Ehrenamtliches Engangement bei der Aidshilfe als "Ungeouteter"

    Hallo liebes Forum,


    ich habe mich vor ca. 5 Minuten hier angemeldet mit der Hoffnung einen Rat von Euch zu bekommen.


    Es geht um folgende Problematik:


    Ich bin 25 Jahre alt und habe seit ca. 2 Jahren das Bedürfnis Sex mit anderen Männern zu haben (ich hatte dementsprechend auch schon einige Dates). Da ich nicht aus einem deutschen Kulturkreis komme und ich mich v.a. nicht in meiner sexuellen Orientierung bisher sicher bin (habe bisher noch nicht mit einer Frau geschlafen - würde es aber mal tun um 100 % sicher zu sein was meine Sexualität betrifft), habe ich den Schritt des Outings bisher nicht gewagt. Als Auswahl steht jedoch für mich fest - ich bin entweder bisexuell oder homosexuell (gay).


    Seit wenigen Wochen lebe ich nun in einer Universitätsstadt (man läuft sich hier öfters über den Weg) hier in Deutschland und fühle mich in der Stadt bisher recht wohl. Ich habe das richtige Studium gewählt, lerne fast täglich neue Leute kennen und habe eine tolle Wohnung - kurz: Es könnte momentan nicht besser laufen.


    Um ein Ausgleich zum Studium zu schaffen und unter anderen Leuten als nur Studenten zu kommen, habe ich beschlossen mich zu engagieren. Die Wahl traf nun auf die hier ansässige Aidshilfe. Das Thema fasziniert mich einfach wahnsinnig.


    Nun hatten wir in den letzten Tagen ein "Einsteigertreffen" - die Projekte der Organisation wurden vorgestellt, man hat sich nett unterhalten und konnte viele Fragen stellen. Es war ein sehr schöner Abend. Dieses Treffen hat meine Begeisterung für die Organisation nochmal bestärkt.


    Das Problem an der ganzen Sache ist folgender: Wir Teilnehmer wurden explizit nochmal darauf angesprochen, dass man mit Sexualität offen umgehen sollte. Man wird in dem Projekt auch teilweise über HIV und co. aufklären. Sollte ich an dem Projekt teilnehmen, könnte ich eventuell auch auf Gaypartys gehen um dort z.B. Kondome zu verteilen, für Safer Sex zu werben etc.


    Seit wenigen Wochen besuche ich hier nicht mehr Grindr und GR (zwei Gayplatforen) - und wollte das auch weiterführen)- das hängt damit zusammen, dass ich mich eher auf das Studium hier konzentrieren wollte ansattt auf die "Welt im Netz" . Also, dass mich jemand von den Platforen auf den Partys erkennt, denke ich ist eher unwahrscheinlich (muss jedoch gestehen, dass ich seitdem ich hier bin 2 Dates hatte) - wobei viele ja auf GR und Grindr selbst ungeoutet sind.


    Meine eigentliche Frage wäre nun: Würdet Ihr euch an meiner Stelle in einer derartigen Organisation engagieren? Wieso sollte ich es nicht tun - schieße ich mir dadurch doch ein Eigentor wenn ich der Organisation zusagen würde?


    Ich hoffe sehr, dass Ihr mir weiter helfen könnt.


    Über jegliche hilfreiche Antworten wäre ich Euch sehr dankbar.


    VG,


    StudiHM


    PS. Seid mir bitte nicht böse wegen der Formulierungen - ich hoffe jedoch, dass Ihr die Problematik verstanden habt.

  • 16 Antworten

    StudiHM

    Zitat

    Würdet Ihr euch an meiner Stelle in einer derartigen Organisation engagieren? Wieso sollte ich es nicht tun - schieße ich mir dadurch doch ein Eigentor wenn ich der Organisation zusagen würde?

    Verstehe ich nicht. Problematisch finde ich nur, dass du deine Sexualität für dich selber noch nicht wirklich einsortiert hast, aber damit kannst du vor Ort ja entsprechend offen umgehen und das würde dir ja auch helfen.


    Oder meinst du dass bei einem Engagement etliche ihre Schlüsse ziehen werden? Ja das wird passieren.

    Meine Meinung dazu: Mach was dir Spaß macht, was dich interessiert und womit du dich identifizieren kannst. Wenn das die Mitarbeit bei der Aidshilfe ist, dann mach es! Völlig unabhängig ob du jetzt gay bist oder bi oder was auch immer. Engagieren kannst du doch immer und du solltest nicht davon absehen, weil irgendjemand sich Gedanken über deine Sexualität machen könnte.


    Ich würde auch meinen, dass es eine Chance für dich ist mehr über dich herauszufinden. Vielleicht erfahrst du in dieser Zeit ja ob du dich auch zum weiblichen Geschlecht hingezogen fühlst oder doch nur zu Männern. Sicher werden dich Leute erkennen auf GR oder auf Partys. Du wirst dich wohl damit beschäftigen müssen wie du dich in der Öffentlichkeit präsentieren willst = Coming Out oder nicht.


