• Kann man in einen Kinderwunsch bzw. eine Vaterrolle "hineinwachsen"?

    Meine Frau und ich haben vor ca. einem Jahr geheiratet. Wir sind beide 32 Jahre alt und seit 8 Jahren ein Paar. Für uns war von Anfang an klar, dass wir keine Kinder möchten. Zu Beginn war ich eher der Meinung "eher nein, aber mal schauen, wie ich darüber in einigen Jahren denke" und sie auf "nein, das will ich niemals!". Diese völlig ablehnende…
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    Da stimme ich zu. Nur dass schon ohne Kind die Vorstellungen auseinander zu klaffen scheinen, sie sagt ja wohl ständig dass er mehr bei ihr sein sollte usw.

    Ja, deshalb sollten die Beiden mal über Ihre Vorstellungen sprechen. Und schauen ob und wie es passen würde.

    Denn wenn einer der Beiden jetzt schon nicht ganz glücklich ist, wird es mit Kind nicht besser.

    Paritu schrieb:

    Langsam wird es abstrus. Ein Haustier überhaupt mit einem Kind zu vergleichen...

    Irgendwie ja schon, aber in gewisser Weise können sie einen auch (beziehungstechnisch) auf eine Probe stellen wie man in Stresssituationen oder Belastung miteinander umgeht. Ob jeder seinen Part bringt oder einer sich völlig rausnimmt. Ob man sich gleich anpöbelt oder gemeinsam die Zähne zusammenbeisst.


    Wir halten schon Ewigkeiten Kaninchen - und als ein Kaninchen nicht essen wollte/krank war, musste man es alle 2h mit Brei Zwangsfüttern - auch nachts. Alle 2h aufstehen, Brei anrühren, Füttern, ins Bett, 2h später nochmal. Vormittags ging mein Mann extra vom Büro heim füttern, Mittags ich, Nachmittags kamen wir wieder früher heim. Und als er dann heimkam und ich mit einem völlig breiverschmierten Schlabberpulli in der Küche stand, der Brei war sogar in meinen Haaren und ich glaub vom Hochnehmen hatte ich noch Hasenkot drauf ... ja da mussten wir schon schmunzeln, denn viel schlimmer könnts ja mit Baby auch nimmer werden ;-D Aber wir wussten einfach, dass wir im Ernstfall immer zueinanderstehen, zusammenhalten und versuchen uns gegenseitig zu unterstützen oder zu entlasten soweit es geht. Der Job erstmal zurückgestellt wird und man gemeinsam an dieser einen Aufgabe arbeitet. Mit keinem anderen Mann hätte ich mein Kind bekommen. x:)


    Und ich finde das ist das wesentliche zu einem Kinderwunsch. Kann man es GEMEINSAM schaffen? Oder zieht immer wieder einer sich aus der Affäre und geht ungehindert allen Hobbys nach während der andere daheim (z.b. stillend) angebunden ist. Ja, es gibt Paare da läuft das auch ... aber glücklich sind die nicht. Eher schwelen die Vorwürfe vor sich hin. Und ich frage mich, wieso man sich diesen Partner dann überhaupt für den Kinderwunsch genommen hat - denn der war dann meist vorher schon wenig unterstützend und sehr Ich-bezogen.


    Drum prüfe wer sich ewig binde - ganz besonders mit nem Kinde :-p

    Man kann sich bei DarkerShark überlegen, ob man nun lieber der Hund oder das Kind wäre.

    Der Vergleich hat mit Sicherheit ein Gschmäckle, die Argumente sind nicht wirklich falsch, auch wenn nicht jeder den Vergleich passend findet.

    Aber man kann den Spieß ja auch umdrehen und fragen, warum legt sich jemand überhaupt einen Hund zu und warum dann nicht gleich ein Kind?

    Vielleicht wird man bei Beantwortung dieser Frage sehr viel schlauer.

    Früher hatten Hunde eine Funktion als Hütehund etc. In manchen Großstadtwohnungen sind sie mehr als fehl am Platz, aber es gibt sie doch. Welche Funktion erfüllen Hunde in einer Stadtwohnung? Darin liegt des Pudels Kern.

