• Kann man in einen Kinderwunsch bzw. eine Vaterrolle "hineinwachsen"?

    Meine Frau und ich haben vor ca. einem Jahr geheiratet. Wir sind beide 32 Jahre alt und seit 8 Jahren ein Paar. Für uns war von Anfang an klar, dass wir keine Kinder möchten. Zu Beginn war ich eher der Meinung "eher nein, aber mal schauen, wie ich darüber in einigen Jahren denke" und sie auf "nein, das will ich niemals!". Diese völlig ablehnende…
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    Ich finde es übrigens vollkommen problemlos, eine Woche pro Jahr wegzufahren, während der andere mit dem Kind zu Hause ist. Ich war letztes Jahr insgesamt drei Wochen unterwegs, zwei beruflich, eine privat. Und zweimal die Woche Sport finde ich auch völlig unproblematisch, wenn man sich da sortiert und beide Eltern einverstanden sind. Bisschen schwieriger wird es, wenn beispielsweise beide sehr zeitintensive Hobbys haben, dann muss man schauen, wie man das sortiert, ohne dass einem die gemeinsame Zeit hinten runterfällt. Bekannte von mir haben zweimal die Woche einen Babysitter da (einmal bezahlt, einmal ihre Mutter) und gehen dann zusammen zum Sport, seit die Kleine vier oder fünf Monate alt ist.

    Da geht echt eine Menge, wenn beide sich einig sind und es beiden wichtig ist, dass es allen gut geht.

    Martin_20 schrieb:

    Es geht wirklich eher darum, dass schon jetzt ein häufiger Streitpunkt ist, dass ich zu viel selber unterwegs bin und zu wenig daheim. Jedes Jahr versucht sie mich davon zu überzeugen, dass ich nicht auf das Festival fahren soll, weil sie in der Zeit allein auf den Hund aufpassen muss und außerdem das Gefühl nicht mag, dass ich es vorziehe, mit Freunden eine Woche meines wertvollen Urlaubs zu verplanen. Auf das Festival kann ich das Kind auch niemals mitnehmen. Vielleicht habe ich ja aber auch gar keine Lust mehr, mich über eine Woche freiwillig von Kind und Frau zu trennen, wer weiß? Aber momentan ist es halt so ... bei jedem Turnier, wo ich als Betreuer einspringe oder bei jeder Auswärtsfahrt ist sie eben missmutig und ich rechtfertige mich, warum ich wieder einen Abend nicht daheim bin.

    Okay, DAS wird ganz sicher mit Kind nicht besser. %:|

    Könnt ihr da mal grundsätzlich drüber reden? Dauerndes Rechtfertigen ist halt auch doof, und ihr geratet vermutlich in eine Schleife rein, dass ihr da immer wieder denselben Tanz aufführt, der beide frustriert.

    Ich würde ehrlich gesagt durchdrehen, wenn mein Partner da so drauf wäre, das find ich ganz furchtbar.

    (Also so wie sie. Allerdings weiß ich natürlich nicht, wie da eure Kommunikation läuft.

    Möchte sie auch mal allein weg, oder hat sie das Bedürfnis nicht? Könntet ihr eine bestimmte Zahl Tage pro Monat oder pro Jahr vereinbaren, die problemlos sind und wo Du Dich auch nicht erklären musst?)

    Mysla schrieb:

    Eins würde ich zum letzten Kommentar gerne noch anmerken:

    Man kann im Vorhinein nicht abschätzen, welche Art von Eltern man wird, eben weil man die Elterngefühle nicht antizipieren kann. Ich dachte immer von mir, dass ich sehr gluckenhaft sei, doch genau das Gegenteil ist nun der Fall. Ich bin ähnlich wie der TE gestrickt, brauche immer wieder dringend meine „Inseln“ und meine „Höhle“, ohne Reize von außen. Zum Glück habe ich einen Partner, der mir dies jederzeit zugesteht, wenn möglich. Dementsprechend kann es natürlich sein, dass die Frau des TE ihm jetzt in dieser Situation Freiheiten für die Zukunft zugesteht, im Falle einer wirklichen Elternschaft kann das jedoch wieder ganz anders aussehen. Niemand kann voraussagen, wie er Elternschaft erleben wird.

