Zwangsneurosen bei einer 5jährigen, wer hat Erfahrungen damit?

    Hallo!


    Mir ist aufgefallen, dass meine Tochter sich auffällig oft die Hände wäscht. Am Anfang fand ich das noch wirklich gut, dass sie nun selber auch ans Händewaschen denkt. Als ich dann aber vor ca. 3 Wochen festgestellt habe, das ihre Hände mittlerweile aussehen, also ob sie mit Scheuerseife gewaschen wurden, habe ich mir Sorgen gemacht. Ich habe ihr gesagt, dass sie ihre Hände nicht zu oft waschen soll, weil sie schon rau und kaputt sind. Seitdem erzählt sie mir was sie grade berührt hat, wo sie rangekommen ist usw. Sie fragt mich, ob sich zum Beispiel noch das Auge reiben darf, wenn sie vorher z.B. die Bettdecke berührt hat. Ob sie ihre Martinsgans noch Essen kann, obwohl sie damit grade in die Jacke einesanderen Jungen gekommen ist. Das sind nur zwei Beispiele von ganz vielen. Am heutigen Tag hat sie mir bestimmt 100-120 mal so eine oder eine ähnliche Frage gestellt. Ich habe das Gefühl, dass sie eigentlich mein "ok" zum Händewaschen hören möchte. Nicht nur ich bin am Ende des Tages geschafft. Auch meine Tochter kann ja überhaupt nicht mehr frei ihrem Spiel, ihren Interessen nachgehen. Ich versuche immer geduldig zu bleiben und das gelingt mir auch ganz gut. Ich habe heute im Kiga Bescheid gesagt und am Donnerstag einen Termin (ohne meine Tochter) beim Kinderarzt. Wer hat hier vielleicht noch Erfahrungen mit solchen Zwangsneurosen bei Kindern gemacht?

  • 18 Antworten

    Ich würde mich darüber freuen, wenn ich erfahren könnte wie ein Kindergartenkind auf solche Ideen kommt. Da kommen die nicht von alleine drauf. Kindergartenkinder scheren sich normalerweise einen Scheiß um irgendwelche Hygieneregeln.

    Zitat

    Ich würde mich darüber freuen, wenn ich erfahren könnte wie ein Kindergartenkind auf solche Ideen kommt. Da kommen die nicht von alleine drauf. Kindergartenkinder scheren sich normalerweise einen Scheiß um irgendwelche Hygieneregeln.

    Ich glaube, das würde Murmel auch gerne wissen.

    @ Murmel72

    Hat zwar nichts mit dem Thema als solches zutun aber falls deine Tochter Flüssigseife nutzt stell es mal um auf harte Seife .. Ändert zwar nichts an ihren Waschzwang aber dadurch dürften ihre Hände wieder normal aussehen. Wär ja auch schon mal gut bis die Sache mit den Waschzwang geklärt ist oder?

    Zitat

    Ändert zwar nichts an ihren Waschzwang aber dadurch dürften ihre Hände wieder normal aussehen.

    Wieso das denn? Ich hatte jahrelang einen Waschzwang und habe erst sehr spät angefangen Flüssigseifen zu benutzen... meine Hände sahen damals immer furchtbar aus, egal ob jetzt Flüssig- oder feste Seife...

    Ich wasche meine Hände auch oft, ich hab eigentlich immer Flüssigseife genommen aber meine Haut ging davon massiv kaputt. Hatte lauter kleine schmerzende Cut´s ..


    Es war dabei egal welche Marke ich nutze, jede Flüssigseife hat dieses resultat erzielt ..


    Bin dann auf feste Seife umgestiegen und es wurd normal .. Bei einem bekannten hat dies auch so funktioniert ..


    Dachte dass es in diesem Fall villeicht auch hilft, hab es villeicht dummerweise so formuliert als würd es aufjedenfall klappen.

