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    Kann man in einen Kinderwunsch bzw. eine Vaterrolle "hineinwachsen"?

    Meine Frau und ich haben vor ca. einem Jahr geheiratet. Wir sind beide 32 Jahre alt und seit 8 Jahren ein Paar. Für uns war von Anfang an klar, dass wir keine Kinder möchten. Zu Beginn war ich eher der Meinung "eher nein, aber mal schauen, wie ich darüber in einigen Jahren denke" und sie auf "nein, das will ich niemals!". Diese völlig ablehnende Haltung hat sie zwar abgelegt, aber noch immer war sie vor 1 - 2 Jahren der festen Überzeugung, sie wolle nie Kinder und mir ging es genau so. Ich war sogar kurz davor, mit ihr über Vasektomie zu reden. Plötzlich, etwa 1 - 2 Monate nach der Hochzeit, war ihre Meinung nicht mehr so negativ, mehr ein "naja, vorstellen könnt ichs mir schon, aber muss nicht sein". Innerhalb des letzten halben Jahrs hat sich das gewandelt hin zu "ich möchte unbedingt Kinder, es ist mir ein sehnlicher Wunsch". Wir haben gemeinsam offen darüber gesprochen und sie weiß, dass es ein plötzlicher Sinneswandel war und da ich meine Haltung allerdings nicht geändert habe, war die abschließende Meinung: sie möchte zwar gerne Kinder, aber ich nicht und dann ist das Thema auch gegessen, schließlich wusste sie das ja von mir schon immer. Dieses Gespräch war vor einem Monat und seitdem merke ich, dass es ihr schlechter geht. Wenn sie Mütter und Babys sieht, wird sie sentimental und auch beim Sex spüre ich eine Gehemmtheit und neulich auch der Versuch mich vom Weglassen des Kondoms zu überzeugen ("momentan ist das Risiko eh gering"), obwohl wir solche Experimente in all den Jahren noch nie hatten.


    Kurz gesagt: sie hat einen Kinderwunsch, aber ich nicht und sie will mich einerseits nicht bekehren, andererseits ist sie unglücklich geworden.


    Warum möchte ich keine Kinder? Ich liebe meine Freiheit. Ich brauche ein Zimmer, wo ich ungestört die Tür zumachen kann. Ich will Freunde treffen, Hobbys haben, viel unternehmen. Mit meiner Frau, mit anderen und auch allein. Ich tue mir äußerst schwer damit, auf Spaß und Freude zu verzichten. Die Vorstellung ein Kind großzuziehen ist für mich befremdlich. Der innige Wunsch mich fortzupflanzen existiert schlicht nicht in mir. Ich sehe nur die Nachteile, ohne dass ich mich auf die schönen Seiten einer eigenen Familie hochziehen könnte.


    Andererseits war ich schon immer so, dass ich eine Haltung so lange hatte, bis Dinge anders kamen und ich habe mich immer mit der Situation positiv arrangiert. Ich will nur diesen Job - zack, Jobwechsel und alles gefällt mir plötzlich doch. Ich will keinen Hund - zack, Hund ist da und ich kann mir kein Leben mehr ohne ihn vorstellen.


    Meint ihr, man kann in einen Kinderwunsch ähnlich reinwachsen? Ich habe Bedenken zu sagen: "weißt du was? Lass es uns probieren! Wird schon klappen! Wenn das Kind erst einmal da ist, werd ich es schon mögen, Vater zu sein - warum nicht!". Immerhin reden wir hier von einem Menschenleben. Und da ist in mir auch eine Stimme, die sagt: das Leben geht nicht ewig so weiter und irgendwann stehst du da und wünscht dir, du hättest eine Familie - also etwas, das du im Leben geschafft hast neben Job und Spaß.


    Ich möchte nochmal betonen, dass meine Frau auf keinen Fall versucht mich zu überzeugen oder zu betteln. Ich bin es, der ins Grübeln kommt und der Angst hat, dass sie die Uhr urplötzlich ticken hört und sich das auf ihre Lebensfreude auswirkt, wenn sie mein "nein" weiterhin schweigend hinnimmt und die Sehnsucht in sich hineinfrisst.


    Danke euch fürs Lesen und eure Hilfe!

  • 143 Antworten
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    Puh, schwierig.

    Natürlich würdest du wohl irgendwie reinwachsen - müsstest du ja auch, wenn das Kind erstmal da ist. Die Frage ist: Könnte es auch sein, dass du dann unglücklich bist?


    Aus der Sicht deiner Frau kann ich nur sagen: Ich würde meinen Mann deswegen nie verlassen, aber unglücklich würde es mich wohl schon machen.

