Erst mal den Vätern was Gutes schreiben :-)


    Mein Mann, der Papa meines Sohnes ist mit Leib uns Seele Papa.


    Er bleibt problemlos mit dem Kleinen allein, wir machen am Morgen alles gemeinsam (arbeiten ja auch beide), er bringt ihn ins Bett, wenn ich am Abend noch mal ins Büro muss, er ist am WE für ihn da, wenn mal bei mir was anliegt.


    Klar, ich habe den Kleinen den Nachmittag in der Woche allein, aber die Bindung hat er zu uns beiden nahezu gleichermaßen eng.


    Zum Glück hat sich in dieser Richtung wirklich was getan.


    ABER:


    Nur weil wir dieses Familienbild als gut empfinden und es auch gut funktioniert, deshalb müssen doch andere Konstellationen nicht schlecht sein.


    Es können verschiedene Modelle nebeneinander gut sein und ich bin mir sicher, wenn kein Vater anwesend ist, dass es eine andere wichtige Bezugsperson geben kann, die diesen Part übernimmt.


    Genau das ist doch die Lebensrealität um uns herum.

    Zitat

    Er bleibt problemlos mit dem Kleinen allein

    Da hab ich ja glatt meinen Frühstückskuchen quer über den Schreibtisch gespuckt! ;-D ;-D Ist klar, was Du meinst, aber es klingt urkomisch. Ein bisschen wie mal bei mir, als ich meinen Mann dafür gelobt habe, wie schön er den Kohlrabi schneidet ... da hat nicht viel gefehlt, und er hätte mich auch gleich mitgewürfelt, weil es so einen "Feiner Hund"-Unterton hatte. ;-D

    Zitat

    Immerhin verbringen ca 60% der Väter maximal 8 Stunden pro Woche allein mit ihrem Kindern


    (...)


    wieso sollten sie dann nicht sooo leicht austauschbar sein bzw. was macht sie so unentbehrlich?

    Und bei Familien, in denen die Kinder acht bis zehn Stunden am Tag in der Kita sind? Mal zusammenrechnen - ein Kita-Kollege meines Kleinen schläft 12-13 Stunden pro Nacht, sehr zuverlässig, mittags am Wochenende drei Stunden, in der Kita meist nur eine. Täglich neun Stunden Kita.


    Kita: 5x(9-1) Stunden = 40 Stunden mit der Erzieherin/den anderen Kindern


    Wochenende: 2x24 Stunden minus 2x3 (Mittagsschlaf) und 2x12 (nachts) = 18 Stunden


    Davon verbringt der Vater meist einen kompletten Nachmittag allein mit ihm. Sind also 15 Stunden für die Mutter, plus drei mal etwa zwei Stunden unter der Woche, wovon das meiste davon auf Abholen/Bringen entfällt (zweimal holt der Vater ihn ab). Also wöchentlich etwa 21 Stunden Mutter, 40 Stunden Kita.


    Ist nun die Erzieherin für das Kind doppelt so wichtig wie die Mutter?


    Bei mir lässt sich übrigens keinerlei Hierarchie unter meinen Freunden erstellen, die eine unmittelbare Korrelation zwischen gemeinsam verbrachter Zeit und ihrer Wichtigkeit in meinem Leben nahelegen würde. Und einige Verwandte, die ich zweimal im Jahr sehe, stehen mir sehr, sehr nahe und sind viel wichtiger für mich, als daraus irgendwer schließen würde, der gemeinsam verbrachte Zeit als Indikator für Austauschbarkeit/Unersetzlichkeit sieht.

    Zitat

    aber einfacher durch ein anderes männliches Mitglied des Umfelds der Mutter zu übernehmen.

    Aber wie oft lebt diese männliche Bezugsperson mit der Mutter zusammen oder auch nur in direkter Nähe? Enge Bindungen brauchen viel Zeit, viel gemeinsamen Alltag.


    Diese Konstellation, dass der Vater egal ist und der Bruder der Mutter die Vaterrolle einnimmt, gibt es natürlich. (War das nicht irgendwo in China?) Aber da ist es eine tradierte Kultur und ganz normal. Ich glaub kaum, dass ein Onkel oder Bekannter in Deutschland sich in der Verpflichtung sieht diese Rolle einzunehmen und das Kind als große Priorität im Leben zu sehen, so wie es ein Vater tun würde.

    Ich finde auch, dass das mit der "anderen männlichen Bezugsperon" immer so rausgeflötet wird, als wäre das ein Klacks. Als würden überall Leute rumstehen, die man nur abholen braucht, damit sie eine verlässliche, dauerhafte, möglichst lebenslänglich zugetane Bezugsperson für ein Kind werden. Bindungen entstehen nicht mal eben so und auch nicht aus reinem Willen.

    Ich kenne durchaus Fälle, wo der Vater durch eine andere Bezugsperson ersetzt wurde.


    In einem Fall lernte die Mutter den Mann kennen, da war der Sohn nur wenige Monate alt.


    Die beiden leben zusammen, der Junge ist nun 6 Jahre alt und sagt Papa zu dem Mann.


    Es ist für ihn sein Vater, obwohl er weiß, dass es nicht sein Erzeuger ist.


    Der Erzeuger kümmert sich absolut gar nicht um seinen Sohn, weder Kontakt noch Unterhalt.


    Eigentlich sind solche Familien doch gar nichts besonderes?

    Ja, dass es das gibt bestreitet ja niemand. Was mir aufstößt ist die Art, wie das als vollkommen umproblematische Alternative formuliert wird "Kein leiblicher Vater? Ach, das kann doch einfach 'anderes männliches Mitglied des Umfelds der Mutter' machen, no problemo."

    Zitat

    nein, natürlich nicht wertlos und verzichtbar. aber einfacher durch ein anderes männliches Mitglied des Umfelds der Mutter zu übernehmen

    Das mag sein, wenn sich der leibliche Vater aus der Verantwortung stiehlt.


    Umgekehrt gilt jedoch Gleiches:

    Zitat

    nein, natürlich nicht wertlos und verzichtbar. aber einfacher durch ein anderes weibliches Mitglied des Umfelds des Vaters zu übernehmen

    Ich kenne (zunehmend) Väter, die das Kind nach einer Trennung/Scheidung zugesprochen bekommen und deren neue Partnerin auch gegenüber dem Kind die Mutterrolle übernimmt.


    Daher ist die andere Feststellung, dass es auch andere (gute) Lebensentwürfe gibt, natürlich richtig.

    Warum muss es denn da ein Problem geben?


    Wie gesagt, ich finde Väter toll, die viel Erziehungsarbeit übernehmen und Zeit mit ihren Kindern verbringen.


    Aber es ist doch nun mal Tatsache, dass sich ein nicht unbedeutender Teil frühzeitig aus der Affäre zieht.


    Und gerade die sind leicht ersetzbar.


    Würden wir uns trennen, wäre mein Mann nicht leicht ersetzbar als Vater, denn er hat bereits eine enge Bindung aufgebaut.


    Wäre aber auch nicht nötig, weil er seinen Sohn niemals aufeben würde.


    Ein echter VATER ist nicht leicht zu ersetzen.


    Ein schlichter Erzeuger dagegen schon viel eher.