    Aber allein die Tatsache, dass du darüber nachdenkst, ob du auf etwas, was dir Spaß machen würde und dich interessiert, verzichten sollst, weil jemand denken könnte du seist Gay, sollte dir auch zu denken geben. Damit will ich sagen, dass man viele Chancen verpasst, wenn man sich überall verstecken muss.


    Ich würde es annehmen und als Chance sehen mein eigenes Leben besser Einzuordnen und wenn dabei rauskommt, dass du Gay bist oder Bi, dann ist es so und du solltest dazu stehen.

    Meine Meinung dazu: Mach was dir Spaß macht, was dich interessiert und womit du dich identifizieren kannst. Wenn das die Mitarbeit bei der Aidshilfe ist, dann mach es! Völlig unabhängig ob du jetzt gay bist oder bi oder was auch immer. Engagieren kannst du doch immer und du solltest nicht davon absehen, weil irgendjemand sich Gedanken über deine Sexualität machen könnte.


    Ich würde auch meinen, dass es eine Chance für dich ist mehr über dich herauszufinden. Vielleicht erfahrst du in dieser Zeit ja ob du dich auch zum weiblichen Geschlecht hingezogen fühlst oder doch nur zu Männern. Sicher werden dich Leute erkennen auf GR oder auf Partys. Du wirst dich wohl damit beschäftigen müssen wie du dich in der Öffentlichkeit präsentieren willst = Coming Out oder nicht.


    Aber allein die Tatsache, dass du darüber nachdenkst, ob du auf etwas, was dir Spaß machen würde und dich interessiert, verzichten sollst, weil jemand denken könnte du seist Gay, sollte dir auch zu denken geben. Damit will ich sagen, dass man viele Chancen verpasst, wenn man sich überall verstecken muss.


    Ich würde es annehmen und als Chance sehen mein eigenes Leben besser Einzuordnen und wenn dabei rauskommt, dass du Gay bist oder Bi, dann ist es so und du solltest dazu stehen.

    Vielen Dank für Eure Antworten.


    Mit dem "Eigentor schießen" meinte ich, dass ich mich in einer Organisation dann engangieren würde, dessen Ziel ist v.a. die Leute anzusprechen die eine sexuelle Anziehung zum selben Geschlecht haben, kurz an Homosexuelle.


    Wenn ich mich da also engagieren würde, wissen diejenigen, die ich vor wenigen Monaten gedatet habe, als ich hierher kam wahrscheinich genau wer ich bin und könnten mich somit bei der Organisation "entlarven".


    Was wäre denn, wenn ich mich nicht in der Organisation "oute"? Mit was müsste ich am schlimmsten rechnen? Ich sehe momentan noch nicht DEN richtigen Zeitpunkt für mein Outing (s. Unschlüssig zwecks Bi oder gay).


    VG!

    StudiHM

    Zitat

    Was wäre denn, wenn ich mich nicht in der Organisation "oute"? Mit was müsste ich am schlimmsten rechnen?

    Wahrscheinlich mit nichts. Nur wie sinnvoll findest du es denn selber? Du wirst zwangsläufig mit Personen in Kontakt kommen und helfen sollen, die sich ihrer Sexualität nicht sicher sind, vielleicht sogar ganz am Anfang stehen. Ich finde das wie gesagt problematisch. Meiner Meinung nach stimmt eine Sache eben:


    Wir Teilnehmer wurden explizit nochmal darauf angesprochen, dass man mit Sexualität offen umgehen sollte. - Der erste Schritt dort wäre für dich dort also, dass du offen mit deinen Unsicherheiten und Unklarheiten umgehst.

    Nun ja, ich werde ja eigentlich in der Prävention arbeiten - gut wir gehen auch mal in Schulen und klären die Schüler über den Gebrauch von Kondomen etc. auf jedoch müssen sie doch nicht wissen welche sexuelle Neigung ich habe.


    Auf Discos wird es darum gehen Kondome zu verteilen und einfach nochmal auf das Thema HIV/Aids aufmerksam zu machen.


    Wie stark ich mich dann in der Organisation engagiere liegt letzendlich auch bei mir. Ich werde es wahrscheinlich dann meiden auf Gaydiscos oder ähnlichen homosexuellen Veranstaltungen zu gehen ... Wenn's dann zu bretzlich wird, kann ich ja immer noch komplett absagen. Es ist eine ehrenamtliche Tätigkeit von der man jederzeit aussteigen kann - das wurde uns auch nochmal gesagt.


    Also, ich würde der Organisation zusagen und schauen wie sehr ich mit dem neuen Umfeld zurecht komme.


    Falls es einfach gar nicht geht, steige ich nach 2 Monaten wieder aus.


