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    Ja, dass es das gibt bestreitet ja niemand. Was mir aufstößt ist die Art, wie das als vollkommen umproblematische Alternative formuliert wird "Kein leiblicher Vater? Ach, das kann doch einfach 'anderes männliches Mitglied des Umfelds der Mutter' machen, no problemo."


    a.fish

    Solche Auffassungen kenne ich auch, kann das aber nicht so ganz teilen.


    Vielleicht bin ich ja auch mit meiner Vorstellung einer "klassischen Familie", also Mutter Vater und Kind ind dieser Zeit etwas zurückgeblieben...

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    Ein echter VATER ist nicht leicht zu ersetzen.


    Ein schlichter Erzeuger dagegen schon viel eher.

    Klar, aber das gilt ganz genau so für die Mütter, nur dass es da seltener vorkommt. Ich weiß allerdings nicht, ob das nicht auch zu einem Großteil daran liegt, dass das von den tatsächlichen Umständen her schwieriger ist, sich als Mutter aus der Affäre zu ziehen, denn als Vater.


    Ungeachtet dessen ist es so eine Sache mit dem Ersatz ... für viele Menschen bleibt es ein großer Schmerz, wenn ein Elternteil sich nie richtig gekümmert hat. Und sei es vielleicht nur, weil Mütter und Väter in unserer Kultur emotional so stark besetzt sind ... da weiß man, da ist jemand, der mich lieben sollte, aber er tut es nicht. Das muss man auffangen, und ich glaube, das gelingt immer nur zum Teil. Oft zu einem sehr großen Teil, aber ein Verlust bleibt es. Muss und sollte man kein Drama draus machen, aber ich sehe auch keinen Sinn darin, es schönzureden.

    Ich weiß nicht, ob die Einstellung dass nur die Vater- Mutter- Kind Familie eine gute Familie ist wirklich zurückgeblieben ist.


    In der guten Alten Zeit gab es die eigentlich nur kurzfristig. Meist gehörte doch Oma, Opa, Onkel, Tanten und jede Menge Geschwister dazu.


    Ich würde es eher als überheblich bezeichnen wenn man so denkt, vor Allem dann, wenn man das Modell selbst lebt.


    Immerhin unterstellt man damit all den vielen Familien, die eine andere Konstellation leben, dass sie auf jeden Fall schlechter wären, nur weil sei anders zusammengesetzt sind.


    Und das halte ich für Unsinn.

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    da weiß man, da ist jemand, der mich lieben sollte, aber er tut es nicht. Das muss man auffangen, und ich glaube, das gelingt immer nur zum Teil. Oft zu einem sehr großen Teil, aber ein Verlust bleibt es. Muss und sollte man kein Drama draus machen, aber ich sehe auch keinen Sinn darin, es schönzureden.

    Jap, so denke ich auch. Ich meinte mit meinen Anmerkungen nicht, dass ein "Ersatz" (was für ein Begriff in diesem Zusammehang) nicht möglich oder zwangsläufig schlecht ist, sondern dass es zum Ersten happig und schwierig und gar nicht wahrscheinlich ist, dass sich ein solcher Menschen anfindet und zum Zweiten das, was Shojo beschrieben hat.

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    Aber es ist doch nun mal Tatsache, dass sich ein nicht unbedeutender Teil frühzeitig aus der Affäre zieht.


    Und gerade die sind leicht ersetzbar.

    "Leicht" – ich weiß nicht. Ersetzbar ja. Auch durch jemanden, der den Alltag miterlebt, durch einen neuen Partner sicherlich.


    _


    Abgesehen mal von der Tatsache, dass ich es schwierig finden würde als Alleinerziehende ohne Partner dem Kind/Kindern den Wert, das Funktionieren einer Partnerschaft zu vermitteln. Ich denke, ich hätte vielleicht größere Probleme in meiner eigenen Partnerschaft, wenn ich die Ehe meiner Eltern nicht als Orientierungspunkt gehabt hätte. Das hat mein Bild wesentlich geprägt. Positiv und negativ. Ich wußte, was ich von einer Partnerschaft erwarte und was ich ganz sicher nicht will.


