ISI für 3. Kind

    Hallo liebes Forum, ich brauche mal Gedankenanstöße für ein Thema, was mich derzeit in der Familie sehr beschäftigt.


    Eine nahe Verwandte von mir möchte unbedingt ein drittes Kind, sie hat bereits zwei ganz bezaubernde Söhne, die 7 und 5 Jahre alt sindx:). Jetzt ist es so, dass es auf natürlichem Wege nicht mehr klappen wird. Nunmehr befinden sich die beiden in einer KiWuBehandlung und machen daraus ein sehr großes Thema, d.h. sind sehr launisch, verletzlich, insgesamt eben unglücklich.

    Ich habe viele Freundinnen, die diese Prozedur fürs erste oder auch fürs zweite Kind durchmachen mussten, habe viel mit ihnen gebangt, gehofft und hautnah miterlebt, wie belastend es psychisch und physisch sein kann, nicht zu wissen, ob man jemals ein Kind haben wird. Teilweise habe ich sie zu den Terminen begleitet, die Spritzen gesetzt etc. Ich weiß also ungefähr, was auf einen zukommt. Jetzt mein Problem, ich gehe schon mal in Deckung, weil es wahrscheinlich viel Gegenwind geben wird:


    Ich verstehe einfach nicht, wie man sich diesem Stress und dieser Belastung für ein 3. Kind aussetzen kann, wenn man doch zwei gesunde und tolle Kinder hat.:-(


    Leider schwingt dieses fehlende Verständnis wahrscheinlich in jedem Satz mit, den ich zu ihr oder ihrem Ehemann dazu sage. Ich hoffe daher, dass das Forum mir ggf. helfen kann, Verständnis dafür aufzubringen, und zwar eines was über "jeder kann machen was er will" hinausgeht. Ich möchte es nämlich wirklich gerne verstehen, verinnerlichen und den beiden auch irgendwie helfen können":/. Ich habe sonst Angst, dass unser Verhältnis noch mehr leiden wird, als es eh schon getan hat.:-(


    Vielen Dank.

  • 21 Antworten

    Hi

    Ich kann dir nicht sagen wie es wirklich ist, aber ich würde schätzen, dass sie eine Leere in sich füllen möchten und dazu die Liebe zu einem Kind verwenden wollen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie es für ein Kind machen, sondern eben für sich selbst. Da du offenbar nicht nachvollziehen kannst, dass man dazu unbedingt ein Kind braucht, stell dir eine Sehnsucht vor, die du selbst kennst und nach der du stark strebst, weil es glaubst, dass es dich glücklich macht. Vielleicht kannst du es so besser verstehen?

    Liebe Amalthea, danke für diese Antwort, das hilft mir tatsächlich ein bisschen.


    Natürlich verstehe ich vollkommen, wenn man ein Kind haben möchte, ich selbst habe auch eins und hätte gern noch ein zweites, wenn es denn klappt. Aber auch schon bei dem zweiten Kind denke ich mir: Wenn es mir nochmal geschenkt wird, dann ist das toll, ansonsten bin ich auch mit meinem Sohn überglücklich. lch würde vielleicht sogar eine Kinderwunschbehandlung in Erwägung ziehen, aber allein aus dem Grund, dass ich meinem Kind gern ein Geschwisterchen schenken würde, weniger für mich selbst. Aber da ich weiß, was mit einem passiert, wenn man erstmal in dieser Mühle ist, würde ich auch da ganz lange überlegen, ob es mir das wert ist.


    Eine Sehnsucht, nach der ich stark strebe....gibt es bei mir in der Tat nicht so richtig. Ich bin schnell glücklich und zufrieden, alles was ich möchte, ist gesund bleiben und mit meinem Mann zusammen unseren Sohn aufwachsen sehen. Vielleicht ist das der Knackpunkt, weshalb ich das nicht so gut verstehe....danke für diese Einschätzung. Vielleicht sind meine Verwandten und ich dann an diesem Punkt einfach zu verschieden....

    Alias 945178 schrieb:

    Liebe Amalthea, danke für diese Antwort, das hilft mir tatsächlich ein bisschen.


    Natürlich verstehe ich vollkommen, wenn man ein Kind haben möchte, ich selbst habe auch eins und hätte gern noch ein zweites, wenn es denn klappt. Aber auch schon bei dem zweiten Kind denke ich mir: Wenn es mir nochmal geschenkt wird, dann ist das toll, ansonsten bin ich auch mit meinem Sohn überglücklich. lch würde vielleicht sogar eine Kinderwunschbehandlung in Erwägung ziehen, aber allein aus dem Grund, dass ich meinem Kind gern ein Geschwisterchen schenken würde, weniger für mich selbst. Aber da ich weiß, was mit einem passiert, wenn man erstmal in dieser Mühle ist, würde ich auch da ganz lange überlegen, ob es mir das wert ist.


