Risikoabschätzung und Frage zum Testverfahren

    Hallo an alle,


    vorab: ich habe den Leitfaden genau gelesen, dennoch habe ich ein paar Fragen und würde gerne um Eure Einschätzung bitten.


    Ich befinde mich gerade im Ausland und vor 15 Tagen hatte ich einen (Risiko)kontakt mit einem One-Night-Stand. Nach kurzzeitigem Vorspiel hat sich das Mädel einfach dreist auf mich draufgesetzt und meinen Pimmel ungefragt und ungeschützt in ihre Vagina manövriert. Was zur Hölle dachte ich mir, habe sie sofort fortgestoßen und zum Kondom gegriffen. Ich denke ich war nur bis zu einem Drittel, maximal bis zur Hälfte, eingedrungen, der Kontakt hat maximal 5 Sekunden gedauert.


    Ich weiß, mein Risiko ist gering. Und eigentlich war ich drauf und dran, die Situation tapfer durchzustehen, um nach 6 Wochen zum Test (Antikörper 4. Generation) zu gehen. Allerdings war ich schon heute bei der örtlichen Aids-Hilfe vom Roten-Kreuz und habe um ein Evaluationsgespräch gebeten.


    Die Beraterin meinte, 15 Tage wären ausreichend, um mit 95 prozentiger Sicherheit eine Infektion zu diagnostizieren. Ich entgegnete, dass es dafür meines Wissens 6 Wochen braucht, doch sie meinte, aufgrund moderner Technologie (Antikörpertest 4. Generation) sei schon nach 15 Tagen mit einem aussagekräftigen Ergebnis zu rechnen. Zur Sicherheit werde man meine Probe aber noch ins NAT-Verfahren schicken, um 99,9 prozentige Sicherheit zu erhalten.


    Das Ergebnis des ersten Tests hatte ich nach 90 Minuten: negativ. Jetzt muss ich 5 Tage warten. Sollte ich einen Anruf bekommen, dann habe ich Pech gehabt, bleibt dieser aus, dann sei ich gesund.


    Nun meine Fragen:


    1. Wie hoch schätzt Ihr generell mein Risiko ein? Ich weiß, es ist beinahe eine rhetorische Frage, aber in Zeiten der Ungewissheit freut man sich über jeden Zuspruch. ":/


    2. 95 prozentige Sicherheit nach 15 Tagen mit einem Antikörpertest 4. Generation? Das kann doch nicht sein, oder? Andererseits war es ein professionelles Gespräch und die Beraterin war mit Sicherheit geschult. Eigentlich muss ich mich auf diese Aussage verlassen können. Andererseits widerspricht das meiner Kenntnis.


    3. Überall liest man, dass HIV so schwer zu übertragen sei. Als Mann liege das Risiko sich bei einer infizierten Partnerin anzustecken bei bei 0,04 Prozent (https://www.cdc.gov/hiv/risk/estimates/riskbehaviors.html). Demnach könnte ich theoretisch mein ganzes Leben mit einer HIV-positiven Frau ungeschützt schlafen und müsste kaum ein Risiko befürchten. Aber wie kommt es dann doch zu so vielen Ansteckungen? Wenn ich mir die Zahlen so anschaue, dann würde ich intuitiv behaupten, dass ein Ansteckungsrisiko bei 5 Prozent liegt - und das wäre 125 mal höher.


    Viele Grüße und vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit! *:)

  • 6 Antworten
    Zitat

    1. Wie hoch schätzt Ihr generell mein Risiko ein?

    0,00000000001% @:)

    Zitat

    Demnach könnte ich theoretisch mein ganzes Leben mit einer HIV-positiven Frau ungeschützt schlafen und müsste kaum ein Risiko befürchten.

    Naja so würde ich das jetzt auch wieder nicht sagen ":/

    Zitat

    Wenn ich mir die Zahlen so anschaue, dann würde ich intuitiv behaupten, dass ein Ansteckungsrisiko bei 5 Prozent liegt

    Wie kommst du denn auf 5% Ansteckungsrisiko? ":/

    Zitat

    Demnach könnte ich theoretisch mein ganzes Leben mit einer HIV-positiven Frau ungeschützt schlafen und müsste kaum ein Risiko befürchten.