    Macht doch nicht so ein großes Fass auf wegen dem Hundevergleich! Es geht doch einfach generell um das Thema „Verantwortung übernehmen/für ein Lebewesen verantwortlich sein und es betreuen/erziehen etc“. Das regt mich in dem Forum immer auf, dass sofort ein enormes Thema aus allem gemacht wird, natürlich ist ein Hund kein Kind. Aber es geht hier ja eher um das übergeordnete Thema, bei manchen schwillt nur mal wieder direkt der Hals und dann wird losgelegt...

    DarkerShark schrieb:

    Und ein Kind ist in manchen Punkten pflegeleichter:

    1) es gibt Kindergeld vom Staat und die GKV - aber kein Hundegeld oder eine Hunde-GKV

    Krankenversicherungen für Tiere gibt es auch, und ein Kind ist so unvergleichlich viel teurer als ein Hund, dass ich über das Argument gerade wirklich sehr lachen musste. ;-D

    DarkerShark schrieb:

    Katzen sind IMHO nochmal eine andere Nummer als Hunde.

    Aber eine Katze und ein Hund sind immer noch besser vergleichbar als ein Hund und ein Kind. Sag ich mal so als jemand, der eigene Erfahrungen mit allen drei, äh, Spezies hat. ;-D

    DarkerShark schrieb:

    Vielleicht waren meine Worte etwas unsensibel. Aber ich kann mir vorstellen, dass der Sinneswandel der Frau (irgendwo her muss der ja kommen) auch davon beeinflusst wurde, wie die (offenbar insgesamt positiven) Erfahrungen mit dem Hund waren.

    Das hingegen kann ich mir auch gut vorstellen. Wenn man gemeinsam für ein Lebewesen sorgt und es liebt und das toll läuft, ist es auf jeden Fall nichts, was einem die Idee eines gemeinsamen Kindes so direkt weniger plausibel erscheinen lässt.

    Wir müssen jetzt doch bitte nicht wirklich über den Sinn eines Hundes in einer Stadtwohnung diskutieren? Das ist doch gar nicht Thema.

    Gerade weil, Kind und Hund kein Vergleich ist, passt es wunderbar.

    Wer schon mit dem Aufwand für einen Hund überfordert ist und sogar den Gedanken im Hinterkopf hat, dass man den ja wieder abgeben kann, der sollte vielleicht kein Kind bekommen. Ein Lebewesen wieder abgeben zu wollen, weil es doch nicht passt, finde ich total daneben. Ja, auch die Erziehung und Pflege eines Tieres kann sich als aufwändig erweisen. Wobei man zugegebenermaßen auch mehr Geschiss machen kann als nötig.

    Ich gehe insofern mit, dass man sich ohne Kind nicht realistisch vorstellen kann, wie viel Arbeit das ist. Das ist aber mit Theorie und Praxis immer so. Es finden sich aber auch Paare, bei denen Einer ein Kind hat und der Andere nicht. Trotzdem funktioniert es. Oder bei Adoptiveltern. Eine realistische Vorstellung ist auch nicht notwendig. Ist das Kind nämlich mal da, muss man es nehmen, wie es ist. Ob die vorherige Vorstellung da realistisch war, ist dann egal. Und was für den einen mit Kind real ist, muss für den anderen auch noch nicht zutreffen. Und es geht hier nicht um spezielle Fragen das Kind betreffend. Da können sicher nur Eltern mitreden. Es geht um Kind oder kein Kind.

    Das Hundethema schneide ich lieber jetzt mal gar nicht an. Klingt für mich eher, als wäre das einen eigenen Diskussionsfaden wert.


    Texas79 : Sicherlich haben wir nicht in allen Belangen immer dieselben Vorstellungen, aber wären wir uns nicht absolut sicher, dass wir zusammen bleiben wollen, hätten wir uns nicht vor einem Jahr das Jawort gegeben. Vielleicht bin ich da naiv, aber ich denke, dass jedes Paar eine Achillesverse hat. Sei es, dass einer von beiden zu viel trinkt, oder einer sich zu wenig am Haushalt beteiligt oder dass einer lieber daheim bleibt und der andere Party macht, oder dass einer sehr leicht durch die Decke geht oder oder oder. Bei uns ist es eben das Thema, wie viel Zeit wir jeweils für uns alleine brauchen. Wegen sowas eine ganze Ehe in Frage zu stellen käme mir nicht in den Sinn. Meine Frage ist deshalb auch nicht, ob unsere Ehe eine Zukunft hat, sondern ob es vielleicht Leute gibt, die ähnliche Vorstellungen vom Leben haben und mir berichten können, ob sie sich für ihr Kind dahingehend geändert haben oder nicht.