    Eine Sehnsucht, nach der ich stark strebe....gibt es bei mir in der Tat nicht so richtig. Ich bin schnell glücklich und zufrieden, alles was ich möchte, ist gesund bleiben und mit meinem Mann zusammen unseren Sohn aufwachsen sehen. Vielleicht ist das der Knackpunkt, weshalb ich das nicht so gut verstehe....danke für diese Einschätzung. Vielleicht sind meine Verwandten und ich dann an diesem Punkt einfach zu verschieden....

    Ich glaube auch das es sehr individuell ist, wie stark ein Kinderwunsch jemanden belastet. Das kann man schon im Freundeskreis beobachten. Manche hätten zwar gerne ein Kind, wenn es aber nicht klappt (biologisch nicht möglich oder nicht der richtige Partner zum richtigen Zeitpunkt), ist es auch ok und sie machen das beste draus und genießen ihr kinderloses Leben. Und manche zerbrechen völlig dran und brauchen jahrelange Psychotherapie.


    Ich z. B. hatte lange vor meinem Mann einen Kinderwunsch, und er konnte es lange nicht verstehen, warum das nicht einfach noch "so ein paar Jahre" warten kann. Auf einen unbestimmten Zeitraum. Ich habe versucht es ihm zu erklären, es war für mich ein drängendes Bauchgefühl, wie Hunger. Und irgendwann auch unabhängig von äußeren Faktoren. Einfach da. Man kann sich zwar aus rationalen Gründen entscheiden, dem Gefühl nicht nachzugeben, genauso wie beim Hunger, aber man leidet dann eben.

    Ich kann es nicht anders erklären, aber ich schätze, deiner Verwandten geht es so ähnlich. Sie haben wohl das Gefühl das die Familie noch nicht vollständig ist mit 2 Kindern.


    Meine Mutter hat mal gesagt, beim zweiten Kind war der Kinderwunsch bei ihr genauso stark da wie beim ersten- kam langsam und schleichend aber irgendwann war er da und ließ sich nicht mehr ignorieren, obwohl es gerade nicht so gut gepasst hat beruflich.


    Und es gibt große Unterschiede in der generellen Genügsamkeit von Menschen: Manche haben wenig und sind damit absolut zufrieden, und manche haben alles, und wollen trotzdem mehr. Ich weiß nicht genau ob sowas genetisch oder anerzogen ist, aber du scheinst ein eher genügsamer Mensch zu sein, deine Verwandte eventuell ein Mensch der ganz genaue Vorstellungen einer Ideal-Situation vor Augen hat, und unter jeder Abweichung davon leidet. Ich glaube nicht dass das Leid dadurch unecht ist oder gespielt.

    Du hältst deine Verwandte für undankbar, weil sie bereits 2 gesunde Kinder hat. Würde aber mal davon ausgehen, dass sie tatsächlich leidet und das Bedürfnis nicht an rationalen Fakten (schon 2 gesunde Kinder) festgemacht ist.

    Ich kann nur für uns sprechen, aber bei uns ist die Ausgangssituation etwas anders. Ich habe ein Kind aus einer früheren Beziehung. Mit meinem Mann klappt es leider seit zwei Jahren nicht mit ner SS, deswegen sind wir auch seit Kurzem in ner Kinderwunschklinik. Ich hab den Kinderwunsch schon lange und mein Mann wollte auch immer ein eigenes Kind haben. Es fehlt einfach noch ein gemeinsames Kind.

    @ TE.

    Tatsächlich kann mein bei solchen Dingen vermutlich hauptsächlich aus der eigenen Perspektive heraus sprechen. Ich selbst bin leider in der Situation Deiner Freundinnen, die du bei den künstlichen Befruchtungen begleitet hast. Bzw. bin ich gerade in der Stimulation zu meiner zweiten ICSI, und nachdem die erste negativ war, sieht es schon wieder nicht gut aus (zu wenige Follikel). Ich hatte insgesamt 9 Abgänge, keiner weiß wirklich, warum, und ich werde ich nun wohl nie ein Kind haben. Ich hätte alles für ein einziges getan und wäre so dankbar gewesen. Wahrscheinlich ist einem so ein Gedanke aber eben fremd, wenn man es nicht anders kennt bzw. zwei Kinder quasi problemlos bekommen hat. Auch neigen Menschen wohl grundsätzlich dazu, noch mehr zu wollen, wenn sie schon viel haben. Ich habe leider auch mehrfach erleben müssen, dass Frauen, bei denen es nach dem ersten Kind mit dem zweiten nicht sofort geklappt hat, ausgerechnet mir extrem die Ohren voll gejammert haben. Das konnte ich in meiner Situation (um die sie wussten) kaum ertragen. Es wurden sinngemäß Sachen gesagt, wie: "Schade für dich, dass du kein Kind bekommen kannst, aber ich kann ohne ein zweites nun mal nicht leben."

