zurückzuführen ist.


    Hier im Forum gibt es genügend Beispiele, wo die Panik unbegründet war:


    Statt vieler nur 4 aus dem letzten Monat, bevor ich diesen Leitfaden geschrieben habe:


    Wohlgemerkt wurde in dieser Zeit NIEMAND positiv getestet.


    http://www.med1.de/Forum/HIV/179477/


    http://www.med1.de/Forum/HIV/179561/


    http://www.med1.de/Forum/HIV/177134/


    http://www.med1.de/Forum/HIV/174193/


    Und da, wo noch Zweifel bestehen:


    http://www.med1.de/Forum/HIV/180285/


    Ich kann aus meiner Erfahrung berichten, dass ich genau 2x eine Woche lang Durchfall hatte, an Hitzeschüben und dergleichen litt usw. Die erste Woche war die, in der ich auf die Idee gekommen bin, dass ich mich mit HIV infiziert haben könnte. Die zweite Woche war die, als ich auf mein Testergebnis wartete. Soviel zur Macht der eigenen Psyche.... Apropos Test... Da bin ich schon beim letzten Kapitel.

    7. Test, Ergebnis und Kosten

    Es gibt 2 verschiedene Testarten, den direkten Virustest (PCR-Test) und den Antikörpertest. Wie die genau funktionieren, steht beschrieben im Buch "HIV.net 2005" Kapitel "Test". Auch in der "FAQ" steht dazu sehr viel.


    Folgendes Grundwissen ist notwendig:


    Der direkte Virustest ist nach 3 Wochen schon sicher, liefert aber in einigen Fällen falsch-positive Ergebnisse. Dass heißt, man wird positiv getestet und ist es nicht, weil der Test auf etwas anderes angesprochen hat. Was das für Auswirkungen auf die persönliche Psyche hat, mag sich jeder vorstellen. Der Virustest kostet etwa knapp 100,- €.


    Der Antikörpertest ist offiziell erst nach 12 Wochen sicher, liefert aber bereits nach 6 oder 7 Wochen schon aussagekräftige Ergebnisse (Genauigkeit über 80 %). Man kann somit schon in dringenden Fällen der Panik nach 8 Wochen (da über 90% Sicherheit) einen Antikörpertest machen, sollte sich aber UNBEDINGT durch einen zusätzlichen Test nach 12 Wochen absichern. Test kostet maximal etwa 30 €, beim Gesundheitsamt ist er zumeist kostenlos.


    Habt ihr nach eurem Risikokontakt eine PEP erhalten oder wird euer Immunsystem durch eine Chemotherapie oder nach einer Organtransplantation künstlich durch Medikamente unterdrückt, so gelten die 12 Wochen nicht. Es ist dann möglich, dass euer Immunsystem zu sehr geschwächt ist, um Antikörper zu bilden, das wird euch aber sowohl der Arzt, bei dem ihr dann zwangsläufig in Behandlung seid, als auch der Arzt, bei dem ihr den Test macht, genauer erklären können.


    Die Tests werden durchgeführt beim:


    - Gesundheitsamt (anonym, Befund hat man aber erst nach etwa einer Woche)


    - Hausarzt, Frauenarzt und anderen praktizierende Ärzten (nicht anonym, Ergebnis im Normalfall nach 3-5 Werktagen)


    - Laborarzt (gibt’s in jeder größeren Stadt, Ergebnis normalerweise am nächsten Tag) Allerdings lehnen es einige Labor-Ärzte ab, dass man direkt bei ihnen einen Test machen lässt. So erging es mir, ich sollte meinen Test über einen normalen Arzt einreichen lassen...


    Wichtig in diesem Zusammenhang: Ein normaler Bluttest ersetzt keinen HIV-Test! Bereits am Anfang der Infektion kann sich das Blutbild verändern, muss es allerdings nicht. Solche Veränderungen sind also nicht verlässlich. Im Übrigen kann sich die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) auch bei anderen Infektionen verändern. Daher ist ein Bluttest in Bezug auf HIV nicht aussagekräftig, man sollte immer einen HIV-Test machen!

    8. Schlußworte

    Nochmal: Der Test ist, wenn er nach der Wartezeit sichere Ergebnisse liefern kann, bei Risikokontakten für euch Pflicht. Alles andere wäre unverantwortlich gegenüber euren Mitmenschen.


    Manchmal werdet ihr in älteren Beiträgen auch die Empfehlung zum Test finden, obwohl viele Antworten darauf hinweisen, dass gar kein wirkliches Risiko vorlag. Das liegt daran, dass ein Test helfen kann, mit der ganzen Geschichte abzuschließen. Ihr bestätigt damit, was ihr ohnehin wisst und könnt einfach alles vergessen und euer Leben völlig unbeschwert weiterleben. Es ist natürlich wenig sinnvoll, andauernd zum Test zu rennen, aber wenn wirklich mal ein Missgeschick passiert ist und man die blöden Gedanken nicht aus dem Kopf bekommt, sind es die 30 € wirklich wert, danach wieder fröhlich sein zu können.


    Wenn euch das Missgeschick innerhalb einer Partnerschaft passiert ist, steht ihr natürlich vor dem großen Problem, dass ihr nur sehr schwer euren Partner schützen und gleichzeitig die Sache geheim halten könnt. Niemand kann euch da durchhelfen, das müsst ihr alleine schaffen, verliert dabei aber nie die Gesundheit eures Partners aus den Augen, die zu bewahren muss oberstes Ziel bleiben!