    Ich denke, dass ist eine gute Idee, oder?

    Lieber Studi.HM,


    mich freut, dass Du als nicht dem deutschen Kulturkreis zugehöriger Fünfundzwanzigjähriger hier eine sprachlich fast tadellose Anfrage stellst.


    Nach eigenem Bekunden hattest Du noch nie Geschlechtsverkehr, weder mit einer Frau, noch mit einem Mann. Fühlst aber Dich mehr zu Männern hingezogen, denkst also, dass Du zumindest bisexuell veranlagt bist.


    Um mit 25 Deine sexuelle Ausrichtung selbst zu erkennen, musst Du probieren: Schlafe mit einer Frau. Vereinfacht geht das in einem Bordell. Die Dame ist eine professionelle Liebes-Dienerin und wird Dir zeigen, wie es geht. Und hernach wirst Du feststellen, ob es Dir Spaß gemacht hat und nach Deinem Gusto ist.


    Oder schlafe mit einem Mann: Dazu musst Du nicht in den Puff gehen. Da gibt es andere Kontaktmöglichkeiten für einen Quickie. Es sit sehr einfach, schwulen Sex zu haben gratis und unverbindlich.


    Was Dein Engagement für die AIDSHILFE anbetrifft, so muss ich Dich loben. Ich selbst war Gründungsmitglied der AH-Ost nach der Wende 1989.


    Sei unbesorgt: Bei der AH wird niemand Dich zwingen, Dich zu outen. Natürlich wird dort darauf hingearbeitet, dass mit Sexualität offen umgegangen wird. Du bist ja schon auf dem Wege dorthin. Denn wenn Du erkennst, wie Du tickst, kannst Du entscheiden, wann oder wem Du Dich öffentlich bekennst.


    Und selbst als Hetero kannst Du bei der AH mitstreiten und sie unterstützen. Was hielte Dich somit ab, missionierend zu Gay-Partys zu gehen, um dort Kondome zu verteilen und über Safer-Sex zu reden? Nix.


    Erkenne Dich selbst!


    Dieser Satz ist älter als 2000 Jahre. Beherzige diese Aussage des Orakels von Delphi und plane dann Deinen Weg durch und in das weitere Leben.


    Auch im deutschen Kulturkreis ohne die grauenhaften Politbewegungen Pegida und AfD.

    Meiner Meinung nach bewegst du dich zu sehr in deiner eigenen Vorurteilsfalle. AIDS-Hilfe = schwul.


    Auch wenn die Prozentzahlen Betroffener im homosexuellen Bereich noch immer am höchsten sind, ist HIV längst ein Thema für alle, nämlich für alle, die Sex haben. Safer Sex unterscheidet nicht nach hetero- oder homosexuell, insofern ist deine eigene sexuelle Präferenz völlig irrelevant. Das einfachste Argument lautet: HIV geht jeden an. Also brauchst du dich nicht selber in eine Schublade stecken und sei es auch nur gedanklich. Werde dir deiner falschen "Verknüpfungen" im Denken bewusst, probiere dich aus und du wirst eine Menge gewinnen.

    Wieder jemand der mich falsch verstanden hat.


    1. Fakt ist einfach, dass man als Südländer es schwer hat mit dem Outing. Die Konsequenzen sind gravierender als bei Deutschen. Das ist der Grund wieso ich mich in meiner Sexualität 100 % sicher sein will


    2. Dass das Thema HIV nur schwule betrifft, habe ich nicht behauptet - also wieder falsch verstanden.


    Zusammenfassend denke ich, dass Ihr mir nicht wirklich weiterhelfen könnt. Ich werde wohl selbst ein Weg finden müssen.


    VG!

    StudiHM

    Zitat

    Das Problem an der ganzen Sache ist folgender: Wir Teilnehmer wurden explizit nochmal darauf angesprochen, dass man mit Sexualität offen umgehen sollte.

    klar muss man mit Sexualität offen umgehen wenn man sich damit in dem Kontext befasst, aber das hat doch nichts mit deiner Sexualität oder sexuellen Orientierung zu tun.


    Ich sehe auch nicht das du dich deswegen outest, dass ein Student sich ehrenamtlich sozial engagiert ist nichts ungewöhnliches, du möchtest halt soziale Kompetenz & Praxiswissen erlernen. Im Grunde bleibst du auch weiterhin ein offenes Buch solange du das möchtest.


    Und was deine sexuelle Orientierung betrifft, da wirst du in der Regel bei der Aids-Hilfe auf wunderbare Menschen treffen die dann auch sicher für dich ein offenes Ohr haben. Am besten würdest du sowieso bevor du loslegst mal in einem Zweiergespräch vertraulich mit jemandem vor Ort sprechen, ein Erfahrener kann mit dir zusammen doch am besten ausloten ob das wirklich das Richtige für dich ist.


    Aber das du es machen möchtest ist doch schon mal ganz toll von dir @:)