Kind: soll ich oder soll ich nicht? Gedankenaustausch.

    Hallo zusammen,


    ich brauche einfach mal Gedankenaustausch mit unbeteiligten Personen. Im Freundes- und Familienkreis komme ich da nicht weiter. Ich selbst bin die Entscheidungsunfreudigkeit in Person. Das war immer schon so und hat sich in den letzten Jahren auch nicht gebessert, im Gegenteil. Zudem muss die Lösung, für die ich mich dann entscheide so nah wie möglich an das „non-plus-ultra“ herankommen. Das macht es einfach NOCH schwieriger und ich bin immer am Abwägen.

    So und nun geht’s auch noch um das Thema „Kind ja oder nein“. %:|


    Wir sind 6 Jahre zusammen. Ich bin 36 und somit ein gutes Stückerl älter als mein Freund. Er ist Einzelkind und hatte schon immer einen starken Kinderwunsch. Bei mir ist es genau andersrum – Geschwisterpaar und von jeher kein vorhandener Kinderwunsch. Allerdings komme ich in den letzten Jahren schon ins Grübeln, konkret seit etwa 2 Jahren. Nicht, dass ich jetzt plötzlich den Wunsch nach einem eigenen Kind verspüre sondern eher die Angst, es später zu bereuen, kein Kind bekommen zu haben. Für meine Begriffe bin ich in den „Pro-Phasen“ schon echt weit und „fühle“ manchmal, dass es sicherlich schön sein kann, ein eigenes Kind zu haben aber schon am nächsten Tag kann das wieder ganz anders aussehen. Ende letzten Jahres war ich wieder soweit, dass es sich sogar gleich mehrere Wochen passabel anfühlte, also der Gedanken. Aber als mein Freund dann an Silvester meinte „Wenn wir in 3 Jahren das nächste Mal hier sind, sind wir schon zu dritt“ hab‘ ich hab‘ schlagartig wieder innerlich zu gemacht und dachte nur „nein, nein, nein“. Dieses hin und her, dieses JA und NEIN wechselt teilweise täglich, manchmal wöchentlich, manchmal fühle ich gar nichts und dann schießen mir in den unpassendesten Situationen (zB Situationen die mit Verbundenheit und Nähe zu tun haben) Tränen in die Augen und ganz ehrlich – das ist total zermürbend!! %-|


    Das Problem ist, dass wir uns wirklich sehr lieben und überzeugt sind, zusammen zu gehören. Er hält mich durch unsere Liebe fernab meiner Familie freiwillig an einer Ecke Deutschlands, in der ich nie wohnen wollte und ich würde lieber gestern als morgen wieder zurück nach Hause aber das hieße, ihn zu verlassen und dann wäre ich zwar wieder daheim aber trotzdem nicht glücklich und so versuche ich (wir), das Beste draus zu machen.! Dennoch – bei ihm bleiben heißt in der Konsequenz: heiraten und ein Kind bekommen. Wenn wir nun ein Kind bekämen, wäre ich aber die nächsten 20 Jahre an diesen Ort gebunden, was es mir noch schwieriger macht. Ehen kann man notfalls scheiden lassen aber mit einem Kind geht man ein völlig anderes Risiko ein und ich möchte einfach nicht, dass Kind oder Freund (dann Exmann, würde man den Gedanken weiterspinnen) dann leiden oder den Schaden haben. Und wenn doch Trennung, was dann? Was, wenn ich dann plötzlich es bereue und doch ein Kind möchte? Puuuh! (Solche Gedanken hätte ich früher übrigens nie gehabt.). Irgendwie habe ich glaub auch ein Bindungsproblem.


