Hast du dir mal überlegt, ob er nicht extrem eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder sein könnte? Bis er kam, hat er alle Aufmerksamkeit der Welt von euch bekommen, nun spielt er die zweite Geige, was ja aufgrund der Bedürfnisse des Jüngeren "normal" ist. Wie geht er mit seinem Bruder um?

    Kantenmechaniker

    Zitat

    Wie geht er mit seinem Bruder um?

    Er versucht ihn zu ignorieren: "Was aber am auffälligsten ist, dass er seinen Bruder zwar inzwischen wahrgenommen hat, aber ihn nicht sieht."

    @ Kantenmechaniker

    Zitat

    Hast du dir mal überlegt, ob er nicht extrem eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder sein könnte?

    Aus den anderen Thread der TE:

    Zitat

    Die Rückschritte fingen ja schon lange vor der Geburt an.

    Für mich klingt das eher nach einem Erlebnis, welches er nicht verdauen kann. Davon ab, ich denke, dass Rückschritte in der Entwicklung bis zu einem gewissen Grad vollkommen normal sind.

    Wovor soll er denn Angst haben? Ich habe nichts gefunden, was das sein könnte. Die ganzen Auffälligkeiten in ihrer Gesamtheit werden wahrscheinlich nicht vom Bruder kommen, wenn sie generell schon lange vor der Geburt angefangen haben. Gewisse Rückschritte sind in Ordung, das stimmt. Aber nicht den kompletten Verlust der schon erlernten Sprache.

    Liebe HolliWood,


    zuerst einmal möchte ich dich umarmen, denn wenn mit den eigenen Kindern etwas ist, dann ist das oft schlimmer, als wenn man selber etwas hat und es trifft wirklich mitten ins Herz.


    Du musst schlimme Zeiten durchmachen.


    Ich habe sowas erlebt als mein Sohn 4 Jahre alt war. Plötzlich gab es ein schlimme Erklärung für all die kleinen Auffälligkeiten, die vorher da waren. Es hat mich buchstäblich zu Boden geworfen, es war als täte sich ein großes Loch auf.


    Plötzlich fiel ein ganzes Gerüst an Vorstellungen und Erwartungen in sich zusammen. Lauter Ideen, die ich hatte, wie es mit meinem Sohn einmal werden würde.


    Was ich dabei gelernt habe: Die Zukunft gibt es nicht. Es gibt Jetzt und Heute, dann hat man noch irgendwo morgen im Blick und plant so ganz grob für 1-2 Jahre. Aber ob es so kommt, das weiß man nie und wenn man mit dem Kopf in der Zukunft lebt, dann verpasst man die Gegenwart.


    Deshalb rate ich dir: Wirf alle Vorstellungen über Bord und sei bei deinem Sohn, wie er jetzt ist. Du wirst da vielleicht ganz neue Dinge lernen (müssen), die in keinem Erziehungsratgeber drin stehen, weil dein Sohn nicht so ist, wie die Kinder um die es dort geht.


    Und du wirst lernen müssen, auf dem Spielplatz nicht zu denken: Wird er das jemals können?, sondern einfach zu sagen: Er ist so und das ist anders als die anderen.


    Ich will dir nicht jede Hoffnung nehmen, dass es anders kommt und er wieder so wird wie vorher, aber bis dahin wäre es sicher hilfreich, bei dem zu bleiben, wie er jetzt ist.


    Ein Frage, die sich mir gestellt hat und die du sicher bei den Stellen zu denen du kommst, immer wieder gestellt bekommen wirst, ist, ob es irgendetwas Besonderes gab während der Schwangerschaft oder der Geburt oder kurz danach?


    Infekte, Krankenhausaufenthalte, längere Bettruhe, eine Geburtskomplikation, ein schwerer Schlag, etc.


    Gab es da etwas, bzw. möchtest du darüber schreiben?


    Du schriebst über seine verärgerten Reaktionen, da habe ich mich gefragt, ob da wenigstens eine Art Kontakt entsteht? Auch wenn es kein guter ist, aber immerhin passiert da doch wohl eine Reaktion, also eine Art Kommunikation.