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    Danke, Pili, du sagst es. Wenn ich es müsste, würde ich es. Aber es klingt einfach falsch zu sagen oder auch nur zu denken: ich zwinge mich zu müssen und dann wirds schon klappen. Ob ich selbst unglücklich werden würde weiß ich nicht. Aber was, wenn ich zu wenig investiere und meine Frau unglücklich wird, weil ich nicht das Engagement in die Erziehen setze, wie es notwendig wäre?


    Ich weiß, dass sie mich nicht verlassen würde. Da bin ich mir 100 % sicher. Aber eine Ehe mit Zugeständnissen klingt auch nicht so gut. Jetzt ist noch Zeit die Weichen für die Zukunft zu stellen, aber wenn wir uns jetzt falsch entscheiden könnten wir es gemeinsam als Paar ein Leben lang bereuen. Diese Aussicht macht mir Angst.

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    Also wenn du mich fragst ob ich Lust auf schlaflose Nächte, Babygeschrei, fast 1 Jahr daheim angebunden sein und kaum mehr Zeit für Hobbys zu haben hatte - Nein. Aber was ich wollte war eine Familie. Kein Baby - sondern wenn ich zb meinen 60er feier, Kinder um mich rum, vielleicht schon Enkel. Dazu gehört halt die Babyzeit dazu. War hart, ja, aber ich konnt mir auch nimmer recht vorstellen dass die bis dahin 11 jährige Beziehung nun immer so weiter geht. Arbeiten, Urlauben, Essen gehen, ... Ich wollte einen neuen Weg einschlagen. Und ich muss sagen ich kann diese Sachen jetzt auch wieder mehr geniessen.


    Ich würde sagen, nehmt euch noch 1 Jahr Zeit. Überlegt WIE unglücklich euch jeweils die Lebenseinstellung vom anderen machen würde. Und trefft dann die Entscheidung.

    Vielleicht habt ihr im Umfeld Kinder? Könnt da ein bisschen heineinfühlen?

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    Woran denkst du denn da? Dass ihr euch trennt, damit jeder seine Vorstellungen mit jemand anderem leben kann?

    Da würde ich mir als Frau mit Kinderwunsch denken "Was, wenn ich aber nie mehr so nen Mann finde, mit dem ich mir eine Familie wünsche?"

    So wars bei mir. Ich wollte keine Kinder mehr. Dann hab ich meinen Mann kennengelernt und hatte relativ bald nen riesen Kinderwunsch. Dann bekam er fälschlicherweise die Diagnose OAT (kaum zeugungsfähig). Das war schlimm, aber ich wusste, ich würde nie mehr nen Mann finden, mit dem ich überhaupt ein Kind möchte.

    Also wenn du mit dem Gedanken spielen solltest, sie "freizugeben", heißt das noch lange nicht, dass sie den Wunsch mit nem Anderen noch hat. Ich hoffe, du verstehst wie ich das meine.

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    Du sagst, du liebst deine Hobbys, Freizeit, Unternehmungen… das kommt ja alles wieder. Aber es braucht Zeit. Und die kann sich ziehen, wie Kaugummi an der Schuhsohle.


    Wieviel Unterstützung hättet ihr im Falle eines Kindes?

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    Bin ich die einzige, die ihren plötzlichen Sinnenswandel komisch findet? Sicher, dass sie nicht schon länger von Kindern träumt, aber nichts sagen wollte um dich nicht zu verlieren? Dann einfach die Verhütung weg lassen wollen, ist schon ziemlich dreist.

    Ist irgendwas vorgefallen? Wurden in eurem näheren Umfeld Babys geboren? Warum wollte sie vorher keine?


    Ich würde erstmal herausfinden wollen, warum sie nun doch Kinder will. Und was aus ihren Gründen wurde, keine zu wollen. Finde erstmal raus, ob ihr noch die gleichen Zukunftsvorstellungen habt, bevor du dich auf ein Experiment einlässt, wo es kein Zurück gibt.

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    Ich kann nicht viel inhaltlich beitragen: mein Partner und ich sind beide zwiespältig und drehen uns seit circa 9 Monaten im Kreis, was das Thema Kinder angeht8-( Also eine andere Situation als bei dir, aber die Gedanken, die du geschrieben hast, könnten von uns sein.


    Deswegen setze ich mal ein Lesezeichen :)D

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    Verwunderlich finde ich das nicht. Der Sinneswandel kommt oft zwischen Anfang 30 und 40. Entweder weil man dann den Mann trifft mit dem man sich es doch vorstellen kann, oder weil man eben nicht mehr die selbe Person wie mit 20 ist. Wo Reisen und Hobbys zuvor das wichtigste waren, kann nach einem Jahrzehnt davon der Wunsch nach anderen Aufgaben kommen. Obendrein: Hormone.

