Testsicherheit Antikörper Test, Angstspirale, Selbstvertrauen

    Testsicherheit Antikörper Test.


    Einen ähnlichen Text hatte ich schon einmal verfasst, doch heute sehe ich das ganze von einem anderen Standpunkt aus. Und zwar ist mein Standpunkt heute "Angstfrei". Und bin froh über ein Stück Lebenserfahrung. Oftmals fallen durch diverse Paniker, Menschen die sich tatsächlich in einer Angstspirale befinden hinten runter. Der folgende Text ist von einem Medizinischen Laien verfasst und erhebt nicht den Anspruch auf Medizinische/Psychologische 100%ige Korrektheit. Vielmehr, soll der Text dazu beitragen einen Ausweg aus der Angstspirale zu finden.


    Was veranlasst mich den Text zu verfassen? In letzter Zeit sind wieder ziemlich viele Leute unterwegs, die ihrem Ergebnis nicht vertrauen. Beim letzten hier, ging das ganze sogar so weit, dass er von einem noch unbekannten Virus sprach, aber die Infektionswege wären bekannt. Wie bitte…?! Wie geht den das? Ist doch lächerlich ein Unbekanntes Virus, gefährlicher und leichter übertragbar als HIV, aber die Übertragungswege des unbekannte Virus sind bekannt. Vollkommener Blödsinn. Wie kommt ein Mensch auf solche wahnsinnigen Gedanken und glaubt auch noch daran? Klar gefangen in der Angstspirale. Das war das härteste was ich bisher erlebt habe. Viele getestete aber tendieren genau in diese Richtung. Viele sind der Überzeugung keine Antikörper zu bilden, oder meinen Träger eines mutierten Virus zu sein, was mit den Tests "noch" nicht gefunden wird.


    Wie und durch was man überhaupt in so eine Situation rutscht hat die vielfältigsten Gründe. Gründe können unter anderem schuldhaft erlebte Sexualkontakte, Traumen, wahnhafte Verletzungen, ärztliche Behandlungen, Medienberichte oder aber der Filmriss nach einem Bier zu viel.

  • 25 Antworten

    Was aber hält die Menschen vor allem nach Schuldhaft erlebtem in der Angstspirale fest? Auch hier gibt es viele Gründe ein Grund hiefür. Gehäuft lässt sich zumindest hier für das Forum sprechen. Es ist Das leidige Thema mit den Zahlen zur Testsicherheit des RKI. Da es in letzter Zeit wieder vermehrt zu Anfragen kommt.

    Zitat

    Hilfe mein Test ist nach 3 Monaten negativ, wie sicher ist dieser?

    Möchte ich etwas dazu schreiben, so etwas Ähnliches habe ich schon geschrieben. Doch heute schreibe ich es aus einer anderen Sichtweise.


    für viele stellen die Zahlen des RKI den Einstig in eine schlimme Phobie. Wie kommt es dazu?


    Für fast alle die sich ihr Wissen zu HIV meinem im Internet aneignen zu müssen, während einer Zeit der Ungewissheit. Stolpern die Leute über zig verschiedene Seiten in denen Wahrheiten, Halbwahrheiten und schlichtweg falsche Informationen stehen. Uns als Laien fehlt das Hintergrundwissen hier vernünftig zu sortieren. Wir können nicht beurteilen, in welche Kategorie diese Information fällt. Oft sind die Quellen gar nicht angegeben, oder schwer nachzuvollziehen. Sehr oft stehen auch Informationen aus grauer Vorzeit anno 1985, abgeleitet aus ersten Studien zu HIV und sind heute grundlegend oder gar widerlegt.

    Ein weiterer Grund ist jener. Der psychische Druck, der auf einem Menschen in einer Situation der Ungewissheit lastet sehr hoch. Es ist nicht einmal Die angst vor dem Virus selbst, meist ist es die Angst um ein Masterisches Virus was einen sehr krank macht über Jahre aber keine Beschwerden bereitet und dadurch Ängste entwickelt. Hinzu kommen Zukunftsängste, wie es mit einem in der Gesellschaft weiter geht. Denn jeder weiß, mit was für Dingen/Empfindungen in der breiten Bevölkerungsschicht HIV assoziiert wird. Aus dem Druck heraus, macht den ersten Test meist zwischen der 6. und 12 Woche Woche. Klar danach kommt dann die Frage der Wahrscheinlichkeit. Wie Wahrscheinlich ist jetzt, dass der Test doch noch positiv wird.


