Interessante Diskussion... Ich bin übrigens gegen ein 3-teiliges Schulsystem, in anderen Ländern gibt es schon lange nur eine Schulform, in der dann Kurse mit unterschiedlich hohem Level angeboten werden. Dafür wird aber niemand von vorneherein (nach der 4. Klasse, da ist man 10!) in ein bestimmtes gesellschaftliches Bild gepresst (Hauptschule-> dumm, asozial; Gymnasium-> schlau, eventuell überheblich etc.)


    Das von Sirat verwendete Wort heißt übrigens Brain Drain ;-)


    Ich hoffe ihr findet eine angemessene Lösung für euren Sohn/Enkel. In meiner Schulzeit bin ich in so nem Hochbegabten-Förderungsprojekt gewesen (glaube aber ohne IQ-Test, wurde einfach mal an den Schulnoten festgemacht...), da haben wir dann zusätzlich zu Latein (ab 5. Klasse) auch noch Englisch gleich mitgelernt. Ich hab das aber irgendwann abgebrochen, da ich es blöd fand, mehr tun zu müssen, als andere Kinder, mit denen ich mich nachmittags verabreden wollte (ich halte mich nicht für hochbegabt, andere schon).


    Ich finde es wichtig, Kinder entsprechend ihrer Interessen und Talente zu fördern (war selbst auf der Montessori-Grundschule, da konnte ich mit meiner Freundin in der Freiarbeit nach Beendigung aller Aufgaben ein Buch schreiben (hatte mehrere hunderte Seiten). Klassen zu überspringen, halte ich zumindest sozialtechnisch betrachtet, für keine gute Idee, habe das bei einem Mädchen in meiner Klasse mitbekommen (1.&4. Klasse übersprungen), die war immer jünger, hatte andere Interessen als alle anderen und wurde entsprechend gemobbt würde ich sagen. Wobei das auch immer noch auf die Kinder ankommt, ich hätte im Leben niemanden schlecht behandelt :-/ Aber gut eingebunden wird man mit völlig anderen Interessen logischerweise auch nicht...

    Hallo!


    Der Fall deines Enkels erinnert mich sehr an mich selber.


    Ich habe einen IQ von 143 und war auch immer mit der Schule unterfordert.


    Die Verhaltensauffälligkeiten sind sehr typisch und deuten auf Unterforderung.War bei mir sehr ähnlich.


    Mein Tipp ist mal mit der Lehrerin/ der Direktorin über außerschulische Aktivitäten zu reden bzw. darum beten dass er in gewissen Fächern in einer höhern Klasse unterrichtet werden soll.

    Lehrer können auf dem Level von Hochbegabten nicht operieren bzw. können diese Kinder eigentlich nicht verstehen.


    Die Unterrichtsmethoden mit den vielen Wiederholungen und dem Frontalunterricht sind auch nicht auf diese Kinder ausgelegt, da diese meist etwas schon beim erstenmal verstehen und "Learning by Doing" bevorzugen.


    Die Schule möglichst schnell abschließen und dann weiter zur Uni ist das beste für einen Hochbegabten.


    Gleichzeitig gibt es die Möglichkeit schonmal während der Schulzeit ein paar Semester zu studieren an einer Fernuni.


    Die Leistungen werden anerkannt sobald man das Abitur in der Tasche hat.


    Weiter interessant sind außerschulische Hobbies, denen Hochbegabte nachgehen können. Das hat mir z. B. früher während meiner Schulzeit in Mathematik (Bundeswettbewerb Mathe, Matheolympiade etc.), Informatik (Bundeswettbewerb Informatik) etc. viel Ausgleich gebracht.


    Weiter kann man als sich als Hochbegabter im Internet noch mit Leuten austauschen, die ähnliche Interessen haben / auf dem gleichen Niveau sind.

    Aber nur mal eben nebenbei, damit kein anderer Leser auf dumme Ideen kommt: Ein verhaltensauffälliges Kind KANN zwar hochbegabt sein - muss es aber noch lange nicht sein. Bevor wir hier wen haben der sagt "Mein Kind ist auch verhaltensauffällig, also muss es überdurchnittlich intelligent sein." %-|

    Zitat

    Die Unterrichtsmethoden mit den vielen Wiederholungen und dem Frontalunterricht sind auch nicht auf diese Kinder ausgelegt, da diese meist etwas schon beim erstenmal verstehen und "Learning by Doing" bevorzugen.

