Mein Kind ist homosexuell

    Liebe Forum Mitglieder,


    Es ist schon lange her, dass ich mein letzter Beitrag verfasst habe. Aber ich lese regelmäßig hier mit und weiß eure Meinungen zu schätzen.


    Und nun den Grund meines Schreibens: Mein Sohn wird im November 12 Jahre alt und heute morgen hat er mich einen Brief gegeben und gesagt, ich soll erst lesen, wenn er in die Schule ist und ich soll Papa Nichts davon erzählen.


    In den Brief steht, dass er homosexuell ist. Er hat richtig schön geschrieben und scheint sich sehr gut überlegt zu haben. Ich glaube, er hat den Brief schon länger geschrieben.


    Ich liebe meinen Sohn über alles. Er ist ein wunderbares Kind und an meiner Liebe zu ihm hat sich nichts geändert. Er war immer ein bisschen anders, sehr ruhig und sehr sensibel.


    Nur ich weiß nicht recht, wie ich mit der Situation umgehen soll. Ich möchte ihm helfen, zeigen, dass ich für ihn da bin. Ich bin auch sehr froh, dass er es mir als erst anvertraut hat. Das zeigt, dass er mich vertraut.


    Kann jemand mir Tipps geben, wie ich am besten damit umgehen kann. Ich habe Angst, dass er in der Schule ausgegrenzt wird. Er hat viele Freunde, aber bleiben die auch seine Freunde, wenn die die Wahrheit kennen? Alles was ich möchte, ist dass er glücklich wird...


    Ich bin auf jeden Hilfe sehr dankbar

  • 71 Antworten

    Hallo Abendstern33,


    anhand des Briefes kann man davon ausgehen, dass er seine Homosexualität schon länger "mit sich selbst ausgemacht hat". Dies ist nichts ungewöhnliches, viele Menschen outen sich erst spät, andere umso früher, es ist also nicht ausgeschlossen, dass dein Sohn auch in diesem Alter schon homosexuell fühlt.


    Wie du mit ihm umgehen kannst? Am besten genau so, wie du es bisher auch getan hast! Gib ihm das Gefühl, dass du seine Persönlichkeit nicht an seiner Homosexualität festmachst und dass es das Normalste der Welt ist. Dein Sohn braucht keinen anderen Umgang, nur weil er homosexuell ist.


    Trotzdem würde ich beiläufig erwähnen, dass er bei Problemen in der Schule, mit Freunden oder Bekannten etc. immer ein offenes Ohr bei dir findet.


    Wenn ihr ein gutes Verhältnis miteinander habt und er dir vertraut, wird er sich bei Problemen von ganz alleine an dich wenden. Dass er dir vertraut, zeigt ja schon der Brief, auch wenn ich daraus eine gewisse Unsicherheit interpretieren kann. Das war bei mir nicht anders, meine Mutter habe ich mit 15 Jahren persönlich konfrontiert und meinem Vater habe ich später ebenfalls einen Brief geschrieben, da ich bzgl. seiner Reaktion unsicher war, im Endeffekt völlig unbegründet.

    Vielen Dank für deine Antwort!


    Ich mache mir große Sorgen, was passiert, wenn seine Freunde das herauszufinden. Wird er ausgegrenzt? Vermieden? Gemobbt? 😧


    Wie gesagt, er ist ein sehr sensibel Junge. Ich habe Angst, dass er daran zerbrechen könnte 😭


    Außerdem, weiß ich nicht, wie sein Vater reagieren wird ...

    Wichtig ist das du ihn all deine Liebe gibts und hinter ihm stehst, damit er einen Fels in der Brandung hat.


    Ich wünsche euch zumindest alles Gute und hoffe einfach das die Bevölkerung offener damit umgehen soll und nicht so verklemmt ist.

    Zitat

    Trotzdem würde ich beiläufig erwähnen, dass er bei Problemen in der Schule, mit Freunden oder Bekannten etc. immer ein offenes Ohr bei dir findet.

    Ich würde ihm aber auch ehrlicherweise sagen, dass es viele Menschen gibt, die etwas gegen Homosexuelle haben und mit 12 ist er in einem Alter, in dem die wenigsten seiner Mitschüler damit sonderlich rücksichtsvoll oder tolerant umgehen werden.


    Je nachdem, wo er lebt, kann es auch sein, dass er angegriffen wird, wenn er denn mal einen Freund haben sollte und sich mit dem in der Öffentlichkeit als Paar zeigt.

    Ich würde auch raten, vor allem Normalität auszustrahlen. Er hat sich viele viele Gedanken um das normalste der Welt gemacht, und du hast viele Sorgen. Versucht das auf das nötigste, konkreteste zu beschränken. Wenn er Mobbing erfahren sollte: Hilf ihm damit, klar. Falls du jedoch den Verdacht nicht hast (hat er Freunde? Kennst du diese?), mach kein großes Fass auf. Lass ihn wissen, dass es für dich normal ist. Schön wäre auch, wenn der Vater ebendies tun würde - offenbar hat der Kleine Angst, dass dieser darauf negativ reagieren würde. Hier wäre die Vorbildfunktion der männlichen Bezugsperson sehr wichtig.