    Falls man das vergleichen kann – ic hatte als Kind diverse Ticks. Erst habe ich zb. immer alle 12 Schritte unter den linken, weitere 12 unter den rechten Schuh geguckt. Und dann wieder links, wieder rechts usw., ohne Unterlass, egal wo, egal wie ich abgelenkt hätte sein müssen. Als das vorbei war, habe ich mich nach jedem Aufstehen (vom Stuhl, aus dem Bett...) 2x um mich selbst gedreht. Und noch so ein paar witzige Sachen. Der Arzt sagte meiner Mutter damals, sie solle das ignorieren, was ihr wohl recht schwer fiel, verständlicher Weise, denn jedes darauf eingehen hätte es wohl verstärkt.


    Alle Macken verschwanden genauso allein, wie sie kamen, und irgendwann kamen keine mehr.

    Meine Tochter hat sich auch nicht um irgendwelche Hygieneregeln geschert. Aber ich merke, dass sie einfach große Angst hat vor dem was an ihren Händen sein könnte oder an dem was sie grade isst. Wir haben Hund und Katze und meine große Tochter hat ihr eigenes Pferd. Die kleine reitet und putzt auch mit aller Hingabe. Sie mistet mit aus, streut neu ein usw. Sie war die letzten drei Wochen allerdings nicht mit beim Pferd. Ich weiß nicht wie sie jetzt reagiert. Ich werde es morgen ausprobieren. Natürlich kommt ein Kindergartenkind nicht von alleine auf sowas. Mir ist wichtig zu wissen, was das ausgelöst hat. Warum hat sie solche Angst auf einmal vor Schmutz. Sie hat vorher kleine spinnen auf der Hand laufen lassen, Regenwürmer gesammelt, Maiskolben nebenan auf dem Feld gepflückt, am liebsten mit Erde und Wasser gematscht. Manchmal hätte sie samt Klamotten in die Wanne gemusst. Ich frage mich selber, was passiert ist. Eine unbedachte Äußerung über eine giftige Pflanze zuviel? ?? Oder sowas in der Art? Ich weiß es nicht. Ist es meine Schuld? Ist sowas anerzogen? Sitzt es einfach in ihr drin? Funktioniert irgendwas in ihrem kleinen Kopf nicht richtig? Fragen, die ich mir stelle. Ein schlechtes Gewissen irgendwas falsch gemacht zu haben! Es tut mir so leid, für sie, dass sie solche Angst hat.


    Und nebenbei noch. Ich bin kein Putzteufel oder Reinlichkeitsfanatiker.

    Was sagt der Kindergarten dazu, hat es da vielleicht mal eine Belehrung übers Händewaschen gegeben, die übers Ziel hinausgeschossen ist?


    Ich würde versuchen, ihr auf kindgerechte Art zu erklären, wie das mit den Keimen ist. Vielleicht gibt es auch ein Bilderbuch dazu? Nichts, was das Problem noch verstärkt natürlich, aber eins, das es in den richtigen Bezugsrahmen stellt. Es ist ja eigentlich sogar wichtig, sich Keimen auszusetzen, wegen des Immunsystems, das sonst gerne mal eigene Wege geht (Allergien, Neurodermitis, Autoimmunerkrankungen). Ich würde es mit einer Erklärung versuchen wie: wenn du gar keine Keime mehr an dir hast, dann weiß dein Körper auf einmal nicht mehr, wie er mit denen umgehen muß. Und dann wirst du eher krank als vorher! Außerdem sind die meisten Keime ja entweder harmlos oder sogar gut für uns.

    Mir fallen da zwei Sachen ein.


    Ich habe einen knapp sechsjährigen im kiga.


    Und die machen dort eine größere sauberkeitserziehung, bei der such über Bakterien gesprochen wird. Auch beim Zahnarzt, beim impfen etc.. Kommt das vor. Mein kleiner ist gegenüber Bakterien auch misstrauisch.


    Irgendwann habe ich ihm erklärt, dass es auch gute Bakterien gibt, also feinde, die einem helfen. Und dass man die mit Weg waescjt. Bei ihm war alles im rahmen, aber diese Welt, die er nicht kostet, war ihm unheimlich.


    Zweiter Punkt sind aspergertendenzen, aber da würde noch mehr auffallen.