    Bei welchem Thema ich übrigens absolut keine Bedenken habe sind: ungewollte Schwangerschaft oder Kind mit erhöhtem Betreuungsbedarf (z.B. Behinderung). Da kenne ich mich einfach zu gut und weiß, dass all mein Fokus auf Dinge gerichtet sind, die außerplanmäßig sind. Würde sie ungeplant schwanger werden, weiß ich zu 100 %, dass all meine Bedenken und Wenns und Abers auf Eis gelegt sind und meine ganze Konzentration auf der Bewältigung der Aufgabe liegen. Gleiches gilt für den Fall eines schwierigen Kindes. Da steht es dann auch außer Frage, dass ich andere Bereiche in meinem Leben einschränke.


    Um das auf mein derzeitiges Leben zu übertragen: wenn sie mich fragt, ob ich das Turnier, bei dem ich als Turnierleiter zugesagt habe, nicht einfach an jemand anderen abgeben könnte, dann ist die Antwort klar "nein", denn ich habe mein OK gegeben und möchte im Verband nicht als unzuverlässig gelten. Wenn sie aber krank wird und ich mich deshalb um sie und/oder den Hund kümmern muss, dann sage ich ohne zu zögern ab.


    Ein interessanter Punkt, der von einigen genannt wurde, ist: das Kind in den eigenen Lebensstil integrieren. Die Vorstellung, dass mich ein Kind in meinen Hobbys begleitet, die gefällt mir schon gut (Ballspielen, wandern, radfahren, Dinge erklären). Aber das ist ja vermutlich auch nur die Spitze des Eisberges. Nach allem, was ich bei Freunden so mitbekomme, ist Erziehung im Alter von 3 - 8 zu 10 % Spaß haben und zu 90 % "leg das weg, sei jetzt mal still, nein du kriegst jetzt keine Schokolade". Wie unterschiedlich das ist, sehe ich hingegen bei meiner Schwägerin: sie hat zwei Kinder. Das ältere muss permanent, also wirklich rund um die Uhr begleitet werden. Das schafft es keine Sekunde einfach mal mit einem Spielzeug alleine zu spielen. Wenn wir zu Besuch sind müssen alle mit ihm spielen und wenn er einmal kurz nicht im Mittelpunkt steht, macht er einen riesen Terz. Das macht mich als Gast schon wahnsinnig und als Eltern würde ich ausflippen. Sein jüngerer Bruder ist das genaue Gegenteil. Der ist immer irgendwo beschäftigt, malt etwas, spielt mit einem Ball und freut sich über viele Kleinigkeiten. Beide wurden identisch erzogen, soweit ich das beurteilen kann. Man weiß halt nie genau, was man kriegt.

    Shojo schrieb:

    Rainandsun, so richtig viel verstehst Du von Hunden aber auch nicht, hm?

    Mehr als sharker von Kindern.

    Und genau so ein rund um die Uhr Kind habe ich bekommen. Obwohl ich selbst extrem pflegeleicht als Kind war. Still in der Ecke, malend. Ich hätte nicht gedacht ein Kind zu bekommen das komplett anders ist.

    Zitat

    Macht doch nicht so ein großes Fass auf wegen dem Hundevergleich! Es geht doch einfach generell um das Thema „Verantwortung übernehmen/für ein Lebewesen verantwortlich sein und es betreuen/erziehen etc“.

    Sehe ich auch so.


    Zitat

    Bei welchem Thema ich übrigens absolut keine Bedenken habe sind: ungewollte Schwangerschaft oder Kind mit erhöhtem Betreuungsbedarf (z.B. Behinderung). Da kenne ich mich einfach zu gut und weiß, dass all mein Fokus auf Dinge gerichtet sind, die außerplanmäßig sind. Würde sie ungeplant schwanger werden, weiß ich zu 100 %, dass all meine Bedenken und Wenns und Abers auf Eis gelegt sind und meine ganze Konzentration auf der Bewältigung der Aufgabe liegen. Gleiches gilt für den Fall eines schwierigen Kindes. Da steht es dann auch außer Frage, dass ich andere Bereiche in meinem Leben einschränke.

    Das ist mehr als viele werdende Väter (oder generell: Menschen) von sich sagen können.


