• Kann man in einen Kinderwunsch bzw. eine Vaterrolle "hineinwachsen"?

    Meine Frau und ich haben vor ca. einem Jahr geheiratet. Wir sind beide 32 Jahre alt und seit 8 Jahren ein Paar. Für uns war von Anfang an klar, dass wir keine Kinder möchten. Zu Beginn war ich eher der Meinung "eher nein, aber mal schauen, wie ich darüber in einigen Jahren denke" und sie auf "nein, das will ich niemals!". Diese völlig ablehnende…
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    Vielen lieben Dank für all eure tollen Beiträge und die lebhafte Diskussion! Ich nehme wahr, dass das Thema genauso polarisierend wahrgenommen wird, wie ich es auch in meinem Umfeld erlebt habe. Auch da ist von "ich wollte nie Eltern werden, aber jetzt bin ich glücklich" bis zu "es war mein größter Wunsch, aber auch mein größter Fehler" alles dabei.


    Entschuldigt bitte, dass ich nicht auf alle Kommentare einzeln eingehe, sondern mehr an die Allgemeinheit zurück antworte!


    Zu meiner Frau kann ich sagen, dass sie die Beweggründe selbst nicht kennt. Außer natürlich, dass in unserem Umfeld gefühlt ALLE schwanger geworden sind. Ihre beste Freundin, ihre Schwester (sie passt manchmal auf die kleinen auf) usw. Ihr Kommentar vor ein paar Jahren war: "ich mag einfach keine Kinder. Ich glaube, ich würde das im Supermarkt an der Kasse vergessen oder so". Und ich bin völlig erstaunt, wie schnell sich das mit einem Mal gewandelt hat. Das weiß sie auch und sie kann es sich selbst nicht erklären.


    Ein Arbeitskollege von mir (den ich als ähnlichen Menschen vom Verhalten empfinde) meinte mal zu mir: das einzige, was er sich noch schöner vorstellt als Kinder zu haben ist, keine Kinder zu haben. Das fand ich brutal. Ich kenne seine Familie und wie lieb er zu ihnen ist und wie sehr er sie mag. Aber es gibt wenige Menschen, die den Mut haben das so offen anzusprechen und ich weiß nicht, was ich davon halten soll.


    Ich fühle mich egoistisch, wenn ich denke oder sage: ich will auf nichts verzichten. Ich habe Angst, etwas zu verpassen. Ich bin nicht bereit, meine eigenen Wünsche hintenanzustellen und mich um das Kind zu kümmern. Ich würde, wenn ich müsste. Und ich würde es gut machen. Aber ich will es nicht. Evoluzzer : wenn mir was zu viel wird (und das geht schnell...) pack ich meine Sachen und gehe einen Tag lang einfach spazieren, lasse alles zurück und brauch Zeit für mich. Das kann ich nicht machen, wenn ein Kind daheim ist, sowas würde ich meiner Frau nicht zumuten. Ich bin jedes Jahr für 1 Woche mit meinen Freunden auf einem Festival und mir ist das wichtiger als unser Paarurlaub. Ich engagiere mich im Sport, trainiere selbst zweimal pro Woche und bin im Spielbetrieb, außerdem bin ich Jugendtrainer. Wie kann ich argumentieren, dass ich einen beträchtlichen Teil mit voller Hingabe der Jugendarbeit im Verein widme, während meine Frau daheim auf das eigene Kind aufpasst? Gleichzeitig bin ich nicht bereit diesen Job abzutreten, weil er mich ein Leben lang begleitet hat und ich das alles selbst aufgebaut habe. Wenn ich bei meiner Schwägerin zu Besuch bin (sie hat drei Kinder), bin ich nach 5h heilfroh, wieder heimfahren zu können. Überall wuselt es und alle wollen spielen, man kann sich nicht richtig unterhalten, immer geht es nur um die Kleinen. Bei anderen sehe ich hunderte Erziehungs"fehler" und denke mir dabei: du hättest auch keinen Plan. Bei dir wär es noch viel schlimmer. Ich bin ein "naja, egal" Mensch. Die Kinder essen vom Boden? Passt schon. Die Kinder springen von der Mauer? Wenn sie sich das Knie aufschürfen, werden sie's schon checken. Und die Familie um mich rum (meine Frau, meine Schwiegereltern, meine Eltern) immer nur "Oh Gott, das Kind, das Kind, das Kind!". Diese Dinge machen mir Sorgen. Aber vielleicht ja völlig unberechtigt. Nochmal: ich habe bei zig Dingen in meinem Leben behauptet, es sei nichts für mich. Aber ich bin ein Mensch, der nicht tut, was er liebt, sondern liebt, was er tut. Und deshalb ist da auch der Teil in mir, der sagt: komm, trau dich halt!


