HIV: Mangelnde Aufklärung und falsche Denkmuster

    Ich erhielt Anfang Februar mein Testergebnis, worüber ich auch hier im Forum geschrieben habe. Seitdem gehe ich damit recht offen um - bin bereits in Therapie und meine Viruslast steuert geradewegs auf die Nachweisgrenze zu. 'Nachweisgrenze? Was ist das?' - das ist eine Frage, die ich seither auch oft höre. Doch diese Frage ist noch harmlos. Die Frage, die mich am meisten schockierte von einer nur wenige Jahre jüngere Person (ich bin 25) war: "Musst du sterben?"


    Ebenso führte ich eine hitzige Diskussion mit jemandem in meinem Alter, der meinte, dass man bei einer HIV Infektion sterben würde, bzw. diese Person nannte es automatisch AIDS. Ich habe mehrere Augenblicke erlebt, wo man die Personen erst einmal aufklären musste, dass HIV heutzutage eben NICHT mehr Tod bedeutet. Dass man bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme gesunde Kinder zeugen kann und das Risiko einer Ansteckung weiterer gen 0 geht. Ich habe viel Zeit und Erklärungen geliefert, die den Personen mir gegenüber viele Gedanken auftrugen. Denn plötzlich merkte Ich und auch die Personen selbst, wie schlecht die Aufklärung in Schulen und generell zu diesem Thema geleistet wird.


    Wenn ich manchmal hier ins Forum reinschaue, was die Leute für Angst haben ... klar, die Angst ist auch gut und man sollte wohl nie leichtfertig damit umgehen, dass HIV eben einer chronischen Krankheit gleicht bei Therapie... aber diese große PANIK, die viele Personen vor einer Infektion haben... Sie ist doch irgendwie inzwischen unberechtigt, oder? Diese Panik kann man eben nur durch korrekte Aufklärung leisten - zeitgemäße Aufklärung ... die eben nicht geleistet wird.


    Haben andere hier vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht?


    Geht es hier noch weiteren Personen so?

  • 13 Antworten

    Nein. Es wird niemals auf hören! Ich an deiner Stelle würde nicht damit so "offen" umgehen. Behalte es für Dich. Die Aids Kampagnen sind einfach lächerlich. Mein Statement diesbezüglich.


    Lass das Aufklären, dass ist bestimmt mit der Zeit sehr mühsam und wird dich verärgern.


    Für das Aufklären sind die Schulen und das Gesundheitsamt zuständig.


    Wie ist es zur Infektion gekommen? Hat man Dich nicht vorher aufgeklärt?

    Zitat

    . aber diese große PANIK, die viele Personen vor einer Infektion haben... Sie ist doch irgendwie inzwischen unberechtigt, oder? Diese Panik kann man eben nur durch korrekte Aufklärung leisten - zeitgemäße Aufklärung

    Die Panik, die viele Leute vor einer Infektion haben, hat nicht immer den gleichen Hintergrund.


    Nicht wenige Menschen, die eine riesige Angst vor einer Ansteckung haben, leiden an einer Angststörung.


    Das bedeutet, sie brauchen ein Objekt, an dem sich ihre Angst festsetzen kann.


    Angst vor HIV-Ansteckung bzw. AIDS ist eben nur eines der sehr vielen Möglichkeiten zu erkranken.


    Wäre die Aufklärung über HIV optimal, dann würden sich diese Menschen eine andere Ansteckungsgefahr oder andere Krankheiten aussuchen.


    Und AIDS ist trotz der deutlich verbesserten Therapie immerhin nicht gerade eine Kleinigkeit, d.h. sie bietet für Menschen, die an einer Angststörung leiden, immer noch genug "Stoff".


    Übrigens, die Aufklärung über Hepatitis B ist noch weitaus schlechter als die über AIDS bzw. HIV.


    Und Hepatitis B, ist noch viel weiter verbreitet und auch anders als etwa HIV ist das Virus extrem ansteckend und überlebt mitunter Jahre in der Umwelt und es genügen manchmal nur wenige Viren, um eine Infektion auszulösen.


    Und Hepatitis B ist nur ein Beispiel, es gibt noch viele andere.


    Es gibt bloß kaum Aufklärung über Risiken. Nur hier und da wird etwas aufgegriffen, dann verschwindet es wieder aus dem Blick der Öffentlichkeit.


    Viele Leute wollen auch gar nicht aufgeklärt werden.

  • Anzeige
    Zitat

    Für das Aufklären sind die Schulen und das Gesundheitsamt zuständig.