    Es gibt in diesem Forum genügend Fälle, wo die Partnerschaft den Ausrutscher überlebt hat.


    Ich habe die Ausführungen nach meinem besten Wissen verfasst und mich, soweit immer möglich, auf weiterführende Quellen gestützt, damit ihr seht, dass ich mir das alles nicht aus den Fingern sauge. ;-)


    Bei der Erarbeitung dieses Leitfadens wurde ich unterstützt durch Philipp H..


    Die Rohfassung wurde von Isildur, m a r v i n und 1Oberkrainer für gut befunden und durch einige zusätzliche Ideen prima ergänzt.


    Wenn ihr jetzt noch Fragen habt oder euch Panik-Attacken überkommen, dann eröffnet bitte eine neue Diskussion und es findet sich bestimmt jemand, der euch hilft. Schreibt bitte nicht hier weiter, denn dies ist als Basis-Information gedacht und soll nicht Diskussionsgrundlage werden.

    9. Web-Adressen:

    Robert-Koch-Institut


    Ressourcen des RKI zum Thema HIV und Aids


    Aidshilfe Schweiz: Wie eine HIV-Übertragung möglich/nicht möglich ist


    Aidshilfe Salzburg


    Leitlinien und Empfehlungen zu HIV-Postexpositionsprophylaxe (PEP)


    RKI-Ratgeber für Ärzte (März 2011)

    12. Nachtrag regionale/lokale HIV-Ausbreitung in Deutschland

    Schönen Dank an m a r v i n für den folgenden Link:


    http://www3.rki.de/SurvStat


    Aufgrund der (nicht namentlichen) Meldung ans RKI kann die Zahl der HIV-Fälle (!) nach Geschlecht und Alter für jede größere Stadt und jeden Regierungsbezirk ermittelt werden. Ist etwas aussagekräftiger als die Halbjahresberichte des RKI, da diese zumeist von AIDS-Erkrankungen sprechen.

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    Nachtrag zu Testverfahren

    Schönen Dank an marx für die ausführliche Info zu den Testverfahren:


    http://www.med1.de/Forum/HIV/211062/


    Allerdings kann ich die Meinung/Empfehlung zum PCR nicht so ganz teilen, denn auch wenn ein hypothetischer Risiko-Kontakt vorliegt, so ist das Gesamtrisiko, dass


    - man ein eine/n HIVpositive/n geraten ist


    - und dieser HIV durch Geschlechtsverkehr übertragen hat


    nach meiner Ansicht geringer als das Risiko eines falschpositiven Ergebnisses, auch wenn undefinierbare Krankheitssymptome vorliegen.


    Mit anderen Worten: Wenn man Zweifel hat, ob der andere überhaupt positiv ist und es nur einen einmaligen Risiko-Kontakt gab, kann das Risiko eines falschpositiven Ergebnisses deutlich höher sein als das eigene HIV-Risiko.

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    Trauriger Nachtrag

    Es gab leider wieder einen HIV-Fall im Forum.


    Aus Rücksicht auf den Betroffenen nenne ich wie bisher keinen Namen, doch ich wünsche ihm von dieser Stelle aus alles erdenklich Gute, vor allem, dass er den Rückhalt bekommt, den er verdient und den er notwendig hat. Ich persönlich finde es sehr schön, dass er den Lebensmut nicht verloren hat und nach vorne blickt.


    Da es bei der Infektion eine akute Anfangsphase gab, fasse ich (speziell für den Leitfaden) kurz den Verlauf zusammen:


    - 8 Tage nach der Infektion: Beginn der Symptome (nachts fröstel-schwitz-Ausbrüche, leichtes Fieber, Kopf-und Gliederschmerzen und die üblichen grippalen Beschwerden)


    - 10-12 Tage nach der Infektion: Fieber mit 40 Grad, dazu Übelkeit und Erbrechen


    - danach leichte Besserung für kurze Zeit


    - 15 Tage nach Infektion: Hautausschlag am Oberkörper und im Gesicht, erstmalig Halsschmerzen, Geschmachs-und Geruchssinn verändert


    - am 17. Tag nach Infektion: Bestätigung HIVpositiv (Blutabnahme 10 Tage nach Infektion - PCR ergab 75.000 Kopien pro ml Blut)


    - 3 Wochen nach Infektion: Abgeschlagenheit, Durchfall,...


    - ...


    Doch ich kann nur davor warnen, sich diesen Fall als Muster einer akuten Anfangsphase vorzustellen. In den anderen 5 oben beschriebenen akuten Anfangsphasen waren die Symptome anders.


    Es gilt nachwievor, dass ein erheblicher Teil der Infizierten keine eindeutigen Symptome einer akuten Anfangsphase - wenn sie denn auftritt - hat.


    Personen mit einem frischen tatsächlichen Infektionsereignis (nicht Infektionsrisiko!) machen höchstens 10% der positiv Getesteten aus. Daraus folgt, dass über 90 % der HIV-Infizierten erst viel später von ihrer Infektion erfahren, unter anderem weil es keine spezifischen Symptome einer akuten Anfangsphase gibt bzw. die akute Anfangsphase in einem erheblichen Teil der Infektion gar nicht auftritt.


    Nochmals Alles Gute und die besten Wünsche für den Betroffenen. Ich hoffe, er nimmt es mir nicht übel, dass ich seinen Krankheitsverlauf hier dokumentiere.