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    Dann erzähl mal in Beisein von ein paar Müttern, dass dein sechs Monate altes Baby keinen Schlafsack mag und nur auf dem Bauch einschläft. Viel Spaß. ]:D

    Mein Kleiner schläft zwar im Schlafsack, aber seit seiner neunten Lebenswoche auf dem Bauch. Er ist pünktlich zum Termin geboren, sehr kräftig, in dieser Wohnung hat seit zwölf Jahren niemand geraucht, und er hat keinerlei Atemaussetzer, außerdem konnte er fast vom ersten Tag an in Bauchlage den Kopf ein wenig heben - also das Gegenteil eines Risikobabys, aber wenn es einen trifft, hilft einem ja keine Statistik, die eigentlich für einen gesprochen hätte. Da er so viel besser schläft, haben wir uns für die Bauchlage entschieden, bis er es selbst entscheiden kann.


    Bin aber auch schon verdächtigt worden, dass ich ihn loswerden will. Und ja, ein paar Tage lang war mir hin und wieder ein wenig mulmig, weil er auf einmal vier bis acht Stunden am Stück geschlafen hat. Inzwischen sind wir aber nahezu angstfrei. ;-)

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    Weil es das perfekte Thema ist: junge, kerngesunde Kinder sterben aus völlig ungeklärter Ursache einfach so im Schlaf. Keiner hat eine Ahnung, jeder kann sich spekulativ betätigen, es ist DAS gefundene Fressen für die Medien und solange dieses Phänomen nicht geklärt ist, haben alle Eltern mehr oder minder Angst vor dem Thema. Gegenüber anderen Sachen kann man sich ja – vermeintlich – absichern und fühlt sich irgendwie beruhigt.

    Ja,da ist sicher was dran!


    Mir war auch total mulmig,als mein Sohn sich mit vier Monaten auf den Bauch gedreht hat,ich habe damit gerechnet,nie wieder ein Auge zu machen zu können,vor Angst.


    Dann sagte die KiA aber,dass es okay ist,wenn sie sich selbst drehen können und dann auch kein Risikofaktor mehr. Das hat mich dann etwas beruhigt.

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    Als "Theater" würde ich das nicht bezeichnen, sondern als Aufklärung.

    Im Vergleich zu anderen Gefahren, nimmt es aber einen ziemlich hohen Stellenwert ein. Auf offene Gartentore, nicht abgesicherte Teiche, Badewannen, Steckdosen, Schnüre an Kleidung, Bett oder Spielzeug, falsche, alte oder gebrauchte Kindersitze sowie Medikamente und Giftpflanzen in Wohnung und Beet wurde ich zumindest nie mit eigens erstellten Broschüren hingewiesen. ;-)

    @ Emma

    Ja,das stimmt. Und eigentlich erreicht man damit auch nicht immer nur Gutes,denn die Angst wird dadurch auch sehr geschürt.


    Mich nervt diese Angst selbst,würde lieber die Zeit geniessen , aber werde sie einfach nicht los.

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    Auf offene Gartentore, nicht abgesicherte Teiche, Badewannen, Steckdosen, Schnüre an Kleidung, Bett oder Spielzeug, falsche, alte oder gebrauchte Kindersitze sowie Medikamente und Giftpflanzen in Wohnung und Beet wurde ich zumindest nie mit eigens erstellten Broschüren hingewiesen.

    Ich bekam zu nahezu jedem der genannten Themen irgendwelche Blättchen – von Hebamme, bei den Us beim KiA und im KiGa. Herausgegeben meistens von der Unfallkasse oder irgendwelchen Krankenkassen.


    Für MICH waren sie überflüssig – aber für so manch andere Eltern vielleicht hilfreich. Würde es deshalb – genauso wie bei SID – nicht gleich als Panikmache empfinden. Erstmal sind es Informationen, was ich daraus mache, liegt doch an mir. Und da reicht das Spektrum halt von "Ich werde noch unsicherer und ängstlicher" über "ich les es gar nicht erst" zu "das war mir eh klar" bis "oh-daran hätte ich jetzt nicht gedacht".