    Ansonsten: Wie gesagt, er darf ruhig wissen (und weiß mit Sicherheit längst, ihm geht wohl kaum etwas anderes durch den Kopf), dass viele Leute darauf negativ reagieren. Aber die, die das tun, sind kindisch und unsicher, versuchen ihren peers zu imponieren auf die stupideste Art. Sie sind die, die etwas peinliches tun, das sollte ihm optimalerweise klar sein. Aber der Junge ist 12, in dem Alter war mir all das völlig klar. Gerade sensible Kinder denken oft viel nach über sich und ihren sozialen Status. Er wird all das tausend mal durchgespielt haben, siehe Brief und Art der Übergabe.


    Mach kein zu großes Fass auf, zeig ihm nur, dass alles okay ist. Vielleicht hilft es ihm, zu wissen, dass die meisten Menschen sowieso eine bisexuelle Ader haben (zumindest nach Kinsey. Leider sind mir keine neuren Daten bekannt). Er hat die nächsen ~20 Jahre um seine Persönlichkeit zu finden, und sollte nicht so früh schon Angst haben müssen, dass man ihn für irgendwas verurteilt oder in eine Schublade steckt, also lass ihn einfach mal rumprobieren (das meine ich jetzt nicht körperlich, das hat sicher noch ein paar Jährchen Zeit, aber das wird auch kommen).


    Kurz: Keinen Druck aufbauen. Nicht sein Vertrauen brechen und mit dem Vater hinter seinem Rücken reden, aber ihn mittelfristig ermutigen, sich auch seinem Vater anvertrauen zu können (der hoffentlich erwachsen genug ist, um da mit dir eine gemeinsame Linie zu fahren...)


    Ist er denn aktuell in der Situation, dass er Mobbing ausgesetzt ist? Hat er Freunde, einen soliden sozialen Kreis außerhalb seiner Familie, der ihn unterstützen würde?

    Guten Morgen liebe Leute und vielen Dank für die Antworten!


    Ich habe mit meinem Sohn gesprochen. Er hat den Brief vor drei Monaten schon geschrieben und wollte mir zu seinem 12. Geburtstag abgeben. Aber der Druck war ihm zu groß und er hat sich entschlossen den Brief mir schon früher zu geben.


    Er ist noch sehr jung, scheint sich, aber, ziemlich sicher zu sein. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn immer lieben werde und immer auf seine Seite sein werde, egal was es kommt. Ich habe das Gefühl, er fühlt sich deutlich erleichtert und freier Jetzt. 😊


    Allerdings habe ich mit ihm eine Abmachung getroffen. Ich habe ihn gebeten bis zu seinem 16. Geburtstag zu warten um sich sozusagen zu "outen".


    Seine Freunde sind zu jung und würden das jetzt nicht verstehen. Und mit 16 Jahren kann er sich 100% sicher sein, ob er wirklich homosexuell ist oder nicht. Was meint ihr? Hab ich das richtig gemacht?


    Ich habe ihn auch erklärt, dass nicht alle positiv darauf reagieren werde. Aber das scheint ihm deutlich klar zu sein. Er hat sich im Internet gut informiert, dass sieht man auch in den Brief.

    @ Abendstern33

    Guten Morgen


    Aus meiner Sicht hast es Du es super gemacht. @:)


    Dein Sohn weiss jetzt, dass Er nicht alleine ist, Er weiss dass Du zu Ihm stehst und dass es Lösungen geben wird.


    Ich gratuliere Dir zu Deiner schönen Lösung und wünsche euch Beiden viel Glück.


    Liebste Grüsse


    Evi


    (Mutter zweier Söhne)

    Ich Finde auch das hast du Super gelöst :)= :)^


    Und vor allem das du auch deinem Sohn den halt gibst und er dir vertrauen kann.


    Er hat sich ja sowieso sehr Früh geoutet mit 12 Jahren ist das Früh aber wahrscheinlich weis er es schon ganz genau !


    Ich hoffe das dein Mann auch so locker damit umgehen kann wie du !


    Lg *:)

    Zitat

    Mein Sohn wird im November 12 Jahre alt

    Ich finde das ganz ehrlich, dass einer sagt bzw. schreibt mit 11 Jahren, er sei schwul, sehr ungewöhnlich.


    [...]


    Dass die Mutter so reagiert ist in Ordnung, sie hat Verständnis und steht ihm zur Seite, aber mal sehen, ob der Sohn in einigen Jahren der selben Meinung ist.


    Wenn ja, ist es ganz toll, was er da gemacht hat und sich geoutet hat und das mit 11 Jahren.

    @ pappel 60

    Natürlich gibt es ein Teil in mir, der auch hofft, dass das alles nur eine Phase ist. Aber ich weiß es nicht. Ich habe ihn heute gefragt, ob es vielleicht nur eine Phase ist. Er meinte zu mir. Wahrscheinlich nicht, Mama.


