Aufklärung über Geburtsrisiken und Beckenbodenschäden.

    Zugegeben: ein sehr drastischer Titel. [Anmerkung der Moderation: Der Titel wurde aufgrund unnötiger Provokation geändert] Und vielleicht gehört mein Beitrag auch eher in die Rubrik "Gesellschaft" (habe ich jetzt nicht gefunden, also liebe Admins, ihr könnt gerne verschieben).


    Auf das Thema bin ich aufmerksam geworden durch einen Fall im Bekanntenkreis. Vor rund einem halben Jahr hat meine Bekannte ihr erstes Kind bekommen, es war eine Zangengeburt. Das ganze endete in mehreren Monaten Haushaltshilfe, zig Arztbesuchen und der Einweisung in ein Beckenbodenzentrum, wo ihr dann eine massive Senkung der Blase sowie der Gebärmutter diagnostiziert wurde, sowie einem massiven Muskelschaden des Beckenbodens, der diese Organe stützt.


    Dieser Schaden ist irreversibel, sprich ihre Körpermitte ist für immer zerstört.


    Meine Bekannte ist natürlich am Boden zerstört, sie wurde im Kreißsaal noch gefragt ob Zangengeburt oder Kaiserschnitt, und weil sie keine OP wollte, wegen den Nachteilen des Kaiserschnitts für das Kind, hat sie sich für die Zange entschieden. Dass ihr die Zange aber den Muskel so dermaßen verletzen kann, dass es zu den Folgeerscheinungen kommt wie dem Absacken der Blase, das hat man ihr nicht gesagt.

    Zu einer OP rät man ihr im Moment nicht, da es noch zu früh ist nach der Geburt, und aufgrund der Muskelverletzung soll auch das OP Ergebnis nicht so lange halten.


    Ich habe sie neulich besucht, und sie liegt natürlich noch viel und liest auch viel über die Thematik und hat mir neulich einen Artikel gezeigt, in dem es über die große Diskussion Kaiserschnitt /natürliche Geburt ging, und da meinte ein führender Arzt, dass man Frauen nicht über die Risken der natürlichen Geburt aufklären soll, weil ja auch niemand über das Atmen aufklärt.

    Woanders hieß es, Frauen aufzuklären wäre nicht wissenschaftlich.


    Ich selber wusste nicht dass eine natürliche Geburt, vor allem mit Zange, jemanden so kaputt machen kann, und wenn ich diese Aussagen dann lese, und dann meine kaputte Bekannte anschaue, dann frage ich mich, wo eigentlich die Stellung der Frau derzeit immer noch ist. Meine Bekannte macht sich unendlich Vorwürfe, und meinte hätte sie gewusst dass die Zange sie kaputt macht, dann hätte sie nie die Zange gewählt.


    Sie war vorher fast jeden Tag joggen, ging begeistert ins Fitnessstudio, und kann jetzt wohl ihr Leben lang gar nichts mehr davon machen.


    Wie kann ein Mann, der NIE Kinder bekommen wird, eine führende Position innehält, so etwas sagen? Weil man nicht übers Atmen aufklärt, soll man auch nicht übers Gebären aufklären? Also.....bitte???!!!!


    Meine Bekannte hat gesagt sie hat jetzt schon sehr viele Leidensgenossinen getroffen, alles Opfer von Zange und Saugglocke, mit teils sehr schwerwiegenden Schicksalen.


    Mich als Frau macht das schon wütend, denn schließlich redet man ja auch über die Übertragung von HIV. Über Darmkrebs, und und und.


    Sie meinte jede Frau, ,mit der sie gesprochen hatte, wusste nichts über dieses Risiko, was aber doch so lebenseinschneidend ist.


    Dies soll jetzt keine Diskussion über Kaiserschnitt oder natürliche Geburt werden, die enden ja meist eh in sinnfreien Diskussionen, aber ich finde die Frau wird hier ja als eine Art dummzuhaltende Gebärmaschine betrachtet, von Männern, die nie ein Kind bekommen werden und gleichzeitig beim geringsten Anflug von Schnupfen an der Männergrippe erkranken...…


    Ein ziemlicher Missstand, wie ich finde.


    Was denkt ihr?

  • 113 Antworten
    afried schrieb:

    Was denkt ihr?

    Das hatten wir doch schonmal?!


    Wenn deine Bekannte denkt, nicht ordentlich aufgeklärt worden zu sein, sollte sie einen Anwalt einschalten. Eigentlich ganz einfach.

    Hallo Verhüter,


    der Fall meiner Bekannten sollte nur ein Beispiel sein. Mir ging es eher um die Aussage von Gynäkologen, dass man Frauen ja gar nicht aufklären sollte, weil man nicht übers Atmen aufklärt. Klagen will sie auf jeden Fall, und hat auch schon den Rechtsanwalt eingeschaltet. Das läuft alles.


    Danke für den link, bestimmt zum, Thema auch sehr interessant zu lesen. Von diesen Artikeln gibt es ja einige, sehr interessant zu lesen wie diese auch immer aufgebaut sind, von 100% gegen diesen Geburtsmodus, bis 100% gegen jenen Geburtsmodus, also auch sehr ideologisch.