    Ich finde es sehr gut, wie du selbst nach eigener Aussage mit der Sache umgehst, denn ein Kind zu bekommen, ist keinesfalls so selbstverständlich, wie alle immer denken. Und ich denke auch nicht, dass Du Deine Verwandten da vollständig verstehen musst. Sie können halt andererseits auch nicht aus ihrer Haut, weil die Vorstellungen, die sich Menschen vom Leben machen und auch davon, was ihnen zusteht, sehr unterschiedlich sind (ich schließe mich selbst da nicht aus).

    Genau wie bei Pili ist es auch bei uns. Ich habe einen Sohn aus der früheren Beziehung. Damals war ich 18. inzwischen bin ich fast 28. seit vielen Jahren in einer festen Beziehung und seit 6 Monaten verheiratet. Mein Sohn lebt bei mir. Uns hat irgendwann der Wunsch gepackt das mein Mann auch ein eigenes wollte und ich auch immer gerne 2 Kinder wollte. Das wir nun eine Prinzessin bekommen macht das Leben perfekt. Auch habe ich mir die Frage gestellt was wäre wenn es 2 jungen werden. Ich wünschte mir beim großen schon ein Mädchen. Haare bürsten. Kleidchen. Rosa... ich hätte Evtl noch ein 3tes Kind In betracht gezogen AUCH Weil mein Mann dann ja nur EIN eigenes hat. Jedoch kann 1) noch ein Junge kommen 2) unsere Wohnung und Auto werden definitiv zu klein 3) drei Kinder Sind noch ein Stück arbeit mehr als 2.


    Es wäre alles mit vieeeeelen Gesprächen abzuwägen gewesen.

    Auch wenn ich sagen muss das ich diese Schwangerschaft soooo genieße und ich FAST Dauer schwanger sein könnte. Es gefällt mir einfach sehr. Aber am Ende kommen immer Kinder bei raus. Und eine Fußball Mannschaft will ich nicht zeugen.


    Auch waren meine Gedanken bei dem Nerven Kitzel mit (vorheriger Eileiter Schwangerschaft und 1 Eileiter Entfernung) Risiko auf fehlbildungen... ich glaube auch das wäre ein Grund für mich zu sagen das ich kein drittes will. Es ist wirklich enormer psychischer Stress und sorgen den man doch irgendwie hat. Letzten Endes warten wir aber erstmal unsere kleine Prinzessin ab und schauen. Momentan sagen aber wir beide. 1 gemeinsames reicht völlig.

    Die Blutlinie

    Ich hab nicht so ganz verstanden, was da mit Fehlbildungen usw. meinst":/Hat es bei euch auch nicht auf natürlichem Weg geklappt?


    Mein Mann will definitiv nur noch ein Weiteres. Drei Kinder sind ihm zu viel (mein Kind lebt auch bei uns);-DIch kann dazu noch nichts sagen, da ich ja noch nicht weiß wie der Alltag mit zwei Kindern ist.


    Ansonsten sind unsere Geschichten ja wirklich voll ähnlich. Ich hab mein Kind mit 20 bekommen und bin jetzt auch 28:)^

    naja


    Ich mein damit das Ärzte einen immer extra Untersuchungen anbieten um gewisse Risiken raus zu finden und man sitzt da und hofft alles entwickelt sich gesund (bei mir zusätzliche Angst aufgrund Medikamente)

    Der Stress alleine ist mir schon nen 3tes Kind nicht „wert“. Man hat immer Angst. ich finde das enorm anstrengend.


    Ich bin aber normal schwanger geworden nach Eileiter Schwangerschaft und Entfernung eines Eileiters. Daher NOCH MEHR Angst davor.

    Danke für Eure Antworten.


    In all Euren Fällen hätte ich gar keine Probleme, die Kinderwunschbehandlung nachzuvollziehen, es gibt ja immer absolut gute Gründe dafür (ein weiteres gemeinsames Kind z.B.). Und Kinderlosigkeit als solche sowieso, das ist ja klar, dass man da alles versucht, was möglich ist.


    Und Nike, ich kann Dich nur ermutigen weiter zu machen. Meine beiden Bekannten haben einmal 4 und einmal 7 (!) ICSIs, teilweise im Ausland machen lassen, bei einer anderen waren schon vorzeitige Wechseljahre vorhanden (die durch eine Hormonbehandlung wieder rückgängig gemacht wurden, genau kann ich es Dir nicht sagen), bei wieder einer anderen war bei jedem Versuch nicht mehr als ein Follikel stimulierbar. Die waren alle am Ende und am Rande der Verzweiflung, was ich sehr sehr gut nachvollziehen kann. Aber bei allen war auch der feste Wille und der feste Glaube da, dass es am Ende funktionieren wird. Und das hat es in jedem der Fälle. Ich wünsche Dir, dass Du in guter, positiv denkender ärztlicher Behandlung bist und drücke die Daumen.