    Hanseline

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    Ich habe jetzt hier die Zahlen nicht, erinnere mich aber an die Information aus glaubwürdiger Quelle (Broschüre vom Krankenhaus oder so), daß das Risiko VOR Beginn der allgemeinen Aufklärung über die risikoärmste Schlafumgebung wirklich sehr viel höher war als heute, ich glaube ungefähr 10mal höher. Daher sollte man diese Hinweise wirklich beachten.

    Dazu möchte ich gern noch einen Gedanken in den Faden werfen, wenn ich darf. :-)


    Ich hatte mal ein interessantes Gespräch mit einem Arzt, der mich darauf hinwies, dass es früher einen nicht unerheblichen Teil von Misshandlungen mit Todesfolge gab, die aufgrund fehlender gerichtsmedizinischer Methoden und mangels Sensibilisierung für dieses Thema oftmals schnell unter SIDS abgelegt wurden. Heutzutage wird sehr viel häufiger untersucht und obduziert, postpartale Depressionen sind bekannt, dass Säuglinge erstickt, ertränkt oder zu Tode geschüttelt werden, steht in jeder Zeitung. Somit werden auch sehr mehr Fälle aufgeklärt, die noch vor 15 Jahren die SIDS-Statistik nach oben getrieben hätten.


    Ich würde also gewisse Zahlen mit Vorsicht genießen, die angeblich belegen, dass Verhaltensänderungen zu einer Verminderung der SIDS-Rate führten – zumindest wenn von einer Reduktion auf ein Zehntel die Rede ist.

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    Ich würde also gewisse Zahlen mit Vorsicht genießen, die angeblich belegen, dass Verhaltensänderungen zu einer Verminderung der SIDS-Rate führten – zumindest wenn von einer Reduktion auf ein Zehntel die Rede ist.

    Das heisst also,dass viele SIDS-Fälle eigentlich gar keine wirklichen SIDS-Fälle waren?

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    Ich bekam zu nahezu jedem der genannten Themen irgendwelche Blättchen – von Hebamme, bei den Us beim KiA und im KiGa. Herausgegeben meistens von der Unfallkasse oder irgendwelchen Krankenkassen.

    Geht mir nicht so. Stattdessen gab es Infos zum Plötzlichen Kindstod von Krankenhaus und Kinderarzt. Und als mein Sohn wegen des extrem ausgeprägten Moro-Reflexes keine zwei Minuten auf dem Rücken schlafen konnte, sagte die Kinderärztin dazu nur, ich solle ihn auf gar keinen Fall auf den Bauch legen. Warum? Natürlich wegen SiDS. Tolle Hilfe... %-| Mir war's irgendwann egal, ich gab ihn auf den Bauch gelegt und endlich hat er besser geschlafen. Wem ist denn geholfen, wenn man andere Mütter damit so verrückt macht, dass sie irgendwann verzweifeln, ihr Kind schreien lassen oder Schlimmeres? Man muss da doch keine Glaubenskriege führen. :|N

    Lichti, SIDS ist keine bestimmte Todesart. SIDS heißt: Ein Säugling ist "plötzlich" gestorben, und man kann keine eindeutige Ursache feststellen. Da fallen Fälle von Kindern, die vermutlich sehr nah mit der Nase am Nestchen gelandet sind und ersticken, weil sie ihren eigenen Atem zu lange wieder einatmen, ebenso drunter wie Babys mit angeborenen Hirndefekten, die nie festgestellt werden, oder Herzfehlern, die nicht erkannt wurden, und und und. Es gibt keine "wirklichen SIDS-Fälle", sondern nur Fälle, in denen man nicht genau sagen kann, woran ein Kind gestorben ist, weshalb man sie mangels präziserer Zuordnungsmöglichkeit eben unter SIDS abheftet.


    Sag mal, wenn Dich solche Angst vor SIDS plagt, dann hast Du doch vermutlich viel darüber gelesen und solltest das wissen, oder? Oder plagst Du Dich einfach so furchtbar mit der Angst und informierst Dich über diese sehr allgemein gehaltenen Sicherheitsmaßnahmen nicht weiter?