    Warum ich eigentlich kein Kind möchte hat völlig egoistische Gründe: ich würde mich an einen Ort binden, den ich sonst fluchtartig verlassen KÖNNTE. Außerdem empfinde ich es als Einschränkung meiner selbst. Ich bin eh schon soo fremdbestimmt und hab so wenig Zeit für mich selbst, dass ich fürchte, das Kind wird auch noch das letzte Stück „Ich“ beanspruchen. Und dann? Oder was ist mit meinem unstillbaren Fernweh, das Reisen (Fernreisen) oder Wochenend-Trips, ungeplant in der Kneipe versacken, Spontanität,….. Sicherlich gibt’s hier viele, die das als oberflächlich abstempeln oder unwichtig – je nach persönlichem Gusto – aber mir sind diese Themen, der Spaß und die Freiheit wichtig und ich frage mich, wie das danach noch gehen soll. Oder ausschlafen – ich bin jetzt schon oft erschöpft und groggy und überfordert, wenn wieder jemand irgendwas von mir möchte und würde zudem auch meinen (neuen) megacoolen Job nicht aufgeben wollen. Arrgh! Auf der anderen Seite kommt dann aber immer wieder dieses ziehende, leise Geräusch oder eher Gefühl, wie oben beschrieben, ob man es nicht doch wagen sollte und da kann ich dann auch wieder nicht weghören. 8-(


    Könnt ihr mir mal eure Gedanken dazu sagen?? Oder mir Tipps geben, wie man lernt, sich einfacher zu entscheiden oder so?

  • 108 Antworten

    So wie sich das liest, willst du kein Kind. Du nennst nicht einen guten Grund, warum du eins haben solltest, aber viele, warum du keins möchtest. Das ist völlig legitim und mir scheint, du würdest nur wegen deinem Freund ja zu einem Kind sagen. Wenn du ein Kind aus den falschen Gründen bekommst, wirst du das noch viel mehr bereuen. Es gibt nicht umsonst viele Mütter, die es bereuen, ein Kind bekommen zu haben, auch wenn das immer noch ein Tabuthema ist.


    Sag ihm die Wahrheit und dass du zweifelst. Immerhin betrifft das Thema auch ihn. Ein Gespräch wird euch beide weiter bringen.

    Ja, ein Kind würde das letzte bisschen "Ich" beanspruchen. Nicht für immer, aber doch für mehrere Jahre. Ich glaube, wenn man sich das nicht gut vorstellen kann, sollte man es lieber lassen. Es ist schlimmer, als man vorher denkt, nicht weniger schlimm.

    mit 36 hörst du natürlich deine biologische uhr ticken und du spürst jetzt auch einen gewissen druck diese entscheidung treffen zu müssen..

    deine argumente gegen ein kind sind für mich eigentlich mehr ausreden..

    reisen kann man mit einem kind..arbeiten auch..

    und natürlich hat man mit einem kind eine weile auch weniger schlaf..aber das ist ja auch zeitlich begrenzt..wird ja auch schnell wieder besser..


    aber ein kind gibt einem auch wahnsinnig viel..

    es ist natürlich lebensverändernd ein kind zu bekommen..und es gibt keinen richtigen zeitpunkt dafür..

    die entscheidung dafür oder dagegen ist nicht einfach und sollte es auch nicht sein..hör in dich hinein ..versuch nicht nur sachlich zu denken..hör auf dein herz..und überlege ob du dir ein leben mit kind vorstellen kannst

    Hattest du nicht vor einer Weile schon einen Faden zu dem Thema? Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht geändert haben, werden die Antworten wahrscheinlich nicht viel anders ausfallen, als beim letzten mal..

    @Graograman


    Zum Thema "Kinderwunsch" hatte ich ganz sicher noch nie einen Faden. Nach dem Abschicken heute dachte ich mir sogar noch "Soweit ist es jetzt also doch schon, Du hast einen Faden unter der Kategorie Kinderwunsch aufgemacht" ;-)


    steeli & Greta

    Ich habe eher Angst, die Entscheidung gegen ein Kind zu bereuen. Leider bin ich erst seit ein paar Jahren in dieser Gefühlslage und nun sind wirklich keine 10 Jahre mehr Zeit für eine Entscheidung. Doof :-(


    gato

    Ich bin mir zu 100% sicher, dass ich - sollte es zu einem Kind kommen - es abgöttisch lieben und mich ohne Wenn und Aber kümmern würde da ich ein sehr verantwortungsvoller Mensch bin, wenn es ums Kümmern um andere geht. (Da vergesse ich mich dann nur regelmäßig selbst dabei.). Aber dennoch wäre diese SItuation sehr blöd, ja. Ich möchte meinem in diesem Szenario "Dann-Ex" ja nicht das Kind wegnehmen. Er weiß um meine Zweifel aber er verdrängt das noch mehr, als ich. Weil keiner sich an das Thema einer möglichen Trennung rantraut.