    Achja, weil jemand gefragt hat: Oma und Opa (unsere Eltern) würden auf jeden Fall mithelfen, aber sie sind alle schon gut über 60. Immerhin wohnen sie im gleichen Ort wie wir.

    Als ich Anfang 20 war konnte ich mir auch keine Kinder vorstellen. Heut bin ich 34 und habe 2. Kinder verändern das Leben sehr, man steht nicht mehr selber im Mittelpunkt und auch nicht mehr die Partnerschaft. Das Kind mit seinen Wünschen und Bedürfnissen ist von nun an die Nummer 1.

    Ich denke nicht das ein Paar glücklich sein kann auf Dauer wenn einer ein Kind will und der andere nicht. Deine Frau wird ihren Wunsch in sich hineinfressen und irgendwann zu alt sein für Kinder, dann wird sie es bereuen keine zu haben und sich nicht getrennt zu haben. Ich kenne so einen Fall. Das wird immer zwischen euch stehen wenn sie für dich verzichtet.

    Ob du in die Vaterrolle reinwachsen kannst weiß ich nicht. Vielleicht wirfst du ihr dann vor das du wegen ihr nicht das Leben hast das du gerne hättest mit Spaß und Freiheit.

    Ich denke nicht das es langfristig passen wird zwischen euch!

    Martin_20 schrieb:

    Die Kinder essen vom Boden? Passt schon. Die Kinder springen von der Mauer? Wenn sie sich das Knie aufschürfen, werden sie's schon checken.

    Genau so handhaben wir das hier auch, und das Kind lebt noch. ;-D


    Du klingst, als wärst Du als Vater wirklich super, würdest vermutlich sehr viel dadurch gewinnen, aber auch einen hohen Preis zahlen. Und wie hoch der wäre, kann man vorher nicht sagen.

    Wenn Du grundsätzlich jemand bist, der sich leicht und aus vollem Herzen auf Veränderungen und auf Menschen einlassen kann, also jemand, der nicht dazu neigt, über verschüttete Milch zu klagen, dann sehe ich ehrlich gesagt kein allzu hohes Risiko, dass Du Dir durch ein Kind das Leben ruinierst. Aber fluchen würdest Du ganz sicher öfter mal.


    RainandSun schrieb:

    Sowie wir das Mutter Glück nicht gefunden haben, wirst du auch nicht das Vater Glück auf einmal entdecken. Mir zum Beispiel ist Sexualität sehr wichtig.. Mit Kind extrem eingeschränkt. Darüber redet kaum einer klar und offen. Weil die Menschen nur ungern zugeben, dass das Lebensmodell für das sie sich einst entschieden haben, eben nicht das wahre ist.

    Mir ist Sex auch sehr wichtig, darum haben wir jede Menge davon. Inwiefern ist die Sexualität durch ein Kind denn extrem eingeschränkt?

    Als Entscheidungshilfe noch einen weiteren Aspekt ....reicht es einem im Leben sich immer nur um sich selbst zu drehen ( eigene Bedürfnisse, eigene Hobbies) oder ist man offen für unerwartetes , nicht planbares , was dann so sehr bereichern kann.


    Der Entwicklung eines Kindes zu zuschauen und diese begleiten zu dürfen, war für mich immer ein riesen Geschenk.


    Ich verstehe dich schon , momentan sind keline KInder für dich eher abstrakt, man hat ja keine emotionale Bindung zu ihnen...das ändert sich dann aber eben bei den eigenen sehr stark. Man liebt sie , man bestaunt sie und klar, könnte man sie manchmal auch auf den Mond schießen ...aber alles spannende , wirklich Dinge.