    Was das Essen angeht, würde ich versuchen, alle Esssachen in seine Rechweite zu tun, so dass er nicht beschreiben muss, was er will, sondern dahin gehen kann, den Schrank aufmachen und dann darauf zeigen, oder es rausnehmen und auf den Tisch stellen, o.ä.


    Auch beim Kühlschrank könnte man ihm einen Stuhl davor stellen und ihm den Kühlschrank öffnen, damit er da zeigt, was er will.


    Soweit.


    Ich wünsche dir viel Kraft und Unterstützung von welcher Seite auch immer. Dass du genug Kraft hast für dich und deinen großen Sohn und auch deinen kleinen Sohn!


    Ich hatte damals auch noch einen kleinen Bruder zu versorgen und ich weiß gar nicht mehr, wie das eigentlich ging, aber es ging.


    :)*

    Hallo Holli, ich komm dann auch mal hier rüber *:)


    Bei deiner ausführlicheren Beschreibung ist mir eine kleine "Nachbarin" von uns eingefallen. Sie ist etwa ein Jahr älter als meine ältere Tochter. Sie war wohl als Baby ganz normal, solange sie gestillt wurde. Als man ihr Beikost gab, stagnierte sie in ihrer Entwicklung und bekam massive Probleme. Nach langer Diagnostik fand man irgendwas ganz Seltenes - nagel mich nicht drauf fest, aber ich glaube, es fällt unter die Stoffwechselkrankheiten. Seitdem bekommt sie ein Medikament (auch da, ich weiß nichts genaues, kenne die Familie nur lose von Spielplatz & Co) und seitdem entwickelt sie sich auch weiter. Sie ist immer noch etwas zurück, war im integrativen Kindergarten und müßte jetzt auf die Förderschule gekommen sein. Aber lange war sie dann ähnlich wie meine Tochter, also etwa ein Jahr zurück. Aber sie läuft, sie spricht, sie ist frech...


    Ich glaube zwar nicht, daß es genau das bei deinem Sohn ist, diese spezielle Krankheit steht ja in Zusammenhang mit der Nahrung, die nicht richtig verwertet werden kann. Aber manchmal gibt es auch für so umfassende Probleme eine nicht-psychische Ursache. Nur, damit du dich nicht zu sehr auf diese Diagnose einschießt.


    Ich kenne mich mit Autisten ehrlich gesagt gar nicht aus, aber gehört sowas alles denn auch dazu? Nicht essen wollen und so?


    Ich habe übrigens gehörigen Respekt vor dir. Die Aufgabe, die sich dir grad stellt, ist furchtbar anspruchsvoll und ich finde, du machst das wirklich toll. Zumal der Papa dabei nicht hinter dir steht, sondern dir noch Steine in den Weg legt >:( Auf alle Fälle liegt es nicht daran, daß du zu wenig mit ihm gesprochen hast oder so. Unsinn. Wirklich. Das ist nicht dein Fehler. Er hat doch wunderbar sprechen gelernt und konnte schon vieles sagen. Kein Kind gibt diese Freiheit, seinen Willen so äußern zu können, daß andere ihn zweifelsfrei verstehen, freiwillig auf. Irgendetwas hindert ihn und jetzt braucht ihr Hilfe, um den Grund zu finden.


    Ich drücke dir alle Daumen, daß ihr möglichst schnell einen Termin bekommt und du mit deinen Sorgen nicht mehr so allein bist @:) @:)


    Und wenn du dich auskotzen oder ausheulen willst, kannst du das hier tun. Es wird sicher immer jemand da sein. :)*

    Zitat

    Plötzlich fiel ein ganzes Gerüst an Vorstellungen und Erwartungen in sich zusammen. Lauter Ideen, die ich hatte, wie es mit meinem Sohn einmal werden würde.


    Was ich dabei gelernt habe: Die Zukunft gibt es nicht. Es gibt Jetzt und Heute, dann hat man noch irgendwo morgen im Blick und plant so ganz grob für 1-2 Jahre. Aber ob es so kommt, das weiß man nie und wenn man mit dem Kopf in der Zukunft lebt, dann verpasst man die Gegenwart.