    Reinen Frontalunterricht dürften die wenigsten modernen Schulen pflegen. Übrigens habe ich Zweifel, dass Frontalunterricht besser auf die Bedürfnisse nicht hochbegabter Kinder abgestimmt ist.

    Zitat

    Ein verhaltensauffälliges Kind KANN zwar hochbegabt sein – muss es aber noch lange nicht sein

    bei uns wurde es aber durch die mehrfachen iq-test nachgewiesen, dass es so ist. (eigenständiges handeln von ärzten oder therapeuten) nicht das jemand denkt ich renne von arzt zu arzt, bis mir die passende diagnose gefällt. auf son theater kann ich gerne verzichten.


    man sollte aber nicht überlesen, dass er atypischen autismus hat.


    es ist aus meiner sicht wichtiger unterstützung in den dingen des alltäglichen lebens zu erhalten und nicht sein iq zu fördern. das macht er schon von allein.


    vorallem sollte er trotz seines iq´s ein kind sein. und die vorzüge eines kindes geniessen und nicht wie ein elite-schüler gedrillt werden.


    klug kann er später immer noch sein. kind sein hört irgendwann auf.

    @ Lancis:

    Zitat

    Reinen Frontalunterricht dürften die wenigsten modernen Schulen pflegen. Übrigens habe ich Zweifel, dass Frontalunterricht besser auf die Bedürfnisse nicht hochbegabter Kinder abgestimmt ist.

    Wie auch immer. Das Problem ist das Schulsystem selbst, dass sich nicht ändern oder reformieren lassen wird meiner Meinung nach. Für einen Hochbegabten ist das beste es zu ertragen und sich nicht allzu viel von der Schule zu erhoffen in Sachen Förderung.

    Man erhofft immer zu viel von einer Schule, wenn man ihr die gesamte Förderung eines Kindes überlassen möchte.

    Zitat

    Das Problem ist das Schulsystem selbst, dass sich nicht ändern oder reformieren lassen wird meiner Meinung nach.

    Wie wäre es denn deiner Meinung nach wünschenswert?

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    Wie wäre es denn deiner Meinung nach wünschenswert?

    Man sollte als erstes Wettbewerb in der Schule fördern, d.h. Leistungstests und Projekte wo Schüler sich miteinander messen können. Also nicht einfach nur Klausuren, wo die ganze Klasse systematisch drauf vorbereitet wird, sondern unvorbereitete Tests. Dafür sollte es die Leistungspunkte geben, nicht für "Hausaufgaben pünklich abgeben" oder "gute Mitarbeit" und dieser andere "Mädchenkram".


    Und man sollte die Möglichkeit bieten, dass Schüler in einzelnen Fächern in denen sie besonders gut sind bereits Material höherer Klassenstufen lernen können und Fächer in denen sie schlechter sind entsprechend andersrum. Vielleicht bildet man für jedes Fach und jeden Schwierigkeitsgrad eigene Klassen mit Kindern, die sich entsprechend in Tests qualifiziert haben. So wird jeder auf seinem Niveau gefördert.


    Das wird aber leider ein Traum bleiben.. Gerade in Deutschland.. wegen der Gleichmacher-Philosphie und Elitenangst und natürlich weil dann Mädchen schlechter abschneiden würden und das wäre politisch unpopulär.

    Zitat

    Also nicht einfach nur Klausuren, wo die ganze Klasse systematisch drauf vorbereitet wird, sondern unvorbereitete Tests.

    Du möchtest also etwas abfragen, was die Schüler nicht gelernt haben? Unangekündigte Prüfungen sind ohnehin geläufig.

    Zitat

    Dafür sollte es die Leistungspunkte geben, nicht für "Hausaufgaben pünklich abgeben" oder "gute Mitarbeit" und dieser andere "Mädchenkram".

    Seine Hausaufgaben zu erledigen ist kein "Mädchenkram", sondern notwendig für eine Beurteilung und zudem Teil der Ausbildung. Schule bereitet einen auf das spätere Leben vor und da zählt nicht die Anlage, sondern die Leistung. Niemanden kümmert es, wenn du das Potential für den Nobelpreis hast, es aber nicht nutzt. Wäre es anders, könnten wir uns Noten einfach sparen und nach den Ergebnissen eines Intelligenztestes Aufgaben verteilen. Das wäre nicht effizient.

