Grognor schrieb hier:

    Zitat

    Bis dato gab es noch keinen bestätigten Erkrankungsfall unter den Menschen die Kontakt mit dem mittlerweile, in Amerika verstorbenen, Patienten hatten. Dafür drehen die ganzen Hypochonder fest am Rad

    Ich schrieb daraufhin am 09.10.:

    Zitat

    Hoffen wir, daß das so bleibt. Es ist aber derzeit noch zu früh für Entwarnung. Vom 28.09. müssen 12+4 Tage dazu, dann liegen wir beim 14.10. Passiert die nächsten 5 Tage nichts, dann scheint es realistisch, daß in USA nichts angebrannt ist.

    Nun haben wir den 15.10. und wir haben den offiziell bestätigten Ansteckungsfall Nummer 2 in den USA:


    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ebola-zweite-us-pflegekraft-positiv-getestet-a-997269.html


    Damit haben wir beim ersten USA-Fall bereits jetzt ein R0 von 2,0. Das liegt jetzt also schon genauso hoch wie der Durchschnitt in Afrika und die 21 Tage nach Einäscherung von Patient USA-Nr. 0 sind noch nicht mal abgelaufen. Wenn man inzwischen davon ausgehen muß, daß das KH in Dallas nicht in der Lage war, seine Mitarbeiter effektiv zu schützen, müssen im Prinzip ab Tod von Patient USA-Nr. 0 um die 21 Tage vergangen sein, bevor klar ist, wer möglicherweise noch angesteckt wurde oder ob es sich auf die beiden Pflegerinnen beschränkt hat.


    Aber die westlichen Systeme sind den Afrikanischen Verhältnissen ja so überlegen.


    Mir gibt das zu denken.


    Noch schlimmer:


    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ebola-in-den-usa-132-flugpassagiere-sollen-sich-bei-behoerden-melden-a-997396.html


    Zitat aus dem vorgenannten Artikel: "Normalerweise sind Ebola-Infizierte während der Inkubationszeit - also bis zum Ausbruch der Krankheit - nicht ansteckend. Wegen der kurzen Zeitspanne zwischen Flug und dem einsetzenden Fieber entschied sich die Gesundheitsbehörde jedoch für die Sicherheitsmaßnahme. Die Beschwerden durch eine Infektion mit Ebola-Viren entwickeln sich erst, wenn sich die Krankheitserreger im Körper ausreichend vermehrt haben. Von dieser sogenannten Viruslast hängt auch ab, wie ansteckend ein Patient ist."


    Genau gelesen? Es kommt jetzt zum ersten Mal öffentlich zum Ausdruck, daß die Experten bei dem Thema "ab wann ist man denn nun genau ansteckend" auch nicht 100%ig klar und sicher sind.


    Wie hoch ist die Viruslast denn nun 24 Std. vor dem ersten Fieber? Wie hoch muß die Viruslast denn überhaupt sein, um andere anstecken zu können? Keiner weiß es genau.


    Warum ist das so? Weil alle diesbezüglichen Annahmen zu EBOV auf rein empirischen Analysen der Daten, bzw. Beobachtungen bisheriger Ausbrüche begründet sind.


    Beobachten und Probieren, so tickt unsere moderne Medizin. Nicht umsonst wurden viele einschneidende Medikamente "zufällig" entdeckt.


    Nochmal zum Thema Kanalisation: es waren gerade die Epidemien (durch offene Schwemmkanalisation verursacht), die am Ende des Mittelalters in Europa zum Bau von geschlossenen Kanalsystemen geführt haben. Allerdings sind diese in wesentlichen Teilen seit Ihrem Bau vor z. T. über 100 Jahren unverändert und vielfach in desolatem Zustand. Warum z. B. Krankenhäuser nicht grundsätzlich eine Mikrofiltration sowie Mikro-Organismus-Elemination vorgeschrieben bekommen, bevor deren Abwasser in die öffentliche Kanalisation gelangt ist nicht nachvollziehbar.