    Ich habe ihr schon erklärt, dass manche Bakterien, Keime usw. auch gut für uns sind und den Körper stärken. Aber ich habe das Gefühl es dringt nicht zu ihr durch. Bei ihr hat sich was festgesetzt.HIm Kiga wollen sie jetzt jedenfalls verstärkt drauf achten. Ich hoffe, dass mir am Donnerstag die Kinderärztin schon mal weiterhelfen kann. Ich denke, dass sie uns wahrscheinlich weiter zum Kinderpsychologen schicken wird. Im Moment wäscht sie sich die Hände ja nicht so oft und da ich sie immer wieder eincreme, haben die sich schon wieder richtig Verbesserung. Aber dadurch, dass ich gesagt habe "nicht mehr so viel Händewaschen", ist uns das ja erst richtig bewusst geworden. Seitdem muss sie sich ja immer bei uns vergewissern, ob sie sich noch ins Gesicht fassen darf oder ob sie das Brot, welches grade den Tisch berührt hat, noch essen darf. Sie hat sich total verändert und ist nicht mehr unbeschwert.

    Hi Murmel!


    Wann hat dieses Verhalten deiner Tochter denn angefangen, wie lange macht sie das schon? War das von einem Tag auf den anderen so, oder hat sich das mit der Zeit entwickelt?


    Hat sich bei euch irgendetwas in letzter Zeit verändert? Ist irgendetwas vorgefallen? Gibt es Probleme – unabhängig vom Händewaschen?


    Tics sind bei Kindern ganz normal. Die verschwinden von alleine wieder, aber was du beschreibst hört sich für mich nicht nach einem Tic an. Vielleicht ist es sinnvoll, dass du mit ihr dieses Thema nochmal durchsprichst, sie fragst, warum sie das macht und ihr erklärst, warum es nicht gut ist sich so oft die Hände zu waschen.


    Die Idee mit dem Kinderpsychologen finde ich sinnvoll – zumindest, dass du euer Problem einmal alleine schildern kannst und er die Situation einschätzt.

    So, heute Abend war mein Termin bei der Kinderärztin. Sie wusste schon nach wenigen Sätzen, dass wir hier nicht von einem sogenannten Tic sprechen, sondern hat sofort erkannt, dass Handlungsbedarf besteht. Ich muss direkt morgen einen Termin mit Dringlichkeit beim Kinderpsychologen machen. Es wird eine Spieltherapie angestrebt, bei der die guten und kindgerechten Gedanken wieder das Denken beeinflussen. Ihr Angstverhalten sollte schnellstmöglich unterbrochen werden, damit es sich nicht in ihr festigt. Ich habe natürlich auch gefragt, woher das kommen könnte. Meine Tochter ist sehr sensibel (was anderen aber nicht so auffallen würde) und macht sich oft weitergehende Gedanken, als andere Kinder in ihrem Alter. Die Ärztin sagte, dass meine Tochter irgendwas aufgefasst (gehört, gesehen) was sie nicht verarbeiten kann. Natürlich mache ich mir jeden Tag Gedanken, was passiert sein kann. Auf der Rückfahrt kam es mir dann in den Sinn. Bei einem Mädchen in ihrer Gruppe wurde in den Sommerfdrien schwere Diabetes diagnostiziert. Sie trägt nun eine Pumpe mit Katheder und muss sich auch jeden Morgen den Blutzuckerspiegel messen. Die Erzieher haben mit den Kindern auch darüber gesprochen. Ich habe meiner Tochter zuhause auch noch einmal erklärt, was Diabetes ist. Ich glaube, dass ich das auch gut und kindgerecht hinbekommen. Was allerdings wohl weder die Erzieher noch ich erklärt haben,ist, wo diese Krankheit herkommt und wie sie entsteht. Nun könnte ich mir vorstellen, dass meine Tochter sich so ihre eigenen Gedanken gemacht hat und glaubt, dass vielleicht äußere Einflüsse dazu führen können solch eine Krankheit zu bekommen, wo man sich jeden Tag pieksen muss. Das kam mir auf der Rückfahrt in den Sinn, dass diese Veränderung im Kindergarten ihr vielleicht große Angst macht und sie das für sich nicht klar kriegt. Wir werden mal sehen, was der Psychologe sagt.