    Daughterofdawn86 schrieb:

    Als ich Anfang 20 war konnte ich mir auch keine Kinder vorstellen. Heut bin ich 34 und habe 2. Kinder verändern das Leben sehr, man steht nicht mehr selber im Mittelpunkt und auch nicht mehr die Partnerschaft. Das Kind mit seinen Wünschen und Bedürfnissen ist von nun an die Nummer 1.

    Bei uns ist das nicht so. Also - wenn einer von uns entweder dem Partner oder dem Kind das Leben retten könnte, würde er das Kind retten, sonst würde ihm der andere auch echt was husten, aber hier ist ganz klar: Wir ziehen gemeinsam das Kind auf, begleiten es in ein selbständiges Leben, und dann wird es seiner Wege ziehen, die hoffentlich für immer liebevoll mit unserem Leben verknüpft bleiben, so wie ich auch meinen Eltern immer noch zutiefst verbunden bin. Aber das ist eine ganz andere Beziehung als eine Partnerschaft und steht für mich nicht in Konkurrenz zueinander.

    Anfangs sind die Bedürfnisse des Kinds elementar, klar, aber es wird ja größer. Es ist nie die Nummer 1 bei uns, sondern einer von drei Menschen, deren Bedürfnisse gleich wichtig sind. Ich würde niemals "alles" für mein Kind tun, wie hier eine andere Userin schrieb, und empfinde das auch als sehr belastenden Anspruch an sich selbst.

    wintersonne 01 schrieb:

    Als Entscheidungshilfe noch einen weiteren Aspekt ....reicht es einem im Leben sich immer nur um sich selbst zu drehen ( eigene Bedürfnisse, eigene Hobbies) oder ist man offen für unerwartetes , nicht planbares , was dann so sehr bereichern kann.


    Der Entwicklung eines Kindes zu zuschauen und diese begleiten zu dürfen, war für mich immer ein riesen Geschenk.


    Ich verstehe dich schon , momentan sind keline KInder für dich eher abstrakt, man hat ja keine emotionale Bindung zu ihnen...das ändert sich dann aber eben bei den eigenen sehr stark. Man liebt sie , man bestaunt sie und klar, könnte man sie manchmal auch auf den Mond schießen ...aber alles spannende , wirklich Dinge.

    Das ist keineswegs zwingend die Entwicklung. "Regretting Motherhood" ist Dir ein Begriff? Es gibt durchaus Menschen, die sich zwar ihr Kind nicht mehr wegwünschen würden, weil sie es lieben und so, die aber, vor die Wahl gestellt, in diesem Universum zu bleiben oder ins Paralleluniversum zu huschen, wo sie einfach kein Kind bekommen haben, blitzschnell drüben verschwunden wären.


    Es kann sich ändern. Meist ändert es sich. Aber nicht immer. Ist auch sehr stark eine Typfrage, denke ich.

    Aus eigener Erfahrung und auch vielen Gesprächen mit Männlein und Weiblein kann ich Dir sagen, dass es nichts auf der Welt gibt, was mit der Liebe zu seinem Kind vergleichbar ist. Diese besondere Gefühl erwacht erst, wenn man sein Kind zum ersten Mal im Leben im Arm hält. Das haben mir alle bestätigt. Im Moment kreisen deine Gedanken um etwas, was Du nicht nachempfinden kannst, weil dieses besondere Gefühl noch tief in Dir schlummert und Du es noch nicht kennengelernt hast.


    Ich habe Anfang meiner 30iger auch viel unternommen, habe mich zu längeren Treffen mit Freunden getroffen, sind über Silvester mit div. Paaren unterwegs gewesen, auch 1 Woche Dänemark, haben wilde Parties gefeiert. Allerdings wurde das mit zunehmendem Alter immer weniger. Heute mit 54 bin ich froh über jedes Wochenende, wo ich in Ruhe mit dem Liebsten zu Hause sein kann und nix anliegt. Auch Du wirst ruhiger werden, egal ob mit oder ohne Kind, glaube mir. ;)