    Jaja, und genau deswegen hat sich mein Sohn auch plötzlich vor seinem eigenen Blut gefürchtet nachdem das in der Schule durchgenommen wurde....Hurra! ]:D


    Vergesst das - wer sich nicht selber informiert stirbt blöde!

    Zitat

    Nein. Es wird niemals auf hören! Ich an deiner Stelle würde nicht damit so "offen" umgehen. Behalte es für Dich.

    Warum? In meinem Bekanntenkreis geh ich damit offen um. Bei bestimmten Personen, sowie meiner Arbeitsstelle behalte ich es für mich. Aber ich habe keinen Bedarf es vor jeder Person, zu der ich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut habe oder aufbauen werde, diesen Fakt zu verschweigen.

    Zitat

    Wie ist es zur Infektion gekommen? Hat man Dich nicht vorher aufgeklärt?

    Ich war sehr gut aufgeklärt, habe diverse Bekannte, die bereits eine Infektion hatten und durch die ich auch sehr nah mit dem Thema befasst war.

    Ist mit Vorsicht zu geniessen.


    Behalte es für Dich. Muss Niemand wissen und du wirst auch nicht enttäuscht werden.


    Die meisten Menschen machen nun Mal einen Rückzieher.


    Auch dann nicht wenn du gut eingestellt wärst.

  • Anzeige

    intensoCGN


    Also erst mal: Ich finde Deine Art mit Deiner Infektion umzugehen :)^ . Trotzdem Du sicher nicht begeistert bist, gehst Du dennoch unaufgeregt daran, akzeptierst es und machst das Beste daraus. Ich kenne Deinen anderen Faden. Und auch das was ich hier jetzt lese finde ich eine klasse Einstellung dazu.


    *Hut ab*.


    Nun auch zusätzlich noch an Payback01:


    Ich erinnere mich gerade an einen Bekannten den ich ca. 1995 kennengelernt habe. Er war Einer von Denjenigen, die sich als Bluter Ende der 80er bei einer Bluttransfusion angesteckt hatten, da damals das Blut noch nicht auf HIV getestet wurde. Er ist leider dann auch Ende der 90er noch an Aids gestorben. :)-


    Worauf ich aber hinaus will: Ich selbst war damals, wie gesagt Mitter der 90er, selbst in den 20igern, aufgeklärt genug um die Ansteckungsrisiken zu kennen - sie waren damals schon bekannt und haben sich eigentlich seit dem nur unwesentlich konkretisiert. Somit hatte ich auch keinerlei Berührungsängste. Sicher, ich hätte nicht mit ihm (vor allem nicht ungeschützt) geschlafen - dazu war dann doch die Hemmschwelle noch zu groß. Aber normaler Kontakt? Warum nicht? Ich habe sogar mal demonstrativ aus seinem Colaglas getrunken, da er sehr offen mit seiner Infektion umging und irgend Einer (in unserer damaligen Stammkneipe) meinte er müsse einen blöden Spruch mir gegenüber ablassen.


    Zwei meiner engsten Freunde sind positiv, zwar mit der Virenlast unter der Nachweisgrenze (also nicht ansteckend) - aber selbst wenn sie es wären, würde ich sie weiterhin jederzeit zu mir einladen, würde sie weiterhin zur Begrüssung/Verabschiedung umarmen etc..


    Lange Rede kurzer Sinn:


    Ich weiß durchaus, dass es noch immer Menschen gibt, die diesbezüglich nicht aufgeklärt genug sind, aber das hier:

    Zitat

    Die meisten Menschen machen nun Mal einen Rückzieher.

    bestreite ich dann doch.


    Manche Menschen machen "Rückzieher" wenn sie einem Klischee folgen welches ihnen Angst macht. Aus den unterschiedlichsten Gründen - ich kenne sogar Menschen die vor Krebserkrankten Angst haben, weil sie nicht sicher sind ob das nicht doch ansteckend ist.... :-/


    Deswegen stimme ich hier auch Yukumus Beitrag zu, vor allem dem hier:

    Zitat

    Nicht wenige Menschen, die eine riesige Angst vor einer Ansteckung haben, leiden an einer Angststörung.


    Das bedeutet, sie brauchen ein Objekt, an dem sich ihre Angst festsetzen kann.

    Ja, die Aufklärung ist auch aus meiner Sicht mangelhaft, nur in die andere Richtung. Jedem 14-jährigem Mädchen verschreiben die Gyn die Pille - die Schwangerschaft ist offensichtlich das größte Übel.