    :)z:)^


    Ich bin auch deutlich weniger "gluckig" als ich dachte.


    Ich hatte schon Schuldgefühle weil ich nicht gleich tausend Ängste ausstehe nur weil mein fast 13 jähriger abends beim Dunkelwerden nicht direkt vor der Tür stand.


    Genauso hat mein Sohn ziemlich früh gelernt, dass ich manchmal Ruhe brauche...


    Und ich hätte vorher wirklich nicht gedacht, dass ich so bin

    Shojo schrieb:

    Ich finde es übrigens vollkommen problemlos, eine Woche pro Jahr wegzufahren, während der andere mit dem Kind zu Hause ist. Ich war letztes Jahr insgesamt drei Wochen unterwegs, zwei beruflich, eine privat.

    Und für mich wäre es zum Beispiel ein No Go, würde mein Partner derzeit 1 Woche alleine wegfahren. Aber nicht, weil ich ihm das nicht gönne- mein Partner war sogar, als wir noch keine Kinder hatten, mehrmals wochenlang alleine im Urlaub. Aber jetzt, mit Kindern, könnte ich ihm dies einfach nicht zugestehen, weil meine Kräfte es schlichtweg derzeit nicht zulassen, 1 Woche lang ohne jegliche Unterstützung ein schlecht schlafendes Kleinkind inmitten der Trotzphase zu umsorgen. Sicher, das wird wieder anders und in 2 Jahren sieht die Sache eventuell wieder ganz anders aus, aber genau das meine ich, wenn ich sage, dass man die Gefühle, die Elternschaft mit sich bringt, nicht antizipieren kann.

    Sprich: das ist immer ein Abenteuer mit so vielen unbekannten Faktoren, dass du niemals sichergehen kannst.


    Ich finde allerdings, egal wie es läuft - sobald ein Kind da ist, sind beide Elternteile voll verantwortlich und zwar egal wie sie sich ihr Leben vorher vorgestellt haben.


    Daher verstehe ich sehr gut wenn jemand mit dem Leben mit Kind zu kämpfen hat, aber nicht, wenn jemand einfach so tut als hätte er kein Kind (wie es mein Ex offensichtlich tut) oder sei nur der Bespaßungsonkel (der sein Kind zu Riesenaktivitaten abholt aber niemals Vokabeln abfragen würde)


    Beim Kind gibt es für mich keine halben Sachen - entweder man hat eines oder nicht. Das ist es, was man tatsächlich im Kopf behalten muss.

    Martin_20 schrieb:

    Ich fühle mich egoistisch, wenn ich denke oder sage: ich will auf nichts verzichten. Ich habe Angst, etwas zu verpassen.

    Man verpasst immer das, für das man sich nicht entschieden hat.
    Das gilt für Leben mit oder ohne Kind genauso wie Eis oder Pudding zum Nachtisch ;-). Selbst beides zu essen ist nicht das selbe wie eins von beiden oder keins von beiden und man hat sich immer gegen etwas entschieden, das man dann verpasst und für etwas, das man dann bekommt, ohne die Konsequenzen vorher vollumfänglich zu kennen/kennen zu können.

    (Mir ist bewusst dass ein Kind etwas völlig anderes als Nachtisch ist)


    So gesehen, verpasst du auch etwas, wenn du dich gegen Kinder entscheidest.
    Das ist von mir als rein logisches und theoretisches Argument gemeint. Die Konsequenzen sich rückblickend "falsch" für ein Kind entschieden zu haben sind ganz andere als sich "falsch" gegen ein Kind entschieden zu haben. Mit welchen man besser umgehen könnte, kann man abwägen aber auch das nicht 100% sicher vorher wissen.
    Etwas noch nie erlebtes erleben ist in seiner Auswirkung auf das eigene Leben nie sicher voerhersagbar. Die Möglichkeit, dass man es ganz anders empfindet als man dachte, ist immer gegeben.