    Was ich auch noch einen wichtigen Aspekt bei Deiner Überlegung finde, ist, das Kind sollte in euer Leben integriert werden. Viele machen das anders und ändern ihr komplettes Leben, um nur noch um ihr Kind zu kreisen. Ich war jung Mutter (22), es gab diese ganzen Angebote für Mütter noch nicht wirklich, keiner in meinem Freundeskreis hatte selbst ein Kind. Also wurde mein Kind eingepackt und nahm an meinem Leben teil. Das hatte den Vorteil, dass sie überall schlief, sich beim Stillen oder später Füttern nie wirklich abgelenkt fühlte, sondern es gewohnt war, dass andere Menschen da waren. Sie war dadurch kein empfindlicher Schläfer, ich konnte neben ihr saugen, das hat sie nie gestört.


    Ich konnte sie relativ früh bei den Omas und Opas zum Übernachten lassen, weil sie ein entspanntes Kind war und alle viel gesehen hat seit der Geburt. Ich behaupte, auch wenn ich mein Leben nicht kompeltt 18 Jahre zur Seite gelegt habe, eine ganz ordentliche Mutterrolle ausgefüllt habe. Heute wird manches übertrieben, viele übersorgen ihre Kinder und trauen ihnen nicht viel zu. Das habe ich damals anders gemacht. Heute ist das Kind fast 32 und ist zu einer starken und selbstbewussten Frau herangereift.


    Deine Aktivitäten müssen ja nicht kompett zu Gunsten eines Kindes eingestellt werden. Es ist nur eine Sache der Organisation und Absprachen mit Deiner Frau. Keiner sollte sein komplettes Leben zur Seite legen, nur weil ein Kind geboren wurde.

    Andrejka schrieb:

    Ich glaube man wird weder als Vater noch als Mutter geboren. Diese Rollen im Leben entwickeln sich mit der Aufgabe.

    Warum nicht einfach mutig sein und es probieren. Ich kenne keinen Vater, der nicht in seine Rolle reingewachsen ist, selbst der größte Partygänger hat es geschafft und nichts bereut.

    Es ist ja schließlich nicht das Ende aller Vergnügungen sondern nur eine kleine Unterbrechung.

    Das unterschreibe ich so nicht. Mein exmann und ich haben uns für ein Kind entschieden. Was folgte war, er hat sich weiterhin nur um seine Hobbys gekümmert, ist gereist. Das habe ich 3 Jahre nach Geburt mitgemacht und mich dann getrennt. Also nein, es wächst nicht jeder in diese Rolle rein. Selbst wenn der Kinderwunsch besteht, heisst das gar nichts. Meine letzte Beziehung ist dran gescheitert unter anderem. Ein ebenfalls auf sich bezogener Mann, mit großem Kinderwunsch. Er hat sein Hobby, was er über alles liebt und nahezu täglich betreibt, genau wie mein exmann es tat. Auf keinen Fall kriege ich mit so einem Mann ein Kind. Ja es gibt Männer die zufällig Vater werden und dann zum super daddy mutieren, keine Frage. Ich meine, achtet auf das Verhalten des Mannes, wenn er ohnehin egoistisch ist und nur ne Hausangestellte und Mutter sucht, dann lasst es bleiben. Aber auch hier gibt es wieder Frauen die nur Mutter sein wollen und der Vater hat besser auf der Arbeit zu sein. Meine Nachbarin ist so eine Frau, der Mann ist ständig weg zum arbeiten und sie kümmert sich zu 90% alleine um Haus und Kinder, im Grunde ist sie wie alleinerziehend, fährt allein in den Urlaub, der Mann nächtigt in einem Kellerzimmer, wenn er mal da ist. Sollen die Leute so leben, entscheidet jeder für sich. Meins wäre es nicht, ich würde mir einen Mann wünschen, der aktiv beteiligt ist, also auch mal eine anstrengende baby bzw. Kleinkind Nachtwache übernimmt. So das ich auch mal Zeit für mich habe, einer der sagt Ruh dich aus, ich geh mit dem kleinen zum Spielplatz, mache ne Radtour etc. Das ist für mich Augenhöhe, Respekt. All das habe ich in meiner letzten Beziehung nicht erlebt, der Mann ging auch nie mit mir spazieren, weil er es nicht mag. Das ändert sich mit Kind sicher nicht groß.