    Zitat

    Und man sollte die Möglichkeit bieten, dass Schüler in einzelnen Fächern in denen sie besonders gut sind bereits Material höherer Klassenstufen lernen können und Fächer in denen sie schlechter sind entsprechend andersrum. Vielleicht bildet man für jedes Fach und jeden Schwierigkeitsgrad eigene Klassen mit Kindern, die sich entsprechend in Tests qualifiziert haben. So wird jeder auf seinem Niveau gefördert.

    So wird jeder zu dem, was man umgangssprachlich "Fachidiot" nennt. Statt eine Basis zu bilden, für welche man mit dem Schulabschluss ein "Zertifikat" erhält, werden die Spitzen weiter gefördert (was durchaus gut ist) und die Täler nicht ausgeglichen (was nicht gut ist). Zudem lässt sich das selbst in kleinen Klassen mit weniger als einem Dutzend Schülern schwer verwirklichen. Stoffvertiefung kann man durch den Wahlunterricht betreiben. Darüber hinaus bleibt einem die Freizeitbeschäftigung – und gerade von einem besonders intelligenten Schüler kann man Eigenantrieb erwarten.

    Zitat

    wegen der Gleichmacher-Philosphie und Elitenangst und natürlich weil dann Mädchen schlechter abschneiden würden und das wäre politisch unpopulär.

    Was gibt dir diese Idee ein?

    Zitat

    Seine Hausaufgaben zu erledigen ist kein "Mädchenkram", sondern notwendig für eine Beurteilung und zudem Teil der Ausbildung. Schule bereitet einen auf das spätere Leben vor und da zählt nicht die Anlage, sondern die Leistung. Niemanden kümmert es, wenn du das Potential für den Nobelpreis hast, es aber nicht nutzt. Wäre es anders, könnten wir uns Noten einfach sparen und nach den Ergebnissen eines Intelligenztestes Aufgaben verteilen. Das wäre nicht effizient.

    Ich sehe darin mehr eine Konditionierung in blinder Ergebenheit gegenüber Autoritäten. Stattdessen sollte man Schülern beibringen eben diese Autoritäten zu hinterfragen und auch den Sinn des ganzen. Und ja, diese Fleißnoten sind definitiv Mädchenkram und völlig irrelevant für das "spätere Leben".

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    So wird jeder zu dem, was man umgangssprachlich "Fachidiot" nennt. Statt eine Basis zu bilden, für welche man mit dem Schulabschluss ein "Zertifikat" erhält, werden die Spitzen weiter gefördert (was durchaus gut ist) und die Täler nicht ausgeglichen (was nicht gut ist). Zudem lässt sich das selbst in kleinen Klassen mit weniger als einem Dutzend Schülern schwer verwirklichen. Stoffvertiefung kann man durch den Wahlunterricht betreiben. Darüber hinaus bleibt einem die Freizeitbeschäftigung – und gerade von einem besonders intelligenten Schüler kann man Eigenantrieb erwarten.

    Ein Schulabschluss ist kein "Zertifikat" für irgendwas. Das wäre es höchstens, wenn man meine Vorschläge umsetzen würde. Dann könnte man an den Noten wirkliches geistiges Potential ablesen und nicht wie bisher willkürliche Beurteilungen von semiqualiifizierten Personen. Man kann nicht durch Wahlunterricht die mangelnde Förderung ausgleichen und das Unterdrücken von Individualität und Originalität, wie es derzeit in der Schule ist. Für mich ist die Schule eine Bildungsvollzugsanstalt, die man als besonders Begabter über sich ergehen lassen muss um das tolle "Zertifikat" zu bekommen, damit man auf der Universität (vielleicht) endlich gefordert wird. Schule ist eine Form von Gefängnis – staatlich gefördert – welches Originalität und Kreativität abtötet um folgsame und unterwürfige zukünftige Arbeitnehmer zu bauen.

    Zitat

    Was gibt dir diese Idee ein?

    Lassen wir das lieber...