    Leider war es in der Geschichte der Menschheit immer so, daß erst große Verluste an Leben passieren mußten, bis die Gesellschaft bereit zu grundlegenden Änderungen oder Neuerungen war. Hochmut kommt vor dem Fall. Es ist zu befürchten, daß es mit Ebola genauso sein wird.


    Ich würde inzwischen für Personen aus Sierra Leone, Guinea und Liberia kein EU Visum mehr gewähren und alle bestehenden Visa widerrufen. Dann hätte sich das Thema Flugverkehr schon aus wirtschaftlichen Gründen für die Fluglinien relativ schnell erledigt. Im gleichen Zug sollten wir eine professionelle Luftbrücke dorthin aufbauen und die gerade mal knapp über 20 Mio. Einwohner der drei Länder ausreichend mit allen medizinischen Dingen sowie mit ausreichend Nahrung, Kleidung, Hygiene, etc. versorgen.


    Nachdem es offensichtlich nicht gelingt, die Übertragung zu drücken, würde damit wenigstens die Chance steigen, die Epidemie lokal einzudämmen.

    Zitat

    Im gleichen Zug sollten wir eine professionelle Luftbrücke dorthin aufbauen und die gerade mal knapp über 20 Mio. Einwohner der drei Länder ausreichend mit allen medizinischen Dingen sowie mit ausreichend Kleidung, Hygiene, etc. versorgen.

    sehe ich nicht so, da sie ja Ebola verneinen. Also die Afrikaner


    Warum sollen wir jemandem helfen, der garkeine Hilfe will?


    http://www.med1.de/Forum/Cafe/690184/

    Zitat

    Wenn man inzwischen davon ausgehen muß, daß das KH in Dallas nicht in der Lage war, seine Mitarbeiter effektiv zu schützen, müssen im Prinzip ab Tod von Patient USA-Nr. 0 um die 21 Tage vergangen sein, bevor klar ist, wer möglicherweise noch angesteckt wurde oder ob es sich auf die beiden Pflegerinnen beschränkt hat.

    Nein. Es sind drei Wochen nach Gesundung oder Tod der beiden Angesteckten abzuwarten.

    Zitat

    Genau gelesen? Es kommt jetzt zum ersten Mal öffentlich zum Ausdruck, daß die Experten bei dem Thema "ab wann ist man denn nun genau ansteckend" auch nicht 100%ig klar und sicher sind.

    Da die Ansteckungsgefahr mit der Viruslast stufenlos ansteigt und nicht einfach ein Schalter umgelegt wird von "nicht ansteckend" zu "ansteckend", kann man da ja auch keine hundertprozentig verlässliche Grenze ziehen.


    Hast Du eigentlich für Ärzte ohne Grenzen gespendet oder etwas anderes unternommen, was im Bereich Deiner Möglichkeiten liegt?

    Was ja aber auch ganz schön besorgniserregend ist. Bei voll ausgebrochener Krankheit ist das Zeug schon übel infektiös, und der Umgang damit ist hier und da wirklich nicht vertrauenerweckend.


    Aber wie es halt so ist – wären alle total schlau und besonnen, wäre es nicht ansatzweise so weit gekommen, aber Menschen sind mitunter dumm, mit den Gedanken woanders, in Panik ...


    Ich hoffe sehr, dass sie den Plan, bis Ende dieses Jahres wenigstens ansatzweise so etwas wie Kontrolle zu erlangen, umsetzen können.

    Klar ist das nicht unbedingt beruhigend, aber das menschliche Fehler imme rmöglich sind war doch klar und meine Meinung zum amerikanischen Gesundheitssystem war noch nie sonderlich positiv. Es entkräftet aber alls hier die Angst haben diese Infekte wären möglich weil man eben gar nicht genau wisse wie das Virus sich verbreitet.