    RainandSun

    das, was Du schreibst, ist tatsächlich auch das, was ich wahrgenommen habe. Die romantische Vorstellung, dass alle Männer letztlich glücklich sind und zu tollen Vätern mutieren, wenn das Kind erst da ist, ist etwas zu romantisch.

    Keine Frage, ein Kinderwunsch kann unglücklich machen, ein erfüllter oder ein nicht erfüllter, wie in meinem Fall, wo es einfach nicht geklappt hat. Mein Mann hat schon ein Kind und wäre sicher ein sehr guter Vater gewesen. Aber so ist es im Leben. Ich werde immer das Gefühl haben, dass mir etwas wesentliches fehlt. Andererseits weiß ich eben auch nicht, ob ich es romantisiere und es gar nicht so schön gewesen wäre für mich mit Kind.

    Das ist eben die Krux, man kann es vorher nicht wissen, schon deswegen nicht, weil man ja auch nicht weiß, was für ein Kind man kriegen wird. Das ist vermutlich das große Abenteuer.

    Von daher kann man dem TE hier wohl auch gar nicht so richtig helfen, jeder kann seine (sehr unterschiedlichen Erfahrungen) mitteilen, aber den Schritt ob ja oder nein, das muss er selbst entscheiden.

    Shojo schrieb:

    Regretting Motherhood

    nein war mir keine Begriff , habe es mal nachgelesen.


    Ja klar, dass es nicht für alle zutrifft war mir aber schon klar.


    Wäre ja mal interessant eine Studie zu lesen, wieviele es bereuen Eltern geworden zu sein.

    HasiX schrieb:

    Aus eigener Erfahrung und auch vielen Gesprächen mit Männlein und Weiblein kann ich Dir sagen, dass es nichts auf der Welt gibt, was mit der Liebe zu seinem Kind vergleichbar ist. Diese besondere Gefühl erwacht erst, wenn man sein Kind zum ersten Mal im Leben im Arm hält. Das haben mir alle bestätigt.

    Dann hast Du nur sehr selektiv Leute gefragt. Laut meiner Hebamme empfinden um die 30% der Frauen NICHT gleich so, und es führt oft zu großen Schwierigkeiten, wenn jemand das unter anderem aufgrund solcher Kommentare für das Natürliche, Richtige und Einzige hält und es dann eben anders kommt - so wie bei vielen. Mit solchen romantisierten Vorstellungen ist absolut niemandem gedient, und ich wünschte, der Blödsinn würde endlich aufhören. Ich weiß, dass es nicht passieren wird, ich weiß, dass Kitsch unsterblich ist, aber dann muss ich eben da widersprechen, wo ich drauf stoße.

    Shojo

    gut, dass Du das sagst. Im übrigen waren es auch immer solche rosaroten und kitschigen Äußerungen, die es mir besonders erschwert haben, mit meinem unerfüllten Kinderwunsch klarzukommen. Dieses Thema ist extrem gehypt, auch in den Medien. Man muss sich ja nur mal ansehen, was online passiert, wenn irgendein Model oder eine Schauspielerin ein Kind bekommt. Inzwischen versuche ich immer möglichst, mich davon zu distanzieren, und alles nüchterner zu sehen, aber du hast recht: Aussterben wird das nie.

    Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass wenige zugeben würden, wenn sie diese überbordenden Gefühle nicht hätten, da dies ja schon wieder gesellschaftlich sanktioniert ist.

    Vielleicht mal aus einer anderen Perspektive.

    Ich bin ungewollt kinderlos und daran kann sich auch nichts mehr ändern.

    Das ist nicht leicht. Und ich kann mir nur entfernt vorstellen, wie schlimm es wäre, wenn es theoretisch noch möglich wäre.

    Ich lebe aber trotzdem. Ja, es nagt an mir - mal mehr, mal weniger. Trotzdem ist mein Leben nicht völlig sinnlos deswegen.


    Ich erlebe in meinem Umfeld auch unterschiedliche Exemplare an Kindern. Da sind genauso die, die vor sich hin spielen und in Anwesenheit der Erwachsenen die Welt entdecken, wie die, mit denen man zu keinem Gespräch kommt. Ja, sind halt Kinder.