    Wie ich bereits sagte, Begabung alleine hat wenig Wert, auch ein Hochbegabter muss das lernen. Wenn du eine andere Meinung hast, sei dir diese unbenommen, aber ich teile sie nicht. Meine Schule habe ich nicht als Gefängnis wahrgenommen, sondern als Chance.

    Irgendwie hab ich den Eindruck, dass heutzutage etwa 98% aller Schulkinder hochbegabte Intelligenzbestien sind.


    Soziales Fehlverhalten wird nicht nur toleriert, sondern ist geradezu erwünscht. Ein Kind, dass sich in der Schule unmöglich benimmt, muss ja was Besonderes sein.


    Für mich gehört zur Intelligenz abeer nicht nur die Fähigkeit, z.B. Zahlenreihen zu erkennen, sondern auch die Intelligenz, zu merken, wann man seinen Klassenkameraden auf die Nerven geht.


    Gerade ein intelligentes Kind dürfte sich eigentlich nie langweilen, weil es sich für alle möglichen Dinge interessiert und auch intelligent genug ist, sich selbst zu beschäftigen.

    Ich hab mich gerade hier durch den Thread gewühlt und viele sehr interessante Ansichten gelesen. Ich selber gehöre auch zu jenen, die mit einer Hochbegabung die Schulzeit überlebt haben. Allerdings- um das gleich vorweg zu nehmen- war die Schulzeit für mich nichts weiter als eine Art von Hobby. Rein wirtschaftlich gesehen habe ich nur versucht mit möglichst wenig Aufwand den größten Nutzen für mich zu ziehen. Sprich: Ich habe kaum gelernt, dennoch gute Noten gehabt. Die Chance ein Klasse zu überspringen habe ich nicht genutzt, obwohl sie mir angeboten wurde. Ich hatte viele Freunde in meiner Klasse und wollte den sozialen Kontakt zu ihnen nicht verlieren.


    Ich habe mich häufig gelangweilit, wurde zwar nicht verhaltensauffällig, aber habe doch durchaus nur aus reiner Frustrationen ziemliche Diskussionen mit Lehrern über Fachthemen gehabt. Für mich war es eine Genugtuung den Lehrern beweisen zu können, dass IHR Fach und IHR Wissen letztendlich begrenzt sind. Irgendwann wurde mir das Ganze dann einfach auch zu doof und ich habe ab der 10. Klasse gemerkt, dass ich locker zwei Wochen in der Schule fehlen kann und den Wissensrückstand innerhalb kürzester Zeit (meist ca. 1 Nachmittag) aufholen kann. Ich hab daraufhin häufiger gefehlt und hatte Spaß daran mein Gehirn mit dem Unterrichtsstoff von einigen Tagen/Wochen zu füttern. Zudem konnte ich die schulfreie Zeit für andere Dinge nutzen- Dinge, die mich wirklich gefordert haben. Endlich fühlte es sich gut an. Natürlich waren meine Lehrer vom Fehlen wenig begeistert und so gab es einige Gespräche. Als dann das Thema IQ usw. erneut aufgegriffen wurde, haben wir eine ganz akzeptable Lösung gefunden. Ich musste zwar jeden Tag am Unterricht teilnehmen, durfte aber in manchen Fächern in den höheren Klassenstufen mal reinschnuppern. Gerade an den Tagen, wo viel Unterrichtsstoff wiederholt wurde- vor Klausuren z.B.- habe ich viel Zeit in anderen Klassenräumen verbracht oder durfte mich selbstständig mit der Materie befassen.


    Was ich letztendlich sagen möchte: Viele Leute mit einem hohen IQ haben ganz unterschiedliche Fähigkeiten und Möglichkeiten. Nicht alle mit einem IQ von 140 haben die gleichen Fähigkeiten. Findet heraus, wo sein Schwerpunkt liegt und fördert ihn bewusst in den anderen Bereichen. Das Interesse zieht einen, die Motivation treibt... Doch man sollte sich bewusst sein, dass diese Langeweile im Unterricht auch ziemliche Schäden verursachen kann. Hätte man bei mir diese Lösung nicht angeboten, hätte ich wahrscheinlich die Schule vorzeitig abgebrochen, da es einfach nicht mehr zu ertragen war dem normalen Unterricht folgen zu müssen. Zudem wäre eine Benotung aufgrund der Fehlzeiten nicht möglich gewesen.