    Greta

    Zitat

    Es ist schlimmer, als man vorher denkt, nicht weniger schlimm.

    :-o:-/


    Spüli

    Nein, das kommt definitiv nicht in Frage (leider).

    gato schrieb:

    Er hat den größeren Kinderwunsch und sie ist dann alleinerziehend mit dem Kind, dass sie nicht wirklich wollte? Klar können sich ihre Gefühle ändern, aber das klingt wie ein schlechter Kompromiss.

    Wieso muss sie dann Alleinerziehende sein? Kinder können auch beim Vater bleiben...

    Alias 952239 schrieb:

    dass ich - sollte es zu einem Kind kommen - es abgöttisch lieben und mich ohne Wenn und Aber kümmern würde

    Nein, das kannst du nicht wissen. Diese Herzchen-Augen, die man angeblich bekommt, sobald das Kind in den Armen der Mutter liegt ist ein Mythos. Natürlich gibt es das, aber eine Garantie hat man nicht und wie das Muttersein dich verändert, kannst du vorher einfach nicht wissen.


    Elternsein ist ein Abenteuer, man weiß nicht, was kommt und wie es einen selbst, den Vater oder die Beziehung verändert. Darauf muss man einfach Lust haben, auch auf die negativen Seiten und optimistisch sein. Du wirst viel zurückstecken müssen und es wird auch mit einfachem Kind immer wieder anstrengend. Du solltest dir genau überlegen, ob Ängste (es zu bereuen keins zu bekommen oder deinen Freund zu verlieren) deine einzige Motivation für ein Kind sind oder ob es auch positive Aspekte gibt.

    Zitat

    Dennoch – bei ihm bleiben heißt in der Konsequenz: heiraten und ein Kind bekommen.

    Warum ist das so?

    Ich finde auch, dass du überhaupt nicht klingst, als würdest du ein Kind wollen. "Es könnte sicherlich schön sein mit Kind" ist alles, was du "pro Kind" sagst. "Contra Kind" bringst du aber handfeste Argumente, und zwar nicht wenige.

    Es ist total legitim und kein bisschen oberflächlich, kein Kind zu wollen, lieber seine Freiheit und Unabhängigkeit zu behalten, ausschlafen und Fernreisen machen zu wollen und keinen Bock zu haben, dass ständig einer was will und man immer, permanent, 24/7 für irgendwas zuständig ist. Das ist im übrigen genau der Punkt, den ich am Muttersein so richtig, richtig sch**** finde, dieses permanente Eingespanntsein, Notwendigsein, Gebrauchtwerden, Sichkümmernmüssen und dass einem noch Schuldgegühle eingeredet werden, wenn ich darauf temporär keine Lust habe. Hätte ich das vorher gewusst, wie anstrengend das manchmal ist, hätte ich's mir mindestens nochmal gründlich überlegt. Ich bin froh, meine Tochter zu haben, aber noch froher bin ich, dass sie groß wird und mich langsam weniger braucht.

    Also, gerade wenn Fremdbestimmtsein für dich problematisch ist - und das darf es sein - solltest du es vielleicht lieber lassen.

    Ich kenne niemanden der sagt "Jaaa kein Schlaf! Weniger Zweisamkeit! Weniger Zeit für Hobbys! Mehr Verantwortung! Juhuuu!"

    ;-D Man macht es trotzdem, nicht wegen der Folgen. Mein Grund war dass ich mal Kinder haben will. Keine Babys, eher noch Kleinkinder, aber auch mal Teenager und Erwachsene die mich vielleicht auch mal zur Oma machen. Kurzum ich will mal Familie haben wenn ich älter bin. Und da gehört es halt dazu ein Baby grosszuziehen, was ich jetzt gestartet habe.