    Die Suche geht weiter, letztendlich bleibt man bei den Zahlen des RKI hängen.


    Man versucht sich an Seiten festzuhalten die man als seriös empfindet. Das ist zum einen Das RKI und bedingt Wikipedia.

    Zitat

    Falls eine HIV-Infektion übertragen wird, fällt der Nachweis von Antikörpern nach 4 Wochen in ca. 60-65% der Fälle positiv aus, nach 6 Wochen sind ca. 80% der Infektionen nachweisbar, nach 8 Wochen etwa 90% und nach 12 Wochen etwa 95%. Wo zeitlich die Grenze für ein sicheres Testergebnis gezogen wird, ist in gewisser Weise willkürlich.

    Wie komm ich darauf? Es ist ganz einfach sehr viele Menschen in der Angstspirale zeigen das gleiche Verhaltensmuster.


    Erster Test nach 6 Wochen, der zweite nach 8 und der dritte nach knapp 12 Wochen. Das sind auch genau die Zeitangaben des RKI. Nach dem 6 Wochen Test zuerst die große Erleichterung, doch dieser war ja zu früh. Das RKI schreibt 8 Wochen = 90 % das reicht mir dann. Wenn dieser Test negativ ist zuerst große Erleichterung. Im Hinterstübchen jedoch stecken noch die Zahlen des RKI. Man setzt sich jetzt sehr stark mit der Materie und seinen Ängsten auseinander, dass man den Bezug zur Realität verliert und hofft nur noch auf das 12 Wochen Ergebnis. Die meisten erreichen die 12 Wochen nicht und gehen ein paar Tage früher hin. Puh… auch dieser Test negativ. Zuerst die große Erleichterung, bis man dann ein Problem feststellt. Entweder sind es die 3 Tage die man zu früh beim Test war oder aber immer noch die Zahlen des RKI die man nicht beurteilen kann. Die Gedanken drehen sich weiter.

    Ist man jetzt Negativ oder nicht. Die Leute fangen dann an andere zu fragen. Es wird bei der Hotline angerufen, der BZGA der Aidshilfe geschrieben. Alle bringt für kurzen Moment Erleichterung. Aber nicht auf Dauer, keiner sagt einem etwas über diese Zahlen. So meldet man sich im Forum an, beginnt Die Leute dort zu befragen. Auch hier gibt es die gleichen Antworten, im Leben gibt es keine 100%. Da stellt man sich die Frage wiviel ist nicht 100%, sind es tatsächlich "nur" 95%. In der Zwischenzeit haben sich die Ängste einer HIV Infektion dermaßen Manifestiert, dass alle Ratschläge, Tips ect. in den Wind geschossen werden. Die angegebene 95%ige Testsicherheit steht als Zahl da. Diese Zahl hat sich Tief eingebrannt. Klar 95% ist schon recht sicher, man beginnt zu rechnen, plötzlich wird aus den 95% die Chance 1:20 falsch negativ getestet zu werden. Aus den 1:20 werden sehr schnell 50:50. Das heißt man ist genauso besorgt, man reduziert in so einer Situation recht sichere 95% auf ja oder nein und so ist man so schlau wie vor den Tests.


    Das die Zahl 95% lediglich die obere Vertrauensgrenze der statistischen Wahrscheinlichkeit dar. Das erste und einzigste Mal wo man darauf hingewiesen wird ist hier im Leitfaden. Bis man jedoch hier ins Forum kommt (nicht die Bordellpaniker die vorher schon durchdrehen) ist man meist schon durch. Die Ängste sitzen so tief, dass dieser Text, die Anmerkung des Autors nicht wahrgenommen bzw. überlesen wird.

    Ein kurzes Beispiel zur statistischen Vertrauensgrenze.