    Und eben weil ich diese Geschichten hautnah miterlebt habe, kann ich diesen Wunsch nach einem dritten Kind nur schwer nachvollziehen, es kommt mir gegenüber den anderen Frauen, die so fürs erste oder auch zweite Kind kämpfen müssen, fast ein bisschen zynisch vor.


    Aber ich versuche jetzt einfach diese Idee mit "große Sehnsucht" irgendwie zu verinnerlichen und den beiden weiterhin wohlgesonnen und positiv gegenüber zu treten.

    Danke, Alias, für Deine netten Worte. Na ja, bei mir wird es auf keinen Fall 7 ICSIs geben (können), weil wir gar nicht so viel Geld haben, das zu stemmen. Die zwei, die wir gemacht haben, habe ich mir quasi vom Mund abgespart, dann ist es gefühlt natürlich umso schlimmer, wenn es nicht klappt. Inzwischen bin ich auch der ganzen "Kinderwunschmaschine" gegenüber wahnsinnig skeptisch, weil ich doch oft das Gefühl habe, dass es da viel ums Geldverdienen geht. Ich fühlte mich in meiner Klinik leider nicht gut betreut. Ich habe das Ganze ohnehin nur gemacht, weil mein AMH für mein Alter noch sehr gut ist und die reelle Chance bestand, dass es klappen könnte. Dieses Mal ist es aber gar nicht gut gelaufen und mir fehlt da nicht nur das Geld, sondern schlichtweg auch die Kraft zum Weitermachen.

    Aber das war hier ja nicht das Thema. Natürlich geht es mir auch so, dass mir innerlich der Hut hochgeht, wenn ich höre oder lese, dass andere rumjammern, weil sie kein 3. Kind bekommen können, aus meiner Perspektive ist das vielleicht verständlich, andererseits sieht jeder eben immer die eigene Situation, die besser sein könnte.

    Wenn man es wie Du schafft, mit dem zufrieden zu sein, was man hat, ist das eine tolle Gabe, denn sicherlich kriegt man nie im Leben alles, was man sich wünschen würde.

    Zitat

    Und Nike, ich kann Dich nur ermutigen weiter zu machen. Meine beiden Bekannten haben einmal 4 und einmal 7 (!) ICSIs, teilweise im Ausland machen lassen, bei einer anderen waren schon vorzeitige Wechseljahre vorhanden (die durch eine Hormonbehandlung wieder rückgängig gemacht wurden, genau kann ich es Dir nicht sagen), bei wieder einer anderen war bei jedem Versuch nicht mehr als ein Follikel stimulierbar. Die waren alle am Ende und am Rande der Verzweiflung, was ich sehr sehr gut nachvollziehen kann. Aber bei allen war auch der feste Wille und der feste Glaube da, dass es am Ende funktionieren wird. Und das hat es in jedem der Fälle. Ich wünsche Dir, dass Du in guter, positiv denkender ärztlicher Behandlung bist und drücke die Daumen.

    Da hatten deine Bekannten aber viel Glück, man möchte fast sagen: statisch unwahrscheinlich viel Glück. Denn die "Baby take home"-Rate deutscher Kinderwunschkliniken liegt bei etwa 50%. D.h. nur jedes zweite Paar, dass sich in einer Kinderwunschklinik behandeln lässt, also ICSI oder IVF durchführen lässt, geht am Ende wirklich mit einem Baby nach Hause. Die Rate eines einmaligen Versuches liegt sogar nur bei ca. 27 Prozent.

    Oft hört man nur von all denen, bei denen es am Ende dann doch geklappt hat. Diejenigen, die nach Jahren dann endlich aufgeben, und es sind, viele, laufen ja nicht mit einem Schild auf der Stirn herum. Oft erzählen sie ihren Leidensweg ja auch nicht groß herum.

    Die Erfolgsquoten von künstlicher Befruchtung werden regelmäßig überschätzt.


    Von daher: Drücke deinen Bekannten alle Daumen, dass es bei ihnen noch klappt mit Baby Nr. 3

    Ja, das scheint in der Tat so zu sein, und letztlich kommt man halt nie ganz aus seiner Haut raus. Für die, bei denen es geklappt hat (bei einer Bekannten von mir war das auch so), ist es natürlich eine feine Sache, für diejenigen, die sich ohne jedes Ergebnis der finanziellen wie emotionalen Belastung unterziehen und für die, wie bei mir, nix rauskommt, ist es natürlich furchtbar. Mir wurde anfangs viel Hoffnung gemacht, die sich dann leider nicht bestätigt hat.