    Bezogen auf den Kinderwunsch oder nicht-Kinderwunsch kann man da nur mit dem zweiten Elternteil und gegebenfalls anderen Beteiligten so offen wie möglich reden. Mögliche Lösungen für Zweifel und Bedenken diskutieren, schauen, ob man das Gefühl hat, es könnte klappen das gemeinsam zu wuppen jenseits von Wunschvorstellungen. Und dann entscheiden und darauf vertrauen, dass es irgendwie gut werden wird und man die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen hat. Manchen Menschen macht dieses Vorgehen den späteren Umgang mit einer nachträglich als "falsch" erkannten Entscheidung leichter.

    Für andere macht das durchdenken und diskutieren alles noch schwerer.


    Bezüglich der Freiheiten für eigene Aktivitäten, ist es wirklich eine yfrage, wie man da als Eltern zu steht und das für sich gestaltet.

    Ich kenne zwei Elternpaare die regelrecht verhandeln. "Du willst mit Freund*innen einen Abend/ein Wochenende verbringen? Ok, ich möchte nächsten Mittwoch zum Sport/alleine zu Hause sein/die Nacht nicht zuständig sein." Und klare Absprachen, wer wann erste zuständige Person ist, wenn die Kinder was wollen.

    Klappt meiner Beobachtung nach super. Ist aber Typsache und muss zum Paar passen. Dass du jetzt schon das Problem hast, deine Bedürfnisse und Aktivitäten rechtfertigen zu müssen, weil sie denen deiner Freundin entgegen stehen, könnte da schwierig werden.

    Larus schrieb:
    Martin_20 schrieb:

    Bezüglich der Freiheiten für eigene Aktivitäten, ist es wirklich eine yfrage, wie man da als Eltern zu steht und das für sich gestaltet.

    Ich kenne zwei Elternpaare die regelrecht verhandeln. "Du willst mit Freund*innen einen Abend/ein Wochenende verbringen? Ok, ich möchte nächsten Mittwoch zum Sport/alleine zu Hause sein/die Nacht nicht zuständig sein." Und klare Absprachen, wer wann erste zuständige Person ist, wenn die Kinder was wollen.

    Klappt meiner Beobachtung nach super. Ist aber Typsache und muss zum Paar passen. Dass du jetzt schon das Problem hast, deine Bedürfnisse und Aktivitäten rechtfertigen zu müssen, weil sie denen deiner Freundin entgegen stehen, könnte da schwierig werden.

    Und es kommen dann die Bedürfnisse eines oder mehrerer weiterer Personen dazu. Die sind nämlich sauschnell auch keine Babys mehr.


    Abgesehen davon habe ich auch schon öfter mitbekommen dass es zB nicht möglich war, zwei Geschwister von einer Person ins Bett bringen zu lassen. Zum Bettgehen mussten dann immer zwei dasein.


    Also nicht nur "wer bleibt zuhause" sondern auch "wen holen wir als Babysitter wenn einer von uns nicht da ist"


    Auch da wird gerne "geschrie(b) en" dass das ja wohl alleine gehen muss. Klappt aber eben nicht immer.


    Und ja, angesichts von Säugling mit Bauchweh und Zweijährigem mit Trotzgebrüll und eventuell Grundschüler mit Hausaufgabenstress würde ich einem (imaginären) Partner echt was erzählen wenn der mir sagte "ach übrigens, ich habe Urlaub und fahre mit den Jungs Segeln"

    Zitat

    Wenn ich so darüber nachdenke stelle ich fest, dass ich keine Angst vor den ersten beiden Jahren habe und auch keine Angst wenn sie mal 14+ sind. Aber alles dazwischen, besonders so 5 - 8 Jahre ... puh.