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    Sag mal, wenn Dich solche Angst vor SIDS plagt, dann hast Du doch vermutlich viel darüber gelesen und solltest das wissen, oder? Oder plagst Du Dich einfach so furchtbar mit der Angst und informierst Dich über diese sehr allgemein gehaltenen Sicherheitsmaßnahmen nicht weiter?

    Ich habe viel darüber gelesen,ja. Und mir sind auch alle Sicherheitsmassnahmen bekannt,die ich alle auch penibelst eingehalten habe. Ausser das Stillen,was ich nicht getan habe.


    Ich denke,ich habe einfach zu vieldarüber gelesen :-/

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    Das heisst also,dass viele SIDS-Fälle eigentlich gar keine wirklichen SIDS-Fälle waren?

    Im Nachhinein kann man das ja nicht mehr herausfinden. Die Exhumierung von 20 Jahre vergrabenen Knochen wird keine Erkenntnisse mehr bringen.


    Es erinnert mich nur an die Aussage "trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast." Dabei will ich nicht mal sagen, dass es sich dabei um bewusste Täuschung handelt, sondern ich vermute einfach, dass man so verzweifelt nach Ursachen sucht, dass man freudig nach jedem Strohhalm greift, der eine vermeintliche Begründung liefert. Und wenn es der zufällige Zusammenhang von besseren Obduktionsmethoden und dem Rat, Babys auf dem Bauch schlafen zu lassen, ist.


    Es wurde ja auch schon angesprochen, dass es ebenso Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt, die kerngesund aus heiterem Himmel sterben. Ebenso wie Ungeborene im Mutterleib, bei denen der Tod völlig rätselhaft bleibt und Säuglinge, deren Eltern alle Sicherheitsmaßnahmen strikt einhielten. Was ist mit diesen Fällen?

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    Und als mein Sohn wegen des extrem ausgeprägten Moro-Reflexes keine zwei Minuten auf dem Rücken schlafen konnte, sagte die Kinderärztin dazu nur, ich solle ihn auf gar keinen Fall auf den Bauch legen. Warum? Natürlich wegen SiDS. Tolle Hilfe... %-|

    !!! War bei uns genauso. Ich wollte dann gern wissen, wie gesund es denn für ihn sei, wenn er nicht schliefe. Tja, wenn er müde sei, würde er schon schlafen. Großes Kino, ja.


    Ich hab auch das Gefühl, ich hätte kaum was anderes als SIDS gehört am Anfang. Und ja, es werden zunehmend mehr Fälle aufgeklärt, selbstverständlich wird es immer seltener. Ich hätte allerdings sehr gern mal die Zahlen dazu, wie viele Säuglinge an was insgesamt starben und sterben. Mich würde sehr interessieren, ob, sagen wir mal, die angeborenen Herzfehler im selben Maße häufiger werden, wie SIDS durch die sehr allgemeinen und ungerichteten Maßnahmen seltener wird? Natürlich ersticken weniger Säuglinge an ihren Nestchen, wenn es weniger Nestchen gibt, und vermutlich gibt es einige Fälle von Atemstillstand in Bauchlage, die nicht passiert wären, wenn die Kinder auf dem Rücken gelegen hätten ... weil sie dann weniger fest geschlafen hätten und womöglich aufgewacht wären. Grundlegend aber glaube ich nicht, dass durch diese Maßnahmen sehr viele Leben gerettet werden, sondern vor allem ungeheurer Stress um sich greift. Nun mag man sagen, auch wenn nur ein Leben gerettet wird, ist das jeden denkbaren Stress wert. Das kann ich auch gar nicht ausargumentieren - nur dass ich es eben in diesem Fall anders sehe, weil ich nicht finde, dass man das so aufrechnen kann und sollte.

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    Nun mag man sagen, auch wenn nur ein Leben gerettet wird, ist das jeden denkbaren Stress wert

    Wo wir aber vor allem bei der Frage landen, ob der Stress für etwas gerechtfertigt ist, was ohnehin dermaßen selten Auftritt wie SIDS.


    Ich verhindere Verkehrsunfälle sicherlich auch zu annährend 100 Prozent, wenn ich meinen Sohn im Haus lasse. Auf die betreffende Broschüre warte ich allerdings noch. 8-)