Also zum Thema genetik vs erziehung fällt mir spontan mein Neffe ein. Er ist Pflegekind meines Bruders. Er wird bald 6 und ist jetzt über 4 jahre bei seinen Pflegeeltern...


    Er ist lernschwach, hyperaktiv und ein echtes Rotzblag.... aber das werden meine Verwandten niemals auf die genetik schieben können, denn sie machen in der Erziehung würde ich sagen alles falsch was man falsch machen kann.... und schieben eben alles darauf, dass das arme Kind ja ein Pflegekind ist und besondere Behandlung brauch.


    Mag sein, dass er nen "leichten Knacks" auch durch die Umstände seiner echten Eltern hat. Mama hat schwere Depressionen, ist selbst mit einem Vormund versorgt und hat den Papa in der Psychiatrie auch kennengerlent.


    Bei mir gäbe es aber durchaus ne andere Erziehung für dieses Kind und wetten, er wäre auch anders. Evtl immer noch kein Einstein, aber ein völlig anderes Kind.


    Und richtig zum Thema: Solange da keiner zum Vater gemacht wird und dann zahlen darf, obwohl er das gar nicht will.... finde ich alles was da wer vor hat in Ordnung.

    Irgendwie läuft das hier ausm Ruder.


    Ich glaube nicht das es iwie genetisch bedingt ist WIE man wird bzw. ich stelle die Erziehung weitaus höher als das Genetische Material.


    Ich kenne nämlich ein gutes Beispiel – MICH ^^


    Ich weiss nicht mal wer mein Vater ist und meine Mutter und ich haben bzw hatten (sie lebt nicht mehr) soviel gemeinsam wie n Apfel und ein Ei.


    Zumal ich nicht mal bei ihr aufgewachsen bin..


    Ich finde man MUSS und SOLLTE schon toleranter sein. Jeder wie er möchte, denn ich habe auch mit dem Gedanken gespielt obwohl die Biouhr noch lang nich tickte...


    Und auch ich kenne Mütter da schlag ich mit der Hand vor den Kopf... obwohl ich wohl das Beste Beipiel bin, wo meine Mutter besser KEINE Kinder bekommen hätte.

    Zitat

    DieKruemi


    Ich weiß, aber dennoch spielt ja auch eine Rolle das man erlernt wie man mit Frust umgeht. Man ist ja seinen Genen nicht völlig machtlos ausgeliefert und irgendwelche Schwachstellen hat doch das Genmaterial jedes Menschen.

    natürlich, wäre ja grauenvoll, wenn das anders wäre. Süchte haben ja nicht immer etwas mit Frust zu tun, manchmal mit Lebensgier oder Vergnügungsgier. In den achzigern, als ich noch jung war ;-) war ich in einer Clique, die mit allem möglichen rumexperimentiert hat. ab einem Punkt, als es mir zu exessiv wurde, brach ich den Kontakt ab-aus Selbstschutz. diejenigen, die eben keine Grenze fanden, hatten fast alle einen familiären Suchthintergrund. Wichtiger als Frustbewältigungsmechanismen ist, denke ich, das Wissen, dass man anfälliger ist, als manche Freunde.

    Zitat

    biologisch gesehen ist der vater außer als erzeuger einfach in der menschheitsgeschichte meistens überflüssig. eine wichtige rolle ist nicht wie bei manchen anderen tierarten evolutionär vogegeben, sondern ein reines gesellschaftlicges konstrukt, dass übrigens auch in dem moment erst anfängt, sinn zu machen, indem die jeweilige gesellschaft patriarchaisch genug aufgebaut ist, um die frauen so weit zu kontrollieren, dass die männer sich auf die weibliche monogamie zu nahezu 100% verlassen können.

    @ monika

    hört sich verkrampfhaft emanzipiert an und ist fachlich völlig unsinnig.


    Es wird evulotionär nix vorgegeben, sondern bestimmte Konstellationen stellen sich während der Evulotion als vorteilhaft für die Arterhaltung herraus. Und das gilt auch für das Familienmodell und anderes menschliches Sozialverhalten.

    @ seventhree

    auch wenn ich nicht monika heiße, sieht das zitat aus wie von mir, also antworte ich mal ;-)


    ersetze "evolutionär vorgegeben" von mir aus durch "vorteilhaft für die arterhaltung", das ändert nichts an der kernaussage, dass in kaum einer gesellschaft die kleinfamilie vorkommt und in kaum einer kultur väter eine so große rolle für ihre leiblichen kinder spielen wie in unserer. wenn aber 90% aller kinder quasi vaterlos aufwachsen, dann scheint das doch eigentlich das der arterhaltung dienlichere konzept zu sein.


    ich hab mich übrigens gestern mit einer mir befreundeten schwangeren akademikerin um die 40 unterhalten, die von einer "allein schwangeren" aus ihrem geburtsvorbereitungskurs berichtete. meine freundin äußerste dabei den verdacht, dass sich diese hätte "in holland besamen lassen". im weiteren verlauf des gespräches meinte sie, hätte sie nicht letztes jahr den vater ihres kindes kennen gelernt, dann hätte sie auch ernsthaft mit dem gedanken gespielt.


    halb im scherz habe ich dann darüber nachgedacht, ob es für mich nicht eine option wäre, das entstehen meiner tochter so darzustellen. ob das nicht in den kreisen, in deen man sich so bewegt, weitaus tougher und power-frauenmäßiger rüberkäme als "ähm - irgendwie war ich zu blöd zum verhüten".