    So grauenhaft es für die Betroffenen ist, so beingt es hoffentlich doch endlich alle in Schwung sich mal wirklich reinzuhängen. Wenn es um den eigenen Arsch geht sind Menschen doch meist viel motivierter als wenn am anderen Ende der Welt so ein paar arme Schlucker krepieren...

    Zitat

    Das CDC schließt eine Übertragung über Abwässer, sprich per Kanalisation, explizit aus. Solche Dinge hat man als Laie halt auch irgendwann mal zu akzeptieren, oder meinst du übersteigt deine "Expertise" auf diesem Fachgebiet, jener des CDCs? Das ist kein Amateurverein.

    Ich will ja nicht unken, ich zähle mich persönlich nicht zu denen, die Paranoia schieben, ich fliege dieses Jahr sogar noch nach Westafrika und mach mir kaum Gedanken deshalb (Nigeria). Also nur insofern, dass man sich vernünftig verhalten und ehrlich Auskunft geben sollte, wenn man dort wissentlich Kontakt mit Erkrankten hatte, was in meinem Fall eher unwahrscheinlich ist.


    Das mit dem Abwasser hatte mich nur interessiert, weil noch vor ein paar Wochen groß durch die Presse ging, wie die Ausscheidungen eines Patienten hier in D mit Polizeieskorte zur Sondermülldeponie gebracht wurden. Ich mag auch gerne glauben, dass die CDC Ahnung hat und beste Arbeit leistet. ABER was man jüngst so zu lesen bekommt, darf schon leise Zweifel an der Kompetenz aufkommen lassen, wie ich finde:

    Zitat

    Neue Details zum zweiten Ebola-Fall in den USA werfen kein gutes Licht auf das Krisenmanagement der Gesundheitsbehörden: Die Seuchenbehörde CDC räumte ein, einer Krankenschwester die Erlaubnis für einen Inlandsflug gegeben zu haben, obwohl die 29-Jährige vor dem Start der zuständigen Behörde gemeldet hatte, sie habe leicht erhöhte Temperatur. Dennoch habe ihr der Beamte die Erlaubnis zum Flug erteilt, sagte CDC-Sprecher David Daigle.

    Ja, es heißt:

    Zitat

    Das Risiko, dass sich Mitreisende angesteckt hätten, sei aber "äußerst gering", sagte CDC-Direktor John Frieden. Das Flugzeug wurde nach der Landung in Dallas gründlich und den CDC-Regeln entsprechend gereinigt, hieß es in einer Erklärung der Fluggesellschaft.

    Aber:

    Zitat

    Die Behörden waren darüber informiert, dass die Krankenschwester – ebenso wie eine bereits erkrankte Kollegin – einen Liberianer versorgte, der das Virus aus Liberia eingeschleppt hatte und schließlich in einem Krankenhaus in Dallas im Bundesstaat Texas starb. Die Frau wurde aber erst isoliert, nachdem sie sich einen Tag nach ihrem Flug erneut mit Fieber gemeldet hatte

    http://www.tagesschau.de/ausland/ebolausa-109.html


    Mir stellt sich schon die Frage, geringes Risiko hin oder her: Was soll das? Die Zahl derer, die in den USA nachweislich Kontakt mit Erkrankten im Endstadium hatten, ist ja nun wirklich nicht sooo hoch. Wieso lässt man aber nicht mal da Vorsicht walten? ??? Muss man wirklich einer der Pflegerinnen, die dort arbeitete, wo sich bereits eine Kollegin infizierte, eine Flugerlaubnis erteilen, wenn sie schon erhöhte Temperatur hat? Ich finde schon, dass man sich angesichts solcher Meldungen Sorgen darüber machen darf, wie gut die CDC ihre Arbeit macht und ob man wirklich erfahren würde, wenn wie im Fall von Viren in der Kanalisation o.ä. eine Gefahr bestünde.