    @TE, Wenn Kinder das Wichtigste für deine Frau sind und für dich nicht denkbar, solltet ihr eure gemeinsame Zukunft überdenken. Nicht sofort knallauffall, sondern bedacht. Ein Kinderwunsch ist nicht in einen Kompromiss stopfbar und der unerfüllte KiWu eines Partner kann zu unbewusst zu giftigen Gefühlen führen. Nicht gleich, aber wenn es jahrelang gärt.

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    gato schrieb:

    Bin ich die einzige, die ihren plötzlichen Sinnenswandel komisch findet?

    Das von einer Frau zu lesen finde ich fast schon etwas befremdlich.

    Ich vermute hier keinen Sinneswandel, sondern eine Hormonveränderung. Tick, tack, tick, tack... hörst du es nicht auch?

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    Du siehst es genau richtig! Ich bin Mutter, aber würde ich nochmal leben, auf keinen Fall wuerde ich mir ein Kind anschaffen. Ich merke richtig wie ich mich nach Partnerschaft verzerre, es fehlt mir sehr, ich habe also jetzt erst so wirklich gemerkt wie ich ticke. Ganz klar, ich bin kein Familien Mensch, sondern sehr auf den Partner bezogen. Es ist einfach so und wie du schreibst, unterschreibe ich voll bei dir. Man kann denke ich, nicht in die Rolle wirklich reinwachsen. Man ist Familien bezogen, oder nicht. Alles andere ist ein Kompromiss, mit dem man dann halt leben muss, weil das Kind einfach da ist.

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    Stimme auch RainandSun zu. Wollte immer Kinder. Jetzt würde ich es nicht mehr wollen. Kinder sind eine Lebensaufgabe und der Spruch kleine Kinder kleine Sorgen und grosse Kinder grosse Sorgen stimmt auch.

    Zudem geben Kinder viel aber fordern einen mindestens das doppelte ab.

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    ich hatte nie einen Kinderwunsch, aber mein Mann hatte schon welche und wollte mit mir auch welche. Nachdem es mir eigentlich egal war, habe ich mich darauf eingelassen. Und tatsächlich war es schon was Besonderes, das alles zu erleben. Ich fand es nicht wichtig, dass ich weiter lebe im Kind, habe mich aber sehr gefreut, im Kind noch mal einen Teil meines Mannes zu finden, hast Du Du daran schon mal gedacht?

    Dass da noch ein Mensch ist, der mit und von Deiner Frau ist?

    Schön war es auch zu sehen, wie sich die Familie und die Großeltern gefreut haben, als das Kind dann da war, hat man plötzlich 1000 Ähnlichkeiten bemerkt, auch mit längst Verstorbenen und hat verstanden, dass sie alle nun wieder da sind. Klingt voll kitschig,aber war so. ich glaube wirklich, dass man sich über Kind haben kein Urteil bilden kann, wenn man den Prozess nicht mitgemacht hat, egal, wie sehr man beobachtet, miterlebt bei anderen oder liest.

    Bezüglich Freiheit:

    man kann sich den Stress auch machen. Wir hatten nie eine Wickeltasche und als Kind ein Jahr alt war, sind wir mit zweimal Handgepäck und Kind über das Wochenende nach Mallorca geflogen. Wenn das Kind da ist, kann man trotzdem noch Freunde treffen und ehrlich gesagt gewinnt man durch die Kinder auch viele dazu, auch als Erwachsener.

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    Moosglöckchen schrieb:

    Stimme auch RainandSun zu. Wollte immer Kinder. Jetzt würde ich es nicht mehr wollen. Kinder sind eine Lebensaufgabe und der Spruch kleine Kinder kleine Sorgen und grosse Kinder grosse Sorgen stimmt auch.

    Zudem geben Kinder viel aber fordern einen mindestens das doppelte ab.


    Absolut. Es ist tatsächlich mehr Arbeit als Freude, wenn man sich Kinder wünscht, denkt man meist an die guten Seiten, aber die Arbeit überwiegt es einfach ums 3 fache. Mag sein das es je nach Kind verschieden ist. Das weiß ich nicht. Aber ich sehe mich als Sklave meines Kindes. Ich fühle mich nicht frei, sondern belagert, in eine Rolle reingezwungen, ja hab ich mir so ausgesucht. Natürlich möchte ich mein Kind nicht mehr missen und tue alles dafür, keine Frage.

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    Hm... Mir verlangt das Muttersein auch einiges ab aber alleine was ich gelernt habe seit mein Kind da ist... Ich würde das nicht missen wollen.


    Aber ja, ich würde mir ein Kind niemals "anschaffen" ohne mir bewusst zu sein, dass das schwer werden kann. Ein Kind ist eine Aufgabe.