    Was ich eher erstaunlich finde, sind die zugehörigen Eltern. Da ist alles dabei. Die einen betüddeln das Kind permanent, die anderen lassen es laufen, selbst dann wenn es nach Aufmerksamkeit sucht. Wobei es da sehr hartnäckige gibt. Da weiß ich dann auch nicht, ob ich das nervig oder bewunderswert finden soll oder eher traurig, weil die Eltern so wenig reagieren. Und dann gibt es auch die, die irgendwie eine Balance finden, dass das Kind auch mal allein von der Mauer springt oder sich mit dem Kind zu beschäftigen.

    Vielleicht macht es Sinn, sich zu überlegen, was man da am ehesten leisten kann und will und ob man das vor seinem Kind vertreten kann.

    Und ich finde, dass die eigenen Kinder zwangsläufig auch den Freundes- und Bekanntenkreis sowie die Familie beeinflussen. Die Eltern selber halten ein bestimmtes Vorgehen für richtig. Das müssen Außenstehende noch lange nicht so sehen. Das kann den Eltern auch egal sein. Wobei es dann durchaus passieren kann, dass der Eine oder Andere sich distanziert.

    Umgekehrt empfinde ich das auch so. Als Eltern konzentriert sich auch viel auf die Familie. Das ist total nachvollziehbar, dass die wichtiger ist, als der Kumpel von nebenan. Andererseits kommt man dann mit anderen Eltern in Kontakt und knüpft neue Kontakte.

    Mit dem Umfeld kann jedenfalls alles passieren. Das kann es aber auch ohne Kind.


    Ich will damit sagen, dass egoistisches Verhalten normal ist. Das hast du seitens des Kindes, seitens der Eltern und seitens der anderen Beteiligten. Man muss aber eben damit leben, dass man durch andere mit seinem egoistischen Verhalten konfrontiert wird und die dementsprechend reagieren. Und da ist es einerseits denkbar, dass dich deine Frau verlässt, wenn ihr kein Kind bekommt oder du durchdrehst, wenn es da ist. Oder du erziehst so, dass du deine Freiheiten behalten kannst und dir hält dein Kind das später mal vor. Oder wandelst dich total und kümmerst dich so sehr, dass du das Kind einengst und bekommst auch das vorgehalten irgendwann.

    Sich vorzuhalten, dass man egoistisch ist, bringt gar nichts. Die Frage ist, ob man mit den Konsequenzen leben kann. Und dazu bräuchte man eine gut funktionierende Glaskugel. Ansonsten muss man der Dinge harren, die da kommen.


    Wenn deine Frau weiß, dass die Gefahr besteht, dass du dich einfach auch mal ausklinkst und sich trotzdem vorstellen kann, mit dir Kinder zu bekommen, dann könnte das eventuell trotzdem zum Problem werden ... oder deine Frau hat das mit einkalkuliert. Vielleicht ist sie deinem Egoismus gegenüber auch aufgeschlossen. Vielleicht stört es sie auch gar nicht, wenn du mal 1 Woche mit den Kumpels auf dem Festival bist. Vielleicht ist sie auch eher vom Typ "Passt schon". Reden hilft.


    Und ganz ehrlich, du bist scheinbar mit Leib und Seele Jugendtrainer. Du scheinst also gut mit Kindern auszukommen. Und was spricht dagegen, dass das eigene Kind mit einsteigt, wenn es alt genug ist. Ich kenne auch kein Paar, dass sein eigenes Leben komplett aufgegeben hat.

    Und wenn dich bei deiner Schwägerin das Gewusel stört und bei deiner Jugendtrainertätigkeit nicht, dann liegt es vielleicht auch am Verhalten der Erwachsenen.

    (Ich gehe mal davon aus, ihr spielt im Verein nicht grade Schach). Du scheinst das ja anders machen zu wollen. Das kann man ja nun beim eigenen Kind zumindest ausprobieren. Das sich andere Persönlichkeiten nicht alles aufzwingen lassen, ist meines Erachtens normal.

    Aber auch hier ist deine Frau der beste Ansprechpartner. Wenn sie zumindest ähnliche Ansichten hat wie du, dann wird das schon, denke ich.