    Genau so ist es...aber liebe TE - du bist jetzt grad in der "Bin ich dran schuld?" und "Warum denn ausgerechnet wir?" Phase...die geht vorbei! :)^


    Jetzt ist erst mal wichtig rauszufinden WAS wirklich los ist - ich hab bei deinen Schilderungen eigentlich weniger auf Autismus getippt - aber auch da gibt es gefühlte 1000 verschiedene Ausprägungen und für jede gibt es die passende Reaktion und Therapie...FraX fällt mir dazu auch noch ein, es wird sicher erst mal ein Gentest gemacht werden...


    Konzentrier' dich jetzt erst mal auf den Ärztemaraton der euch erwartet! Fang an dir ein Netz aus Betreuungsmöglichkeiten aufzubauen für dein jüngeres Kind - du wirst es brauchen!


    Ich will dich jetzt nicht überfordern - ein Schritt nach dem Anderen. Aber du wirst erst wieder Frieden finden wenn du Antworten hast...


    Dann lassen auch die Selbstvorwürfe nach - und mit ihnen die Trauer über die über den Haufen geworfene und unsichere Zukunft! :=o


    Lg Lieselotte

    Frühkindlicher Autismus ist echt eine Hausnummer, wenn sich das herausstellen sollte, beschönigen hiflt da nicht viel. Meiner ist "nur" Asperger und kann auf ein normales Gym gehen, aber ehrlich ist es super-anstrengend mit ihm, man kann es NIE mal laufen lassen, schon der erste Schultag waren wieder zwei emails an eien mir völlig unbekannte Lehrerin, weil er keine Bücher hatte...


    mußte ihn vor den Ferien drei Wochen wegen stressbedingten neurologischen Ausfällen beurlauben lassen, so bekam er keien Bücher.


    Er konnte aber am zweiten Schultag auch nicht auf dem Gang seine Lehrerin oder so einfach ansprechen, weil er sie nur von einmal sehen noch nicht erkennt....


    naja....


    was ich sagen wollte:


    man kann sich viel leid "ersparen", wenn man früh diagnostiziert und handelt. GsD haben alle mittlerweile viel Erfahrung damit und auch eine öffentliche Schule ist mit Begleiter oder Nachteilsausgleich machbar. Was auch hilft, ist, dass die Kidner, die vom Autismusspektrum betroffen sind, tedentiell SEHR klug sind, d.h. wenn man sie soweit bringt, dass sie erkennen, dass was anders ist und sie mitmachen, die Chance besteht, dass ihre Intelligenz ganz viel kompensiert....


    mit 8 oder 9 war meiner super-auffällig, nun, als Teenie ist er super im Sozialen etc.., weil er es über den Verstand steuert und nachdem sein Verstand groß ist (Klasse übersprungen etc..), kann er das richtig gut.


    Förderung, Förderung, Förderung. Und nichts persönlich nehmen. Klene Fortschritte sehen. Sich dem Wesen des Kindes angepasst freuen. Nicht bedauern, wenn er nicht spricht, sich aber darüber freuen, dass er Dir einen Zettel schreibt. So etwas halt.

    HolliWood 0,1

    Zitat

    Wovor soll er denn Angst haben?

    Vor seiner Mutter. Also Dir.

    Zitat

    Er spielt auf seine ganz eigene Art und Weise und gegessen wird nur noch selten. Er lebt von flüssiger NAhrung und die seltenen Momente, in der er vielleicht wirklich mal eine Nudel schluckt oder ins Brot beißt. Das ist die nächste Auffälligkeit. Er kaut kaum. Ganz oft erwische ich ihn dabei, wie er Stunden nach dem Essen noch immer das Essen im Mund hat.

    Zitat

    Ich habe nichts gefunden, was das sein könnte.

    Ess-Störung: Warum darf er keine Angst haben?

    ..... muss aber sagen, dass ich das mit dem Essen leider tatsächlich von später diagnostizierten Autisten kenne....


    das hat sich aber im Laufe der Zeit wieder gegebren. Das liegt an der fehlerhaften Reizverarbeitung, die ein anderes Körpergefühl impliziert. Autisten suchen sich auch bestimmte Klamotten, bestimmte Gerüche... bestimmte Geschmäcker... immer alles in der Kombination, dass sie einen ihnen wohgefälligen Impuls bis in's Extreme treiben....


    also mal so allgemein....