    Also willst du keine Kinder, weil 3 Jahre anstrengend werden könnten? ;-D


    Ich glaube auch mit deiner Einstellung wärst du ein ganz guter Vater. Wie viel Freizeit du mit Kind hättest, hängt alleine von den Absprachen mit deiner Frau ab. Zusammen mit Familie und Fremdbetreuung kann man sich schon früh viele Freiräume erhalten. Allerdings macht es einen grossen Unterschied, wie viele Kinder man hat. Bei mehr als 1 Kind werden die Herausforderungen schnell grösser.

    Paritu schrieb:

    Abgesehen davon habe ich auch schon öfter mitbekommen dass es zB nicht möglich war, zwei Geschwister von einer Person ins Bett bringen zu lassen. Zum Bettgehen mussten dann immer zwei dasein.

    naja ,da wird dann aber zu viel auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen, Eltern haben auch Bedürfnisse - da sollte man Kindern so ein Ansinnen nicht durchgehen lassen.

    Zitat

    ach übrigens, ich habe Urlaub und fahre mit den Jungs Segeln"

    Tja, das ist immer auch eine Einstellungsache. Man kann es als Problem sehen oder als Herausforderung.

    Wäre das andere Elternteil nicht da, weil krank oder weg, müsste es ja auch gehen. Das hilft mir erstaunlich oft bei der Lösungsfindung ohne Partner. Oft ist es einfach nur ein "ich will nicht" und nicht "ich kann nicht".

    wintersonne 01 schrieb:
    Paritu schrieb:

    Abgesehen davon habe ich auch schon öfter mitbekommen dass es zB nicht möglich war, zwei Geschwister von einer Person ins Bett bringen zu lassen. Zum Bettgehen mussten dann immer zwei dasein.

    naja ,da wird dann aber zu viel auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen, Eltern haben auch Bedürfnisse - da sollte man Kindern so ein Ansinnen nicht durchgehen lassen.

    Ich habe tatsächlich da einfach ein anderes Verständnis von...


    Vor allem wenn es dabei zB um einen 1 und einen 2 jährigen geht.


    Bei vier- und 6 jährigen sehe ichs natürlich wie du.

    gato schrieb:
    Zitat

    ach übrigens, ich habe Urlaub und fahre mit den Jungs Segeln"

    Tja, das ist immer auch eine Einstellungsache. Man kann es als Problem sehen oder als Herausforderung.

    Wäre das andere Elternteil nicht da, weil krank oder weg, müsste es ja auch gehen. Das hilft mir erstaunlich oft bei der Lösungsfindung ohne Partner. Oft ist es einfach nur ein "ich will nicht" und nicht "ich kann nicht".

    Ich bin ja alleinerziehend und der Vater meines Kindes lebt auf Sri Lanka, kann also auch nicht mal eben kommen ;-D


    Aber ja, ich bin schlichtweg sauer wenn jemand sich aus der Verantwortung so selbstverständlich verabschiedet.


    Krankheit usw steht ja auf einem für mich komplett anderen Blatt. Da ist es eben unumgänglich.

    gato schrieb:
    Zitat

    ach übrigens, ich habe Urlaub und fahre mit den Jungs Segeln"

    Tja, das ist immer auch eine Einstellungsache. Man kann es als Problem sehen oder als Herausforderung.

    Wäre das andere Elternteil nicht da, weil krank oder weg, müsste es ja auch gehen. Das hilft mir erstaunlich oft bei der Lösungsfindung ohne Partner. Oft ist es einfach nur ein "ich will nicht" und nicht "ich kann nicht".

    Puh, das finde ich ehrlich gesagt schon ziemlich anmaßend. Natürlich steht es auf einem anderen Blatt, ob der Partner beruflich verhindert/mit einem Freund zum Essen verabredet/krank ist - oder 1 Woche mit den Jungs zum Segeln auf Mallorca. Aber klar, das beurteilt natürlich jeder auch anders, je nach dem wie belastbar/aktuell belastet man ist und welche „Art“ von Kindern man hat.