    Wie schön, dass sich der Kinderarzt gleich so engegiert hat und drauf besteht einen schnellstmöglichen Termin auszumachen. Berichte bitte weiter! @:)


    Was jetzt wirklich die Ursache ist, ist schwer herauszubekommen. So richtig logisch hört sich das mit dem Diabetes-Fall im KiGa nicht an. Aber was ist schon logisch in diesem Fall?


    Ich wünsche dir und deiner Tochter alles Gute!

    Zitat

    Ich würde mich darüber freuen, wenn ich erfahren könnte wie ein Kindergartenkind auf solche Ideen kommt. Da kommen die nicht von alleine drauf. Kindergartenkinder scheren sich normalerweise einen Scheiß um irgendwelche Hygieneregeln.

    Ähm ja doch.


    Um anzumerken, ich hab heute noch als Erwachsene die gleichen Ticks wie damals (mit 5/6 entwickelt) nur teilweise "ausgereifter".


    Ich entwickelte mit 6 Jahren eine Emetophobie, auch mit Zwangsneurosen, ich musste meine Mutter auch immer fragen "kann ich das noch essen" kann man das zusammen, essen, wird mir da auch nicht übel".


    Meine Mutter war damals genauso verzweifelt wie Murmel72 anscheinend.


    Irgendwas könnte passiert sein, dass sie das entwickelt. Weißt du vor was sie Angst hat? Hat sie Angst davor krank zu werden, wenn sie das isst, oder macht, oder mit irgendwas spielt? Gab es Dinge, die passiert sind und die ihr verkraften müsst/musstet? Und redet ihr darüber auch mit ihr, oder bekommt sie nur unterschwellig etwas mit und steht mit allem alleine da? Soetwas war damals bei mir der Auslöser.


    Wie reagierst du auf ihre Fragen? Genervt oder gibst du ihr Sicherheit, in dem du ihr immer eine positive Antwort gibst?


    Ich brauchte damals die Bestätigung meiner Mama, mir war egal ob es stimmte oder nicht, Hauptsache sie sagte "ja, das kann man essen", "nein, dir wird auch nicht schlecht".


    ich würde dir raten (ich bekam es nicht, und hatte mir später hinaus oft gewünscht, dass ich jemanden gehabt hätte, der mir diese Ängste nehmen könnte) zum Kinderspychologen zu gehen. Heute lebe ich noch damit, ich kann damit leben, aber trotzdem bin ich "geschädigt". Und meinen Waschzwang wurde ich auch nie vollständig los.


    Das wird auch für dein Kind mal schwieriger, sollte sie selbst mal Mutter werden, denn so gut wie man versucht, den Kindern Normalität zu geben, so bekommen sie es doch stückweit mit.

    Meine Tochter ist neun Jahre und fragt ähnliche Dinge und ähnlich oft. Sie leidet allerdings unter keinem Waschzwang, fragt mich aber hundertmal, ob das und das giftig ist und ob sie das berühren darf. Da dein Eintrag schon älter ist, möchte ich gerne wissen, wie es deiner Tochter jetzt geht bzw. was du unternommen hast.

    Wir hatten ähnliches Problem als unsere Tochter 5 War. Sie hatte plötzlich vor allem möglichen angst, es könnte giftig sein oder sie müsse sterben. Wir waren dann auch beim Kinderarzt der uns das so erklärte: im Alter von ca 5jahren bemerken die Kinder, dass sie irgendwann sterben werden. Und das macht natürlich angst. Nun reagieren die Kinder da unterschiedlich. Die einen denken nicht so sehr darüber nach und die anderen haben da arge Probleme damit und steigern sich da rein. Man sollte in dem Fall beruhigend auf sie einreden, für sie da sein. ....


    ich habe dann trotzdem noch die Freundin meiner Mutter gesprochen. Sie ist Psychologin. Und sie hat mir gleiches gesagt. Nicht dramatisieren. ...zuhören. ...es vergeht irgendwann.


    Und so War es auch. Jetzt ist meine Tochter 8 und es ist nicht mehr so. Nur ganz ganz selten kommen die Ängste noch. ..meistens abends. Dann reden wir und sie lässt sich gut beruhigen.


    Aber ich kann die TE gut verstehen, es ist ein sehr schwieriges und auch beängstigende Thema. Mir machte das auch grosse sorgen.