    Du hast ja noch gut 3-4 Jahre Zeit. Leb doch das nächste Jahr mal voll aus, mach was du immer wolltest und dann überleg nochmal.

    Alias 952239 schrieb:

    Nicht, dass ich jetzt plötzlich denWunsch nach einem eigenen Kind verspüre sondern eher die Angst, es später zubereuen, kein Kind bekommen zu haben

    ich kenne mehrere Frauen die sich gegen ein KInd entschieden habe und ausnahmlsos alle haben es bereut als es zu spät war.

    Ich würde an deiner Stelle mal auf die Natur vertrauen - denn die NAtur hat es so eingerichtet, dass man sein KInd libet über alles. Da gibt es bei den meisten Frauen son kleinen Schalter in der Brust, der sich dann umlegt und dann spürt maan nur noch Liebe ;-)So ganz verkopft kann man so eine Entschediung einfach nicht fällen , denn da lässt einiges außer Betracht, was man eben nicht nur denken kann.

    wintersonne 01 schrieb:

    ich kenne mehrere Frauen die sich gegen ein KInd entschieden habe und ausnahmlsos alle haben es bereut als es zu spät war.

    Ich hingegen kenne einige Frauen und Paare, die sich bewusst gegen eigene Kinder entschieden haben und die mit ihrer Entscheidung absolut im Reinen sind.


    wintersonne 01 schrieb:

    Ich würde an deiner Stelle mal auf die Natur vertrauen - denn die NAtur hat es so eingerichtet, dass man sein KInd libet über alles.

    Sicher, das stimmt in vielen, aber längst nicht in allen Fällen. Selbst einige Frauen, die eigentlich Kinder wollten, bereuen ihre Entscheidung hinterher. Unter "Regretting Motherhood" findet man einiges dazu. Und selbst bei Frauen wie meiner Schwiegermama, die Kinder und Babys über alles wunderbar findet und richtig in Verzückung gerät, ist es so, dass sie sagt, dass sie sich an ihre eigenen Kinder erst mal gewöhnen musste ;-DDiesen Schalter hat es also nicht mal bei ihr als extremem Familienmensch einfach so umgelegt.

    Natürlich gibt es auch Eltern, deren Kinder zB ungeplant passiert sind und die ihre Kinder dennoch lieben. Meine Vermutung ist aber, dass man eine bessere Ausgangsposition hat, wenn man die Kinder oder das Kind wirklich haben wollte.

    Nala85 schrieb:

    Man macht es trotzdem, nicht wegen der Folgen. Mein Grund war dass ich mal Kinder haben will.

    Das denke ich auch, dass es nicht unwichtig ist Kinder und eine Familie so ganz grundsätzlich haben zu wollen. Dann nimmt man die negativen Aspekte, die es zweifelsohne gibt, wahrscheinlich einfacher als zum Gesamtpaket gehörend an.

    Weil was als wie schlimm empfunden wird ist ja nichts objektives, sondern individuell ganz verschieden.

    Zitat

    So wie sich das liest, willst du kein Kind.


    Sehe ich nicht so. Man darf nicht den Fehler machen, nur diejenigen Frauen mit absolutem/drängendem/dingendem Kinderwunsch als Maßstab zu nehmen! Dafür ist eben einfach nicht jeder der Typ.


    Wenn man sich auch ein Leben ohne Kind vorstellen kann, dann ist die Entscheidung Pro-Kind einfach eine ganz andere. Eine mit viel mehr Zweifeln und Abwägungen.



    Ich finde, dass sie es sich das vorstellen kann, heißt dass es eine Option (geworden) ist. Und wenn man sich als abwägender Mensch bewusst für eine Option entscheidet, dann sehe ich kein besonders großes Risiko es zu bereuen. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dieses Risiko bei Frauen mit völlig verklärtem Kinderwunsch höher ist.


    Was ich dagegen nicht verstehe ist, warum ein Umzug unmöglich sein sollte. Ist der Partner so heimatverbunden, dass er sich ernsthaft lieber trennen als umziehen würde?!