    Ich für mich ganz persönlich habe durchaus auch den Anspruch meinen Kindern eine glückliche, tragfähige Partnerschaft vorzuleben und sollte diese in die Binsen gehen, wenigstens eine freundschaftliche gemeinsame Verantwortung für die Kinder. Ob das klappt? Wer weiß.

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    Immerhin unterstellt man damit all den vielen Familien, die eine andere Konstellation leben, dass sie auf jeden Fall schlechter wären, nur weil sei anders zusammengesetzt sind.

    Für die Kinder sind dauerhafte Bezugspartner wichtig, die den Alltag mit dem Kind leben.


    Dafür gibt es durchaus auch andere Modelle. Wenn ich zum Beispiel an gute Freunde von uns denke. Ein lesbische Pärchen, die zusammen mit zwei Schwulen Freunden zwei Kinder bekommen haben. Sie leben alle zusammen in einem großen Haus (klingt wie im Märchen, ich weiß), aber das klappt hervorragend. Die Kinder haben gleich vier Bezugspersonen, die sich alle verantwortlich fühlen, die sich alle kümmern und auch die Verantwortung für die Kinder ist geteilt.


    Vielleicht schreckt mich das am meisten, deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen alleinerziehend zu sein, mit allem wirklich in letzter Instanz allein dazustehen. Alle Entscheidungen bleiben wirklich an mir hängen. Sicherlich kann ich mir Rat und Hilfe holen, aber es gibt dann niemanden, der ähnlich dicht dran ist, wie ich und am Ende dann doch allein entscheiden muss.

    Das ist schon richtig.


    Es bleibt das Wissen, dass einen jemand sehr wichtiges "nicht wollte".


    Und Kinder kommen damit unterschiedlich gut zurecht.


    Wenn wir dann die Samenspende nehmen, könnte man dort dann natürlich den Vorteil sehen, dass dieser Punkt wegfällt.


    Vielleicht ist das so...


    Ich selbst bin in so einer "Bilderbuchfamilie" aufgewachsen.


    Und ja, jeder hat sein Bestes gegeben, keine Frage.


    Trotzdem gab es so undendlich viele Dinge, an denen ich lange Jahre aufarbeiten musste.... ich bin überzeugt davon dass es Scheidungskinder gibt, die es leichter hatten.


    Die intakte Familie ist nur ein Punkt, der die Kindheit prägt.


    Ein wichtiger sicher, aber doch einer von vielen.

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    Wenn wir dann die Samenspende nehmen, könnte man dort dann natürlich den Vorteil sehen, dass dieser Punkt wegfällt.

    Und den großen Nachteil der Motivation dahinter. Warum habe ich keine tragfähige Beziehung, in der ich Kinder bekommen kann? Was kann ich meinem Kind für ein Bild von Männern vermitteln? Wo bekomme ich eine männliche Bezugsperson her?


    Was für ein Bild einer Partnerschaft gebe ich meinem Kind mit auf den Weg?


    Alles hat seine Tücken, ideal ist nichts.

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    Alles hat seine Tücken, ideal ist nichts.

    Ja, das ist natürlich richtig.

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    Warum habe ich keine tragfähige Beziehung, in der ich Kinder bekommen kann?

    Ist es denn so, dass es tatsächlich eine Charakterschwäche sein muss, wenn man keine tragfähige Beziehung hat?


    Dass man sich selbst diese Frage stellen sollte ist klar.


    Doch gehe ich davon aus, dass es auch Singels gibt, die ganz wundervolle Eltern(teile) sein können.

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    Was kann ich meinem Kind für ein Bild von Männern vermitteln?

    Darauf habe viele Dinge Einfluss. Und ein vorhandener Vater, der sich aber nicht kümmert, der trägt sicher auch nur negativ zum Männerbild bei.


    Und wie ist das Männerbild, wenn die Ehe nach außen hin stimmt, die Frau aber eine negative und untergeordnete Rolle spielt?


    Je länger ich hier lese und schreibe, desdo mehr drängt sich der Gedanke auf, dass von dieser 27 jährigen Dinge erwartet werden, über die anderen Eltern vielleicht nicht mal nachgedacht haben, als sie ihr Kind zeugten.


    Wenn sie überhaupt zeugen wollten.


    Ist der Anspruch an Eltern wirklich sooo unendlich viel höher, wenn das Kind nicht "einfach so passiert"?