    Und ja, an AIDS muss heute niemand sterben. Nur ich würde das trotzdem nicht verharmlosen. Denn eine lebenslange Einnahme von ziemlich toxischen Medikamenten ist leider auch nicht ohne. Ich bin unheimlich dankbar dem Fortschritt, dass die Medis mittlerweile besser geworden sind. Meine Schwester kann im Moment ganz gut damit fahren.

    Dreams

    Zitat

    Ja, die Aufklärung ist auch aus meiner Sicht mangelhaft, nur in die andere Richtung. Jedem 14-jährigem Mädchen verschreiben die Gyn die Pille

    Ich glaube schon, dass (die Meisten) Gyns Frauen (junge Frauen) über Geschlechtskrankheiten aufklären - aber sie können nun mal auch nicht einfach die Pille verweigern.


    Es gibt auch noch eine Eigenverantwortung, es reicht nicht zu sagen "es wird nicht genug aufgeklärt".


    Das heißt: Wenn man von irgendeinem Risiko erfährt (das gilt auch für andere Bereiche), dann liegt es zusätzlich an Einem selbst sich genauer zu informieren. Oder eben die Aufklärung die man erhält (Schule, Arzt etc.) nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.


    Deswegen:


    intensoCGN schreibt:

    Zitat

    Diese Panik kann man eben nur durch korrekte Aufklärung leisten - zeitgemäße Aufklärung ... die eben nicht geleistet wird.

    Auch wenn ich seinen Beitrag weiterhin sehr gut finde, so ist hier die Verantwortung nicht alleine den "Aufklärern" zuzuschreiben.


    Das gilt natürlich auch für diese Menschen:


    intensoCGN schreibt:

    Zitat

    Ebenso führte ich eine hitzige Diskussion mit jemandem in meinem Alter, der meinte, dass man bei einer HIV Infektion sterben würde, bzw. diese Person nannte es automatisch AIDS. Ich habe mehrere Augenblicke erlebt, wo man die Personen erst einmal aufklären musste, dass HIV heutzutage eben NICHT mehr Tod bedeutet.

    Es stimmt, diese sind nicht genug aufgeklärt - aber an wem liegt es denn wirklich? Die Möglichkeiten sich aufzuklären sind da und solange das so ist, kann man den "Aufklärern" nicht die alleinige Verantwortung geben.

  • Anzeige
    Zitat

    Manche Menschen machen "Rückzieher" wenn sie einem Klischee folgen welches ihnen Angst macht.

    Japp. Und solche Leute finde ich sehr, sehr verzichtbar. Ist doch ein guter Sortiermechanismus. Ich habe damals mit der postpartalen Depression ("Nein, ich finde es NICHT schön, ein Baby zu haben!") meinen Bekanntenkreis gründlich durchsortiert (alle Freunde sind geblieben, die entfernteren Bekanntschaften haben sich gut sortiert), das ist wie Frühjahrsputz.

    Ich lese gerade wieder hier so viele zahlreiche Einträge, in denen die Leute eine schiere Panik vor einer Infektion haben ... es bestätigt sich wieder das, was ich hier schon einmal angesprochen habe: Die Leute sind mangelhaft aufgeklärt und denken, dass sie sterben müssen, wenn sie sich HIV holen ...


    Klar, sollte man das Thema nicht schön reden oder verharmlosen, aber es ist schlichtweg kein Todesurteil mehr ... dieser Irrglaube ist einfach ... Ich rede mich hier in Rage, wenn ich weiterschreibe.

  • Anzeige

    HIV und ALS Angst scheinen Mode hier zu sein.


    Scheinbar wurde in der Schule nicht über HIV aufgeklärt. Es ist nicht mal besonders ansteckend und ist gut behandelbar. Lebenserwartung mit Behandlung - normal. Ich kenne Leute, die seit die 80er Jahre HIV haben.

    intensoCGN schrieb:

    Ich rede mich hier in Rage, wenn ich weiterschreibe.

    Lass es .. das hat überhaupt keinen Sinn. Du wirst nur gesperrt oder rausgeschmissen.


    Die Leute wollen panisch sein und Angst haben .. bitte, sollen sie. Niklas grade ist ein gutes Beispiel, er hört gar nicht zu, liest nicht dass,was geschrieben wird, nichtmal dann, wenn es ein Moderator schreibt.


    Da kannst Du noch so viel Aufklärung leisten, das ist vergebene Liebesmüh.