Moin


    Ich hatte ja ganz zu Anfang geschrieben das ich damals zumindest verträumt war und ich eventuell ADS hatte/habe.


    Nachdem was ich hier gelesen habe kam ich auf die Idee mir mal ein paar Ritas einzupfeiffen und einfach zu sehen was passiert.


    Als erste Aktion habe ich mal nach den Nebenwirkungen von Ritalin gesucht.


    Nachdem ich genug darüber gelesen habe steht für mich eines fest:


    Ich werde das Zeugs nicht anrühren!


    Es mag sein das Ritalin in Einzelfällen notwendig ist.


    Wenn es aber in diesen Mengen in Amerika und Deutschland verschrieben wird, kann da was ganz anderes nicht stimmen.


    MfG

    In den 70ern wurden in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie verhaltensauffällige, schwer erziehbare Kinder in Klassen eingeteilt. Die zwei zuständigen Ärzte haben mit verschiedenen Medikamenten experimentiert und waren auf der Suche nach einem Mittel, das den Unterricht mit jenen Kindern erleichterte. Sie testeten Ritalin und stellten fest, dass dieses Mittel eine ganze Bandbreite von Verhaltensauffälligkeiten ausschaltete. Es stand fest, dass Ritalin als Allrounder dienen kann, nur gab es keine Diagnose, der man dieses Medikament zuschreiben konnte. Man fasste es dann unter dem hyperkinetischen Syndrom zusammen. Ehe sich diese beiden Ärzte versahen, wurde die Geschichte Jahre später zum Selbstläufer und AD(H)S wurde zu einem eigenständigen Krankheitsbild stigmatisiert.


    Ich selbst bin auf ADS (hypoaktiv) behandelt worden als ich 15 Jahre alt war. Alle Symptome stimmten mit den aufgelisteten Merkmalen für ADS überein. Ich fühlte mich verstanden und meine Noten wurden wesentlich besser. Endlich war ich konzentriert und konnte viel besser mit meiner Umwelt umgehen.


    Aber eigentlich wirkte Ritalin auch wieder nicht. Es zwang mich zwar wach und konzentriert zu sein und deswegen bekam ich im Unterricht mehr mit und konnte meine Noten verbessern, aber mehr tat es auch nicht. Ich verlor 20 kg Gewicht. Ich schlief kaum noch. Heute, zehn Jahre später und mit mehr Lebenserfahrung im Gepäck, kann ich sagen, dass die Einnahme von Ritalin dem Konsum von sämtlichen Aufputschmitteln gleichkommt. Leute, auf Speed bin ich auch schön konzentriert. Gebt mir regelmäßig eine geringe Dosis Kokain und ich werde der glücklichste Mensch der Welt. Nicht umsonst bemüht man sich in der Schulmedizin, Cannabis und LSD als Therapiemöglichkeiten durchzusetzen.


    Doch kann es nicht die Lösung sein, Kinder und Jugendliche mit diesen Stoffen zu bedienen, wenn es sich um Auffälligkeiten wie Impulsivität, Träumerei, Unruhe, Konzentrationsstörungen handelt.


    Ich frage mich, warum sich die Gesellschaft so blind vor die Tatsachen stellt... wen würde es nicht wahnsinnig machen, 6 bis 8 Stunden am Tag in einem Raum voller (in der Pubertät auch noch hormonverrückter) Gleichaltriger zu sitzen und sich vielfältigen Themen zu widmen, die alle letztendlich beherrscht werden sollen?


    Ich habe unter meinen vermeintlichen ADS-Symptomen sehr gelitten. Aber ich habe auch gespürt, dass Ritalin nicht zum Kern der Sache durchdringt, sondern lediglich den negativsten Aspekt – nämlich den der Systemunangepasstheit und dem damit einhergehenden Leistungsdruck – abmildert. Zu einem hohen Preis.


    Nach einem Jahr, das ich täglich auf 54 mg Methylphenidatchlorid (Ritalin) verbracht habe, wollte ich mich selbst umbringen. Meine Noten waren top. Ich war schlank. Die Leute mochten mich und die Lehrer waren von meiner neuen Leistungsfähigkeit begeistert. Aber ich lief innerlich auf dem Zahnfleisch. Mein Herz pochte unentwegt und es kam vor, dass ich 2 Tage am Stück nicht schlief.


    Also kam ein Entzug. Weg mit dem Zeug. Ritalin war weg und ich saß da wie ein Häuflein Elend. Der schlanke Körper, die guten Noten und die guten Freunde waren ebenso schnell wieder weg und was blieb war das Unglück ich selbst zu sein, nun wieder mit Tagträumereien und gnadenloser Impulsivität ausgestattet.


    Was habe ich gemacht, damit ich heute, der entspannteste Mensch überhaupt, mit einem 1,4 Abitur ausgestattet, ein angehender Medizinstudent, wieder mit sich klarkommt?


    Ich habe mit 17 Jahren meine Tasche gepackt, bin abgehauen, bin ausgestiegen. Ich habe einen auf Künstler gemacht und das Leben entdeckt. Ich baute mir selbstständig ein Netzwerk aus den Dingen auf, die ich brauchte. Ich habe verdammt hart Sport getrieben. Yoga, Feldenkrais, Akrobatik, Meditation, Joggen, Joggen, Joggen, Boxen. Dann Psychotherapie, 5 Jahre lang. Und dann habe ich mich allmählich an das Leben, an die Menschen herangetastet. Meinen ersten richtigen Nebenjob, der mir nicht nach spätestens 3 Wochen gekündigt wurde, hatte ich erst mit 22 Jahren. Ich habe an Selbstbewusstsein und Stärke gewonnen und vor allem: An maximaler Konzentrationsfähigkeit.


    Hätte ich mich dem Leben generell, unabhängig von irgendwelchen Systemen, nicht so knallhart ausgesetzt, ich hätte mein Leben nicht ändern können und stünde heute noch genauso bescheiden da wie vor 10 Jahren.


    Deswegen würde ich jeder betroffenen Familie dazu raten, zumindest in kleinen Schritten einfach mal "auszusteigen" und die Situation so anzunehmen wie sie ist. Ihr müsste nicht euer Haus verkaufen und in den Wald ziehen. Aber verdammt nochmal – wenn eure Kinder erst mit 25 Jahren einen Abschluss machen und so lange brauchen, um zu erfahren, was sie aus ihrem Leben machen sollen, weil es ihnen an Stabilität, Stärke und Gelassenheit fehlt, dann ist das eben so.


    Das Gehirn eines Menschen entwickelt sich bis zu seinem 25. Lebensjahr. Wissenschaftlich gesehen stecken wir bis zu unserem 25. Lebensjahr in der Pubertät. Gebt euch die Zeit. Wir haben nur dieses eine Leben und wir müssen niemandem gerecht werden. Vor allem keinem System.