    Und ist das berechtigt? ":/

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    Ist es denn so, dass es tatsächlich eine Charakterschwäche sein muss, wenn man keine tragfähige Beziehung hat?


    Dass man sich selbst diese Frage stellen sollte ist klar.


    Doch gehe ich davon aus, dass es auch Singels gibt, die ganz wundervolle Eltern(teile) sein können.

    Natürlich können Singles wunderbare Elternteile sein und Single sein selbst ist keine Charakterschwäche, aber irgendwie denke ich, dass man Verantwortung für sich selbst übernehmen sollte, bevor man dies für einen anderen Menschen tut – das ist zumindest mein Ansatz, für mich ganz persönlich und dazu gehört auch, dass man die eigene Situation kritisch hinterfragt.

    Jeder macht sich halt seine eigenen Gedanken zu dem Thema, die keine allgemein gültige Wahrheit darstellen, sondern eben ganz persönliche Ansätze und Überlegungen darstellen.


    Weder würde ich jemandem die Samenspende verbieten, noch jemanden verurteilen, der Alleinerziehend ist – davon möchte ich mich ausdrücklich distanzieren.


    Ich denke nur für mich ganz persönlich, dass ich nicht alleinerziehend sein möchte, dass es in meinen Augen mehr Nachteile als Vorteile hat und das für die Werte, die ich gerne vermitteln möchte, ein Vater unabdingbar ist.


    Deshalb habe ich bisher noch kein Kind, habe bei der Verhütung aufgepasst wie ein Luchs und freue mich aktuell mit meinem Mann, dem ersten Mann bei dem ich mir vorstellen kann, dass er ein wunderbarer Vater sein wird, dass wir irgendwann demnächst schwanger werden.


    Ich würde von jedem erwarten, gerade in der heutigen Zeit, mit all den Verhütungsmöglichkeiten, dass, bevor er Kinder in die Welt setzt, sich dazu ein bis zwei Gedanken macht. Aber das ist ein frommer Wunsch, der wohl eher nicht Realität werden wird.

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    Ich denke nur für mich ganz persönlich, dass ich nicht alleinerziehend sein möchte, dass es in meinen Augen mehr Nachteile als Vorteile hat und das für die Werte, die ich gerne vermitteln möchte, ein Vater unabdingbar ist.

    Da geht es mir genau so...


    Ein Kind alleine planen, in der Samenbank zeugen, zur Welt bringen und aufziehen... das würde ich mir gar nicht erst zutrauen.


    Ich schließe daraus, dass die Frau ein recht großes Selbstvertrauen haben muss....

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    und freue mich aktuell mit meinem Mann, dem ersten Mann bei dem ich mir vorstellen kann, dass er ein wunderbarer Vater sein wird, dass wir irgendwann demnächst schwanger werden.

    Dafür wünsche ich euch beiden viel Glück @:)

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    Ich schließe daraus, dass die Frau ein recht großes Selbstvertrauen haben muss....

    Du bist eine Gute! :)z


    Das lässt nämlich auch einen ganz anderen Schluss zu, der mir als erstes in den Sinn kam...

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    Dafür wünsche ich euch beiden viel Glück

    Danke! @:)

    Klar, das Konzept nennt sich "Stiefvater" und gibts schon ewig. :-)


    Aber bei Diskussionen um Alleinerziehende taucht immer wieder der Mann aus dem Umfeld der Mutter auf, der als männliches Vorbild und Vaterersatz fungieren könnte. Das finde ich halt fragwürdig, denn dieser Mann (Onkel, Cousin, Freund wasauchimmer) lebt wohl in den seltensten Fällen mit dem Kind zusammen und hat ein eigenes Leben und vielleicht eine eigene Familie, wo das Kind nicht die Hauptrolle spielt. Diese Bindung ist um einiges lockerer und unverbindlicher als die Bindung zu einem Vater (egal ob biologisch oder sozial). Womit ich im Umkehrschluss natürlich nicht behaupten will, dass die Bindung zu einem Vater immer bombenfest ist.

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    Du bist eine Gute!


    Das lässt nämlich auch einen ganz anderen Schluss zu, der mir als erstes in den Sinn kam...

    @ :)

    Andere würden das sicher naiv nennen |-o ... stimmt beides.


    Ich vermute meist zuerst mal etwas Positives bei anderen Menschen.