    Für mich eher interessant (natürlich ist der link auch sehr interessant), wäre aber die Rolle der Frau, deshalb auch der Titel. Vielleicht habe ich die Rubrik Kinderwunsch wirklich falsch gewählt, vielleicht kann das ja noch verschoben werden.


    Über die Vor und Nachteile des jeweiligen Geburtsmodus kann ich jetzt nicht so viel diskutieren, ich bin ja kein Arzt und habe aber durch meine Bekannte eben den Artikel bekommen, wo so, in meinen Augen abfällig, über die Aufklärung von Zange etc gesprochen wird. Darum geht es mir eher: die Rolle der Frau.

    afried schrieb:

    Mir ging es eher um die Aussage von Gynäkologen, dass man Frauen ja gar nicht aufklären sollte, weil man nicht übers Atmen aufklärt.

    Könntest du den Artikel bitte verlinken?


    Tja, die Rolle der Frau. Was gibt es da zu diskutieren? Wir Männer können keine Kinder bekommen. Und könnten wir es, wären wir wohl schon ausgestorben.

    Ich denke dass die Aussagen nicht aufzuklären total daneben sind. Andererseits finde ich, dass es auch in der Verantwortung der Frau liegt aufgeklärt zu sein. Kaum ein Arzt wird die Informationen verweigern, wenn man fragt. Über einen Kaiserschnitt wurde ich zB auch nicht automatisch aufgeklärt, aber wäre es dazu gekommen hätte ich schon Bescheid gewusst, weil ich vorher mich informiert hatte. Genauso wie ich mich über die Risiken einer natürlichen Geburt informiert hatte.

    Vielleicht hört deine Freundin auf zu hadern mit ihrer Entscheidung, wenn sie daran denkt, dass sie keine Ahnung hat, wie ein KS geendet hätte. Auch da Gibt es Risiken, die sehr übel sein können. Man kann nicht sagen, was besser gewesen wäre.

    ja, aber meine Bekannte hat sich ja eingelesen vor der Geburt. Sie hat wirklich zig Schwangerschaftsbücher daheim stehen, und in jedem stehen die Risiken des Kaiserschnitts drin, nur: dass sie einen Muskelschaden durch eine Zangengeburt erleiden kann, das stand nirgends.

    Woher soll sie es denn dann wissen?


    Und gibt es eben nicht dafür Ärzte? Nur: wenn die Ärzte sagen: nein, darüber müssen wir nicht reden....

    dann hat Frau ja eigentlich gar keine Quellen mehr, aus denen sie sich Informationen beziehen kann.


    Und dafür sind doch Ärzte eigentlich da?


    Wenn ich so schaue, dann gibt es wirklich sehr viele Quellen über den Kaiserschnitt, aber über so Zangengeburten eigentlich nicht.

    Sie hat mir sogar einen Artikel gezeigt, in dem Stand dass Zange nicht so schlimm ist, und dass das alles wieder heilt.

    afried schrieb:

    Wenn ich so schaue, dann gibt es wirklich sehr viele Quellen über den Kaiserschnitt, aber über so Zangengeburten eigentlich nicht.

    Vielleicht weil Zangengeburten nicht mehr so häufig durchgeführt werden?


    Infos darüber gibt es auf Wikipedia.

    und deshalb sollte man drüber schweigen?

    denn meiner Bekannten nutzt das auch wenig, dass sie wenig eingesetzt wird, denn bei ihr wurde sie ja eingesetzt.


    und bei Saugglocke passiert ja das gleiche. Und Saugglocke ist doch gang und gäbe.

    Liebe TE. Ich denke eher dahinter steckt Profitgier. Ich glaube nicht, dass, Zangen Geburt immer nachteilig sein muss, auch Kaiserschnitt hat seine Risiken. Trotz alledem sollten die Risiken aufgeführt werden. Blasen Senkung haben viele Frauen. Ich bekam es durch eine OP an der Gebärmutter. Das Risiko besteht bei Jeden Eingriff, selbst bei Kaiserschnitt. Ich bin manchmal Inkontinet und Nehme Einladungen, trotzdem geht es mir seid der OP besser. Ich hatte ein Tumor. Aber es ist nicht wirklich zu vermeiden, dass Komplikationen eintreten. Eigentlich müsste deine Bekannte

    ein Bogen unterschrieben haben, wo die Risiken aufgeführt waren. Wenn das nicht so war, könnt ihr den Arzt verklagen. Ich wuste um die Risiken. Sie muss was unterschrieben haben, da steht es meist drauf. Schaut mal nach.







    und

    Warum darf dann ein Arzt in führender Position (und damit meine ich nicht: führende Person im Dorfkrankenhaus, sondern leitende Position in einem Verband, mit Einfluss auf alle Gynäkologen Deutschlands nehme ich an) so etwas sagen?


    Wieso interessiert dass Frauen so wenig? Dass sie so dumm gehalten werden?


    Verstehe ich als Frau nicht.

    Ganz ehrlich....