    In einer Studie wurden keine Ansteckungen bei Oralverkehr beobachtet. Allerdings wird hier von einer oberen Vertrauensgrenze von 95% ausgegangen das es bei einer Studie um Stichproben handelt. z.B. fanden X-Tausend Kontakte ohne Übertragung statt.


    Das Ergebnis der Studie lautetet bei X-Tausend Kontakten konnte keine Übertragung festgestellt werden. nach der Vertrauensgrenze von 95% ist es aber eine Übertragungswahrscheinlichkeit von X nicht Auszuschließen.


    Die Wahrheit liegt aber viel näher an 100%.


    Leider wird hier im Forum auch immer auf der PCR herumgeritten, ich habe manches mal das Gefühl, dass der herkömmliche Elisa AK in den Hintergrund gedrängt wird. Wie Ihr Euer Geld zum Fenster heraus werft, kann mir egal sein. Doch gibt es nach wie vor unterschiedliche Meinungen zu der Anwendung der PCR im Screening. Sicher kann man eine Tendenz der Aussagen sehen. Ich möchte das Thema nicht weiter austreten warum und wieso ein PCR nicht zur Diagnose empfohlen wird. Der Text ist sowieso schon länger als ich eigentlich wollte.

    Damals bin ich über eine Untersuchung unserer Schweizer Nachbarn gestolpert. Sie hatten sich bezüglich der PCR als Einsatz im Screening die Frage gestellt was bringt der PCR zusätzlich? Ich möchte hier nicht auf die PCR eingehen, sondern auf die Sicherheit der Antikörpertests. Aus der Untersuchung, kann man einiges herauslesen.


    Die Untersuchungen basieren auf einer Studie aus den USA. In dieser Studie wurden knapp 110 000 Blutproben verschiedener Zentren mit PCR geprüft. Die Prävalenz der HIV-Infektion war mit 5.5% (ca. 5.500 positive Proben) sehr hoch. Bei Rund 1% handelte es sich um eine "frische" HIV Infektion aus dem letzten halben Jahr vor der Blutabnahme. Als Bemerkenswert wird in dem Artikel hervorgehoben, dass nur 7 von 23 Personen Symptome einer Primo zeigten. Als Interessanterweise wird auch hervorgehoben, dass eine untersuchte Probe mittel PCR positiv getestet wurde aber Antikörper negativ blieb.


    Das Ergebnis der Untersuchung:

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    Angesichts der Tatsache, dass ein Grossteil der HIV-Infektionen von frisch Infizierten mit hoher Viruslast übertragen werden, scheint dieser Mehraufwand vertretbar.

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    Zwei Punkte sind allerdings doch einzuwerfen: in der Schweiz sind die zusätzlichen Kosten wesentlich höher, nicht zuletzt deshalb, weil die Tests nicht so zentralisiert analysiert werden können. Zum zweiten werden in der Schweiz seit einigen Jahren routinemässig die sogenannten Duo-Teste verwendet. Diese erkennen sowohl HIV Antigen wie auch HIV-Antikörper. Aus einer früheren Studie in der Schweiz wissen (REF) wir, dass die Antiben-Detektion praktisch alle frühen Infektionen detektiert und vom zusätzlichen Erregernachweis mittels RNA-PCR nicht viel Nutzen zu erwarten ist

    Quelle: http://www.infekt.ch

    Dieser Beitrag soll nicht noch zusätzliche Ängste schüren, viel mehr soll dieser Beitrag dabei helfen, sich von den Zahlen des RKI ein wenig zu lösen. Nicht umsonst schreibt das RKI

    Zitat

    Es wurden bisher nur einzelne Fälle berichtet, bei denen Antikörper erst später als 3 Monate nach Infektion nachweisbar waren. Somit gilt, dass 3 Monate nach möglicher Exposition durch einen negativen HIV-Antikörpertest (keine spezifischen Antikörper nachweisbar) eine Infektion mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden kann.

    Es sind wirklich nur Einzelfälle, meist mit einer Vorerkrankung die man nicht mal so kurz nebenbei hat. Darauf kann man vertrauen.