    Du scheinst sehr verantwortungsvoll und reflektiert zu sein insofern sehe ich kaum Zweifel an deiner grundsätzlichen Eignung als Vater. Du sagst ja selbst: WENN ihr Eltern werden würdet, bist du die ziemlich sicher, dass du die Sache gut machen würdest.


    Das ist also eine andere Qualität von „kein Kinderwunsch“ als bei jemandem, der beim Gedanken an eine ungeplante Schwangerschaft gleich die Flucht ins Ausland mitdenkt.


    Natürlich muss man kein Kind bekommen, nur weil man mutmaßlich einen ganz passablen Job in Sachen Elternschaft machen würde, aber echte Indikatoren für „nein tu es nicht!“ habe ich hier nicht gelesen. Eher im Gegenteil, es liest sich so als würdest du sein guter Vater werden und die Bedenken klingen alle recht bewältigbar. Insofern spricht mMn fast mehr dafür als dagegen.


    Ohne drängenden Kinderwunsch ist es einfach viel schwerer, „ja“ zu sagen zu all den Herausforderungen die Elternschaft mit sich bringt. Und in Summe sind es oft die Falschen, die zweifeln...



    Martin_20 schrieb:

    Nach allem, was ich bei Freunden so mitbekomme, ist Erziehung im Alter von 3 - 8 zu 10 % Spaß haben und zu 90 % "leg das weg, sei jetzt mal still, nein du kriegst jetzt keine Schokolade".

    Pfft. Nee. Keineswegs zwingend. Also - wirklich entspanntes Kind bei uns, klar, aber da kommt dann schon doch ne Menge auf einen selbst an. Ich will nicht kleinreden, dass manche Kinder viel, viel mehr Chaos veranstalten als andere, aber grundsätzlich denke ich, man muss schauen, was für ein Mensch das eigene Kind ist und wie es bekommt, was es braucht (das ist nicht immer identisch mit dem, was es will, so wie bei großen Leuten auch). Seit das Kind gut schläft, finde ichs wirklich vergnüglich bis großartig mit ihm, schon seit Jahren, und er ist jetzt neun. Allerdings "erziehen" wir wenig, wir leben überwiegend einfach mit ihm zusammen.

    Martin_20 schrieb:

    Wie unterschiedlich das ist, sehe ich hingegen bei meiner Schwägerin: sie hat zwei Kinder. Das ältere muss permanent, also wirklich rund um die Uhr begleitet werden. Das schafft es keine Sekunde einfach mal mit einem Spielzeug alleine zu spielen. Wenn wir zu Besuch sind müssen alle mit ihm spielen und wenn er einmal kurz nicht im Mittelpunkt steht, macht er einen riesen Terz. Das macht mich als Gast schon wahnsinnig und als Eltern würde ich ausflippen. Sein jüngerer Bruder ist das genaue Gegenteil. Der ist immer irgendwo beschäftigt, malt etwas, spielt mit einem Ball und freut sich über viele Kleinigkeiten. Beide wurden identisch erzogen, soweit ich das beurteilen kann.

    Zwei Kinder können niemals identisch erzogen werden, denn das Geschwisterkind spielt immer massiv in die Dynamik rein. Zudem sind Kinder sehr unterschiedlich, und dasselbe Verhalten der Eltern kommt bei den Kindern auch unterschiedlich an. Wenn der Ältere Deiner Schwägerin so unausgeglichen ist, dann wäre es toll, wenn die Eltern mal genau hinsehen würden, woran es liegt, was er braucht und nicht bekommt (und was er gegebenenfalls nicht braucht und zu viel bekommt). Das klingt, als bräuchte er Unterstützung.

    RainandSun schrieb:

    Mehr als sharker von Kindern.

    Touché! ;-D

    Martin_20 schrieb:

    Meine Frau und ich haben vor ca. einem Jahr geheiratet. Wir sind beide 32 Jahre alt und seit 8 Jahren ein Paar. Für uns war von Anfang an klar, dass wir keine Kinder möchten.

    Zwischenfrage: Wieso habt ihr dann überhaupt geheiratet?

    Und wer hat wann den Hund in die Beziehung gebracht? Was gab es da für Gespräche vorab und/oder welche Absprachen?

    Und warum Menschen sich heutzutage überhaupt Kinder und/oder Tiere anschaffen hat auch noch niemand beantwortet. Vielleicht ist das ja gar keine so freie Entscheidung wie die Diskussion glauben lässt. Eventuell reden Gene und Hormone doch ein größeres Wörtchen mit als man wahrnimmt.