    Man hätte mir in der Situation tausende Risiken aufzählen können, ich hätte mich, wenn es kein Notfall ist immer für die Spontangeburt entschieden.

    Wenn es heißt es könnte passieren, dass...., gehe ich ja immer davon aus, dass es mir schon nicht passiert.

    Sie werden ja kaum sagen "wenn wir jetzt die Zange nehmen, reißen wir Ihren ganzen Beckenboden kaputt und er wird sich nie wieder erholen".

    Genauso ist es doch beim Kaiserschnitt..... Es kann alles mögliche passieren, muss aber nicht. Deshalb entscheiden sich auch viele für einen geplanten Kaiserschnitt,obwohl auch der Tod nicht ausgeschlossen werden kann.

    Und letztendlich ist die ganze Schwangerschaft, Geburt und das Wochenbett etwas worauf man sich einlässt, bevor man alle Risiken kennt.

    Ich hab mich jedenfalls nicht vor der Schwangerschaft informiert, was da körperlich und seelisch auf mich zukommt. Mich hat auch keiner vorher aufgeklärt, dass ich in der Schwangerschaft Diabetes entwickeln kann und dieser auch bleiben kann. Tja jetzt sitz ich hier mit prädiabetes.

    Und in Vorbereitungskursen wird sehrwohl auf zangengeburt und saugglocke etc eingegangen. Auch welche Risiken es dabei gibt.

    Aber als Schwangere möchte man es doch gar nicht hören. Und unter der Geburt entscheiden, was man jetzt möchte, geschweige denn noch ewige Risikenvorträge anhören, ist unter Umständen(wehen) sehr schwierig.


    Klar hätte sich deine Freundin für den Kaiserschnitt entschieden, wenn ihr garantiert worden wäre, dass sie mit der Zange alles kaputt gemacht wird. Aber hätte sie sich auch dafür entschieden, wenn es nur evtl passieren könnte. Man kann es nicht sagen.

    Es tut mir sehr leid, dass ihr so etwas passiert ist.

    Ich hatte nach der ersten Geburt über ein Jahr mit meinem Beckenboden zu kämpfen (großes Baby, kristeller-griff) Es ist kein schönes Gefühl, wenn dort nichts funktioniert.

    Dass ist jetzt Ansichtssache, in ihrem Fall wird es sie ihr ganzes Leben lang einschränken.

    Klar hat alles seine Risiken, nur: wenn diese ja schon von vornherein verheimlicht werden, dann hatte sie ja gar nicht die Chancen, sich richtig zu informieren bzw. zu wählen.


    Siehe Anfangspost: Man soll gar nicht aufklären.


    du hast dich bewusst dagegen entschieden, und hattest Glück. Sie hat sich bewusst dafür entscheiden sich zu informieren, hat jedoch diese Infos nicht gelesen, weil diese Infos so gut wie nicht exisitieren, und ist bis an ihr Leben geschädigt. Das ist ein Unterschied. ich kann diese Situation ja nicht vergleich mit: Oh, heute bin ich Auto gefahren, und hatte einen Unfall. Das passiert halt.

    Eher wäre das: also heute bin ich zum ersten Mal in meinem Leben Auto gefahren. Ich hab sonst noch nie ein Auto gesehen. Die Person hat mir gezeigt, dass es einen Anschnallgurt gibt, und mir erklärt dass der mich davor bewahrt, durch die Frontscheibe zu fliegen. Deshalb hab ich ihn genutzt, und als es zum Unfall kam, blieb ich unverletzt.

    Gegenüber: Heute bin ich zum ersten Mal Auto gefahren. Da lag so ein Gurt im Auto, ich wusste nicht wozu der gut ist, und hab ihn mal nicht angefasst.. Es kam zum Unfall, und jetzt habe ich eine Kopfverletzung.



    Im Geburtsvorbereitungskurs hat man ihr nicht erzählt, dass es zu solch starken Muskelschädigungen kommen kann, dass sie nie wieder ihr vorheriges Leben führen kann.


    Die Situation ist also: da draussen gibt es Menschen, die wollen nicht dass Frauen sich informieren können, demzufolge gibt es kaum Infos, demzufolge können sich andere Personen, die sich gerne informieren möchten, nicht oder nur falsch informieren, und kommen zu Schaden.

    das ist leider nicht ganz korrekt, denn das Risiko ist bei Kaiserschnitt viel geringer, so eine Blasensenkung zu bekommen.

    Und bei ihr ist jetzt das Problem, dass diese Muskelverletzung vorliegt, so dass diese Senkung eigentlich kaum behoben werden kann.

    Der Muskel ist irreversibel geschädigt.


    Sie hat keinen Bogen bekommen, ich denke sowas kriegt man nur bei einer geplanten Kaiserschnitt OP. Sie hatte ja eine natürliche Geburt, darüber gab es keinen Aufklärungsbogen, und diese Geburt hat eben mit Zange geendet. Und keiner hat ihr gesagt, dass diese den Beckenboden so schädigen kann.


    Sie hat bereits einen Anwalt eingeschalten.