    Zitat

    Die Behörden waren darüber informiert, dass die Krankenschwester – ebenso wie eine bereits erkrankte Kollegin – einen Liberianer versorgte, der das Virus aus Liberia eingeschleppt hatte und schließlich in einem Krankenhaus in Dallas im Bundesstaat Texas starb. Die Frau wurde aber erst isoliert, nachdem sie sich einen Tag nach ihrem Flug erneut mit Fieber gemeldet hatte

    Die größte Chance von Ebola besteht eben letztendlich in einer Kombination aus Unwissen und menschlichem Unvermögen, die eigenen Individualinteressen bei entsprechendem Erfordernis hintenanzustellen. Und die Bevölkerung in Westafrika ist darin zurzeit Weltmeister.

    @ shojo

    Zitat

    Hast Du eigentlich für Ärzte ohne Grenzen gespendet oder etwas anderes unternommen, was im Bereich Deiner Möglichkeiten liegt?

    Lustig, was hier für Fragen gestellt werden. Ich spende tatsächlich regelmäßig sowohl als Privatperson seit Jahren in 3-stelligen Größenordnungen an zwei Organisationen, die in der dritten Welt helfen als auch geschäftlich in 4-stelligen Größenordnungen per anno.


    Eine Spende an Ä. o. G. habe ich nicht und werde ich nicht vornehmen. Die können das n. m. M. nicht in den Griff bekommen.


    Ich sehe aber den Deutschen Staat in der Verantwortung, kurzfristig Entscheidungen, Mittel und Logistik voran zu bringen und der hat die Möglichkeit. Der Deutsche Staat erhält von mir persönlich seit vielen Jahren einen hohen 5 stelligen Euro Betrag namens Einkommenssteuer pro Jahr. Dafür soll der Staat in dieser Gefährdungssituation mal bitte zielgerecht handeln. Das fordere ich ein.

    @ danae87

    Zitat

    Klar ist das nicht unbedingt beruhigend, aber das menschliche Fehler imme rmöglich sind war doch klar und meine Meinung zum amerikanischen Gesundheitssystem war noch nie sonderlich positiv.

    Ich hatte heute ein Gespräch mit einer Bekannten, die als MTA in der Notaufnahme eines großen Krankenhauses in einer süddeutschen Großstadt arbeitet. Nach ihrer Einschätzung beherrschen in D derzeit nur die Handvoll Krankenhäuser mit Hochisolations-Station einen plötzlich eingelieferten EBOV Patienten ohne Risiko sich selber anzustecken.


    Wenn bei ihr morgen jemand mit Ebola käme, wären sie nach eigener Aussage "am Arsch". Es gäbe nicht mal einen Krankenwagen, um so jemanden sicher in eine Hochisolation zu verbringen.

    @ Grognor

    Zitat

    Kannst du mal sagen was "Hochisolation" bei dir ist? Sowas gibt es nämlich nicht.

    Naja, zumindest bei Wikipedia gibt's das: http://de.wikipedia.org/wiki/Sonderisolierstation aber Du bist wahrscheinlich besser gebildet als die in Wiki vereinigte Netzgemeinde.

    @ Annaaw

    Nochmal zum Kanal: die CDC schreibt nicht, was Grognor hier nicht korrekt übersetzt und interpretiert hat. Bitte mal Wort für Wort übersetzen: laut CDC ist die Entsorgung von infektiösen Fäkalien in der Kanalisation mitnichten unbedenklich. Unbedenklich ist diese "additionally" also wenn die kontaminierten Fäkalien ZUSÄTZLICH vorbehandelt (erhitzt, desinfiziert, etc.) werden.


    Ist ja auch völlig witzlos: die Wohnung von Mr. Duncan sowie das ganze Flugzeug von gestern wurden pressewirksam desinfiziert aber im Kanal sollen die Ausscheidungen voller Viren unter Abwesenheit von UV Licht bei konstant milder Temperatur und Feuchtigkeit schnell inaktiv werden?


    Sorry, aber das ist doch alles blinder Aktionismus.


    Anfang nächsten Jahres kommt dann der US-Impfstoff und der Rubel rollt ...