    Er war schon immer ein bisschen anders. Nicht weiblich oder so. Aber ruhig, schüchtern, sehr sensibel und unsicher. So als würde er sich nicht wohl fühlen in seiner Haut.


    Ich muss gestehen, ich bin heute sehr traurig. Gestern war ich eher erschrocken.


    Als Mutter wünsch man sich das Beste für sein Kind. Ich liebe ihn, ich will nicht das er leidet. Ich befürchte, dass viele Leute aus seiner Umgebung es nicht verstehen werden. 😢


    Wir haben keine Familie hier, deshalb war es mir immer wichtig, dass er einen guten Freundeskreis aufbaut. Und den hat er jetzt. Aber was ist wenn sich seine Freunde von ihm abwenden? Das würde ihn das Herz brechen :�(


    Und außerdem habe ich Angst wie meinen Mann darauf reagieren wird. Er ist nicht so tolerant wie ich...


    Ich danke euch für die Antworten. Es tut gut mindest hier mit jemandem darüber sprechen zu können.

    Zitat

    deshalb war es mir immer wichtig, dass er einen guten Freundeskreis aufbaut. Und den hat er jetzt.

    Man könnte es als unfreiwilligen Lackmus-Test für den Freundeskreis sehen ... .


    Ansonsten muss man auch Freunden

    nicht alles über sich erzählen. Schon gar nicht bzgl. der eigenen Intimsphäre und Sexualorientierung sowie sexueller Vorlieben.


    Es werden vermutlich auch nicht alle aus seinem Freundeskreis eine Freundin finden und er ist schließlich auch noch im Kindesalter, sodass das auch mit etwas Glück gar nicht negativ auffällt, dass er keine Freundin sucht und hat.


    Dass man als Jugendlichher mal mehr oder weniger legitim gefragt wird nach Freund oder Freundin, gerade von neugierigen Erwachsenen, lässt sich nie verhindern. Damit müsste er auch als heterosexueller Junge umgehen lernen. Man kann da gut so antworten, dass weder dummes Gerede aufkommt, noch nachgefragt wird. Das hat was mit dem Thema Grenzensetzen zu tun - das sollte er so oder so lernen.


    Homosexualität ist bis heute etwas, was immerhin viel mehr toleriert wird heutzutage, aber was sich kaum ein Elternteil für sein eigenes Kind wünscht. ... Viele verheimlichen das ja aus gutem Grund selbst vor ihren Eltern und die wenigsten kommen aus super-entspannt-toleranten Familien (ich auch nicht). Das ging mir bei deiner Reaktion durch den Kopf.

    Zitat

    Und außerdem habe ich Angst wie meinen Mann darauf reagieren wird. Er ist nicht so tolerant wie ich...

    Sein Vater wird damit leben müssen, aber es wäre für alle Beteiligten wünschenswert und besser, wenn dein Mann kein größeres Problem mit Homosexualität hat.


    Aber so ohne Not würde ich ihm das aktuell nicht erzählen bzw. wenn, dann sollte euer Sohn darüber entscheiden, ob sein Vater davon erfahren soll oder nicht.


    Gut ist, dass euer Sohn mit dir ein Elternteil mit im Boot hat, das davon weiß und damit einigermaßen umgehen kann. Vielleicht mit der Zeit nochmal deutlich unbefangener und zuversichtlicher bzgl. der Zukunft eures Sohnes.


    Das kann ein Kind sehr ungut prägen, wenn ihm von den Eltern aufgrund einer persönlichen Eigenschaft vermittelt wird (und sei es nur unterschwellig statt direkt), dass es deshalb immer gesellschaftlich oder beruflich außen vor sein wird und "abnorm" ist bzw. sehr andersartig etc..

    Zitat

    Aber was ist wenn sich seine Freunde von ihm abwenden? Das würde ihn das Herz brechen :�(

    Das kann ihm genausogut wegen etwas anderem passieren, als wegen Homosexualität. Je mehr man aus der vorherrschenden Norm fällt, desto eher kann einm das zwar passieren und desto schwieriger findet man neue Freunde, aber nur wegen Homosexualität alleine hat er kein Schicksal als Außenseiter gepachtet.


    Warum Freundschaften auseinanderfallen kann ganz viele Gründe haben. Im Zweifel hat der andere bessere Noten und tut sich in der Schule leichter, jemand zieht um oder geht zu einer anderen Schule oderoder ... .

    Zitat

    Ich würde das vielleicht nicht ganz so ernst nehmen. Kinder in diesem Alter entwickeln häufig bisexuelle Neigungen, die sich wieder später wieder verlieren.

    Wie schon gesagt, ich kann diese Aussage von einem 11 jährigen nicht ernst nehmen.


    Er solle mal sehen, wie das ist, wenn womöglich die ersten Mädchen kommen.


    Aber in dem Alter, wo er jetzt ist, nein.

    Zitat

    Natürlich gibt es ein Teil in mir, der auch hofft, dass das alles nur eine Phase ist

    Und glaube mir, dieser Teil wird wohl recht behalten.