    Eins würde ich zum letzten Kommentar gerne noch anmerken:

    Man kann im Vorhinein nicht abschätzen, welche Art von Eltern man wird, eben weil man die Elterngefühle nicht antizipieren kann. Ich dachte immer von mir, dass ich sehr gluckenhaft sei, doch genau das Gegenteil ist nun der Fall. Ich bin ähnlich wie der TE gestrickt, brauche immer wieder dringend meine „Inseln“ und meine „Höhle“, ohne Reize von außen. Zum Glück habe ich einen Partner, der mir dies jederzeit zugesteht, wenn möglich. Dementsprechend kann es natürlich sein, dass die Frau des TE ihm jetzt in dieser Situation Freiheiten für die Zukunft zugesteht, im Falle einer wirklichen Elternschaft kann das jedoch wieder ganz anders aussehen. Niemand kann voraussagen, wie er Elternschaft erleben wird.

    Ich greife nochmal auf, was Rainandsun geschrieben hat: da geht es ja viel um die Thematik, wer hilft wie viel mit. In der Hinsicht bin ich relativ gelassen und meine Frau ist es auch. Wir teilen uns den Haushalt 50-50 und wir teilen uns die Aufgaben mit dem Hund 50-50 (auch wenn ich da anfangs genau die gleichen Bedenken hatte wie beim Kind, aber da konnten wir ja immerhin einige Wochen mit ihm gassigehen, bevor wir uns entschieden haben). Unternehmungen mit einem Kind (Radfahren, Spielplatz) ist alles kein Thema - auf sowas würde ich mich sogar freuen! Nachtschichten, Windelwechseln - kein Problem! Es geht wirklich eher darum, dass schon jetzt ein häufiger Streitpunkt ist, dass ich zu viel selber unterwegs bin und zu wenig daheim. Jedes Jahr versucht sie mich davon zu überzeugen, dass ich nicht auf das Festival fahren soll, weil sie in der Zeit allein auf den Hund aufpassen muss und außerdem das Gefühl nicht mag, dass ich es vorziehe, mit Freunden eine Woche meines wertvollen Urlaubs zu verplanen. Auf das Festival kann ich das Kind auch niemals mitnehmen. Vielleicht habe ich ja aber auch gar keine Lust mehr, mich über eine Woche freiwillig von Kind und Frau zu trennen, wer weiß? Aber momentan ist es halt so ... bei jedem Turnier, wo ich als Betreuer einspringe oder bei jeder Auswärtsfahrt ist sie eben missmutig und ich rechtfertige mich, warum ich wieder einen Abend nicht daheim bin. Wenn ich einkaufen gehe und ein Kind quängelt, verdrehe ich die Augen und danke Gott dafür, dass ich einfach nur ganz gemütlich meine Sachen kaufen kann. Kein "leg das weg!", kein "pass mit dem Messer auf!", kein "du hast heute schon eine Stunde am Handy gespielt, jetzt ist Schluss!". Mit dem Hund kann ich ohne weiteres eine halbe Stunde Tricks üben und sie bespaßen, weil ich weiß, dass ich jederzeit sagen kann "so, jetzt zurück ins Körbchen" und dann gehe ich in "mein" Zimmer und hab wieder meine Ruhe. Aber ein "Papa, machen wir jetzt noch dies und das und jenes" würde mich vermutlich sehr schnell sehr arg nerven.


    Wenn ich so darüber nachdenke stelle ich fest, dass ich keine Angst vor den ersten beiden Jahren habe und auch keine Angst wenn sie mal 14+ sind. Aber alles dazwischen, besonders so 5 - 8 Jahre ... puh.


    Aus all euren Beiträgen und Erfahrungen lese ich aber ganz deutlich eines heraus: die Einstellung, die man VOR dem Kinderwunsch hat, hat nur sehr bedingt etwas damit zu tun, wie es später dann wird. Viele Väter, die sich sehnlichst Kinder wünschen und dann enttäuscht sein, viele, die es vorher nicht wollten und es dann nicht mehr missen wollen und natürlich die, die es nie wollten und bereuen und die, die es immer wollten und voll zufrieden sind. Man weiß es einfach nicht. Es ist einfach so kompliziert ...