Bekommt man ein besseres Immunsystem wenn man keine Medikamente nimmt?

    Ich möchte klarstellen, dass der hier beschriebene Umgang mit Krankheiten nicht meiner eigenen Meinung entspricht. Ich weiß zwar (noch) nicht, wie ich das bei potenziellen eigenen Kindern handhaben würde, "so" aber jedenfalls nicht.


    Ich bin unter der Devise aufgewachsen, dass man nicht "wegen jeder Kleinigkeit" zum Arzt rennt. Vorsorgeuntersuchungen spielten in meiner Familie genau so wenig eine Rolle wie Impfungen. Daher kann ich mich an ganze drei Mal erinnern, die ich ein Wartezimmer vor innen gesehen habe (+ Augenarzt). Als Teenager wurde dann erwartet, dass ich mich um sowas selbst kümmere. Was ich dann logischerweise kaum gemacht habe, weil ich eben gelernt habe, dass man nicht wegen "Kleinigkeiten" zum Arzt geht.

    Ich hatte bis ins frühe Teenageralter regelmäßig (mehrmals im Jahr) starke Mandelentzündungen mit unerträglichen Halsschmerzen, sowie starken Husten, bei der meine Atemwege teilweise komplett zu waren und ich keine Luft mehr bekam. "Behandelt" wurde das mit Hustenbonbons und Orangensaft.


    Im Nachhinein betrachtet finde ich diesen Umgang meiner Eltern damit beschissen.


    Was mir aber auch zu denken gibt: um mich herum sind alle ständig krank, d.h. mehrmals im Jahr. Ich hingegen? Ca. alle zwei Jahre ein grippaler Infekt mit Fieber. Ich habe ein spitzenmäßiges Immunsystem, an dem sämtliche Erreger einfach abzuprallen scheinen.


    Deshalb frage ich mich jetzt: ist das Zufall oder hat diese "Abhärtung" in Form von ausbleibender Behandlung von Krankheiten funktioniert?


    Ich bin auch skeptisch wenn ich sehe, dass Leute bei ein bisschen Fieber direkt zu Medikamenten greifen.

    Aber es sollte doch einen Mittelweg geben?

  • 4 Antworten

    Nein, man bekommt kein besseres Immunsystem, wenn man keine Medikamente nimmt.


    Es gibt allerdings Leute, die mit dem Kopf unterm Arm noch arbeiten gehen, und andere die mit Haarspitzenkatarrh zwei Wochen fehlen und alles schlucken, was sie kriegen können.

    Das nimmt man dann so wahr, als sei der eine seltener krank als der andere.

    thelibrarian schrieb:

    Ich habe ein spitzenmäßiges Immunsystem, an dem sämtliche Erreger einfach abzuprallen scheinen.

    Vielleicht ist auch einfach deine Hygiene, sieht man ja aktuell wie wichtig das ist, einfach besser.


    Hast du die Impfungen mittlerweile nachgeholt?

    thelibrarian schrieb:

    Deshalb frage ich mich jetzt: ist das Zufall oder hat diese "Abhärtung" in Form von ausbleibender Behandlung von Krankheiten funktioniert?

    Das hat oft mehrere Gründe.

    Einige Menschen haben von Natur aus eine bessere Widerstandskraft oder Widerstandsfunktion als andere und werden daher weniger krank oder schneller wieder gesund.

    Andere sind anfälliger, schneller krank oder länger krank. Das ist bei jedem verschieden.


    Alter und Vorerkrankungen spielen auch eine Rolle und auch Ernährung und ob man Schindluder mit seinem Körper betreibt wie Rauchen.

    Zitat

    Deshalb frage ich mich jetzt: ist das Zufall oder hat diese "Abhärtung" in Form von ausbleibender Behandlung von Krankheiten funktioniert?

    Ich hatte genau das Gegenteil von dem, was du erlebt hast. Zahlreiche Krankenhausaufenthalte und Wartezimmer habe ich mehr von innen gesehen als mir lieb ist. Tatsächlich krank war und bin ich äußerst selten. Ich würde deshalb die umgekehrte Theorie aufstellen. Weil ich von Anfang an "unter Beschuss" stand, setzt sich kaum ein Erreger heute durch. Wahrscheinlich ist es aber schlicht und ergreifend bei jedem unterschiedlich.

    Zitat

    Ich bin auch skeptisch wenn ich sehe, dass Leute bei ein bisschen Fieber direkt zu Medikamenten greifen.

    Aber es sollte doch einen Mittelweg geben?

    Der Mittelweg besteht für mich darin, auf seinen Körper zu hören und dementsprechend zu handeln. Im Zweifel lieber einmal mehr einen Arzt besuchen als zu Hause herumdoktern und irgendwas verschleppen. Wenn Medikamente notwendig sind, verschreibt dieser die schon. Und sich nicht gleich mit Antibiotika abspeisen lassen.

    Die ganzen Mittelchen aus der Apotheke machen in meinen Augen nur die Pharmaindustrie reich. Wenn es vom Arzt einen Krankenschein aber kein Rezept gibt, tun es auch die althergebrachten Hausmittel.


    Impfungen sind für mich indiskutabel. Die sollte man haben. Erst recht als Erwachsener. Vorsorgeuntersuchungen will ich nicht grundsätzlich schlecht reden. Für mich machen aber die generellen Empfehlungen hierzu wenig Sinn. 1. "Ab einem gewissen Alter sollte man" - Es gibt genug jüngere Patienten, die an der selben Krankheit leiden. Das hat man dann auch ohne Vorsorgeuntersuchung festgestellt. Oder die jungen Patienten sind daran verstorben, weil ja für das Alter noch keine Vorsorgeuntersuchung empfohlen ist. Also geht man in aller Regel nicht hin. 2. "Die Vorsorgeuntersuchung sollte in einem bestimmten Abstand stattfinden" - Und was ist zwischendurch? Bei Vorsorgeuntersuchung 1 wird nichts festgestellt. Die nächste findet unter Umständen erst nach Jahren statt. Das heißt nicht, dass eine Krankheit nicht zwischendurch auch ausbrechen kann. Sie wird dann vielleicht aber zu spät entdeckt und keiner kann mehr helfen. Es ist schwer selber abzuschätzen, wie man das am besten handhabt.