    Intuitiv: 0,04 Prozent ist einfach wahnsinnig unwahrscheinlich

    Zitat

    Wenn ich mir die Zahlen so anschaue, dann würde ich intuitiv behaupten, dass ein Ansteckungsrisiko bei 5 Prozent liegt

    Weiß ich auch nicht, intuitiv gedacht. 0,04 Prozent ist einfach so unglaublich gering und dennoch gibt es so viele Krankheitsfälle. 5 Prozent würden die Zahlen einfach realistischer abbilden. Es ist einfach eine intuitive Wahrnehmung, die sicherlich komplett daneben liegt. Aber ich frage mich, weshalb es einfach so viele Ansteckungen gibt, wenn es so schwer zu übertragen ist. Oder vielleicht schlafen einfach doch mehr Menschen ungeschützt miteinander als ich es annehmen würde...

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    Ich stelle gerade fest, dass das falsch umgerechnet ist.


    4 von 100 wären 0,04%


    4 von 1.000 wären 0,004%


    in der Tabelle stehen aber 4 von 10.000 "exposures": das wären dann sogar nur 0,0004% Wahrscheinlichkeit.


    Und das ist die Wahrscheinlichkeit per Akt, wenn der Gegenüber auch tatsächlich HIV infiziert ist und Viren überträgt. Das muss ja auch erstmal der Fall sein.

    Ne, das passt schon, weil es wieder mit 100 multipliziert wurde.


    Bsp: 1/10 = 0,1 | 0,1*10 = 10 (also 10 Prozent) :)z

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    Hallo an alle,


    bis heute habe ich keinen Anruf bekommen, die heiße Phase scheint nun vorbei und ich bin dann wohl - wie zu erwarten gewesen - ohne Virus.


    Meine Fragen interessieren mich allerdings weiterhin.


    1. Ist es wirklich so, dass der Test (CMIA) bereits nach zwei Wochen zu 95 Prozent aussagekräftig ist? Und was genau hat es mit dem anschließenden NAT-Verfahren auf sich? Ist das eine Art PCR-Test, der abschließende Sicherheit bringt?


    2. Mich stimmt dieses anscheinend so niedrige Ansteckungsrisiko von 0,04 Prozent mit infizierter Partnerin weiterhin skeptisch. Das kann doch nicht sein, oder? Eine Infektion bei diesem Übertragungsrisiko wäre so unwahrscheinlich... In der Studie (s.o.) ist von 4 Fällen pro 10.000 Kontakten die Rede. Das muss sich mal als einen Sack mit Kugeln vorstellen. 9.996 sind weiß und vier sind schwarz. Bis man da mal eine schwarze gezogen hat - viel Spaß beim Ausharren...


    Zum Abschluss an alle mit Panik und Angst: Mir war von Anfang an bewusst, dass ich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ohne Infektion aus dieser Sache herauskomme, dennoch habe ich gefühlt alle gängigen Symptome in den Folgewochen feststellen können: Halsschmerzen, Gliederschmerzen (so stark, dass ich im Bett bleiben musste), Fieber, geschwollene Lymphknoten im Hals, Durchfall, Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Das hat mich so verrückt gemacht, dass ich zwischenzeitlich dachte: okay, das war's, Dich hat es erwischt, Du hattest einfach unglaubliches Pech.


    Ist die Panik einmal da, wird sie mehr oder weniger bis zum Test bleiben. Viele raten einem, die Finger vom Internet zu lassen, um sich nicht verrückt zu machen. Das ist allerdings leichter gesagt, als getan. Ich sage: Wenn Ihr das Bedürfnis habt, dann klickt Euch solange durchs Netz, bis es Euch buchstäblich ermüdet. Zwangsläufig setzt Ihr Euch mit dem Thema intensiv auseinander und könntet vermutlich im Schlaf ein Referat darüber halten. Im besten Fall holt Ihr Euch nach 6 Wochen ein negatives Ergebnis ab, geht hochgradig gescholten und sensibilisiert aus der Situation heraus und lasst Euch zu keinen ungeschützten Abenteuern mehr ein. Teilt die Erfahrung am besten im Freundeskreis.


    Viele Grüße an alle und danke für die Aufmerksamkeit *:)