    Zitat

    wenn aber 90% aller kinder quasi vaterlos aufwachsen,...

    Redest Du von Molchen, Pantoffeltierchen oder Menschen?


    Ich kenne eigentlich nur Kulturen, in denen der Vater eine wichtige Rolle einnimmt.


    Mensch, Marika, was liest Du denn für Postillen? ":/

    Zitat

    Ich kenne eigentlich nur Kulturen, in denen der Vater eine wichtige Rolle einnimmt.

    Verwechselst du da nicht die Ernährer-Rolle mit der Erzieher-und Vaterfigur-Rolle?


    Ich meine, bei einem Vater, der morgens aus dem Haus geht, abends späte nach Hause kommt und am Wochenende zum Fußball geht, bei Familienfesten aber den Nachwuchs stolz auf den Schoß nimmt-da wächst das Kind quasi vaterlos auf. Ok, da ist ein Mann, der das Geld bringt, das Kind sogar liebt, gelegentlich auch mal ein Spielchen macht aber das ist doch nicht VATERSEIN!

    wobei ich DIR nicht unterstelle, das du das so handhabst. Aber in meiner Generation hatten fast alle meine Freundinnen derartige "Väter". Ins Bett gebracht, Frühstück gemacht, Wunden versorgt, Arztbesuche gemacht, Fieber gemessen etc hat die Mutter.

    Immerhin verbringen ca 60% der Väter maximal 8 Stunden pro Woche allein mit ihrem Kindern


    http://www.vaeter-zeit.de/vaeter-kinder/vaeter-wollen-mehr-zeit-fuer-kinder.php


    wieso sollten sie dann nicht sooo leicht austauschbar sein bzw. was macht sie so unentbehrlich?

    Heutzutage sind es oft die berufstätigen Mütter, die sich so verhalten.


    Es stimmt schon. Früher schoben Väter noch nicht einmal den Kinderwagen. Mein Vater war Hauptverdiener und oft beruflich im Einsatz. Trotzdem war er für meine Erziehung sehr wichtig.


    Zum einen habe ich mit ihm Sachen machen können, die für meine Mutter nicht in Betracht gekommen wären. Auch habe ich gesehen, wie liebe- und respektvoll er meine Mutter behandelt hatte. Außerdem hatte er natürlich nicht nur gearbeitet...


    Leider lebt er nicht mehr. Doch ich denke sehr liebevoll an ihn zurück. Bis zu seinem Tod war er für mich, auch wenn ich das natürlich in einem bestimmten Alter nicht eingeräumt hatte, Vorbild. Seine gradlinige Art, seine Ratschläge, sein unglaublicher Humor.


    Deshalb bleibe ich dabei: Kinder brauchen beide Elternteile gleichermaßen. Das entspricht eigentlich auch dem Stand der Forschung, so dass es mich wundert, dass ich hier anderes lesen muss. Für mich eine völlig neue Erfahrung.

    Zitat

    Immerhin verbringen ca 60% der Väter maximal 8 Stunden pro Woche allein mit ihrem Kindern

    und nur weil es so 'wenig' zeit ist, ist diese zeit weniger wertvoll?


    Nur weil es weniger ist als die Zeit, die die Mütter mit ihren Kindern verbringen soll man es gleich lassen?


    Ich habe meinen Vater auch so 'wenig' gesehen, weil er ganztags arbeiten war. Dennoch möchte ich keine Sekunde der Zeit missen, die ich noch mit ihm verbracht habe. Ausflüge an den Wochenenden, zusammen einkaufen gehen, zum Spielplatz.


    Ist das alles 'wertlos' nur weil es so wenig Zeit ist?

    nein, natürlich nicht wertlos und verzichtbar. aber einfacher durch ein anderes männliches Mitglied des Umfelds der Mutter zu übernehmen. Nur weil es Kinder gibt, die gewollt oder ungewollt ohne leiblichen Vater aufwachsen, sind sie m.E.n. nicht per se im Nachteil gegenüber den Kindern mit leiblichem Vater.

    Ich denke, dass viele Väter wenig, aber sehr intensive, Zeit mit ihren Kindern verbringen. Toben, Sport, Baden fahren, Moped fahren (!) tun meine Kinder zum Größten Teil mit ihm, gerade weil er eben nur alle 10 Tage zu Hause ist. Solche Erlebnisse bleiben doch den Kindern im Gedächtnis, nicht der Alltagstrott.

    Sie sind vielleicht austauschbar, meine Tochter ist ja kein leibliches Kind meines Freundes, aber er kennt sie seit sie 2 war. Wenn man so lange zusammenlebt hat man eine sehr enge Bindung. Und ein Vater sollte schon eine engere Bindung zum Kind haben als "irgendein" Onkel. Kein Mann dieser Welt wird je so eine Bindung zu meinem Sohn haben, er hat die Nabelschnur durchtrennt und jeden Entwicklungsschritt verfolgt, er sieht ihn mit ganz anderen Augen.