    Was können wir aus dem Text herausnehmen, in dieser Studie sind nicht Test der 4. Generation zum Einsatz gekommen. Dieser eine Fall wird nicht näher beschrieben, ob zusätzliche Erkrankungen, starker Drogenkonsum oder dergleichen vorlagen. Weiter wäre mit Wahrscheinlichkeit dieser Einzelfall durch Einsatz eines Tests der 4. Generation nicht hinten runter gefallen. Jeder kann sich jetzt selbst ausrechen was eine 95-99%ige Testsicherheit als Ergebnis in dieser Studie an den Tag gebracht hätte.

    Das Stichwort ist vertrauen, viele Menschen haben Schwierigkeiten anderen zu vertrauen. Aber wenn ihr fremden Personen nicht vertraut. Vertraut wenigstens euch selbst und eurem Körper. Warum sollt gerade Ihr einer diejenigen sein, der keine Antikörper bildet? Wenn ihr doch ansonsten keine Erkrankung habt. Dann vertraut Doch wenigstens Euch selbst und eurem Körper. Wenn Ihr das nicht könnt, habt ihr ein echtes Problem, ein Problem zu Vertrauen. Wenn Ihr euch doch selbst Symptome diagnostiziert und Eurem Körper dort Vertraut, müsst Ihr Eurem Körper auch vertrauen, dass er sich wehren würde. Zu dem ganzen kann man auch "Selbstvertrauen" sagen und hier schließt sich der Kreis. Denn durch eine Schuldhaft erlebte Situation, lässt sich schnell das Selbstvertrauen Scheiße gebaut, Selbstvertrauen verloren.


    In dem Sinne…

    Zitat

    Das Stichwort ist vertrauen, viele Menschen haben Schwierigkeiten anderen zu vertrauen.

    kein wunder. man kriegt es doch tag für tag vorgelebt.


    ich schalte den fernseher ein und sehe nur ausgedachten müll, der einem als real verkauft wird.


    man merkt es in der schule, auf der arbeit, in der politik ... etc. ...


    in der neidgesellschaft deutschland ist es doch fast schon alltag, dass anderen leuten etwas vorgemacht wird, nur um selbst gut dazustehen.


    dass man mit etwas mehr erfahrung plötzlich den leuten nicht mehr alles glaubt, wundert mich weniger ...

    Zitat

    naja, nach nochmaligem durchlesen ein wenig holprig geschrieben, hier fehlt eindeutig die Funktion "editieren" ]:D

    hast es ja auch innerhalb von 3 minuten geschrieben ;-)

    Wow, toller Beitrag. Finde es wirklich toll, dass Du Dir so eine Mühe machst und einen so langen und tollen Beitrag schreibst.


    Ich fand alles aufbauend und motivierend in Deinem Text, nur leider ein Satz schürt in mir wieder Panik. Und zwar, dass in dieser Studie folgendes herauskam:


    "Als Interessanterweise wird auch hervorgehoben, dass eine untersuchte Probe mittel PCR positiv getestet wurde aber Antikörper negativ blieb."


    Das ist ja genau das, wovor ich Angst habe. Ich verstehe nicht ganz, wie das von Dir jetzt gemeint ist. Du sprichst Dich ja für die Sicherheit des AK-Tests aus, aber das spricht ja eigentlich dagegen...


    Tschuldigung für die blöde Frage, aber kannst Du mir erklären wie das gemeint ist?


    Danke!!!!!!

    @ Nobody

    :)^:)^:)^ Mehr kann ich zu Deinem Beitrag nicht sagen.

    @ Jo777

    Zitat

    dass eine untersuchte Probe mittel PCR positiv getestet wurde aber Antikörper negativ blieb.

    Der PCR-Test (direkter Virusnachweis) gilt ab zwei Wochen aus medizinischer Sicht als sicher. Da Antikörper gegen HI-Viren aber erst später gebildet werden, kann ein PCR-Test bereits positiv, der AK-Test jedoch noch negativ sein.

    Ja, das verstehe ich, aber da es hieß "interessanterweise wird hervorgehoben" dachte ich, dass das eben ein Fall ist, der auch zu einem späteren Zeitpunkt keine Antikörper hatte, der PCR dann aber aufzeigte, dass die Person doch positiv ist. Das ist ja leider nicht angegeben, ob bei diesem Fall die Infektion frisch oder schon länger her war.