    Es ist ja noch gar nicht klar, ob das Kind wirklich autistisch ist...


    Als Beispiel: ich hatte als Kind eine Phase, wo ich sehr schwach, antriebslos und immer schläfrig war. Die Lösung des Rätsels waren Madenwürmer - also eine ganz simple Erklärung.


    Ich würde mich da noch nicht allzu sehr auf eine Diagnose versteifen oder verrückt machen, immerhin steht von medizinischer Seite ja noch überhaupt nichts fest...


    Alles Gute! :)* :)* :)* :)*

    Zitat
    Zitat

    Wovor soll er denn Angst haben?

    Vor seiner Mutter.

    Das ist falsch gedacht, weil es um ihn geht und um seine Ängste und nicht um seine Mutter. Ich versuche deshalb mal, auf ihn zu sehen.


    Zum einen stellt sich die Frage, warum er Angst hat, jemandem in die Augen zu sehen. Wenn man jemanden in die Augen sieht, sieht man in die Tiefen seiner Seele, es entsteht innere Nähe, ich empfinde es bisweilen als verunsichernd, weil man nicht weiß, was gerade im Gegenüber vorgeht, es entsteht eine Beziehung zum Gegenüber und man sagt sich damit etwas, was man mit Worten nicht sagen kann.


    Weiterführend würde ich finden, wenn andere User noch mehr dazu schreiben könnten, was passiert, wenn man jemanden in die Augen sieht. Dann könnte man anschließend versuchen herauszufinden, wovor genau er Angst hat.


    Zum anderen stellt sich die Frage, bei wem er diese Ängste hat. Es dürfte sich relativ leicht herausfinden lassen, wem er noch in die Augen sieht, bzw. ob er überhaupt noch jemandem in die Augen sieht. Im zweiteren Fall würde ich es schon als etwas besorgniserregend empfinden.


    Ich glaube nicht, dass es direkt etwas mit der Person zu tun hat, wenn er jemandem nicht mehr in die Augen sieht, sondern mit der Art oder Tiefe der Beziehung. Ich könnte mir vorstellen, es ist ein erfolgversprechender, wenn auch sehr schwieriger Weg herauszufinden, wann bei ihm der Punkt erreicht ist, wo er seinem Gegenüber nicht mehr in die Augen sieht.


    Ich würde es schön finden, wenn man dieses sensible Thema auch mit der angemessen Feinfühligkeit diskutieren könnte. Für den Sohn könnte es später einmal ein wichtiger Beitrag sein, um Beziehungen aufbauen zu können.

    Wow. Ich glaube ganz ernsthaft, dass er keine Angst vor mir hat. Ich bin die einzige Person, bei der er bleiben möchte und die einzige Person, bei der er zumindest ansatzweise etwas Nähe zulässt und auch sucht. Ich sage nicht, dass er ein Autist ist, weil es eben auch nicht belegt wurde bisher. Aber ich sage schon, dass er autistische Züge hat. Mein Kinderarzt sagte mir, dass es auch autistische Phasen gibt. Mehr oder minder würden die Kinder dann über Nacht aufwachen und sich wieder völlig normal verhalten. Solche Anschuldigungen finde ich wirklich nicht gut und damit schmeißt man auch nicht mal eben um sich.

    liebe HollyWood,


    bist du dir sicher, dass dir dies Schreiben und das Lesen der Meinungen wirklich gutut?


    Wenn ich an die Kinderzeit meiner Tochter zurückdenke und überlege, ich hätte mich noch mit Aussagen wie hier auseinandersetzen sollen, dann wäre ich wohl verrückt geworden.


    Angst vor dir oder auch nur Angst jemandem in die Augen zu sehen? Bitte, lass dich nicht darauf ein, sonst kommst du ja aus der Schuldgefühl-Falle gar nicht mehr heraus. Du hast jetzt den Schritt gemacht, sein auffälliges Verhalten abklären zu lassen und das ist gut so.


    Und wenn du später weißt woran ihr seid, dann könnt ihr entsprechend handeln.